Montag, 13. Januar 2014

Ein Gastbeitrag von Christian Tobler: Festivals – Marathons – Encuentros

Christian Tobler, Tanguero und TJ vom Verein Argentango aus Zürich hat mir diesen Gastbeitrag geschickt. Das Thema ist m.E. sehr aktuell und bedarf seit geraumer Zeit einer fundierten Analyse mit anschließender Diskussion. Christian und ich freuen uns auf Ergänzungen, andere Ansichten und weiterführende Ideen in Kommentaren.




In den vergangenen drei Jahren habe ich mit meiner Partnerin ein gutes Dutzend mehrtägige Encuentros in ganz Europa besucht, die es Tango-Argentino-Tänzern erlauben, zusammen mit Gleichgesinnten während mehrerer Tage ausgesprochen intensiv zu Tanzen. Da kommen zwischen Freitag Abend und Sonntag Nachmittag schon mal über 20 Stunden Tanzen zusammen – also definitiv eine geballte Ladung und damit nur etwas für waschechte Aficionados. Ich denke die Zeit ist reif, um diese inzwischen vielfältige Szene und ihre Mechanismen etwas genauer zu beleuchten und einige Dinge beim Namen zu nennen.


An diesen Events haben wir bislang so ziemlich alles erlebt: von beinahe himmlisch bis ziemlich unterirdisch. Daher soll es hier nicht darum gehen, diese Events über den grünen Klee zu loben. Solche Stellungnahmen gibt es schon mehr als genug im Netz, da immer noch Nachfrageüberhang herrscht. Und das sind ja auch tolle Wochenenden. Zu viele Teilnehmer sagen öffentlich allerdings nicht was sie denken – in der Hoffnung damit ihre Chancen auf eine erneute Einladung zu steigern. Ich halte diesen vor allem auf Facebook viralen Trend für fatal. Denn im persönlichen Gespräch mit Teilnehmern klingt es oft anders als auf social-media-Plattformen. Eine konstruktive Auseinandersetzung kann aber nur stattfinden, wenn offen und ehrlich kommuniziert wird.
     Ich wünsche mir zu diesem Thema eine Diskussion, weil ich auf bessere Encuentros hoffe. Darum schreibe ich diesen Gastbeitrag. Das kann aber nur Wirklichkeit werden, wenn die Diskussion trotz Kritik wohlwollend und konstruktiv bleibt. Falls sich die Fairness hier verabschiedet, klinken sich Veranstalter ganz schnell aus, weil sich dann sagen: Was soll diese Watscherei – noch fülle ich meine Klitsche auch ohne Beschäftigung mit Kritik. Ich nehme im Gespräch mit anderen Tänzern allerdings Zeichen wahr, die ein Ende des Nachfrageüberhangs zumindest bei manchen Veranstaltungen bereits vermuten lassen.

Hier geht es also sicher nicht darum Veranstalter niederzumachen. Wer im Tango Argentino niemals selbst mehrtägige Veranstaltungen auf die Beine gestellt hat, hat meist keine Ahnung davon, was das für ein Spagat zwischen Anspruch und Ressourcen, Qualität und Quantität, Wunsch und Wirklichkeit ist. Auch Veranstalter die lediglich Mittelmäßiges auf die Beine stellen, verdienen ein angemessenes Maß an Respekt. Auch sie haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten und ihres Horizonts meist viel Herzblut investiert. Wer diese Anstrengungen nicht zu respektieren vermag, soll selbst Besseres auf die Beine stellen.
     Andererseits bin ich schon der Ansicht, dass an solchen Veranstaltungen oft das eine oder andere und häufig dieselben zentralen und teils elementaren Dinge im Argen liegen. Sonst würde ich diesen Gastbeitrag nicht schreiben. Da die Anzahl der Encuentros seit Jahren zunimmt, wird der Kuchen wie gesagt vermutlich schon bald nicht mehr groß genug für alle Anbieter sein und spätestens dann könnte Qualität nicht erfolgsentscheidend, aber erfolgsmitenscheidend werden.

Dreierlei

Wie so oft im Tango Argentino entstehen viele Missverständnisse auf Grund unklarer Inhaltsdeklaration. Ich werde daher zuerst versuchen diese drei Sparten an Events so voneinander abzugrenzen, wie ich das sehe. Dabei erlaube ich mir, ein klein wenig überspitzt zu formulieren um Abgrenzungen zu vereinfachen, welche in Wirklichkeit nahtlos ineinander überlaufen. Denn manche dieser Wochenenden sind Mischformen, welche sich kaum anhand von Äußerlichkeiten analysieren lassen. Da muss man sehr genau hinschauen oder einmal teilgenommen haben, um zu entdecken was Sache ist.

Ein Tango-Argentino-Festival ist meist breit abgestützt, eine mitunter bunte Mischung aus Milonga und Unterricht, Vortrag und Film, Konzert und Ball, Show und Theaterstück. Das unterhaltende Element von Festivals, Aktivitäten die man passiv konsumieren kann, erleichtert Neulingen den Einstieg in die Welt dieser Großveranstaltung, weil der Aspekt passiven Konsumierens längst selbstverständlicher Teil unseres Alltags ist.
     In so einem großen Event war ich einmal im Kernteam aktiv. Ich weiß also, was Macher dafür an Zeit, Geld und Engagement hinein stecken müssen. Damit so ein Angebot attraktiv gestaltet werden kann, braucht es eine ganze Menge Teilnehmer. Sonst lassen sich die Kosten für gute Inhalte kaum decken. Sämtliche Kosten bewegen sich schnell im Bereich von 50‘000 Euro oder mehr – und manchmal einem Vielfachen davon. Die Kosten beinhalten für den Veranstalter also auch ein nicht zu unterschätzendes finanzielles Risiko. Unter anderem auch, weil es immer mehr solche Veranstaltungen in Europa gibt, die Schar reisewilliger, gutbetuchter Tänzer dagegen nicht im selben Maß zunimmt. Bei Festivals findet daher schon seit Jahren ein Verdrängungswettbewerb statt.
     Festivals leben ein gutes Stück von der Vielfalt ihres Angebots, um alle Geschmäcker zufrieden zu stellen und damit jederman, jedefrau anzulocken. Manchmal schmecken sie auch nach Gigantismus. Wohin so was führen kann, hat sich vergangenes Jahr in Berlin gezeigt: Event in letzter Minute abgesagt wegen Bankrott, Betrugsvorwürfe im Raum.
     Festivals sind ganz offensichtlich ein Massending. Tänzer die sich weiter entwickeln entdecken daher nach einigen Jahren häufig, dass die Inhalte solcher Festivals für sie irgendwann zu beliebig geworden sind. Ihnen liegt Klasse mehr am Herzen als Masse. Also suchen sie nach Alternativen und je nach Ausprägung finden sie die eher in Marathons oder Encuentros. Oder sie frequentieren Festivalitos, die oft weniger beliebig sind, nur schon weil sie kleiner angelegt und damit zwangsläufig etwas deutlicher fokussiert sind.

Ein Tango-Argentino-Marathon kann klein oder groß angelegt sein. Oft ist das Angebot rund um das Tanzen herum ganz bewusst eher karg bemessen. Aber auch das Gegenteil ist möglich. Bisher habe ich erst an einem solchen Event teilgenommen. So ein Marathon ist nicht mein Ding. Ich möchte das aber nicht als Wertung verstanden wissen. Es gibt mehr als genug Tänzer, die sich an solchen Events pudelwohl fühlen. Tendenziell sind die Teilnehmer von Marathons etwas jünger.
     Marathon-Teilnehmer wollen sich mehrere Tage lang tänzerisch austoben und dabei ist alles andere tendenziell nebensächlich. Denn wenn man bis zu 18h täglich tanzt, ist es für viele Teilnehmer nicht mehr so wichtig, ob man ein wenig Schlaf zusammen mit anderen in einem Zimmer verbringt oder in einem Hotel im Einzelzimmer untergebracht ist. Hundemüde wie man ist schläft man sowieso ein, bevor man sich unter der Decke erstmals umdreht. So ein Marathon ist meist ein mehrere Tage dauerndes Tanz-Happening, das Pendant zum Pop-Festival und daher oft aber nicht immer eher informell gehalten.
     Natürlich wünscht sich jeder Teilnehmer möglichst viele gute Tänzer als Partner. Aber im Vordergrund steht das Einsteigen in einen Flow, ein Hochgefühl das am liebsten stundenlang anhalten soll. Dabei wird – zumindest sehe ich das so – Qualität und Persönlichkeit des momentanen Tanzpartners und der die zwei leitenden Musik vielleicht nicht zweitrangig aber doch etwas weniger wichtig. Meist aber nicht immer kommt die Musik als Konserve daher, zwecks Vermeidung von Unterbrüchen, damit der Flow nie zusammen bricht.
     Dreh- und Angelpunkt eines Marathons ist dieser Flow, der durchaus Suchtpotential hat. Wer das nicht kennt, kommt einer ungefähren Vorstellung davon vielleicht mit hinkenden Vergleichen aus manchen Sportarten näher. Dazu fallen mir ein: Das Steuern eines 14-Fuß-Dinghy, welches bei einer kräftigen Brise dauerhaft ins Gleiten gerät oder ein halbstündiger Galopp mit einem für Langstrecken trainierten Vollblut aus dem Rennzirkus, der Fluss der Energie welcher in fernöstlichen Kampfsportarten ungeahnte Kräfte freisetzen kann oder ein Langstreckenläufer der nach einer Weile die Leichtigkeit des Seins entdeckt. Ich weiss, Vergleiche hinken immer. Aber für den einen oder die andere mögen sie trotzdem hilfreich sein.
     Der Codex traditioneller Milongas ist an vielen Marathons kein Thema. Mit Cortinas voneinander getrennte Tandas sind nicht Voraussetzung. Es kann durchaus vorkommen, dass zwei Tänzer eine Stunde oder länger ihre Kreise drehen. Es gibt aber auch Marathons, die sich formal im Kontext von Tandas mit Cortina bewegen – vermeintlich. Natürlich gibt es Marathons mit Shows und Unterricht und Live-Musik. Aber zwingend ist das nicht. Ein Marathon welcher lediglich die Möglichkeit bietet pausenlos seine Kreis zu drehen kann sehr erfolgreich sein.

Ein Tango-Argentino-Encuentro ist tendenziell eher klein angelegt. Bei mehr als 150 Teilnehmern ist die Chance groß, dass der Zusammenhalt untereinander nicht zustande kommt und sich Cliquen bilden, die unter sich bleiben, was meist dazu führt, dass einzelne Tänzer, aber auch Paare ohne Gruppenzugehörigkeit kaum mit unbekannten Tänzern zum Tanzen kommen und auch sozial isoliert sind. Meist ist das Setup vereinfacht formuliert eine Aneinanderreihung guter traditioneller Milongas mit angemessenen Pausen dazwischen um halbwegs genug Schlaf zu bekommen und sich zu verköstigen, ohne auf fast food angewiesen zu sein. Tendenziell sind die Teilnehmer von Encuentros etwas älter.
     Natürlich gibt es Encuentros mit Shows und Unterricht. Es ist jedoch schon anspruchsvoll genug innerhalb von 48h über 20h in einem traditionellen Setup zu tanzen. Veranstalter die da drauf noch andere Dinge satteln, überspannen den Bogen in meinen Augen. Hier ist weniger definitiv mehr. Aber das ist meine Ansicht. Ich gehe davon aus, dass hinter solchen Zusatzangeboten fast immer der Wunsch des Veranstalters steht, Mehreinnahmen zu generieren.

Es ist nicht möglich die Konflikte solcher Events zu verstehen, wenn keine Klarheit darüber herrscht, was die einzelnen Tänzer daheim von einer traditionellen Milonga erwarten oder eben nicht erwarten. Denn jeder Tänzer trägt seine Erwartungshaltung und seine Gewohnheiten in so eine Veranstaltung hinein. Oft ist er sich dem kaum bewusst. Und genau hier liegt in meinen Augen der Schlüssel zu manchen Konflikten, für die nicht Veranstalter die Verantwortung tragen. Nicht immer sind Tänzer Opfer ungeschickter Veranstalter. Ich habe mehrmals Events erlebt, an denen die Tänzer die Defizite ganz von allein geschaffen haben.
     Traditionelle Milongas zeichnen sich dadurch aus, dass ein über Jahrzehnte hinweg gewachsener, codierter Konsens praktiziert wird und die Tänzer erwarten dürfen, dass alle diese Leitplanken respektieren. Dazu gehörten Gastgeber, welche diese Rolle mit Sorgfalt und Vergnügen ausfüllen und ständig präsent sind, was viel Energie kostet. Dazu gehört ein DJ, der ein ziemlich komplexes Regelwerk im Rahmen von Tandas mit Cortina berücksichtigt, was viel Können erfordert.
     Dazu gehören Tänzer, die ihren Teil zum Codex beitragen: Aspekte wie zB Auffordern ausschließlich mittels Mirada/Cabeceo, nur eine Tanda mit einem Partner tanzen, nach jeder Tanda das Parkett umgehend ganz verlassen, in strikten Spuren tanzen ohne zu überholen oder die Spur zu wechseln, keine Schritt gegen die Tanzrichtung zu machen, auf das Paar vor und das Paar hinter sich zu achten, für eine kontinuierlich fortschreitende Ronda zu sorgen… Wer nicht fähig oder gewillt ist, diesen Einschränkungen zu entsprechen, der sollte keine Encuentros besuchen. Das führt nur zu Frust und Aggression für alle Beteiligten.

Tänzern die noch nicht erleben durften, wie es an guten Encuentros zu und her geht, vermittelt dieses Video von Eckernförde 2013 einen Eindruck jener von Tänzern so begehrten entspannten Atmosphäre verbunden mit einer flüssigen Ronda auf übervollem Parkett:



Mechanismen

So ein Encuentro ist also meist ein ziemlich umfassend codiertes Ding und damit anfälliger gegenüber Störungen als ein Festival oder ein Marathon. Denn im Vordergrund steht hier das Miteinander aller Tänzer – auch auf dem Parkett. Zwei ignorante Paare reichen leider locker, um 150 Tänzer um ihren Spaß zu bringen und einen Abend zum Misserfolg zu verurteilen. Veranstalter die in solchen Situationen nicht schnell und konsequent eingreifen, müssen damit rechnen, dass die Mehrheit ihnen das sehr übel nimmt.

Oft können die verursachenden Tänzer überhaupt nicht nachvollziehen, was Sache ist. Irgendwie logisch, denn absichtlich verdirbt niemand seinen Mittänzern den Abend. Trotzdem bringen solche Störenfriede ein geballte Ladung an Ignoranz mit.
Ich habe solchen Codex-Analphabeten schon mehr als einmal abseits vom Parkett in einem ruhigen Moment freundlich zu erklären versucht, was Fakt ist und beiße dabei oft auf Granit. Es befremdet, dass die sowohl ihre Karambolagen als auch ihre beinahe-Karambolagen oft glattweg leugnen. Hier stellt sich unter anderem die Frage nach deren Körperwahrnehmung. Es ist unklar, ob sie nicht bemerken wollen oder tatsächlich nicht bemerken, dass es nur deshalb nicht ständig zu Karambolagen kommt, weil alle anderen ihnen pausenlos ausweichen. Dass das den Fluss der Ronda zusammenbrechen lässt und Stress und schlechte Stimmung für alle anderen schafft, wollen sie häufig partout nicht wahrnehmen.
     Solche Tänzer haben oft was Autistisches in ihrer empathieabstinenten Egozentrik. Ich frage mich, ob die überall im Leben Andere mit Füßen treten. Und ich fürchte, so ein Gebaren hat auch mit so was banalem wie fehlender Kinderstube zu tun. Zudem ist 1968 genauso Geschichte wie Punk. Jemand müsste ihnen das mal klar machen. Womit ich nichts gegen 1968 oder Punk sagen will. Aber ein jedes Ding zu seiner Zeit und an seinem Ort. An einem Encuentro steht beides auf vollkommen verlorenem Posten.
     Natürlich nimmt eine gute Tänzergemeinschaft auf Encuentro-Neulinge unter den Paaren Rücksicht, die es allem guten Willen zum Trotz schlicht noch nicht schaffen alles umzusetzen was im Interesse der Tänzergemeinschaft angebracht ist. Wenn diese Tänzer sich auf die Mitte des Parketts konzentrieren, wird die Ronda auf den äußeren Spuren von ihnen kaum beeinträchtigt. In so einem Setup ist es durchaus möglich, an Encuentros jedes mal auch einigen Neulingen einen allmählichen Einstieg in diese Event-Form zu ermöglichen – vorausgesetzt das ist von den Veranstaltern mit denen wasserdicht abgesprochen und die behalten die Neulinge ständig wohlwollend im Auge. Ich halte so wenig Risiko sogar für ausgesprochen wichtig, damit immer wieder ein klein wenig frisches Blut ins Spiel kommt. Abschottung warum auch immer ist langfristig niemals erfolgreich. Tango hat mit von und zu nullkommanichts am Hut. So was befördert nur ungesunde Formen von Eitelkeit.

Auf Grund der aufgezeigten Probleme gibt es eine ganze Reihe von Encuentro-Veranstaltern, welche ihre Events nicht öffentlich ausschreiben. Sie suchen sich – man kennt sich ja, vermeintlich – ihre Gäste aus und beschränken die Teilnehmerzahl. Beides ist verständlich und sinnvoll und wird von den meisten Tänzern die bereits zum innern Kreis gehören geschätzt – man, frau ist endlich wer, gehört nicht länger zum ordinären Tango-Fußvolk. Für alle anderen ist so ein Gebaren eine Provokation. Das schafft Feindschaften. Damit werden künstlich Probleme geschaffen, die sich mit der Zeit kumulieren.
     Diese Einschränkungen öffnen wie gesagt ganz nebenbei Eitelkeiten jedwelcher Form Tür und Tor. Tänzer die nicht eingeladen werden, beziehen solches verständlicherweise oft auf sich. Sie haben den Eindruck sie würden unter Wert gehandelt, missachtet und belächelt, beleidigt, ja sogar gemobbt. Und Tänzern die nach Jahren einmal überraschend nicht mehr eingeladen werden, reagieren manchmal ähnlich.
     Diese Leute vergessen: Es ist für einen Veranstalter schlicht unmöglich, es allen recht zu machen. Einerseits müssen gewisse Fähigkeiten gegeben sein. Und die erfüllen nie alle Tänzer, die teilnehmen möchten. Andererseits gibt es fast immer mehr Tänzer die teilnehmen wollen, als Plätze an einem Encuentro zu vergeben sind. Trotzdem wird so eine Veranstaltung langweilig, wenn Jahr für Jahr dieselben Frösche teilnehmen. So ein Event braucht immer auch etwas frisches Blut.
     Das bedeutet, dass mache Tänzer nicht mehr eingeladen werden können, damit andere eine Chance erhalten. Daher ist es das gute Recht eines Veranstalters, unter Interessierten ihre logischerweise immer ein Stück weit subjektive Auswahl zu treffen. Und sie dürfen erwarten, dass nicht berücksichtigte Tänzer nicht automatisch davon ausgehen, dass dahinter persönliche Gründe, individuelle Abneigung stecken. Obwohl es auch das gibt. Oft steckt dahinter eher Zufall. Es ist ganz einfach: Ein Veranstalter will 20 Plätze an Tänzer vergeben die noch nie berücksichtigt wurden und dafür müssen 20 bisher eingeladene Tänzer außen vor bleiben. Und irgendwen trifft es dann eben – aus Sicht der Betroffenen natürlich jedes Mal die Falschen.
     Tänzer, welche sich die Mühe machen ein Encuentro aus Sicht des Veranstalters zu betrachten, verfangen sich kaum in solchen Eitelkeitsfallen. Wenn ein Encuentro funktionieren soll, dann müssen die Veranstalter die Teilnehmerzahl beschränken, dann müssen sie auf Geschlechterparität achten, dann müssen sie sicherstellen, dass keine Codex-Analphabeten teilnehmen. Denn wenn sie ihr Event nicht dergestalt gestalten, bleibt nicht nur der Erfolg aus, sondern es hagelt ganz schnell Reklamationen, da die Erwartungshaltung an Encuentros ausgesprochen hoch ist. Und das ist verständlich. Über 100 oft von weit her angereiste Tänzer sind nicht bereit, sich von vier ignoranten Tänzern das ganze Wochenende verderben zu lassen.

Allerdings dürfen interessierte Tänzer erwarten, dass Veranstalter bei ihrer Auswahl demokratisch vorgehen. Leider ist das nicht immer der Fall. Schwierig wird es, wenn Veranstalter ihre Gäste handverlesen anstatt einem Stock sicherer Kandidaten die selbe Chance zu geben, indem ab einem bestimmten Datum/Uhrzeit jene berücksichtigt werden, die sich zuerst anmelden. Ich halte es für ziemlich unmöglich, in so einem Setup nicht einen ganzen Strauß von Eitelkeiten zu befördern, die schon bald bei Außenstehenden – nicht zum Kreis möglicher Eingeladenen gehörend – negative Reaktionen befördern, die so einem Event auch noch Jahre später Probleme bereiten.
     So ein Privat-Club-Konzept kann oberflächlich betrachtet sehr erfolgreich sein – auch pekuniär. Aber das führt immer auch zu Abschottung, auch durch all jene die draussen bleiben müssen. Und schon ist ein neuer Schützengraben ausgehoben. Die Folgen daraus sind nie positiv, ganz egal wie sehr den Auserwählten ihre Exklusivität behagt. Tango Argentino ist eine Subkultur und damit ursprünglich antielitär geprägt, aber wie viele Subkulturen anfällig für andere Eitelkeiten und subversive Seilschaften, die sich dann in selbst definierter Exklusivität feiern und nicht nur gegen oben sondern sämtliche Seiten abschotten, um in so einem selbst definierten Wertekanon der Isolation als Obermacker im Zentrum zu glänzen und Jünger zu rekrutieren die zudienen müssen.
   Anscheinend ist der Makel, nicht zum erlauchten Kreis zu gehören, für manche Tänzer dermaßen gravierend, dass sie abstruse Ausreden erfinden, um zu kaschieren, dass sie nicht länger oder zumindest momentan nicht mehr zu den Günstlingen eines lokalen Hofstaats gehören. Da wird dann Himmel und Hölle mobilisiert um doch noch reinzukommen. Die meisten Veranstalter verdrehen zu Recht die Augen, wenn man sie auf diese Machenschaften anspricht. Und wenn gar nichts hilft, dann flüchten sich manche Verschmähte in Fantastereien. Die krasseste Ausrede eines Tänzers, von der ich bisher weiß, war eine frei erfundene Operationen als Erklärung dafür nicht teilnehmen zu können, obwohl der in diesem Jahr gar keine Einladung erhielt.
     Solche Verrenkungen im Hirnschmalz kann ich nicht nachvollziehen. Erstens lädt mich nicht jeder Veranstalter ein. Weil mich nicht jeder Veranstalter persönlich kennt. Zweitens kann ich nicht jede Veranstaltung besuchen. Weil es in meinem Leben noch andere Interessen gibt. Drittens möchte ich nicht jedes Jahr die selben Veranstaltungen besuchen. Weil ich so viel Routine monoton fände. Daher kann ich offen dazu stehen, dass ich für viele Encuentros gar nicht hofiert werde. Ich erschrecke schon darüber, wie sehr Tango Argentino manchmal sektenartige Strukturen befeuert. Das tut diesem Tanz gar nicht gut.
     Ihre Glaubwürdigkeit gänzlich verlieren Veranstalter, welche dieses Setup exklusiver Fairness – ich weiß, ein Widerspruch in sich, aber das deswegen nicht zu benennen bringt nichts – lediglich vermeintlich anbieten, aber im Hintergrund dann doch leise und heimlich handverlesen. Ich weiß von einem Fall, in dem ein eingeladenes Paar die Anmeldung drei Minuten nach Anmeldungsstart online versendet hat und nicht berücksichtigt wurde, obwohl deren beste Freunde berücksichtigt wurden, welche ihre Anmeldung über vierzig Minuten nach Anmeldungsstart online versendet haben. Und wie gesagt: Beide Paare waren dazu eingeladen, sich anzumelden. Tänzer für dumm zu verkaufen funktioniert nicht. Denn die reden miteinander. Solche Dummdreistigkeiten führen zu Feindschaften und ich kann die betroffenen Tänzer gut verstehen: Auf so einfältige Weise als zu leicht befunden zu werden und auch noch für dumm verkauft zu werden schmerzt. So was vergisst man nicht so schnell.

Tänzer wiederum tendieren im Zeitalter dieses Lemminge-Laufgitters namens Facebook zu häufig zu Feigheit. Gruppen aus denen Zivilcourage sich verabschiedet nehmen aber ganz schnell erste Zeichen faschistoider Züge an. Auch Tango Argentino ist dagegen nicht gefeit. Viele Teilnehmer üben keinerlei Kritik an Encuentros – zumindest nicht öffentlich oder dem Veranstalter gegenüber – weil sie fürchten sonst nicht mehr eingeladen zu werden. Das mag sogar zutreffen. Es ist nicht zu übersehen, dass einige Encuentro-Veranstalter mit berechtigter Kritik überhaupt nicht umzugehen vermögen. Das nimmt machmal absurde Züge an. Mir fällt dazu einzig das Wort Majestäts-Beleidigung ein. Aber das viktorianische Zeitalter ist vor rund 100 Jahren mit Pauken und Trompeten zu Ende gegangen. Ziemlich genau dann übrigens, als Tango Argentino zu seinem Siegeszug ansetzte. Kurzum, die zwei beißen sich ganz arg.
     Wenn an einem Encuentro keine konstruktive Kritik geübt werden darf, falls notwenig auch deutlich, wird so ein Vehikel mit den Jahren immer beliebiger. Im Moment sind viele Tänzer noch rundum glücklich mit Encuentros, auch wenn die lediglich eine große Zahl guter Tänzer vereinen. Da immer mehr Encuentros stattfinden, wird die Messlatte an andere Qualitäten hoffentlich allmählich höher angelegt werden.
     Zu viele Encuentros haben heute noch markante Defizite, wie zB: Der Boden könnte besser sein. Der Raum könnte einladender sein. Das Setup im Raum könnte funktionaler sein. Die DJs könnten besser sein. Die Tontechnik könnte besser sein. Die Verpflegung könnte von besserer Qualität und besser organisiert sein. Mir zB liegen der Boden und das Setup im Raum, das Können der DJs und die Tontechnik besonders am Herzen.
     Einige Beispiele nur: Ein stumpfer und/oder steinharter Boden darf keinesfalls sein. Zu rutschig kann man mit guter Beintechnik ausgleichen. Das macht sogar Spaß. Zu klebrig kann man nicht kompensieren. Dann sind Knöchel und Knie der Tanzenden lange vor Ende des Events müde, ganz besonders bei Frauen, die gerne in High Heels tanzen. Das muss nicht sein, denn dafür gibt es längst Granulate, die auf den Boden gestreut werden. Babypuder ist dafür aber keine Lösung, auch wenn sie weniger kostet als Granulate. Geiz ist nicht geil.
     Fußgänger gehören gar nicht auf die Tanzfläche. Ich habe keinen Bock darauf, auf Spur Eins in meinem toten Winkel meine Partnerin in Fußgänger hinein zu führen, die ihr Hirn abschalten sobald sie nicht tanzen. Daher braucht es hinter Stühlen und Tischen einen Laufgang und Veranstalter, die notorischen Fußgängern auf dem Tanzparkett die rote Karte in die Schuhe schieben.
     Sitzende sollen durch kleine Tische welche in die Tanzfläche hinein ragen vor den Tanzenden geschützt werden, damit sie bequem sitzen können und nicht wie Hühner auf der Stange zwischen Wand und Tänzern eingeklemmt darben. Käfighaltung hat im Tango nichts verloren. Natürlich muss für jeden Tänzer ein Stuhl vorhanden sein. Niemand reist Hunderte von Kilometern und gibt viel Geld aus, um dann an Milongas drei Tage stehend zu verbringen oder anderen ihre Stühle streitig machen zu müssen. Die Raumhöhe sollte 4 bis 6m betragen und der Raum zumindest angemessen belüftet sein, damit er nicht bereits nach einer Stunde zur Schwitzbude mutiert.
     Der DJ soll ein ausgewiesener TJ sein. Dafür reicht es nicht, im Rahmen von Tandas mit Cortina aufzulegen und sich bei der Musik-Programmation auf die relevanten Jahre und die wichtigen Orchester zu beschränken. Auch damit lässt sich grottenschlecht DJen. Davon gibt es an Encuentros leider immer noch viel zu viel.
     Tontechnik muss für Aufnahmen der Epoca de Oro von sehr guter Qualität sein und der DJ muss diese im Griff haben. Sonst macht das Tanzen keinen Spaß. Denn im Tango Argentino führt nur einer: die Musik. Aber dazu muss die sich klar verständlich machen können ohne deswegen laut zu werden. Noch ist das leider die Ausnahme.
     Um solche banalen Dinge sicherzustellen, muss ein Veranstalter sich mehr als nur ein paar Gedanken machen und auch ein paar Scheine mehr investieren als für einen Kegelabend und unter Umständen einen anderen Raum und/oder bessere Tontechnik mieten. Aber das ist alles keine Hexerei. Ich kann nicht verstehen, warum eine ganze Reihe von Veranstaltern diese simplen Dinge noch nicht auf die Reihe bekommen. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass all das mit etwas gutem Willen lösbar ist.

Absurditäten

Erfahrene Veranstalter wissen, wie wichtig Geschlechter-Parität für Encuentros ist, weil sonst ganz schnell schlechte Stimmung aufkommt. Daher können sich Teilnehmer an vielen dieser Wochenenden nur paarweise anmelden. Für diese Umsicht wird man als Veranstalter oft angefeindet, weil Singles sich dadurch benachteiligt fühlen. Aus Sicht einzelner Tänzer ist die Verärgerung darüber nachvollziehbar. Das ist tatsächlich ein großes Problem. Und es benachteiligt – was nicht fair ist – in unserer Gesellschaft wieder mal in erster Linie die Frauen.
     Aber wer schon einige Male erlebt hat, wie sehr die Stimmung an so einer Veranstaltung ins Negative kippen kann, wenn zu viele Frauen auf zu wenige Männer treffen, dem wird klar, dass man nicht 120 Teilnehmern das Event verderben kann, nur damit man 30 Single-Frauen nicht zurückweisen muss. Das Gegenteil habe ich übrigens auch schon erlebt, nur an Milongas allerdings, und wen überrascht es: Männer reagieren auf so eine Benachteiligung noch unangemessener als Frauen.

Da Frauen sehr gewieft darin sein können, Ziele allen Hindernissen zum Trotz zu erreichen, tricksen rücksichtslose Exemplare dieser Spezies für solche Veranstaltungen längst rabiat. Und weil so ein Verhalten an einzelnen Veranstaltungen nicht mehr die Ausnahme ist, sollte man über die Konsequenzen daraus nicht mehr hinweg sehen.
   Ich bin der Ansicht, dass es zu solchen Exzessen eine Diskussion braucht. Und ich möchte Veranstaltern Mut machen, solche Tricksereien nicht länger zu tolerieren. Denn dabei geht es nicht um irgendwelche abstrakten Regeln, sondern um die Vermeidung gravierender Auswirkungen für sämtliche Teilnehmer eines Encuentros.
     Work around 1: Frau meldet sich zusammen mit einem Mann an. Der kann sogar fiktiv sein, mehr als eine Mailbox ist dazu kaum erforderlich. Dadurch wird die Anmeldung beider mit etwas Glück angenommen. Wie es der Zufall will, meldet sich der Mann wenige Tage vor dem Termin überraschend ab, ganz egal ob krank, beruflich verhindert oder was auch immer. Bei zaghaften Veranstaltern darf die Frau nun hoffen, so kurzfristig nicht mehr ausgeladen zu werden. Oder der Mann meldet sich gar nicht ab. Womöglich zahlt er sogar seinen Eintritt. Denn damit ist die Chance minimal, dass die Frau wieder ausgeladen wird, weil seine Abwesenheit höchstens am Encuentro und dort viel zu spät offensichtlich wird. Konsequenterweise müsste man dergestalt tricksenden Frauen während der Veranstaltung ausladen, falls deren Partner gar nicht kommt oder wieder verschwindet. Veranstalter die solche Betrügereien tolerieren, bestrafen auch sämtliche ehrlichen Singles. Das kann niemand wollen.
     Work around 2: Frau verdonnert einen real existierenden Mann dazu, sich nicht nur zusammen mit ihr anzumelden sondern sie am Wochenende zu der Veranstaltungen zu begleiten. Es ist mir ein Rätsel wie blöd Männer sein können, respektive mit was die sich haben ködern lassen. Aber lassen wir das. Dort sitzen dann einige bedauernswerte Typen ständig auf Stühlen herum und tanzen den ganzen Abend über nicht einen einzigen Tango – weil sie gar nicht tanzen können, oder verlassen das Event schon bald wieder, leise und heimlich natürlich. Ich habe schon beobachten können wie so ein bedauernswertes Alibi-Mannsbild kurz nach Mitternacht innerhalb einer einzigen Tanda auf seinem Stuhl am Parkett mitten im ganzen Trubel in Tiefschlaf versunken ist. Der Kerl muss sich schrecklich gelangweilt haben.

Beide work arounds mögen lustig bis absurd klingen – aber nur solange, wie man als Teilnehmer davon nicht betroffen ist. Denn ein bis zwei Dutzend solcher Tänzerinnen ohne Anhang können die Stimmung eines Abends unwiederbringlich kippen lassen.
     Ich habe das vor nicht allzu langer Zeit eins zu eins erleben müssen. Der Stress für die Männer wurde so groß, dass oft über 30 der anwesenden männlichen Tänzer den Tanzraum für längere Zeit verlassen haben, um anderswo aufzutanken. Im Tanzraum standen dann jedem verbliebenen Tänzer zwei bis drei Frauen gegenüber, die um jeden Preis tanzen wollten. Entsprechend aggressiv war die Stimmung.
     Diese mutwillige Form von Egoismus hat der ausgezeichnete DJ genau so wenig auffangen können wie die verzweifelten Veranstalter. Denn ein Frauenüberhang von mehr als zehn Personen bei 150 Teilnehmern führt immer zu einem gruppendynamischen Dauererdbeben im Raum.

Welche Veranstaltungen von solchen Machenschaften betroffen waren tut hier nichts zur Sache und ich bitte darum, darüber nicht zu spekulieren. Es geht hier um Mechanismen, nicht um betroffene Veranstaltungen. In drei Fällen habe ich oben Beschriebenes selbst erlebt. In zwei Fällen haben mir Tänzer davon erzählt, zu deren Aussagen ich vollstes Vertrauen habe, weil ich sie seit langem kenne. Daher sind diese Machenschaft kein Fall mehr von einmal ist keinmal.
   Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht. Der dritte work around ist nochmals um einiges dreister und wird von beiden Geschlechtern gemeinsam praktiziert. Hier weiß ich bisher lediglich von einem konkreten Fall.
     Work around 3: An diesem Encuentro sind rund 50 Tänzer ohne Einladung aufgetaucht. Diese an früheren Terminen Eingeladenen aber diesmal Verschmähten sind davon ausgegangen, dass der Veranstalter kaum den Mut haben wird, die von weit her Angereisten abzuweisen. Und für dieses eine Wochenende ging deren Rechnung tatsächlich auf. Der Veranstalter hat sich übertölpeln lassen. Entsprechend überfüllt war dieses Wochenende. Ein Raum der mit 150 Tänzern sehr gut gefüllt ist, bekommt mit 50 Tänzern mehr eine ganz andere Atmosphäre. Das schafft Disharmonie und Spannung. Es versteht sich von selbst, dass diese über 50 Tänzer von betroffenen Veranstalter nie mehr eingeladen werden. Soviel habe ich über Umwege inzwischen erfahren. Ich finde diese Reaktion angemessen.
     Ich bin gespannt darauf, was die nächste Stufe der Eskalation sein wird, mit der Tänzer ohne Einladung oder Partner sich die Teilnahme ohne Rücksicht auf Verluste für alle Beteiligten erschleichen. Ich kann nur hoffen, dass Veranstalter den Mut finden, solche Machenschaften in Zukunft ohne viel Federlesens zu unterbinden, ganz egal wie illuster und/oder gut vernetzt solche Täter sein mögen.

Natürlich verstehe ich, dass sich manche Tänzerinnen ohne festen Tanzpartner benachteiligt fühlen. Erst gestern hat mir ein weiterer Veranstalter bestätigt, dass viele gute Tänzerinnen unter den Singles keine Tanzpartner für die Anmeldung finden – ganz egal wie sehr sie sich darum bemühen. Geistert in den Köpfen mancher männlicher Singles immer noch jenes lächerliche Penäler-Ideal herum, von wegen blutjung, gertenschlank und strohblond? Ich hoffe nicht. Aber manche Männer sind tatsächlich ziemlich schräge Vögel. Sie betanzen lieber Teenies oder Twens, die sich anfühlen wie ein Einkaufswagen von Aldi bei dem ein Rad blockiert, anstelle einer guten Tänzerin mit ein paar Pfunden zuviel oder ein paar redlich verdienter Falten. Diesen Hunger nach halbgarem Frischfleisch werde ich nie verstehen. Was um alles in der Welt ist an tänzerischen beinahe-Backfischen ohne Körperspannung und Temperament so toll? Hat das am Ende etwas mit dem Selbstverständnis dieser Männer zu tun? Sind solche Männer einer gestandenen Frau mit ein paar Haaren auf den Zähnen nicht gewachsen? Oder stecken dahiner andere Gründe?
     Ich könnte mir vorstellen, dass sich an diesem Ungleichgewicht schon was ändern würde, wenn auch Single-Männer sich an Encuentros nur mit Partner anmelden können. Dann müssten sie sich eine Partnerin suchen anstatt über diese diese Frage keine Sekunde nachzudenken und Hahn im Korb zu spielen. Das würde zwar nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber es wäre ein kleiner Schritt zu mehr Fairness.
     Auf die Frage, was man Single-Frauen raten kann, die einen Tanzpartner für Encuentros suchen gibt es funktionierende Antworten. Bloß, von nichts kommt natürlich auch hier nichts und das auch nicht von heute auf morgen.
     Ich werde nie vergessen was die erste Porteña unten meinen Lehrerinnen mir zu diesen Mechanismen erklärt hat. Die Frau war damals Mitte 30, hat ein wunderschönes Gesicht auf einem kurzen Körper, der kugelrund ist. Diesen Körper hatte sie bereits als Teenager, als sie Tango Argentino für sich entdeckte. Schnell wurde ihr klar, dass sie an Milongas gar nicht zum tanzen kam. Also beschloss sie den Stier bei den Hörnern zu packen. Und dafür bewundere ich sie sehr. Sie sagte sich: Ich muss eine dermaßen gute Tänzerin werden, dass beste Tänzer trotz meiner Figur mit mir tanzen wollen. Dann werden sie Schlange stehen und ich kann wählen. Und genau das hat sie verwirklicht. Vor dieser Konsequenz abseits von Selbstmitleid und Bequemlichkeit habe ich großen Respekt. Denn diese Tänzerin ist leicht wie eine Feder und agil wie ein Kolibri. Mit ihr zu tanzen ist eine Wonne und fordert mich jedes Mal bis an die Grenzen meiner tänzerischen Fähigkeiten und manchmal auch darüber hinaus.
     Nun mag nicht jede mittelalterliche Frau so talentiert plus ambitioniert sein. Aber auch für solche Frauen gibt es Lösungen. Zwei Beispiele: Sie picken sie sich einen begabten Anfänger unter den Single-Tänzern ihrer lokalen Szene heraus und nehmen sich seiner an. Falls sie sich dafür nicht ein charakterlich vollkommen unreifes Exemplar aussuchen, können sie ziemlich sicher sein, dass sie sich damit einzwei Jahre später einen Tanzpartner für Encuentros gebacken haben. Wer sicher sein will, backt sich natürlich gleich zwei oder drei solche Typen. Denn der eine oder andere unter den Talentierten wird sich irgendwann im Tango dauerhaft paaren und dann womöglich tänzerisch völlig neu orientieren. Oder sie suchen Anschluss an eine Clique von Tänzern mit der selben Wellenlänge, die häufig an Encuentros anzutreffen sind. Das relativiert vieles und öffnet vielfältige neue Möglichkeiten der Tanzpartnerfindung.

Ich habe aber noch andere Absurditäten an solchen Event erlebt. An einem Marathon, welches sich fälschlicherweise als Encuentro definiert, ist es üblich sich bereits während der Cortina(!) mittels Cabeceo/Mirada für die kommende Tanda zu verabreden. Und das, obwohl kein Tanda-Display eine Vorschau bietet. Die verabreden sich allen Ernstes für die nächste Tanda, bevor sie wissen was die musikalisch bieten wird. Und weil sich an diesem Wochenende nicht alle engagierten DJs an ein fixes Genre-Muster gehalten haben, wie zB T-T-M-T-T-V, konnten die Tänzer nicht mal wissen welches Genre als nächstes gespielt werden würde.
     Bevor die Musik einsetze, waren die meisten Tanzwilligen bereits verabredet. Falls ich nach drei bis sechs Sekunden Musik wusste, ob ich diese Tanda tanzen wollte, war es daher zu spät, um eine mir unbekannte Tänzerinnen aufzufordern. Und die bekannten waren meist auch schon vergeben. Also haben meine Partnerin und ich auch am zweiten Tag dieses Wochenendes weniger als eine handvoll Tandas mit anderen Partnern tanzen können. Damit wird so ein Wochenende schrecklich langweilig. Wir werden grantiert nie mehr dort hin reisen.

Tango Argentino bedeutet für mich, dass einzig und allein die Musik führt. Also kann ich mich unmöglich an solch ignoranten Mechanismen beteiligen – nur um nicht aus der Gemeinschaft der Tänzer ausgeschlossen zu werden. Diese Musik kann nur führen, wenn die musikalische Vielfalt der Epoca de Oro und ihre Eigenheiten von Tänzern bei all ihrem Tun angemessen berücksichtigt werden, werden können.
     Ich tanze nicht mit jeder Tänzerin eine d’Arienzo-Tanda. D’Arienzos mit Mauré sind davon ein Stück weit ausgenommen. Fast alle andern d’Arienzos machen mir nur mit Tänzerinnen Spaß, die dafür salopp formuliert genug Pfeffer im Arsch haben. Da geht die Post ab, und das will ich gemeinsam ausdrücken können und machmal ist das musikalisch quick and dirty und darf auch so getanzt werden. Dafür tanze ich mit einer anders gelagerten Tänzerin vielleicht gerne di Sarli. Die Eleganz seiner ruhigeren Titel erfordert auch viel Energie – aber nicht dieselbe Art Energie.
     Solche Differenzierungen sind für mich unverzichtbarer Teil traditioneller Milonga-Kultur. Eigentlich sind sie das Salz in der Suppe des Tango Argentino. Ohne so ein Spielfeld für Herz und Verstand wäre jede traditionelle Milonga eine monotone Geschichte. Ist all das auf Grund eines indifferenten Verhaltens der Tänzerschar gegenüber der Musik gar nicht möglich, sehe ich in so einer Veranstaltung einen Marathon, kein Encuentro. Weil die Musik nicht mehr unangefochten führt. Und dem kann zumindest ich gar nichts abgewinnen.

Seitenblick

Eine ganz andere Sorge habe ich im Zusammenhang mit Encuentros noch. Die betrifft weder diese Events noch deren Besucher. Es gibt genug Tänzer, die mehrmals pro Monat irgendwo in Europa so ein Event besuchen und in ihrer lokalen Szene immer weniger anzutreffen sind. Persönlich kann ich diese Tänzer sehr gut verstehen. Wenn meine Partnerin und ich keine Kinder hätten, wenn wir beruflich mehr Freiheit hätten, würden wir auch zu diesen Tänzern gehören.
     Allerdings kann unter deren Reiselust deren lokale Szene leiden. Denn wenn diese meist zu den besseren Tänzern gehörenden an Milongas ihres Wohnorts kaum noch vertreten sind, verlangsamt das die Entwicklung der Szene. Irgendwann kann das Niveau in einer lokalen Szene dermaßen leiden, dass für Encuentro-routinierte Tänzer lokal nur noch totale Abstinenz in Frage kommt.
     Daher habe ich mich 2013 sehr darum bemüht, meine lokale Szene dort zu unterstützen, zu fördern und überregional zu propagieren, wo mein Wunsch nach Qualität Anknüpfungspunkte bot. Ich will nicht verschweigen, dass das bisher aus verschiedensten Gründen wenig gefruchtet hat. Viele Fronten sind seit Jahren zementiert. Mir fällt dazu nur der Begriff Schützengräben ein. Eigentlich sehe ich bis heute überhaupt kein Lösung für dieses Problem. Gerne wüsste ich, wie andere ihren Teil dazu beitragen, damit lokale Defizite so nicht noch größer werden.

Ausblick

Meine heutige Konzentration auf die Defizite solcher Veranstaltungen ist der Tatsache geschuldet, dass diese bislang kaum offen thematisiert wurden. Das ist aber notwendig, damit Besserung möglich wird. Trotzdem bitte ich nicht aus den Augen zu verlieren, wie toll auch ein Encuentro sein kann, welches noch nicht alle Defizite beseitigt hat. Meine Partnerin und ich denken an eine ganze Reihe dieser Events mit Sehnsucht zurück und hoffen natürlich, 2014 mit etwas Glück da oder dort wieder zu den Erlauchten zu gehören. Falls nicht, wird wohl Murphies Law zugeschlagen haben, damit 2014 garantiert genug frisches Blut zufließt ;-)

Ich weiß aber ganz genau, was ich mir von Veranstaltern wie Tänzern in Zukunft wünsche und ich weiß aus vielen persönlichen Gesprächen, dass ich damit nicht allein stehe: Ehrlichkeit und Konsequenz betreffend Deklaration und Handeln – und natürlich mehr Qualität an allen Ecken und Enden, wenigstens in erkennbaren kleinen Schritten. Ich wäre schon glücklich, wenn manche Veranstalter von Encuentros erkennen und sich eingestehen könnten, dass und wo sie Defizite haben. Damit wäre ein erster, der schwierigste Schritt getan. Der Rest kommt dann von ganz allein, irgendwann.

Gerne würde ich erfahren, was andere Tänzer an Encuentros erlebt haben und wie sie mit Defiziten umgehen, die sie als Beeinträchtigung wahrnehmen. Mich interessiert aber auch, wie Tänzer damit umgehen nicht an Encuentros eingeladen zu werden, obwohl sie sich das vielleicht wünschen, respektive was das in ihnen auf Dauer auslöst. Gibt es Ideen welche Singles unter den Tänzerinnen helfen, Tanzpartner für Encuentos zu finden?
     Sehr freuen würde ich mich, wenn sich hier auch Veranstalter offen äußern. Daher bitte ich Kommentatoren, zu respektieren, falls ein Veranstalter es vorzieht anonym zu bleiben.
     Ganz besonders würden mich konstruktive Vorschläge für Veranstalter in zwei Richtungen interessieren: Zum einen alles, was Qualität befördert – aber eben ohne Neulinge auszuschließen. Zum anderen alles, was hilft von dieser unheilvollen Exklusivitätsschiene geschlossener Veranstaltungen weg zu kommen.

104 Anmerkung(en):

Anonym hat gesagt…

Herzlichen Dank an Cassiel für die Plattform und ebenso Dank an Christian für den sehr informativen, teilweise zu Zustimmung, teilweise allerdings auch zu Widerspruch herausfordernden Beitrag. Dazu später mehr. Aber zunächst mal: warum so nachlässig lektoriert? (nur ein Bsp.: "Darum schreiben ich diesen Gastbeitrag.") Diesbezügliche Toleranz würde ich ja wirklich gerne walten lassen, allein: könnte diese Toleranz dann in Gegenrichtung auch der ein oder andere erst "halb-perfekte" TJ oder der eine oder andere auch mal einen wohlüberlegt klein-dimensionierten Rückwärts-Schritt tanzende Tanguero von Euch zwei 'Tango-Päpsten' erhoffen? Das ist zwar nicht zu erwarten, wäre aber dennoch schön ;-) In jedem Falle schön ist's aber, daß es hier wieder diskussions-anregendes Lesefutter gibt! Also: nix fiar unguat!! Just my 2 cents.. Und: weiterhin viel Leben in diesem Blog! Euer Tango-Amateur ;-)

Anonym hat gesagt…

Die Zusammenstellung der Gästekohorte für ein Encentro ist für Veranstalter eine der schwierigsten und anspruchsvollsten Aufgaben überhaupt, sieht man mal ab von der Wahl des Raumes, der Musikanlage etc pp.
Es gibt gewiss Veranstalter, die nach dem Windhundprinzip ihr Event füllen: Wer sich zuerst bzw so früh als möglich anmeldet, ist automatisch drin. Wenn die vorgesehenen Plätze gefüllt sind, werden die anschließend eintreffenden Anmeldungen auf der Warteliste geparkt. Auf solchen Events ist es für als Teilnehmer Akzeptierte durchaus möglich, im Falle von Verhinderung dem Veranstalter selbst Nachrücker vorzuschlagen und so den materiellen Verlust für bereits bezahlte Teilnehmergelder zu vermeiden. Das habe ich als am Ende verhinderter Teilnehmer selbst so erlebt. Damit gibt der Veranstalter dann restlos die Regie für die Gästeliste aus der Hand.
Es gibt indessen auch Veranstalter, die eine ziemlich genaue Vorstellung von der Dynamik ihres Encuentros haben, von der sozialen Atmosphäre, von dem tänzerischen Niveau, von Internationalität resp. regionaler Vielfalt. Ob diese Vorstellung schlussendlich Wirklichkeit wird, ist selbst bei optimaler Auswahl nicht gewiss. Aber sie ist immerhin möglich. Diese Idee wird ein solcher Veranstalter nicht einem biederen und kleinkarierten „ich hab’ mich aber zuerst angemeldet“-Argument opfern. Er wird jede einzelne Person, jedes einzelne Paar beleuchten und wägen, ob es passt, in welcher Kombination es passt – oder eben auch nicht. Dabei kann genau das geschehen, was Christian Tobler hier kritisiert: Dass aus einer Gruppe zur Registrierung Eingeladener ein Paar akzeptiert wird und ein anderes, das sich 10 Minuten, eine halbe Stunde oder meinethalben auch einen halben Tag früher angemeldet hat, eben nicht – aus für den Veranstalter gutem Grunde. Ein funktionierendes Encuentro braucht einen soliden Grundstock in dieser Disziplin erfahrener Gäste. Darunter darf dann auch die eine oder andere Branchen-Diva sein, männliche wie weibliche, wenn sie denn schön und eifrig tanzt. Unerträglich sind tanzfaule und/oder eliteorientierte Diven, männliche wie weibliche, die sich nur hofieren lassen und im eigenen Glanze sonnen wollen.
Ein gut funktionierendes Encuentro braucht einen soliden Stamm sozial kompetenter Tänzer, auf der Piste sowieso und an deren Rand bitteschön auch. Zeitgenossen, die sich unfreundlich, ungehobelt oder gar noch derber aufführen, sind für niemanden eine Freude und müssen damit rechnen, nicht berücksichtigt zu werden, auch wenn sie in ihren heimischen Szenen als Stars gehandelt werden.
Anders als oft kolportiert wird, ist es nicht die Gier nach möglichst vielen Pistenstars unter den Gästen, die viele Organisatoren umtreibt, sondern nach der guten, will sagen funktionierenden Mischung von erfahrenen Pistengängern und ambitionierten Frischlingen, von tanzerfahrenen Encuentro-Neulingen und Encuentro-affinen Tanz-Neulingen und so fort. Es ist wie ein raffiniert komponiertes Gericht, das nicht zu artifiziell und höchst bekömmlich sein soll, eben nicht deftig oder gar gewöhnlich. Bei aller Umsicht kann da immer noch eine Menge schief gehen.
Ich bitte doch sehr höflich, diese Intention und diese Bemühungen von Organisatoren anzuerkennen und das Nichtberücksichtigen von Leuten nicht abzutun als unseriös, nur weil der eine früher am Computer saß als der andere. Funktionierende Encuentros werden nicht mit der Stechuhr „komponiert“, vielmehr mit Fingerspitzengefühl, mit Empathie und manchmal sogar mit einer Vision.

cassiel hat gesagt…

Hallo Tango-Amateur, etwaige Nachlässigkeiten beim Korrigieren gehen natürlich auf mein Konto. Auch ich betreibe nur als Amateur dieses Blog. Vielen Dank für den Hinweis (den Fehler habe ich korrigiert). Schön wäre es, wenn Du Dich dann doch etwas ausführlicher zum Inhalt äußern würdest.

Den Begriff Tango-Päpste finde ich schwierig. Ich denke, Christian hat ein überfälliges Thema einmal grundlegend bearbeitet und ich durfte den Text veröffentlichen. Ich lese da zunächst keine Asgrenzung oder Kritik. Christian hat im wesentlichen über seine Beobachtungen und Empfindungen geschrieben (mangels entsprechnder Vielfalt an Encuentro-Erfahrungen hätte ich den Artikel so nicht schreiben können). Ich halte seine Darstellung für plausibel und nachvollziehbar.

Und so warte ich auf Deine etwas detailliertere Darstellung Deiner Sicht der Dinge und verbleibe solange mit freundlichsten Grüßen.

c.

Anonym hat gesagt…

Kommentar zum Gastbeitrag con Christian Tobler:
Die Zusammenstellung der Gästekohorte für ein Encentro ist für Veranstalter eine der schwierigsten und anspruchsvollsten Aufgaben überhaupt, sieht man mal ab von der Wahl des Raumes, der Musikanlage etc pp.
Es gibt gewiss Veranstalter, die nach dem Windhundprinzip ihr Event füllen: Wer sich zuerst bzw so früh als möglich anmeldet, ist automatisch drin. Wenn die vorgesehenen Plätze gefüllt sind, werden die anschließend eintreffenden Anmeldungen auf der Warteliste geparkt. Auf solchen Events ist es für als Teilnehmer Akzeptierte durchaus möglich, im Falle von Verhinderung dem Veranstalter selbst Nachrücker vorzuschlagen und so den materiellen Verlust für bereits bezahlte Teilnehmergelder zu vermeiden. Das habe ich als am Ende verhinderter Teilnehmer selbst so erlebt. Damit gibt der Veranstalter dann restlos die Regie für die Gästeliste aus der Hand.
Es gibt indessen auch Veranstalter, die eine ziemlich genaue Vorstellung von der Dynamik ihres Encuentros haben, von der sozialen Atmosphäre, von dem tänzerischen Niveau, von Internationalität resp. regionaler Vielfalt. Ob diese Vorstellung schlussendlich Wirklichkeit wird, ist selbst bei optimaler Auswahl nicht gewiss. Aber sie ist immerhin möglich. Diese Idee wird ein solcher Veranstalter nicht einem biederen und kleinkarierten „ich hab’ mich aber zuerst angemeldet“-Argument opfern. Er wird jede einzelne Person, jedes einzelne Paar beleuchten und wägen, ob es passt, in welcher Kombination es passt – oder eben auch nicht. Dabei kann genau das geschehen, was Christian Tobler hier kritisiert: Dass aus einer Gruppe zur Registrierung Eingeladener ein Paar akzeptiert wird und ein anderes, das sich 10 Minuten, eine halbe Stunde oder meinethalben auch einen halben Tag früher angemeldet hat, eben nicht – aus für den Veranstalter gutem Grunde. Ein funktionierendes Encuentro braucht einen soliden Grundstock in dieser Disziplin erfahrener Gäste. Darunter darf dann auch die eine oder andere Branchen-Diva sein, männliche wie weibliche, wenn sie denn schön und eifrig tanzt. Unerträglich sind tanzfaule und/oder eliteorientierte Diven, männliche wie weibliche, die sich nur hofieren lassen und im eigenen Glanze sonnen wollen.
Ein gut funktionierendes Encuentro braucht einen soliden Stamm sozial kompetenter Tänzer, auf der Piste sowieso und an deren Rand bitteschön auch. Zeitgenossen, die sich unfreundlich, ungehobelt oder gar noch derber aufführen, sind für niemanden eine Freude und müssen damit rechnen, nicht berücksichtigt zu werden, auch wenn sie in ihren heimischen Szenen als Stars gehandelt werden.
Anders als oft kolportiert wird, ist es nicht die Gier nach möglichst vielen Pistenstars unter den Gästen, die viele Organisatoren umtreibt, sondern nach der guten, will sagen funktionierenden Mischung von erfahrenen Pistengängern und ambitionierten Frischlingen, von tanzerfahrenen Encuentro-Neulingen und Encuentro-affinen Tanz-Neulingen und so fort. Es ist wie ein raffiniert komponiertes Gericht, das nicht zu artifiziell und höchst bekömmlich sein soll, eben nicht deftig oder gar gewöhnlich. Bei aller Umsicht kann da immer noch eine Menge schief gehen.
Ich bitte doch sehr höflich, diese Intention und diese Bemühungen von Organisatoren anzuerkennen und das Nichtberücksichtigen von Leuten nicht abzutun als unseriös, nur weil der eine früher am Computer saß als der andere. Funktionierende Encuentros werden nicht mit der Stechuhr „komponiert“, vielmehr mit Fingerspitzengefühl, mit Empathie und manchmal sogar mit einer Vision.
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Anonym hat gesagt…

Hallo Cassiel,

> Vielen Dank für den Hinweis (den Fehler habe ich korrigiert).
Ah, so schnell eine Antwort! Sehr gerne!
Vielleicht schaffe ich es, die anderen auch noch zusammenzustellen, nachdem ich jetzt weiß:
_Du_ kannst sie korrigieren und tust es u.U. auch ... ;-)

Ich bin ja sogar geradezu dankbar gewesen für diese Vorlage, um daran anknüpfend die Werbetrommel für ein klitzekleines bischen Toleranz auf allen Ebenen und in alle Richtungen rühren zu können. 3:-)

> Den Begriff Tango-Päpste finde ich schwierig.
Ich auch ;-)
Zum Bsp. zolle ich den aktuell ja gerade ebenfalls zu zweit vorkommenden Päpsten des Römisch-Katholischen Ritus durchaus meinen (gar nicht kleinen) Respekt, bin aber anderseits mancher Ihrer 'ex-cathedra'-Wahrheiten gegenüber dennoch ein klein wenig .. nun ja .. skeptisch. Aufgrund solcher Parallelen fand ich diesen schwierigen Titel passend. Nicht übersehen bitte: den Smiley ;-)

> Ich denke, Christian hat ein überfälliges Thema einmal
> grundlegend bearbeitet und ich durfte den Text veröffentlichen.

Vollkommen unbenommen!
Deswegen hab ich ja auch Dir & ihm schon herzlich gedankt.
Und tue es auch gerne noch einmal!
(Ironie-frei, großes Milonguero-Ehrenwort ;-) )


> Und so warte ich auf Deine etwas detailliertere Darstellung Deiner Sicht der Dinge und verbleibe solange mit freundlichsten Grüßen.

Da meine Marathon-, Festival- & Encuentro-Einblicke auch nicht sooooo profund sind, bringe ich erstmal noch ein bischen Diskussions-Futter von dritter Quellenseite heran:

Für alle langjährigen 'Tango-Addicts' unter den Lesern dieses verdienten Blogs mag das zwar ein alter Hut sein, aber für mich relativen 'Tango-Youngster' gibt es eine ebenfalls sehr informative & ausführliche Darstellung zu Encuentros im Netz, die evtl. auch die Diskussion hier im Blog mit Material bereichern könnte. Da ich nicht weiß, ob fremde URLs hier erwünscht sind: die Suchmaschine Eures Vertrauens findet das Gemeinte sicherlich mit den Stichworten 'MsHedgehog' und 'Tips for European 'encuentros''.

Ein "vivat - floreat - crescat" auf
diese 'v.ü. Tango-Plauderei'!
Herzlichst, Euer Tango-Amateur ;-)

Anonym hat gesagt…

Dank für den ausführlichen Gastbeitrag!

Aufgrund der vorgerückten Stunde nur kurz:

Was soll dieses Bashing jüngerer Tänzerinnen und der Tänzer der mit diesen tanzen? (Schon häufiger gehört oder gelesen, nicht nur in Deinem Beitrag.)

"Sie betanzen lieber Teenies oder Twens, die sich anfühlen wie ein Einkaufswagen von Aldi bei dem ein Rad blockiert, anstelle einer guten Tänzerin mit ein paar Pfunden zuviel oder ein paar redlich verdienter Falten. Diesen Hunger nach halbgarem Frischfleisch werde ich nie verstehen. "

Glaubst Du ernsthaft, dass gute Tänzerinnen sitzen, nur weil sie alt sind? Oder glaubst Du ernsthaft, das Tänzerinnen, nur weil sie alt sind, besser tanzen?

Ich denke, Männer tanzen mit den Frauen, die ihnen gefallen. Und dieses "gefallen" bezieht sich nicht lediglich auf "blond, jung, knackig", sondern auf vielerlei Dinge.

Ich kann mich an ein deutsches Festival erinnern, auf dem ich fast nur mit älteren Frauen tanzte, und hinterher mit Rückenschmerzen zu tun hatte. Ich kann mich an osteuropäische Festivals erinnern, auf denen fast nur junge Frauen anwesend waren, wo man aufgrund der Qualität von Umarmung und tänzerischem Vermögen Zeit und Raum vergass.

Die wirklichen Hungrigen nach "halbgarem Frischfleisch" wie Du es so bildhaft und abwertend ausdrückst, sind wohl eher nur die Handvoll Tänzer, mit denen keine Frau gerne tanzt und die sich deshalb sofort mit Elan auf jedes neue und unbekannte Gesicht auf den Milongas stürzen, weil sie bei diesen Damen darauf hoffen können, noch unbekannt zu sein und die erleichterte Dankbarkeit der Anfängerin für eine Aufforderung einstreichen können.

Gruß,
Frank

La Perla hat gesagt…

Warum wird solange gezögert, sich auf diesen Beitrag von Christian Tobler in Cassiels Tangoplauderei ernsthaft in einen konstruktiven Austausch zu begeben – so wie er vom Autor und Cassiel ausdrücklich erwünscht ist?
Weil der Beitrag aus meiner Sicht alle Tänzerinnen und Tänzer in irgendeiner Form betrifft und insofern zu einem hohen Maße sehr betroffen macht! So geht es mir jedenfalls. In Gedanken habe ich seitenweise auf die verschiedenen Aspekte der ausführlichen und gut beobachteten Betrachtungen von Christian Tobler geantwortet und neue Fragen aufgeworfen. Weitere gute und schlechte Erfahrungen, Beispiele und Begebenheiten gefunden und sie hin und her betrachtet und abgewogen.
Ich komme jetzt aber zu dem Schluss, dass diesem großartigen Beitrag nichts hinzuzufügen ist!
Während meiner Überlegungen stellte sich mir jedoch immer wieder die Frage: WARUM tue ich mir die beschriebenen Kränkungen als Tangotänzerin an? Weil,

-mich eine schöne Tangotanda in einem hohem Maß erfüllt – und eine wunderbare Valztanda ist himmlisch! Eine Milonga mit viel Spaß und Energie getanzt macht mir ausgesprochen gute Laune.
- Ich höre traditionelle Tangomusik sehr gerne und sitze auch gerne mal mit einem Glas Wein ein wenig herum.
- Die Kombination aus normalem Reisen und einer Prise Tango in einer fremden Stadt/Land gefällt mir sehr gut.
- Ich mag Komplimente und freue mich sehr, wenn sich der Tänzer ausdrücklich nach einer gemeinsamen Tanda bedankt und sich über die schöne Umarmung freut.
- Ich kann als Single an Paar-Tanzveranstaltungen teilnehmen.
- Es macht mir Freude immer mal wieder nach einem Tango-Kleidungsstück zu stöbern.
- Ich lerne interessante, freundliche und zugewandte Menschen kennen.
- Ich lerne immer wieder dazu….

Herzlichen Dank, Christian Tobler, für deinen Beitrag und dem stetigen Bemühen für eine soziale Tangokultur!

Chris hat gesagt…

oh ja, heftiges zustimmendes Nicken beim Lesen von Anfang bis Ende.

Wir sind selbst gerade wieder gelandet von unserem ersten Encuentro, oder sollte ich sagen, hart auf dem Boden der Wirklichkeit aufgeschlagen. Und selbst mit nur dieser einen ersten glückseeligen Erfahrung möchte ich Christian gleich zustimmen und danken für die ausgewogenen und zutreffenden Einschätzungen (die so ja nicht nur für Encuentros gelten).

Natürlich meckert die Szene (fast) immer, aber nichts wird so heiß gegessen wie gekocht. Auch dort gab es - teils zurecht - übellaunige Kommentare. Besser wäre es, und so haben wir es gehalten, sich am Ende bei den Veranstaltern zu bedanken und dann vorsichtig nachzufragen und anzusprechen, was vielleicht nicht so gepaßt hat. Dann hört man als Gast auch den anderen Standpunkt und die Veranstalter erhalten ein vernünftiges Feedback.

Beeindruckend fand ich, daß Chritian auch an die Auswirkungen auf die örtlichen Szenen gedacht hat. Auch ich ahnte schon irgendwie, daß die an sich wunderschöne Idee länderübergreifender Veranstaltungen/Begegnungen zu einer Verödung der Böden führen könnte, in denen wir alle unsere Wurzeln haben.
Aber was dagegen tun? Wenn eine Subkultur für ihre Anhänger nicht mehr interessant ist, werden alle Anstrengungen zur Belebung nichts nützen. Hier ist jeder der besseren Tänzer aufgerufen, sich zu besinnen und nach den schönen Erlebnissen zu suchen, die sich fast überall finden lassen.

Eins noch, daß mich bei allen Arten von Veranstaltungen bewegt und nur ganz kurz Anklang fand: Die Unterbringung. Hier hoffe ich stets ein wenig auf die Veranstalter, diesbezüglich Rahmenvereinbarungen mit den örtlichen Hotliers und Pensionswirten zu treffen. Wer von einem gelungen WE auch erwartet, in einem zu Fuß erreichbaren eigenen Bett zu schlafen, und ein eigenes Bad schätzt, wird für solche Angebote sehr dankbar sein, wenn sie zudem finanziell angemessen sind. Als leuchtendes Beispiel kann ich auf Bregenz verweisen oder auch Reichenau (letzteres leider nicht ganz günstig), die auch die Frühstücksdeadline für dieses WE nach hinten verlegt haben.

Chris, auf Entzug

Anonym hat gesagt…

also Lust auf Encuentros bekomme ich beim Lesen nicht. Scheinen ja nur die ganz tollen Burschen da zu sein mit ihren tollen Damen. Bloß gut, dass mich keiner einlädt ..

Swetoslaw Beltschew hat gesagt…

Jetzt hast du aber ein ganz falsches Bild von den Encuentros bekommen, lieber Anonymous@22:03!

Wenn ich als tolle Bursche, was ich auch bin (das meine ich letzt ernst) mit meine Dame tanzen möchte, dann fahre ich doch nicht nach Barcelona oder Lisabon. Zu Hause kann ich auch tanzen und dort weiß jeder wie toll ich bin. Allerdings kenne ich eine ganze Menge der tolle Damen, die Encuentros besuchen und (leider) kriege ich nicht hin, mit alle auf eine Encuentro zu tanzen. Die Gründe kannst du dir selber denken, lieber Anonymous.

Es sind nur wenige Encuentros, die Einladungen verschicken (ich kenne nur 1, vielleicht 2). An allen kann man sich anmelden. Und hier ist die erste Hürde für unerfahren Tänzer - es wird kaum Werbung gemacht. Mann muss aktiv werden und sich, bevorzugt Paarweise, anmelden.

Allerdings, kenne ich keine Veranstalter, der sich nicht explizit um Tänzer mit wenige Erfahrungen kümmert. Es wird die Befolgung bestimmte Regel erwartet, diese werden selbstverständlich klar erläutert. Und glaube mir, die Regel sind so einfach und logisch, dass man als "normaler" Tanguero keine Verständnisprobleme hat. Weiterhin ist die Mitte der Ronda immer für Paare mit wenige Tanzerfahrungen reserviert - das ist einer der Regel.

Über der Mehrwert eine Encuentro möchte ich jetzt nicht schreiben, es wurde weitgehen alles gesagt. Ich kann nur für mich sprechen - wenn ich schon für meine Tangogenuss weit fahren muss, dann nur auf eine Encuentro - Festivals und Marathons kommen für mich nicht in Frage.

Anonym hat gesagt…

Danke für deinen tollen Beitrag, Christian

Schreibe meine Gedanken nicht über Großveranstaltungen, diese werde ich nicht besuchen.
1Festival war genug,es war schön !

Lokale Defizite:
Zitat Chris: …. zu einer Verödung der Böden führen könnte,…. Aber was dagegen tun?
Neugierde und eventuell der heutige Konsumationswahn nach angeblich Besserem (oftmals ganz gut hochgepuscht), treibt viele an, auch dabei sein zu wollen. Auch wenn es ihnen daheim gefällt, sind sie trotzdem immer wieder auf der Suche nach noch mehr, noch, noch, noch. Stabilität und Ausdauer für gut Bewährtes wäre wünschenswert ohne natürlich die Besuche für div. Großveranstaltungen schmälern zu wollen. Ich glaube allerdings, dass dieser Großveranstaltungsboom auch wieder etwas rückläufig werden wird – Sättigungsvermutung. Kostenabsturz der Veranstalter durch größer werdende Konkurrenz. Jeder Boom schwächt einmal ab.
Fehlen darf niemals eine konstruktive, faire Kritik, die ein Veranstalter und DJ aushalten muss, will er sich denn nachhaltig verbessern und eine gut gefüllte Piste mit vielen zufriedenen Tänzern haben, die sich auf seine nächste Milonga freuen. Ich denke hier an die Location, sehr gutes DJ-Ing, Tonqualität, Bodenbeschaffenheit, Musikauswahl, etc. etc.
Wer eine gute traditionelle Milonga schaffen will, muss und wird sicher sein Bestes in allen Punkten geben.
Natürlich kann man es nie allen recht machen, das sollte allen Kritikern auch bewusst sein (man hofft es zumindest).
Für manche Regionen wäre es durchaus sinnvoll, über einen Zusammenschluss zu diskutieren, statt viele kleine Minigruppen zu bilden, (man vermisst dann in der Folge genügend Tänzer, Tänzerinnen und letztendlich wird man auch die Milonga vermissen. Veranstalterfrust, Tänzerinnen und Tänzerunlust ist das Ergebnis) die nicht jeden wirklich befriedigen.
Somit könnte aus einer Region, die zwar über ganz gute Tänzer, aber eben wenige verfügt eine größere stabile Szene mit der Zeit werden obwohl mehrere Angebote auch ihren Reiz haben können.

Schönen Tag noch

Anonym hat gesagt…

Ich kann Christian nur zu seinem Text beglückwünschen, er spricht mir aus der Seele! Ich gebe hier jetzt mal den Beelzebub und ergänze provokant: Der traditionelle Tango ist mittlerweile ein so starkes Markenzeichen geworden, daß manch extrem elastische Veranstalter oder DJ dieses Markenzeichen okkupiert um damit seine Aktivitäten zu bewerben. Das geht meistens nicht gut aber es gibt immer noch Veranstalter und DJs, die beinahe verzweifelt Ruhm und Geld hinterherlaufen. Dann laufen sie in einem zweiten Schritt dem vermeintlichen Massengeschmack hinterher und weichen Konzepte auf damit möglichst Viele kommen. Das kann man sowohl bei überregionale Veranstaltungen als auch in lokalen Szenen beobachten.

Ich kann den anonymen Beitrag (offensichtlich von einem Veranstalter geschrieben) weiter oben gut verstehen. Es muss anstrengend sein, eine gute Besuchergruppe zu wählen. Nur sollte man dann nicht so tun, als ginge es nach Regeln (z.B. dem Windhund-Prinzip). Ernstzunehmende Veranstalter werden mit einem Encuentro nie einen Gewinn erzielen können - dafür ist der Aufwand zu hoch. Dann soll es ihnen wenigstens vergönnt sein, dass die 'richtigen' Tänzerinnen und Tänzer kommen.

Anonym hat gesagt…

Tango-Spiesser unter sich beim Taliban-Hochamt .... ekelhaft!

cassiel hat gesagt…

@letzter Anonym:
Gut gebrüllt, Löwe!

Darf ich meine periodisch vorgetragene Bitte wiederholen? Für eine Diskussion wäre es leichter, wenn jede Kommentatorin, jeder Kommentator einen (Phantasie-)Namen angeben würde. Danke.

haribold hat gesagt…

Vielen Dank, lieber Christian Tobler: Für dein aufschlussreiches Plaudern aus dem Nähkästchen eines Tango-Encuentros! Ich gebe zu, ich wusste bisher nicht, was die Gesalbten des TA mit encuentro meinen - das spanische Wörterbuch hilft da ja nicht wirklich weiter.

Jetzt, da ich zu den Wissenden gehöre, werde ich ganz bestimmt nicht die "Übernachfrage" auch noch verstärken. Ganz im Gegenteil. Ich hoffe sehr, nie aus Versehen in so eine Veranstaltung zu geraten. Eine sog. win-win-Situation: Weder ich noch die encuentro hat Stress! Oder!? (Echt gemeine Nachbemerkung: Wenn es wirklich möglich ist, mit wenigen Paaren so eine encuentro aufzumischen, wie CT schreibt... Reizvoll wär's schon!!!)

Ach, im Ernst: Ich mag den Tango argentino wirklich wirklich! So ein wunderbarer Tanz! Warum muss man ihm mit so einem elitären Geschiss den Garaus machen? Es lebe die gemeine Dorf-Milonga um die Ecke, wo jeder nach seiner Tango-façon selig werden darf!

Chris hat gesagt…

"Tango-Spiesser unter sich beim Taliban-Hochamt .... ekelhaft!"

Mich würde ehrlich interessieren, wie der Urheber dieses wertvollen Beitrages tanzt. Ob sein Tango so kraftvoll und feinsinnig ist, wie seine Schreibe. Ob mich seine Art zu tanzen, neugierig machen würde. Aber ich nehme an, wir werden uns nie begegnen.

Anonym hat gesagt…

Kommentar eben abgeraucht also nochmal

Sieht aus wie eine normale Milonga, nicht besonderes

http://www.youtube.com/watch?v=OB7FPLRt7RE
oder
http://www.youtube.com/watch?v=QtKvkYkkaGA

nur riesig viel Platz zu tanzen.
interessant das Verhalten bei mehr rytmischer Musik, oder wird nur sehr tragende Musik gespielt?


Gruss Bert

haribold hat gesagt…

PS zu Christian Toblers "Seitenblick": Mach dir mal keinen Kopf um die "lokale Szene". Die kann locker auf "encuentro-routinierte Tänzer" verzichten! Da gibt's auch keine Probleme mit "frischem Blut". Warum wohl?!

Anonym hat gesagt…

Hallo in die Runde.
Warum gibt es derlei Widerstand gegen Enquentros, wie hier von einigen Kommentatoren vorgebracht? – Frage ich mich.

Ausgeschlossen sein von etwas kann schon verletzend sein. Und ein elitäres Gehabe, was sich der Mensch scheinbar leicht zueigen machen kann, fördert diese Verletzung.

Man braucht wahrscheinlich eine gute Portion Selbstvertrauen, um derlei Verletzungen nicht an sich heranzulassen - wie ebenso ein hohes (Selbst)Reflektionsvermögen um nicht in die Falle der Eitelkeiten zu fallen.

Wenn ich das richtig verstanden habe: erstes Auswahlkriterium für Encuentros ist gut tanzen und die Regeln umsetzen zu können.

Viele hören jedoch ab einem bestimmten Niveau auf, ihre Tanzfertigkeiten weiter zu verbessern. Siehe hierzu die interessante Frage

"Why tango dancers lose interest in improving their skill (Veronica Toumanova) https://www.facebook.com/notes/veronica-toumanova/why-tango-dancers-lose-interest-in-improving-their-skill/10151876920837499

Das Ziel anzuvisieren, sich stätig zu verbessern, scheint jedoch genauso auf Seiten mancher Enquentro-Organisatoren nicht vorhanden zu sein - wie von Christian Tobler zumindest dargestellt.

Warum? (finanzielle Gründe natürlich ausgeschlossen) Haben wir Angst vor der Nähe zur Perfektion? Angst vor der Tiefe, die erreicht werden kann? Angst, Visionen zu haben? Wolen wir uns als Mensch überhaupt verbessern?

Ein offensichtlich Organisator von Enquentros-Kommentator sprach hier recht am Anfang ja von Vision. Ich bin ungeblaublich interessiert daran.
Wäre es entzaubernd, uns deine Vision vorzustellen?

Gruß von einer "Beginnerin", die noch nie auf einer Enquentro war.
Araya.

Anonym hat gesagt…

Ein Wort zu der von Christian Tobler aufgeworfenen Problematik angeblich negativer Auswirkungen von Encuentros etc. auf örtliche Milongas.
Es mag schon sein, dass manche lokale Szene darunter „leidet“, wenn ein Teil ihrer
guten/ambitionierten Tänzer(innen) mehrfach jährlich auf Achse und nicht in der Stamm-Milonga sind. Tatsächlich wird es sich aber nur äußerst selten zu einer Art Exodus der Eliten und Aussterben der lokalen Milongas kommen. Weil 1.) nicht alle Tänzer auch einer lokalen Szene die gleichen Encuentros besuchen, woraus folgt, dass nicht alle gleichzeitig weg sind, und 2.) nicht alle Tänzer alle Encuentros besuchen.
Wo es zu einem als massenhaft empfundenen Zug der lokalen Eliten weg aus der Haus-Milonga hin zum Encuentro gibt, ist möglicherweise was faul und nachdenkenswert, warum das so ist. Es sind manchmal nur Kleinigkeiten, die die Reisefreudigen daheim vermissen und in die Ferne treiben: der verbindliche Rahmen der zu Hause oft vermissten, weil dort unbekannten oder gar verpönten Códigos, verlässliche gute Musik und deren klare Gliederung, rücksichtsvolles statt rustikales Tanzen auf der Piste. Wenn lokale Milongabetreiber bereit sind, ihren eigenen „Laden“ ein wenig selbstkritisch zu betrachten und vielleicht für erfreulichere Verhältnisse sorgen, fahren die örtlichen Eliten womöglich ein- oder zweimal weniger pro Jahr in die Ferne.
Andersherum profitieren lokale Szenen aber auch von ihren „Fernreisenden“. Das „Encuentro-Volk“ ist international und zumindest im Kern, aber auch an dessen Ausläufern, einander sehr verbunden. Und es ist hochmobil. Wann immer einer/eine aus dieser insgesamt nicht kleinen Gruppe außerhalb der heimischen Region unterwegs ist, wird er/sie bei einem dort ansässigen Encuentro-Freund/einer Encuentro-Freundin anfragen, wo man denn dort tanzen gehen kann. In solchen Fällen haben dann lokale Milongas in aller Regel gut tanzenden Besuch, wovon dann doch alle was haben dürften.
Herzlichst,
Mario

cassiel hat gesagt…

Ich bin gerade beruflich unterwegs und kann mich deshalb nicht regelmäßig an der Diskussion beteiligen. Mir haben die Gedanken von Mario sehr gut gefallen. Vielleicht ist es zu kurz gedacht, wenn man meint, die Encuentro-Gänger sind nur als reiner Verlust für lokale Szenen zu sehen. Ähnlich wie Mario bin ich der Ansicht, sie bringen etwas mit zurück und das kann bei günstigen Vorraussetzungen auch manche lokale Szene beflügeln. Außerdem veranstalten nicht selten Encuetro-Besucher etwas in ihrer Heimat und werden von deren überregionalen Freundschaften dann auch bei den Veranstaltungen besucht. Insofern sehe ich es auch eher als Gewinn für lokale Gemeinschaften.

Vielleicht schreibe ich noch einen Gedanken zu dem vereinzelten Sperrfeuer, welches hier ab und zu im Verlauf der Diskussion auftaucht:
Ich frage mich, wie man einerseits vehement für musikalische Vielfalt in der Milonga eintreten kann (also Non- bzw. Neo-Tango unbedingt in den musikalischen Kanon aufnehmen möchte) und andererseits die geforderte Vielfalt im Bezug auf den Veranstaltungscharakter komplett negieren kann. Es mag sein, dass die Idee von Haribold (ein Encuentro aufmischen) nur als Provokation zu lesen ist (rein praktisch betrachtet war es dem Haribold auch gar nicht möglich so zu handeln, er würde dafür keine Tanzpartnerinnen unter den Encuentro-Gästen finden), für mein Empfinden stecken aber hinter derartigen Äußerungen (da gab es noch einige andere unerfreuliche Wortmeldungen in diesem Diskusssionsstrang) gehörige Portionen Intoleranz und Missgunst. Ich verstehe nicht, wie man sich mit einer solchen Grundeinstellung im Tango bewegen kann.

Nix für ungut… :-)

Wolfgang hat gesagt…

Zunächst erst einmal vielen Dank an Christian Tobler für den ausführlichen und kompetenten Gastbeitrag. Eine gelungene Beschreibung der verschiedenen Veranstaltungsarten.

Über Festivals und Marathons bin ich schlussendlich zu den encuentros gekommen, die ich gerne europaweit besuche. Warum nehme ich die weiten Reisen in Kauf und gebe sehr viel Geld dafür aus? Um etwa von 'Tango-Terroristen' à la Haribold auf der Tanzfläche aufgemischt zu werden? Ganz sicher nicht. Um in einem pseudo-elitären Umfeld zu tanzen? Auch nicht. Mir geht es um das Wiedersehen von Tango-Freunden aus aller Welt mit denen ich schöne Tandas teile mit Respekt und Rücksicht auf die anderen.

Nun zu den Veranstaltern, die sicher einen besonders schweren Job haben um möglichst viel unter einen Hut zu bekommmen. Viele geben sich mittlerweile besondere Mühe gute TJs zu verpflichten und einen guten Veranstaltungsort mit Verkehrsanbindung zu finden. Versetzt euch mal in deren Lage und stellt eine Besucherauswahl her - es handelt sich schliesslich nicht um eine Dorfdisco bei der die Halbstarken den Ton angeben (bewußter Seitenhieb auf Haribold) sondern um eine Treffen (encontrar) von Freunden. Und Freunde kann sich der Gastgeber (Veranstalter) nun mal aussuchen. Ein guter Gastgeber macht dies umsichtig und gestaltet die Gästeliste interessant. Natürlich greift er auf Bewährtes zurück und mischt ein wenig Neues hinzu. Vielleicht wäre es eine Idee absoluten Neulingen eine Art erfahrene Mentoren an die Seite zu stellen. Win-win-Situation: Erfahrung wird weitergeben und Unsicherheiten und unabsichtliche Fehler werden vermieden.

Warum werden manche Tänzer/innen nicht eingeladen? Kann es daran liegen, dass sie glauben mit ein Unterrichtsstunden oder Intensivworkshops alles zu können. Fehlt eine gewisse (realistische) Selbsteinschätzung? Meiner Ansicht nach ist es so wie beim Schwimmen in einem Fluss in Richtung Quelle: Sobald man aufhört zu schwimmen, treibt man rückwärts. Das heisst für mich: nie aufhören mit der Basisarbeit. Und den Lohn dafür bekommt man durch das leuchtende Gesicht eines/einer Tanzpartner/in während und nach der Tanda. Dazu braucht es keine sacadas, boleos usw. gute Musikalität, eine schöne Umarmung und ein sicheres, respektvolles Tanzen ohne Zusammenstösse reicht völlig.

Die lokale Szene gewinnt sehr wenn Teilnehmer von encuentros subtil ihre Erfahrungen durch gutes Vorbild auf und neben der Tanzfläche weitergeben. Angefangen bei mirada/cabeceo (die schönste Art für eine Frau 'nein' zu sagen), nur eine Tanda tanzen (die anderen wollen auch tanzen) bis zum Begleiten der Frau zum Platz (Kinderstube).

Ich wünsche jedem/jeder seinen/ihren Rahmen des Tangotanzens zu finden und die Toleranz für diejenigen aufzubringen, die sich für eine andere Form entschieden haben. Aber bitte keine Kreuzzüge veranstalten - dabei wird zuviel kaputt gemacht.

Sonnige Grüße
Wolfgang

PS: Haribold steht nur symbolisch für respektlose Tanzflächen-Terroristen und es ist nicht persönlich gemeint (kenne ihn ja nicht mal).

haribold hat gesagt…

Na, war ja klar, dass man sich nur an meiner deutlich ironisch gemeinten "encuentro aufmischen" Bemerkung abarbeitet. Mein Fehler, so was zu schreiben!

Nein, liebe Edoisten und Encuentroisten, der Punkt ist diese unglaubliche ARROGANZ, mit ihr um die Ecke kommt. An eurem Wesen soll die Tango-Welt genesen: Christian Tobler: "...wenn diese meist zu den besseren Tänzern (!) gehörenden an Milongas ihres Wohnorts kaum noch vertreten sind, verlangsamt das die Entwicklung der Szene. Irgendwann kann das Niveau in einer lokalen Szene dermaßen leiden (!)..." - Mario: "Wo es zu einem als massenhaft empfundenen Zug der lokalen Eliten (!!!) weg aus der Haus-Milonga hin zum Encuentro gibt..." - Wolfgang: "Die lokale Szene gewinnt sehr (!) wenn Teilnehmer von encuentros subtil ihre Erfahrungen durch gutes Vorbild (!) auf und neben der Tanzfläche weitergeben."

Ich plädiere dafür, dass jeder nach seiner Tango-façon selig werden darf und muss mir von Cassiel (der für einen sehr engen, konservativen und durchreglementierten Edo-Tango steht) Intoleranz und Missgunst vorhalten lassen. Geht's noch?!

Dieses herablassende "Wir haben den wahren Tango gepachtet" ist es, was mir so mächtig auf den Zeiger geht! Ihr gebt zwar vor, hier diskutieren zu wollen. Indes wird missioniert statt diskutiert.

Da müsst ihr halt hin und wieder einen verbalen Gancho in euren müden Edoschritt hinnehmen :-)

cassiel hat gesagt…

So. Ich will versuchen, da jetzt einmal ein wenig Ruhe in die Diskussion zu bringen.

Zunächst @Wolfgang
Mir ist sehr unbehaglich, wenn ich von Tango-Terroristen lesen muss. Selbstverständlich ist es nachvollziehbar, dass man irgendwann den Wunsch verspürt, auf dieses ständige Tango-Taliban-Gequatsche in adäquater Weise zu reagieren um die die Verletzung einmal auch für die Gegenseite erfahrbar zu machen. Ich denke aber, dieses verbale Wettrüsten führt zu nichts. Wir landen schließlich in einer Spirale der sprachlichen Verrohung an der ich zumindest nicht beteiligt sein möchte. Also distanziere ich mich ausdrücklich von dem Begriff. Mir wäre es auch sehr Recht, wenn dieses Blog nicht zu einem Austragungsort für derartige Scharmützel verkommt.

… und nun zu Dir Haribold:
Nach meiner Wahrnehmung muss die Arroganz, die Du irgendwo auszumachen meinst, gar nicht unbedingt auch so von Dritten gemeint sein. Kann es nicht auch sein, dass Du an dem Punkt besonders empfindlich bist? Provokanter formuliert: Lese ich da zwischen den Zeilen einen Minderwertigkeitskomplex heraus? Mir kommt es fast so vor. Kannst Du mir einmal sagen, warum es Dich beeinträchtigt, wenn Liebhaberinnen und Liebhaber traditioneller Tanzmusik ein paar hundert oder gar ein paar tausend Kilometer fahren um Gleichgesinnte zu treffen? Muss man da verbal so reinklotzen wie Du das hier tust? Warum?

Du vergisst m.E., dass viele, denen Du hier Arroganz vorwirfst, den von Dir praktizierten Tango kennen. Ich z.B. habe ja eine Schule durchlaufen, in der mir Boleros, Sacadas und was weiß ich noch beigebracht wurde. Ich habe für mich entschieden, dass das nicht mein Tango ist, insofern habe ich mich in meiner Begrifflichkeit weiterentwickelt. Bei dieser Wortwahl wirst Du wahrscheinlich schon aufregen und Dich in einer erdnahen Umlaufbahn befinden - dabei habe ich nur über mich und meine Entwicklung gesprochen. Ja, ich habe bei Deinen Texten herausgelesen, dass Du es anderen Menschen nicht gönnst, wenn sie ihren Tango in der beschriebenen Weise weiterentwickeln wollen. Du musst Dich dann (aus welchem Grund auch immer) hier erst einmal breit machen und den Leuten auf der Metaebene vorhalten, ihre Haltung wäre arrogant.

Du schreibst, Du plädierst dafür, dass jeder nach seiner Tango-façon selig werden darf. Schön! Warum also dürfen die traditionelle Tänzerinnen und Tänzer es nicht? Du kannst doch jederzeit zu Milongas gehen, die Deinem Tango-Geschmack entsprechen.

Deine Unterstellung, "Wir haben den wahren Tango gepachtet" steht hier nirgends - es ist eine Unterstellung, die Du augenscheinlich benötigst um Dein ungezogenes Benehmen hier zu rechtfertigen. Es wird auch niemand hier versuchen, Dich zu missionieren und wenn Du ängstlich sein solltest, es könnte doch passieren und Du würdest hier vielleicht doch bekehrt, dann steht es Dir selbstverständlich frei, hier einfach nicht mehr mitzulesen. So einfach ist das.

haribold hat gesagt…

Lieber Cassiel,

1. Ich habe den Arroganz-Vorwurf mit drei kurzen Zitaten von drei Autoren belegt. Es gäbe noch jede Menge mehr.

2. Ich habe gar nichts gegen "traditionelle Tänzerinnen und Tänzer". Wenn sie so weit fahren müssen, um Gleichgesinnte zu treffen, tun sie mir allenfalls ein wenig leid.

3. Zitat Wikipedia: "Die Tänzer des Goldenen Zeitalters entwickelten die Figuren und Drehungen, wie sie bis heute getanzt werden: Voleos, Ganchos, Ochos, Quebradas und viele mehr." Wenn das als Edo-Fan nicht Dein Tango ist... auch ok!

4. Mir liegt der Tango am Herzen. An seinen Wurzeln war er mal ziemlich egalitär. Entstehen konnte er nur, weil die am Schöpfungsprozess Beteiligten so offen waren. Auch und gerade weil der TA heute nur noch der Tanz einer bürgerlichen Szene ist, fügen Arroganz und elitäres Sektenwesen ihm großen Schaden zu!!!

5. Ich finde es schön, dass es deinen Tangoblog gibt, darum lese ich ihn. Möchtest du, dass sich hier nur Gleichgesinnte äußern? Wenn nicht, dann erlaube mir doch bitte hin und wieder einen ungezogenen Kommentar, wenn mir die Schlagseite des Blogs gar zu heftig wird.

Muchas gracias!

cassiel hat gesagt…

Ach Haribold, ich denke, hier liegt jeder /jedem der Tango am Herzen. Natürlich kann ich in einem Beitrag so lange suchen, bis ich etwas finde, was man möglicherweise als Arroganz auslegen könnte. Geht es wirklich darum? Ich bin ebenso der Meinung, dass am Encuentros eher die besseren Tänzer zu finden sind. Bin ich deshalb arrogant? Und auch ich versuche zumindest durch mein Verhalten in der Milonga ein Vorbild denen zu geben, die noch nicht so lange im Tango sind. Ist das auch arrogant?

Schön, wenn Dir mein Blog gefällt. Aber so manchmal gehen Dir bei der Wortwahl die Pferde durch. Ich denke, weniger kraftvoll formuliert und etwas besser begründet würdest Du Dein Anliegen besser unter die Leute bringen können.

cassiel hat gesagt…

Ach so... den Gedanken habe ich noch vergessen: Bei Wikipedia kann jeder schreiben, also beispielsweise auch Du oder ich. :-)

Deswegen ist es so mühsam daraus zu zitieren. Ob die Figuren lt. Wikipedia zum Tango gehören hängt davon ab, ob Du den Artiekl über den Tango bei WP geschrieben hast, oder ich der Urheber bin.

haribold hat gesagt…

@cassiel:
Ich möchte jetzt keinen langweiligen Dialog anfangen. Aber bleib bitte fair und bei den Fakten: Wer in Wikipedia schreibt, muss seine Aussagen hinreichend belegen, sonst wird der Artikel beanstandet. Der TA-Artikel ist unbeanstandet und hat 39 Einzelnachweise. Selbstverständlich dürftest du die zitierte Aussage ändern. Aber dann musst du es auch belegen.

Ob du Figuren tanzen kannst oder willst liegt ganz bei Dir.

@ Araya:
Mir gefällt der von dir empfohlene Artikel "Why tango dancers lose interest in improving their skill" sehr! Übrigens auch den ebenda zu findenden Artikel "Why there is often so little dance in people dancing tango".
Danke für diesen Hinweis!

Anonym hat gesagt…

"3. Zitat Wikipedia: "Die Tänzer des Goldenen Zeitalters entwickelten die Figuren und Drehungen, wie sie bis heute getanzt werden: Voleos, Ganchos, Ochos, Quebradas und viele mehr." Wenn das als Edo-Fan nicht Dein Tango ist... auch ok!
"

Diese Elemente/Figuren wird es schon viel früher gegeben haben. Sie gehören genauso zum Tango, wie gehen. Die alten 70+ Tangotänzer können das, woher wenn es das nicht wäre. Nur gehen ok, es ist doch dann eher eine reduzierte Ableitung des Tango, notwendig wenn kein Platz ist. Aber sein Tango nur dahin zu plazieren, sehe ich nicht als Entwicklung. Es entspricht so nicht der Freiheit die einem der Tango gibt.

Gruesse Bert

Paul hat gesagt…

@Bert
Ich denke dass sowohl Tango mit allen möglichen Figuren, als auch Tango ohne Figuren, Focus auf die Musik ohne die enge Umarmung aufzulösen, "Tango" ist. Nun gibt es Tänzer die die durchgetanzte enge Umarmung ohne eingestreute Kunststücke bevorzugen. Das hat übrigens nichts mit der Verweigerung von Entwicklung zu tun. Die findet ja in allen Bereichen statt. Sowohl bei denen die in der engen Umarmung bleiben, als auch bei denen die mit "aus der Achse Figuren" herumexperimentieren. Es gibt Tänzer die mögen beides und sind entsprechend anpassungsfähig.

Und es gibt Tänzer die die enge Umarmung und die Interpretation der Musik mit subtilen, von außen kaum wahrnehmbaren Mitteln, so sehr lieben, dass sie nichts anderes mehr wollen.
Dieses Tangoverständnis findet man konzentriert auf diesen Encuentros.
Den Unterschied dieser Tango-Stile erklärt Osvaldo Natucci wunderbar in einem Interview mit Monika Paz.

http://www.youtube.com/watch?v=M2Bu5Zl8AEk

Anonym hat gesagt…

http://www.youtube.com/watch?v=MiyO2_hH2OY

das sind Aufnahmen,würde sagen aus den Sechzigern. Die Tanzer/innen sind meist älter. Es dürfte in den 40ern gewesen wo die Leute gelernt haben.
Etwas für die Show aufgebohrter Salontango. Auf die haben viel Routine in den Dingen wie man sieht. Das sagt mir das in der EDO nicht nur gegangen wurde, sondern eher Salon Tango getanzt wurde.
http://www.youtube.com/watch?v=pLQdTkwMSds
Immer alles in Abhängigkeit der Räumlichen Möglichkeiten.
Kolidiert ist man auch schon früher. http://www.youtube.com/watch?v=pRn3fW5GW2o
1:15
Das ist kein Problem der Neuzeit

Gruesse Bert

Anonym hat gesagt…

Warum laufen gerade in diesem Blog die Diskussionen so gut wie jedes Mal vor allem thematisch aus dem Ruder? Freude macht das nicht - weder es zu lesen, erst recht nicht, sich an solchen Dislussionen zu beteiligen. Ein Modertaor, der die Diskutanten rügt wir Schulbuben und sehr wertend unterwegs ist, ist da nicht besonders hilfeich. Da höre ich beim Lesen den Rohrstock sausen...Greta

Loretta hat gesagt…

ich bin wütend! Da lasse ich mich seit 9 Jahren zum und gegen den Rhythmus durch Milongas bewegen, beginne in meiner Verzweiflung sogar die führende Rolle zu erlernen nur um zu bemerken, dass ich damit nur die Almdödels gegen die Landpomeranzen eintausche und nun erfahre hier so nebenbei, dass die wirklichen Tangotänzer sich an geheimen magischen Orten beglücken und mich mit dem kläglichen Rest alleine lassen. Und das mir, Loretta, die ich mich pausenlos im Spiegel betrachte und nie einen Makel an mir erkennen konnte. Aber damit ist es nun vorbei, und – ich muss es sagen: Lieber Christian, glaube mir, deine als Workarounds bezeichneten Erkenntnisse zur weiblichen Raffinesse sind süß aber sei versichert, das geht ganz anders.


Chris hat gesagt…

@Loretta: LOL, Spieglein, Spieglein an der Wand, wo sind die Tollsten hier im Land?

bird hat gesagt…

Christian dir einen Dank für die Mühe solch einen ausführlichen Beitrag zur Diskussion bereitzustellen und dich einmal mehr allem was da so kommt auszusetzen !
Es wurde hier ja schon von Encuentros berichtet und was dort Schönes geschehen kann. Das hat mich damals sehr angesprochen und tut es noch heute. Nach dem Lesen deines Beitrags geht mir jedoch folgendes im Kopf herum:
Wie passt vieles was hier in diesem Blogg für Wichtig, Schön und Gut befunden wird damit zusammen, dass Gastgeber, wie von dir beschrieben, liebgewonnene Gäste nicht mehr einladen, um anderen eine (berechtigte) Chance zu geben ? Für mich, wenn ich mir vorstelle Gastgeber zu sein, wäre das ein Ding der Unmöglichkeit. Ich sehe durchaus das Dilemma, könnte aber nicht Menschen die gerne Gesehen sind zu Gunsten anderer ausladen. Diese Geste, finde ich, passt so gar nicht in den hier immer wieder beschriebenen Kontext von guten und schönen Umgangsformen. Und ich finde nicht, dass das, bei den Zurückgewiesenen, mit verletzter Eitelkeit zu tun haben muss. Das ist verletzend und kränkend, warum soll man so nicht fühlen dürfen ?
Wäre ich Veranstalter würde ich mir ein festes Kontingent an Plätzen freihalten für „ Neulinge“ . Und damit es nicht doch immer mehr und mehr werden kann eben nur kommen wär sich am schnellsten angemeldet hat. Das ist auch nicht ganz prickelnd, gefällt mir aber besser als Gäste nicht mehr einzuladen oder gar auszuladen.
Dein Beitrag über Encuentros und auch deren Schattenseiten hat mich nachdenklich gestimmt.
Eine gute „Heimat-Milonga“ hat auch was !!!

Anonym hat gesagt…

Dieses von Christian erwähnte Phänomen ist zunehmend zu beboachten: Die erfahrenen Tänzer finden immer weniger Freude in der heimischen Milonga. Sie ziehen sich aus ihr zurück und beginnen, fast nur noch auf regional übergreifenden Veranstaltungen ihrer Sehnsucht nach erfüllendem Tanzen nachzugehen. Die heimischen Milongas verlieren an Qualität und an Anziehungskraft. Anfangenden Tänzern werden dadurch weniger Anregungen geboten und der Motivationsschub, sich zu verbessern wird geringer. Der Zuspruch lässt in einer sich selbst verstärkenden Spirale nach.

Ich kenne genügend Beispiele, wo eine einstmals inspiriernde und sehr lebendige Szene schleichend verödete.


Mario hat ven Weg aufgezeigt, wie man vielleicht entgegenwirken kann.
Das mag mildernd wirken, aber wird den Trend nicht stoppen. Und wenn ich mich nicht täusche, ist der Zulauf neuer TänzerInnen nicht mehr so hoch wie noch vor einigen Jahren. Man sieht zum größten Teil die immer gleichen Gesichter wieder.Das ist zwar auch schön, weil es auch in gewisser Weise "familiär ist. Aber die Szene beginnt, im eigenen Saft zu schmoren.

In Argentinien schaut man ein bisschen amüsiert und verwundert auf das Phänomen der Marathons, Encuentros und Festivals in Europa. Dort tanzt man traditionell am liebsten in der eigenen Szene und begreift die Milonga vor allem als sozialen Event . es wird gegessen und getrunken, man trifft sich redet an den Tischen und tanzt natürlich.

Europa geht hier einen eigenen weg, erforscht dieses vollkommene Focussieren auf das Tanzen - bei reduzierten kulinarischen Bedürfnissen. Wir suchen auch hier nach Steigerung, Effektivierung und vielleicht nach so etwas wie "garantierter" Magie. Ich sage das ohne kritschen Ansatz, zumal ich eben diese Tendenz des Rückzugs aus heimischer Szene etc, an mir selbst wahrnehme.. Aber Anlaß zur Sorge besteht. Man wird sehen, ob wir uns nicht hier am Ende zu Tode optimieren, weil wir uns womöglich der Wurzeln berauben und weil wir uns selbst genügen, anstatt Menschen neu mit dem Tangovirus zu infizieren und auf die eigene Szene befruchtend zu wirken.

Danke für die nachdenklichen und gern auch manchmal kontroversen Beiträge, die hier immer wieder auf so angenehmem Niveau angestoßen werden.




Wolfgang hat gesagt…

@Loretta: Dein Kommentar ist köstlich und weil diese konspirativen Treffen so supergeheim sind, werden sie im internet veröffentlicht: http://www.gatomilongueiro.com/encuentros/2014/
Vielleicht plauderst Du noch aus dem Nähkästchen über die wirklich raffinierten weiblichen Tricks.

Anonym hat gesagt…

(Ich habe diesen Beitrag nach den ersten Kommentaren angefangen und strebe wie
manch anderer nicht nach politischer Korrektheit.)

Trotzdem für mich derzeit die Beteiligung an einem Encuentro aus
wirtschaftlichen Gründen eher eine akademische Frage ist, verstehe ich
jetzt nach diesem Thread diejenigen besser, die gegen »diese elitären
Zirkel« wettern.

Erst einmal fragte ich mich, wie ich mich als nicht überregional vernetzter
Tänzer zu einem Encuentro anmelden kann. Da war es beruhigend, Swetoslaws
Beitrag zu lesen: die wenigsten Encuentros laden handverlesen ein.

Nächste Frage: Ich habe als Vertreter der privilegierten Minderheit (Mann,
tanzt leidlich und gerne) eine Partnerin gefunden und wir meinen es ernst.
Wir wollen da wirklich zusammen hin, miteinander und den Anderen tanzen.
Die Nachfrage überschreitet die örtlichen Kapazitäten - der Organisator muss
anhand irgendwelcher Kriterien auswählen. Wie weisen wir nach, dass wir die
Aufnahme in die »in-crowd« wert sind? Es gibt ja einen Unterschied zwischen
Selbst- und Außenwahrnehmung.


Noch eine Frage: Bin ich hinreichend verbissen, ideologisch und technisch reif
für ein Encuentro? EdO, Cabeceo, eine Tanda pro Partnerin, enge Umarmung?

- Auf meinem Tango-Lebensweg veränderten sich meine Vorlieben mehrfach. Jetzt
bin ich bei der EdO angelangt und finde es nicht lustig, wenn zu Pugliese
eine Rhythmusmaschine dazugemischt wird. Auf Samba mag ich keinen Tango
tanzen. Aber ich habe an Leschenko meine Freude ebenso wie an deutschen und
französischen Tangos aus den Zwanzigern oder Dreißigern. Mittlerweile tanze
ich zu Neo-/Non, wenn ich die Tanzpartnerin oder die Musik nett finde. Das
kann dann auch Metallica sein, interpretiert von vier Cellisten.

- Ich habe schon unter anderem Künstlernamen in diesem Blog meine Zweifel am
Cabeceo ausgedrückt ("zu viel Gewese darum"). Es gibt Leute, die sind als
Tänzer ohne den Cabeceo groß geworden wie ich. Die verbale Bitte um einen
Tanz ist mir aus der Tanzschulzeit geläufig; ein Korb kein Affront.
Trotzdem ist ein gelungener Cabeceo ein Glanzlicht in meinem Tänzer-Alltag.

- Die Partnerin für die nächste Vals- oder Milonga-Tanda sichere ich mir
gerne schon in der Mitte oder zu Beginn der vorhergehenen.

- Enge Umarmung. Ich habe da eine Vorstellung und wenig Übung darin, weil es
bei vielen Partnerinnen allein wegen dem Größenunterschied nicht passt.

Für mich ist die enge Umarmung die ganz hohe Schule, die auf beiden
Seiten viel gute Technik erfordert. Kein Wert an sich.


In Kurzform: Da möchte einer zum Encuentro. Er mag die "klassischen" Tangos,
aber nicht nur. Er weiß von Cabeceo und der engen Umarmung, hat es aber kaum
praktiziert und tanzt auch schon mal zwei Tandas am Stück mit der gleichen
Partnerin. Wolle mer ne roilasse?


Wie sieht er sich selber? Langjähriger Gern- und Vieltänzer mit Körperführung
trotz offener Tanzhaltung und dem Anspruch, unfallfrei übers Parkett zu
manövieren. Versteht den Tanz als Dialog. Zunehmed genervt von gewollt oder
ungewollt rücksichtslosen Tänzern. Auch genervt von den ganzheitlichen
weiblichen Greenhorns: "Die Figur kenne ich noch nicht!"


Der gespaltenen lokalen Szene habe ich vor gefühlt zwei Jahren den
Rücken gekehrt. Ich nehme für Unterricht und die Sonntagsmilonga insgesamt
dreieinhalb Stunden Wegezeit auf mich. Neulich wurde ich gefragt, wo man in
meiner Stadt Tango lernen kann. Der Fragerin habe ich empfohlen, nach … zu
fahren.

cassiel hat gesagt…

Da sind ja noch einige schöne Gedanken gekommen und ich möchte noch kurz dazu schreiben.

@letzter Anonym (18. Januar 2014 03:14)
Schön, dass Du schreibst und fragst. Ich will versuchen, Dir zu antworten. Allerdings muss ich vorab erwähnen, dass ich erst gut eine handvoll Encuentros besucht habe. Insofern können meine Antworten subjektiv verzerrt sein.

Die zwingende Vorraussetzung für die Teilnahme an einem Encuentro/Festivalito ist m.E. die Fähigkeit klein und rücksichtsvoll zu tanzen. Manchmal ist weniger als eine Armlänge nach vorne bzw. hinten und zur nächsten Spur Platz. Ich denke, dies ist ein Umstand, der häufig unterschätzt wird. Man sollte in der Lage sein, dann geduldig auf der Stelle zu tanzen und abzuwarten bis es weitergeht. Ein Spurwechsel um zu überholen hilft überhaupt nicht.

Du hast in Deinem Kommentar von der Divergenz in der Eigen- und Fremdwahrnehmung gesprochen. Das ist m. E. das stärkste Argument für den ausschließlichen Gebrauch des Cabeceos an solchen Veranstaltungen. Es gibt dort immer bessere Tänzer und man sollte geduldig warten, bis man dann eine Tanda mit der Traumpartnerin, dem Traumpartner ergattert.

Mit Deiner Angewohnheit, auch schon mal am Stück zwei Tandas mit einer Partnerin zu tanzen, wirst Du an einem Encuentro sofort auffallen. Es ist so, dass dort während der ersten Takte einer neuen Tands die visuellen Verabredung zum Tanz getroffen werden. Du wirst vermutlich keine Tanguera finden, die es mit Dir eine Cortina lang auf der Tanzfläche aushält (ich muss es so offen schreiben und möchte DIr keinesfalls damit zu Nahe treten).

Ich bin kein besonders begnadeter Tänzer und ich gestehe offen, dass ich an den ersten zwei Festivalitos eher eingeschüchtert war und nicht besonders viel getanzt habe. Das hat sich in der Zwischenzeit erledigt, aber ich möchte hier noch einmal nachdrücklich betonen, dass es auch einer gewissen Eingewöhnung in die Sitten und Gebräuche bei derartigen Events braucht. Inzwischen bemerke ich, wie ich bei jedem Encuentro etwas weiter mit meinem Tango komme. Es lösen sich bestimmte Probleme und ich bekomme mehr Übung in bestimmten Situationen.

Zu Deiner Frage, wie man da hineinkommt. Encuentros und Festivalitos werden mehret Monate vorab (meist bei Facebook) angekündigt und beworben. Ich habe auch schon viele Veranstalter auf örtlichen Milongas gesehen. Vielleicht kommst Du anlässlich einer solchen Gelegenheit mal mit einer Veranstalterin, einem Veranstalter ins Gespräch und erkundigst Dich. Oder Du sprichst mit Tanguer@s aus Deiner Szene von denen Du weißt, dass sie solche Veranstaltungen besuchen. Ein Patentrezept gibt es leider nicht.

Ich drücke Dir die Daumen und wünsche Dir viel Erfolg und ein hoffentlich wunderschönes Encuentro.

cassiel hat gesagt…

@Anonym (17. Januar 2014 22:28)
Du sprichst mutig einen Gedanken aus, der mir auch ab und zu kommt (die Szene beginnt im eigenen Saft zu schmoren) und ich habe kein Patentrezept, wie man das verhindern könnte. In Bs As gibt es sicher andere Traditionen und dort gibt es auch viel mehr Möglichkeiten für einen Milongabesuch. Ich denke, es ist nicht zuletzt eine Frage, wie sich Tanguer@s in ihrer lokalen Szene aufgehoben fühlen und inwieweit dort Raum für ihre persönliche Weiterentwicklung ist. Ich habe so manches Mal den Eindruck, dass argwöhnisch darauf geachtet wird, dass niemand einen Sonderweg geht. Tanguer@s die in ihrem Tango weiter kommen wollen bleibt gar nichts anderes übrig, als den geographischen Radius ihrer Milongabesuche stetig zu erweitern. Allerdings sollte man die Wirkung der Rückkopplung in der heimischen Szene nicht unterschätzen. Ich kenne genügend Beispiele von Tanguer@s, die dann eine eigene regionale Milonga aufziehen und so ihrer Heimatszene versuchen, den umarmungsfokussierten Tango näher zu bringen.

Ich bemerke aber auch für mich ein langsames Ruhiger-Werden. Diese große Aufregung und das Hinfiebern auf eine solche Veranstaltung legt sich langsam. Ich freue mich zwar immer auf ein derartig intensives Wochenende mit ca. 20 Std. Tango, aber ich bin deutlich entspannter geworden. Ich muss nicht unbedingt eine Tands mit einer bestimmten Tanguera haben. Wenn es nicht klappt, dann vielleicht beim nächsten Mal.

@ Greta (17. Januar 2014 17:47)
Wie soll ich es denn anders machen? Ich moderiere die Kommentare in diesem Blog nicht, sondern jeder darf schreiben, was ihm einfällt. Das ist mir sehr wichtig. Es gibt Leserinnen und Leser, die mich dann per Mail auffordern, störende Kommentare, die ohne jede inhaltliche Relevanz sind, kommentarlos zu löschen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dann sofort einige Zensur rufen würden. Bei dem Begriff Tango-Terroristen ging es mir dann doch zu weit und ich habe mich davon distanziert und meine andere Meinung artikuliert. Von einem Rohrstock habe ich nichts bemerkt.

cassiel hat gesagt…

@Bert (17. Januar 2014 17:24)
Vielen Dank für Deine Video-Links, die kannte ich teilweise noch gar nicht. Allerdings muss ich da doch einige relativierende Anmerkungen machen. Zu Deinem Beispiel aus den 60ern: So wie ich es gesehen habe, handelt es sich bei dem Video um zusammengestellte Filmschnipsel von getanzten Vorführungen - also eben genau nicht der soziale Tango in der Milonga. Da mag es Figuren gegeben haben. Mein Punkt in Diskussionen ist doch der, daß ich mich Frage, warum wir in der Milonga so viele, m.E. gefährliche Figuren erleben, die den Tanzfuss massiv stören. Auch Dein zweites Beispiel ist nicht aus der Milonga, sondern eine Vorführung bzw. Demonstration.
Ähnliches muss ich zu Deinem angeblichen Beleg für Kollisionen anmerken. Es handelt sich nach meiner Meinung um einen Ausschnitt aus einem Spielfilm von 1931 und die Kollision ist hier ein dramaturgisches Mittel um eine Aussage zu vermitteln.
Für mich sind dann andere Filmdokumente wichtiger. Es gibt bei YouTube eine wunderbare Serie von 18 Videos unter dem Titel: Viejos Milongueros Buenos Aires años 90. Da sieht man sehr gut, wie der Tango nach 30 Jahren Pause (vom Staatsstreich 55 bis zum Ende der Militärdiktatur Mitte der 80er) langsam wieder Fuß fasst. Besonders beeindruckt hat mich Teil 11. Da sieht man Milonga. Sicherlich sind da einige Spurwechsler aber alle tanzen für meine Wahrnehmung sehr rücksichtsvoll und ich sehe einige sehr musikalisch tanzende Tanguer@s. Siehst Du da irgendwelche großräumigen Figuren oder hohe Beine, wie man sie z.T. in Europa in der Milonga beobachten kann? Ich sehe die nicht.

Anonym hat gesagt…

@Cassiel,
es ist doch nicht das Problem es diese Sachen gibt, sondern das man damit umgehen kann. Das macht meiner erachtens einen guten Tänzer aus. Wenn ich einen Gancho in meiner Tanzshpäre halten kann, warum sollte ich keinen Gancho machen. Das der Kollisionsfilm ein Spielfilm ist weiß ich, Es dürfte aber schon realitätsnah sein. Den Serienlink mit dem Titel "Viejos Milongueros Buenos Aires años 90" hatte ich hier in den Blog gepostet. Ich halte es für keine gute Idee sich auf diese Art des Tangos zu reduzieren. Irgendwann ist es dann der neue Eurotango.
Das die Milongas ausbluten hat meines Erachtens mit dem zu tun das der Nachwuchs mit dem Stil nicht angesprochen wird. Für junge Leute sieht es eher Stehblues aus.
Die wollen mehr Action, da andere kommt später. Daher finde ich auch Nuevo sehr wichtig. Ich selber tanze ebenfalls eng, aber man muss sehen, das auch das andere wichtig ist. Da hilft das Ausgrenzen nicht. Irgendwann wird sonst aus den Encuentros ein Mumientanz

gruss Bert

cassiel hat gesagt…

@Bert

Schön, dass Du noch einmal geschrieben hast. Auch ich bin für Vielfalt. In in der Realität ist es nach meiner Wahrnehmung doch so, dass es neben den (häufig überregionalen) Encuentros genügend (mehrheitlich) lokale Angebote für den bewegungsfokussierten Tango gibt. Außerdem (so wurde mir es jedenfalls berichtet) gibt es auch Marathons, die eher sportlicher orientiert sind. Warum darf diese Vielfalt nicht nebeneinander existieren?

Und vielleicht noch ein weiterführender Gedanke: Ist es Dir schon einmal passiert, dass Du in der Ronda direkt hinter einem Paar getanzt hast, welches sehr sportiv unterwegs war und atembebraubende Figuren zu einem lyrischen Fresedo getanzt hat? Da habe zumindest ich Mühe, meine aktuelle Tanzpartnerin in Sicherheit zu bringen. Es war erst letzten Freitag so. Ein bewegungsreiches, höher energetisches Paar tanzte vor mir und meine Tanzpartnerin wurde plötzlich schmerzhaft am Knöchel getroffen (ich hatte einen kurzen Moment nicht aufgepasst). Es gab natürlich kein Zeichen einer Entschuldigung oder des Bedauerns. Keine 30 Sekunden später kamen die Zwei wieder (gegen die Tanzrichtung) auf uns zu und ich konnte noch gerade rechtzeitig die Tanguera nach außen drehen und für meinen sicheren Stand sorgwen und RUMS! der zweite Treffer. Dieses Mal so energiegeladen, dass die Zwei ihre Mühe hatten, nicht umzufallen. Mich stört so etwas. Und Veranstaltungen, bei denen ein solches Verhalten toleriert wird, versuche ich zu meiden.

Es gibt für meine Wahrnehmung übrigens sehr viele ausgesprochen junge Tänzer, die sehr gut und rücksichtsvoll tanzen - die kommen aber inzwischen überwiegend aus Südosteuropa. Nur in Deutschland wird mancherorts noch das Survival of the fittest, wie wir es aus dem Autoscooter von der Kirmes kennen, noch gelebt bzw. unterrichtet.

Anonym hat gesagt…

„Survival of the Fittest“ bedeutet im Sinne der Darwin’schen Evolutionstheorie das Überleben der am besten angepassten Individuen. Bei Encuentros sind das, wie hier inzwischen wiederholt dargestellt, nicht die Pistenrowdies, sondern diejenigen, die rücksichtsvoll und den Erfordernissen der Ronda entsprechend tanzen. Insofern dürften sich Freunde der auf Encuentros üblichen und gepflegten Verhaltensweise genau über diesen Anpassungseffekt freuen, weil nur diejenigen, die fit auf der proppenvollen Piste sind, in jenem Biotop überleben. Beste Grüße, Greta

Anonym hat gesagt…

Dann müsste es also heißen: "Survival of the most socials".
Wenn's mal so einfach wäre, mancher würde sich wohl gerne so selbst beweihräuchern (s.a. die Idee des Kommentars 15/1/11:31).
Sicher, es mögen weniger Karambolagen entstehen, als auf schlechten Milongas. Unter Ausblendung der Erfahrung, dass es viele Milongas mit sehr gutem sozialen Verhalten und Tanzstils gibt, trotz verschiedener Musikstile.
Sicher, mancher findet derzeit in den Encuentros seine Heimat. Identifikation, das ist ein wichtiges Merkmal von Zeitgeist (-events). Dagegen ist nichts einzuwenden.
Sicher, man meint zu wissen, worauf man sich einlässt, das Risiko einer Enttäuschung wrd dadurch minimiert wenn nicht ausgeblendet.
Daraus entsteht aber genau das Problem: Die Erwartungen der Teilnehmer sind immens, da kann der Veranstalter vorselektieren, wie er will. Dann gibt es eben doch einen eklatanten Männerüberschuss, wie Christian andeutet. Und es gibt eben doch die Szene-Encuentroros, die unter sich bleiben und unter sich auffordern. Die Insider, die sich dadurch definieren, dass sie sich von den Neulingen abheben. Die, die ja unbedingt dabei sein wollen, um auch richtig hip und en vogue zu sein.

Vielen Dank Christian, für deinen kritschen Beitrag, mir gefällt, wie du die hier die Gefahr der Selbsttäuschung bzw. des Selbstbetrugs auffächerst, unter Achtung all derer, die nach Wegen suchen, bessere Milongas zu gestalten. Musikauswahl, Hardware, Veranstaltungstyp, alles wichtige Faktoren, die dem Geheimnis etwas abgewinnen wollen. Bald wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben werden, bis dahin lasst uns über Encuentros die Tastatur heiß schreiben ;)

B. G. hat gesagt…

Ich habe lange gebraucht um diese sehr gründliche Bestandsaufnahme zu lesen und zu verdauen. Lieber Christian, vielen Dank, dass Du Dir die Mühe gemacht hast und den Artikel geschrieben hast.

Für mich ist dieses Vorurteil einer geschlossenen 'elitären' Gruppe sofort nachvollziehbar und erst auf den zweiten Blick sehe ich dann die Nöte der Veranstalter. Diese überregionalen Veranstaltungen decken einen Bedarf, der offenbar in den lokalen Gemeinschaften nur unzureichend bedient wird. Insofern war der Kommentar eines Veranstalters (ziemlich weit oben in dem Strang diese Kommentare) sehr hilfreich.

Es ist ein weiteres Verdienst von Christian, dass er diese hochtourigen Eigenmarketing-Mechanismen bei Facebook ebenfalls kritisch beleuchtet hat. Das ufert nach meiner Wahrnehmung immer stärker aus.

Sehr nachdenkenswert fand ich auch die Überlegungen in einem Kommentar, ob wir uns nicht im Tango 'zu Tode' optimieren. Da wünsche ich mir für die Zukunft eine Diskussion.

Und schließlich bin ich froh um diesen Blog und das hier herschende Niveau. Natürlich gibt es immer mal wieder unsachliche Beiträge. Schließlich befinden wir uns in einem Internet mit Troll-Kultur. Das muss man wahrscheinlich in Kauf nehmen. Andere Blogs und Magazine sortieren solche Beiträge vorher aus. Deshalb kann ich solche Störungen sehr gut überlesen.

Chris hat gesagt…

Cassiel wrote: " Ich moderiere die Kommentare in diesem Blog nicht, sondern jeder darf schreiben, was ihm einfällt."

I think you know that to be untrue. For example these and many more comments you have deleted from this blog.

cassiel hat gesagt…

@Chris

Sitmmt... ich hätte schreiben sollen: Ich moderiere die Kommentare in diesem Blog i.d.R. nicht, sondern jeder darf schreiben, was ihm einfällt. Besser?

Die Diskussion lief damals derartig aus dem Ruder, dass ich das für richtig hielt. Außerdem musste ich zeitweise Kommentare einer Dame entfernen, die bei jedem Gastspiel mehr Wert auf Unruhe als auf das Thema legte. Zunächst darf hier jeder schreiben... ab und zu (m.E. eher selten) greife ich dann nachträglich ein. Außerdem besteht in meinen Augen ein gravierender Unterschied zwischen aktvierter Kommentarmoderation (kein Kommentar geht ungefiltert online) und einem Eingreifen, wenn es dann komplett aus dem Ruder läuft. Können wir dann zum Thema zurückkehren?

Anonym hat gesagt…

Mit den Begriffen geht es hier ein wenig durcheinander. Kommentare fortzulassen/-nehmen oder zu ändern ist ZENSUR, veröffentlichte Kommentare wiederum zu kommentieren durch den Blogbetreiber, dürfte eher in Richtung Moderation gehen. Laut Cassies vorangehender Erklärung haben wir es hier also mit einem zensierten wie moderierten Blog zu tun, der trotzdem öfters aus dem Ruder läuft. Greta

Anonym hat gesagt…

Anonym-G: Reg Dich ab,Greta!Und schreib lieber zum Thema.Es ist der Blog von Cassiel;und er hat das Recht,moderierend einzugreifen.Und wer den Blog über die Zeit verfolgt hat,weiß,daß er das sehr moderat und geduldig macht.Muß ja mal gesagt werden,damit er durch das Genörgel nicht die Lust verliert.
Zum Thema:jemand fragte,ob wir uns im Tango nicht zu Tode optimieren.Kann aus meiner Erfahrung mit anderen Tänzen sagen,daß es diese Möglichkeit gibt.Es kommt darauf an,sich diese Möglichkeit vor Augen zu halten-dann ist das Risiko schon halb bewältigt.Ich bin Anhänger der klassisch-traditionellen Tango-Linie.Wenn es der Raum und der Veranstalter erlauben,breche ich aber auch einmal aus(wenn die Tanzpartnerin auch entsprechende Tendenz signalisiert).In einem Encuentro folge ich selbstverständlich dem Wunsch der Veranstalter.Und bin dankbar für einen entspannten (z.B.keine Geisterfahrer)stilechten Tango-Abend!Wichtiger als absolute(!)Perfektion ist mir dabei der tänzerische Dialog mit der Tanzpartnerin.Ansonsten aber keine Vorbehalte gegen Entwicklung einer gewissen Perfektion.Herzliche Grüße.

Wolfgang_wi hat gesagt…

Ein schöner und informativer Artikel – auch wenn ich ihn stellenweise etwas langatmig fand. Die diversen Absicherungs-Formulierungen am Anfang waren nach meinem Geschmack auch eher redundant.
Ich selbst bin eher nicht die Zielgruppe für Marathons oder Encuentros - das liegt vor allem an meiner persönlichen Tango-Life-Balance, die dem Tango nicht so viel Zeit am Stück zugesteht. Das Exklusive/Elitäre bei der Gästeauswahl würde ich nicht "global" kritisieren - es ist Sache des Organisators, "meine Party, meine Regeln". Persönlich meide ich Veranstaltungen mit Gästeselektion (analog zu Disco-Türstehern, die einen Dresscode oder ein Styling bewerten) einfach deshalb, weil ich niemandem so viel Macht über mich gebe. Das gilt in ähnlicher Form auch für Locations oder Veranstalter, die zu oft geschlossene Gesellschaften haben.

Wolfgang_wi hat gesagt…

und...oh, das habe ich doch im vorigen Beitrag glatt vergessen zu schreiben: In letzter Zeit sehe ich immer mehr Frau-Frau-Paare, wahrscheinlich eine Reaktion auf die Geschlechter-Unsymmetrie beim Tanzinteresse. Wenn ein solches Paar zu einer Milonga geht, hat man rein optisch auch mehr Frauen, obwohl paar-technisch durchaus alles im Lot wäre. Wie halten es die Veranstalter eigentlich mit gleichgeschlechtlichen Paaren?

Tango Therapist hat gesagt…

Thanks for taking the time to write this exposé, Christian. I shouldn't even say a word because the text was not that easy for me. I have become a better speaker and listener of German than reader for lack of practise. But I think I understood well enough.



I too am very skeptical of encuentros, and paradoxically I am all the while I am delighted to get in. I have only been excluded once, and that exclusion was a very good way for me to understand the poison that encuentros generate in those who live nearby who are desinvitados. I personally think encuentros are elitist, and the worst example is the "private party" that is announced on a website but hand picked by the organisers. A private party should be a party of people sworn to secrecy. Several who were invited such a publicly announced private-encuentros near me asked me if I were going. I was the naive foreigner, and ASKED if I could get in still, thinking that I had missed the announcement. Then the organiser gave me a sense that I might be able to get in. He finally told me off as if I were a child that I had made him feel obligated (as if obligation is a bad thing). His only obligation was to say "no" from the start. I ended up going to Kehl, which I called the "Milonga de los Desinvitatos." I had a great time! And at that milonga, I realised something that I had started to forgot here in Germany: Tango is a social event not a skill event, or a who-knows-who event, or simply a customer of the organizers. So I made it a point to dance with the uninvited at this Milonga of the Uninvited -- the women who sat too long. I cannot think of a bad moment at all.

However, if we are going to have encuentros, I suggest that you and others come up with a formula -- something like an Ironman Marathon, which is more than just the distance but an organization, and a way of describing the quality one can expect. I don't want to take the wrong turn at the 30K mark because of bad organisation. Conversely, I don’t want to be injured by a wild-cat tanguero and his lethal lady at the last milonga of the encuentro. Some have written about the "ingredients" of an encuentro, but ingredients do not make a cake. 

I plan to write in my blog a post about another alternative that will make tango grow, rather than promote elitism and who’s in and who’s out. Encuentros promote hurt feelings, and I believe should never be done by a local promoter in their own town. Why not have a group of tangueros/as who descend down on little tango cities, giving them classes on los códigos, floorcraft classes as a necessary skill, how to dance simply and musically. And if the local teacher doesn’t like it, or if certain people don’t wish to take part in the socially acceptable milonga behaviour, then they can be refunded their money and sent home, which is just down the street. It is better to hurt a few feelings that destroy the ambience of the milonga.

Mark

Austin hat gesagt…

Ich bin hin-und-hergerissen, weil es hier um viele Probleme geht, die sich in vielen Lebenssituationen genau so stellen und auf die die richtige Antwort fast unmöglich zu geben ist.

Die zentrale Frage scheint mir zu sein, ob jemand, der die Mühe auf sich nimmt, so ein Event auszurichten (und damit sicherlich nicht reich wird) genau vorgeben darf, wie er sich das Event vorstellt und inwieweit er das Verhalten der Gäste durch seine Erwartungen vorgeben darf. Denn der Erfolg hängt stark vom Verhalten der Gäste ab und diesen Erfolgsfaktor möchte man nicht dem Zufall überlassen. Grundsätzlich bin ich da schon auf der Seite der Veranstalter, denn sie zwingen niermanden zur Teilnahme und der Gastgeber hat natürlich das Recht zu sagen, wie er es gerne hätte. Und wenn er es gerne auf eine ganz spezielle Art haben will und die Gäste das wissen, darf sich keiner beschweren, wenn es genau so kommt wie angekündigt. Ich glaube auch, dass man wirklich spezielle Events nur hinbekommt, wenn man eine konsequente Linie durchzieht, und das muss dann nicht unbedingt der kleinste gemeinsame Nenner sein. Je genauer die Gäste wissen, was sie erwartet, umso weniger Enttäuschte wird es geben, schon klar. Deswegen werden die Codigos hier vermutlich etwas konsequenter gelebt als anderswo und vermutlich schafft dieser Rahmen eine ganze Reihe von Anknüpfungspunkten für den Vorwurf elitären Verhaltens, von denen vermutlich viele unberechtigt sind.

Zu weit geht mir Christian aber, wenn es um den Umgang mit Anfängern geht, nämlich dass diese nur in der Mitte der Tanzfläche sein dürfen, dass der Veranstalter ihnen klar macht, dass sie unter Beobachtung stehen etc. Erwartungsmangement hin oder her: das finde ich ziemlich daneben und so geht man mit Gästen nicht um. Wenn die Atmosphäre einer solchen Veranstaltung durch ein paar Anfänger so stark gestört werden kann, dann ist es vermutlich besser, mal lädt keine Anfänger ein (was ich nicht für elitär, sondern für ein gutes Recht eines Gastgebers halte).

Wobei ich mir die Nebenbemerkung nicht verkneifen kann, dass meiner Erfahrung nach die wahrhaften Milonga-Nervensägen nicht die Anfänger sind, sondern die raumgreifenden Figurenturner, und denen kann man alles vorwerfen, aber Anfänger sind die wenigsten davon.

Wolfgang_wi hat gesagt…

Der vorige Beitrag hat mich jetzt doch noch mal zum Schreiben inspiriert - Thema Milonga-Nervensägen. Ich würde ziemlich weit oben noch die "Stehlampen" nennen, die entweder ein halbes Stück lang auf den perfekten Einsatz warten oder selbstvergessen ihre Rotationen mit Vorwärtsgeschwindigkeit Null durchziehen. Oder vielleicht ihre Damen mit besonderer Gefühlsbetontheit, ausgedrückt durch superzeitlupenhafte Bewegung, beeindrucken wollen.

cassiel hat gesagt…

Ich denke, jetzt ist es dann mal wieder gut mit Tradi-Bashing :-) - könnten wir bitte zum Thema zurückkommen?

Vielen Dank.

Anonym hat gesagt…

@Austin, das mit den Figurenturner ist so eine Sache, Es gibt genügt die ihr Schrittmuster so festgefahren haben, das der Raum kein Rolle spielt, die Schritte sind immer gleich gross. Das hat mit Figuren nichts zu tun. Nett sind auch Bewegungen eine halbe Drehung, Schritt gegen die Tanzrichtung danach eine corte oder Wiege, dann geht es wieder mit einer halben Drehung nach vorn, egal ob nach vorn 2 Meter Platz ist, oder 5 Meter. Das Ganze mit Regelmässigkeit. Das machen meist keine Anfänger sondern die mit viel Tanzerfahrung,eigener Wahrnehmung nach keine Figurentänzer. Das sind mir Platzdreher lieber, die lassen mir meinen Raum. Wie angenehm der eigene Tango für andere wird hat meines Erachtens viel mit Kontrolle zu tun, Achse und Technik. Egal ob Figurentänzer oder Geher

Gruss Bert

haribold hat gesagt…

@Wolfgang_wi:

Schade, dass bisher keiner auf deine Frage zu den Frau-Frau-Paaren eingeht (25.1.14).

Deine Definition der „Stehlampen“ fand ich köstlich! Danke! :-))

cassiel hat gesagt…

@Wolfgang_wi (27. Januar 2014 23:18) und Haribold (28. Januar 2014 12:48)

Mit Verlaub, dieses Rumhacken auf den sog. Stehlampen ist m.E. grober Unfug. Kein erfahrener Tanguero im sozialen Tango wird mehr Platz beanspruchen, als es die Dichte der Paare auf der Tanzfläche zulässt. Üblicherweise wird er den Fluss der Ronda nicht blockieren. Zumal i.d.R. der Tango als Tanz in der Ronda praktiziert wird, also nicht am Platz. Ein erfahrener sozialer Tänzer wird dann am Platz tanzen, wenn es keine Möglichkeit zum Vorwärtskommen gibt. Dann dreht er auf der Stelle oder verlangsamt seine Bewegungen.
Kommen wir also zu einem weniger erfahrenen sozialen Tänzer der u.U. einen Stau verursacht. Das kann schon mal vorkommen, aber die Beeinträchtigungen der Umgebung durch dieses Paar wird deutlich geringer ausfallen als die Beeinträchtigung durch nicht so fortgeschrittene Vertreter eines bewegungsfokussierten Tangos. Da wird es dann nämlich direkt sehr gefährlich.

Ich könnte im Gegenzug auf Vertretern eines bewegungsorientierten Ansatzes im Tango eindreschen und sagen, dass viele Figuren für den Platz konzipiert sind (Moulinetten, Giros usw.). Das führt aber nicht weiter.

Ich bin immer etwas zwiegespalten angesichts solch aufgeregter Kommentare. Auf der einen Seite bringen sie Unruhe in eine Diskussion auf der anderen Seite wird es so einmal möglich, zu erfahren, was manche so im Tango denken.

Wenn ich mich nicht irre, dann sind Menschen, die eine ähnliche Einstellung wie Eure in den Tango mitbringen, der Grund für die immer strikter werdende Ausrichtung von Tango-Veranstaltungen. Es geht m.E. nicht um persönliche Ausdrucksfreiheit sondern um Rücksichtnahme im sozialen Tango.

haribold hat gesagt…

Easy Cassiel!

Wenn ich Wolfgang_wi richtig verstehe, ging es um Kritik, nicht um „Rumhacken“. Du sprichst von Rücksichtnahme im Tango, Wolfgang-wi, Austin und andere von „Milonga-Nervensägen“. Das gleiche Thema, nur andere Wortwahl!

„Figurenturner“ und „Stehlampen“, beide „Typen“ werden als wenig rücksichtsvolle Tänzer wahrgenommen, wenn sie ihren Stil unabhängig von den momentanen Gegebenheiten auf der Tanzfläche durchziehen.

Also: Soweit ich sehe, hat sich noch kein Kommentator gegen Rücksichtnahme auf der Tanzfläche ausgesprochen!

Wolfgang_wi hat gesagt…

@Cassiel, so aufgeregt fühle ich mich gar nicht. Und ich würde schon mal gerne wissen, was "eine ähnliche Einstellung wie meine" sein soll. Wenn Du damit meinst "eine größe Bandbreite an Möglichkeiten", dann hoffe ich, daß es noch viele von meiner Sorte gibt. Anders würde der Tango langsam und qualvoll in Konventionen ersticken. Tanz ist gemeinsames Erleben von Musik, und ob dies ruhig oder eher dynamisch ist, hängt eben von der Musik ab. Und es wäre schön, wenn wir mal zu Protokoll nehmen könnten, daß Rücksichtnahme selbstverständlich Priorität hat und diese Selbstverständlichkeit - die aber kein Schwarz-weiß/Entweder-oder begründet - nicht ständig wiederholt werden muß.

peter fangmeier hat gesagt…

macht in letzter zeit die beobachtung daß immer mehr tänzer mit ihrer partnerin die aussenbahn der ronda nutzen.... den INNEN sie ja die "anfänger" , hat zur folge das es sich aussen staut wie am kölner autobahnring zu feierabend... und innen ist der platz ungenutzt: frage an alle betroffenen, wie das selbsterzeugte problem lösen... keiner will nach innen und sich als anfänger outen.....

sitzen wir alle bald in der ronda....

Wolfgang_wi hat gesagt…

@Peter Fangmeier,

ich würde mich Deiner Frage anschließen bzw. sie so formulieren: Wo steht nochmal geschrieben, daß "innen" für Anfänger ist?

Ich erinnere mich, daß mal ein Tanzlehrer das Bild eines Tassenkarussells verwendet hat. Das erscheint mir passend; es läßt Raum sowohl für Dynamik in Vorwärtsrichtung als auch in Drehung, und wenn die Personendichte nicht schon extrem ist, auch genug Spielraum für individuelle, momentane Variationen. Man darf annehmen, daß das Geschwindigkeits- oder Dynamikband schon ein bißchen durch die Musik definiert wird.

Heißt, innen wären dann die, deren Geschwindigkeits- oder Platzbedürfnisse nicht in dieses Band passen, ob das nun Anfänger, SloMo-Tänzer oder Figurenliebhaber sind.

cassiel hat gesagt…

@Peter und @Wolfgang

Diesen Mythos mit den Anfängern innen und den Fortgeschrittenen außen habe ich auch schon häufiger gehört. Ich halte das aber nicht für einschlägig. Ich beobachte genügend langjährige Tänzer, die auf Spur 2 oder 3 bzw. in der Mitte der Tanzfläche tanzen.

Es gibt aber einen ganz praktischen, beinahe banalen Grund, warum viele Tänzer bei voller bzw. rumpeliger Tanzfläche auf Spur 1 bleiben: Man muss nur noch drei Seiten im Auge behalten, die vierte Seite ist der Rand der Tanzfläche und da droht dann weniger Gefahr (das geht natürlich nur so lange gut, so lange keine eiligen Fußgänger dort unterwegs sind).

Und Peter: Ich habe noch nie eine Milonga erlebt, bei der das Innere der Tanzfläche deutlich leerer gewesen wäre. Meistens reguliert sich das nach meiner Wahrnehmung irgendwie selbst.

Anonym hat gesagt…

Auch Anfänger können durchaus auf der Außenbahn tanzen ohne den Tanzfluss zu behindern. Sie müssen nur von ihren Lehrern auf die Prinzipien hingewiesen werden und diese im Unterricht bzw. einer Praktika einüben. Eine sehr junge Truppe hier vor Ort hat eine Milonga aufgezogen, an der viele Anfänger teilnehmen, ohne dass es "rumpelig" wird. Wenn Zusammenstöße vorkommen, eher verursacht von "erfahrenen" Tänzern. Ansonsten ist die Szene hier eher als "Boxautotango" verrufen.

Anonym-G hat gesagt…

Beim Wiener Walzer gibt es im Standard-Tanzen nach meiner Erinnerung die Regel,daß die Schnelleren auf der Außenbahn tanzen.Diese Regel hat im Tango argentino doch keinen Sinn.Als Tango-Anfänger habe ich die unhöflichsten Kollisionen verursacht,indem ich versuchte,rechts durch die Lücke zu brettern.Nun ja,wäre der Vordermann auf seiner Spur geblieben...Aber "wäre" und "wenn" zählt nicht.Rechts und hinten ist der Raum,den der/die Führende beim Tango argentino(insbesondere beim Kopf-an-Kopf-Anlehnen)am wenigsten überbickt.Wäre(hier zählt das Wort)nett vom Tango-Lehrer gewesen,mich prophylaktisch darauf hinzuweisen.Rechts überhole ich allenfalls Tänzer,von denen ich weiß,dass sie auf ihrer Spur bleiben.Herzliche Grüße.

cassiel hat gesagt…

Also eigentlich ist es wie auf der Autobahn, rechts überholen geht gar nicht. :-)

Anonym-G hat gesagt…

Nun ja,Cassiel,was machst Du,wenn auf der linken Spur ein Auto (wegen Panne oder Stehblues)ewig herumsteht und keine Personen über die Fahrbahnen latschen?Herzliche Grüße.

cassiel hat gesagt…

@Anonym-G: Offen gestanden, ich finde es inzwischen mühsam, wenn ich hier von Stehblues lesen muss. Habe ich das richtig in Erinnerung? Du hast den Begriff weiter oben schon einmal verwendet? Wenn nun diese Mitmenschen im Tango über Dich reden müssten und versuchen würden, ähnlich abqualifizierende Worte über Dich zu finden? Würden diese Menschen dann vielleicht über Dich sagen, der asiatische Martial-Arts-Sportler, der sich versejentlich in eine Milonga verirrt hat? Wärst Du darüber glücklich?

So unterschiedlich können möglicherweise die Blickwinkel sein...

Und generell: Mir sind solche Stehhblues-Charaktere nur sehr selten im Tango begegnet und wenn, dann konnte ich es ihnen lassen (vielleicht weil die Tanzfläche gerade keine andere Bewegung zugelassen hat).

Anonym hat gesagt…

Ich würde gern noch mal zurück kommen auf das ursprüngliche Thema und da auf den Aspekt „zunehmende Anzahl von Encuentros“. Tatsächlich kann man, wie von Christian Tobler ja schon angemerkt, gerade beobachten, dass immer mehr neue Encuentros angeboten werden. Dass die ja nicht unbedingt in gleichem Maße wachsende Anzahl potenzieller Partizipanten damit zunehmend die Qual der Wahl hat, ist allenfalls ein Luxusproblem. Das Äußerste, was hinsichtlich Quantität passieren könnte, dürfte sein, dass nur noch wenige Encuentros wirklich „voll“ werden, andere dafür mit „Unterkapazität“ veranstaltet werden. Was manchem Event gut tun und andere umbringen wird. Das alles regelt der Markt. Was aber tatsächlich in Gefahr geraten könnte durch die zunehmende Zahl von Encuentros, ist die interessante Mischung der Tänzer aus aller Welt, was ja ein nicht unwesentlicher Teil des Reizes solcher Veranstaltungen für die Besucher ausmacht. Wenn, nur um ein Beispiel zu nennen, in Italien das wer weiß wievielte Encuentro angeboten wird, werden sich wahrscheinlich nur noch wenige Italiener Mühsal und Kostenaufwand weiten Reisens antun und lieber im Lande/in der Nähe bleiben, um dort zu tanzen. Die Internationalität von Encuentros wird möglicherweise einer gewissen Regionalität, im schlimmsten Falle Provinzialität weichen. Dann haben wir zwar eine riesige Zahl von Encuentros, die aber wesentlich von den lokalen Szenen ihrer Umgebung leben. Statt internationaler Begegnung und Austausch wäre dann vorwiegend Schmoren im eigenen Saft angesagt. Was sagen die Experten dazu? Greta

Anonym-G hat gesagt…

Lieber Cassiel!Hatte Dich vor kurzem noch verteidigt.Muss jetzt aber doch anmerken,dass Du einige Dinge zu ernst nimmst - wie gesagt,man/frau kann sich auch zu Tode optimieren.Ändert aber nichts daran,dass Du dich um den Tango verdient machst.Herzliche Grüße.

Abrázame hat gesagt…

Im Herbst des vergangenen Jahres durfte ich zum ersten Mal ein Encuentro in der heimischen Region besuchen, ohne zu wissen, was das eigentlich ist, da ich zu diesem Zeitpunkt erst knapp ein Jahr lang Tango tanzte.
Ich hatte von diesem Event zufällig erfahren, aber auch, dass es dafür Eintrittskarten gab, die schon alle seit langem ausverkauft waren. Ankündigung oder Werbung dafür suchte ich im Nachhinein vergebens, und fragte mich, wie frau als Tangodebutantin - zudem Tanzpartnerlos - wohl davon erfahren, geschweige denn dabei sein konnte.
Sehr kurz vor diesem Wochenende wurde ich von den Veranstaltern - bei denen ich in den Monaten zuvor einige workshops besucht hatte - gefragt, ob ich gerne zu zwei der zahlreichen Milongas kommen würde, da eine Teilnehmerin abgesagt hatte.
In diesem Moment war mir zwar klar, dass ich lediglich Lückenbüßerin war, fühlte mich aber dennoch geehrt. Die Neugier überwog sehr schnell den Stolz, und ich sagte kurzerhand zu.
Und was soll ich sagen... es war die intensivste, schönste, und reichste Erfahrung, die ich in meiner bisherigen, kurzen Tangokarriere erleben durfte, da es dort genau so zu ging wie es vom Gastautor beschrieben wurde, und wie ich es von Anfang an intuitiv schätzte:
Es gab ein ausgewogenes Verhältnis von anwesenden Damen und Herren, die regionalen TJ‘s waren wie immer großartig, das Publikum international und teilweise etwas älter, es wurde kleinräumig und rücksichtsvoll getanzt (noch nie habe ich erlebt, dass so wenig gerempelt wurde, obwohl ich gleichzeitig noch nie auf einer so vollen Tanzfläche unterwegs war), Damen und Herren wurden (bis auf Gruppen) getrennt von einander umsichtig an Tischen plaziert, die Gastgeber waren allzeit präsent, aufmerksam, und zuvorkommend (auch zu Neulingen wie mir), cabeceo, nur eine Tanda mit einem/einer Partner(in), sowie das Einhalten aller anderen codigos verstand sich von selbst....
Vielleicht war die Qualität der Musikanlage nicht die Beste, vielleicht war der Raum eigentlich etwas zu klein, vielleicht hätte der Ein- oder Andere noch etwas zu Meckern gehabt.... egal - ich war das erste Mal im Tango-Himmel, und zehre noch immer von den wunderbaren, innigen, getanzten Umarmungen, und bereichernden Begegnungen an jenem Wochenende.
Mir stellt sich nun die Frage, ob ich wohl zum nächsten Encuentro dieser Art eingeladen werde - geschweige denn, ob und wie ich davon erfahren werde -, oder wo in Deutschland respektive Europa (da ich “den geographischen Radius meiner Milongabesuche stetig zu erweitern“ gedenke, wie Cassiel so schön schreibt) ich ähnlich wunderbare Erfahrungen sammeln könnte...

Aber damit halte ich es wie mit Allem, was der Tango mich bisher gelehrt hat:

Aufmerksam und achtsam sein, hinhören und sich hingeben, und dann einfach dem Herzen folgen und genießen.

In diesem Sinne...

¿bailamos?

Alles Liebe,

Fiona

chamuyo hat gesagt…

Ich frage mich, warum es diese Erwartungshaltung gibt, dass eine Tangoveranstaltung etwas ist, was "gerecht" sein sollte. Warum muss ein Veranstalter seine Auswahlkriterien einer öffentlichen Kritik unterziehen lassen? Warum glauben Teilnehmer, dass sie ein "Recht" darauf haben, mit bestimmten Tänzern /Tänzerinnen zu tanzen?
Es gibt kein Gesetz, das besagt, das eine Tangoveranstaltung den Vorgaben des Grundgesetzes unterliegt, noch nicht mal, dass es eine öffentliche Veranstaltung sein soll. Darf ich mich beklagen, dass ich nicht zu einer Hochzeit eingeladen werde, obwohl 200 andere Leute hingehen und viel Spaß haben? Oder dass die Hochzeit nicht in der Zeitung beworben wurde?
Wenn jemand eine Milonga öffentlich ankündigt, dann kann jeder hingehen, solange Platz ist. Wenn er aber eine Handvoll Leute anschreibt und fragt, ob sie vielleicht Interesse haben, in einem halben Jahr zu einem gemeinsamen WE zu kommen, dann ist es seine Privatveranstaltung und sein gutes Recht sich die Gäste auszusuchen. Wenn ich nicht zu den Auserwählten gehöre, kann ich zwar mein privates Verhältnis zu dem Gastgeber überdenken (wenn es eins gibt!), aber nicht mich öffentlich darüber beklagen, dass er intransparente Verfahren anwendet.

Chris hat gesagt…

Chamuyo wrote: "Ich frage mich, warum es diese Erwartungshaltung gibt, dass eine Tangoveranstaltung etwas ist, was "gerecht" sein sollte.

Well Said, Chamuyo.

This notion of fairness is at the heart of the problems we have in the beleaguered milonga culture of the UK. Increasingly couples who go to UK milongas to dance together earn disapproval for not dancing with others.

We're now even seeing special events at which organisers express this disapproval to discourage such dancers from attending, such as recently this one. Ironically this event advertises itself as an 'encuentro milonguero'.

This is one of the prices we pay for the way many people here are trying to learn to dance. The typical class teacher expects each student to dance with all others of the opposite sex, so soon all students acquire the mistaken impression that such an expectation is appropriate in the real world of social dancing. This is a very hard lesson to unlearn.

Anonym hat gesagt…

@ chamuyo

Danke für diesen Beitrag. Genauso ist es.

Ich kann die Veranstalter nicht mehr lieb haben, wenn sie mich nicht einladen, aber eine Pflicht zur Einladung besteht für die Veranstalter nicht. Man wird auch nicht zu allen Hochzeiten, Geburtstagen oder sonstigen Festivitäten bei den Leuten, die man so kennt, eingeladen. Eine Pflicht, eingeladen zu werden, existiert nicht.

Der Vorwurf des "Elitismus" geht meines Erachtens in's Leere und ist eher ein Versuch eine (narzisstische?) Kränkung zu kompensieren. Insbesondere die dann oftmals zeitgleich stattfindenden expliziten Gegenveranstaltungen (Milonga de los desinvitados) scheinen meinen Verdacht zu bestätigen.

Und nicht zuletzt:

Was ist gegen Elitebildung einzuwenden? Wenn man nicht zu der einen oder anderen "Elite" gehören darf, so bilde man doch seine eigene "Elite" - die Kriterien sind doch frei wählbar.

@ Tango Therapist - Mark

Of course tango is a social event. Maybe the idea behind the selection of participants for an encuentro is, that this encuentro should become a social event?

Viele Grüße,
Frank

Vero hat gesagt…

Aber manche Männer sind tatsächlich ziemlich schräge Vögel. Sie betanzen lieber Teenies oder Twens, die sich anfühlen wie ein Einkaufswagen von Aldi bei dem ein Rad blockiert, anstelle einer guten Tänzerin mit ein paar Pfunden zuviel oder ein paar redlich verdienter Falten.

Ich kann mir nicht helfen: diesen Kommentar empfinde ich als unglaublich gehässig und er trifft mich als altersbedingte Angehörige dieser Gruppe enorm (den Aldivergleich ziehe ich mir da nicht an).

Aber eine Antwort habe ich darauf durchaus, frisch von der Fläche bei meinen Tänzern abgegriffen: Teens und Twens sind meistens einerseits extrem ehrgeizig und lernen deshalb sehr schnell - andererseits sind sie noch sehr offen in ihren Erwartungen und lassen sich unter Umständen viel vorbehaltsloser auf die Führung und den Stil der Partner ein als an Jahren oder Erfahrung fortgeschrittenere Tänzerinnen. Körbe handelt mann sich ebenfalls viel seltener ein.

Der klare Mehrwert für die Tänzer: es gibt ihnen die Möglichkeit, sich eine Tänzerin nach ihrem Gusto zu "erziehen", sie bekommen mit hoher Sicherheit Anerkennung und Wertschätzung und lernen vielleicht auch selbst durch ungewöhnliche Zwischenfälle im Tanz etwas Neues.

Ich habe diesen Artikel gelesen in der Hoffnung, eine klare Abgrenzung der unterschiedlichen Veranstaltungsformate zu finden. Leider ist diese nur begrenzt erfüllt worden; statt dessen finde ich hier (in Artikel und Kommentaren) viele emotionale und gegenseitig verunglimpfende Statements und Verurteilungen.

Ich glaube, eine blanke Auflistung der Encuentro-Regeln hätte mir mehr Lust auf eine Teilnahme gemacht (wobei ich dort als Single-Dame anscheinend sowieso ausgeschlossen bin). So werde ich wohl eher darauf verzichten und statt dessen auf die junge, in Hallen mit grausigen Böden tanzende, komplett unterfinanzierte lokale Subkultur hoffen, die bei unprofessionell aufgelegten Tandas wie besessen übt und experimentiert, einfach des Tanzes wegen, der Musik wegen!

Anonym hat gesagt…

Polemik 1/2

Liebe Vero,

ich war nahe dran, ohne viel Nachdenken eine kurze positive Rückmeldung rauszulöffeln. Nach einer Pause kam da mal wieder etwas in diesem Thread. Nach dem ersten Empfinden schien der Beitrag angenehm zwischen denen der gleichgesinnten Claquere und der Trolle zu liegen.

>> Aber manche Männer sind tatsächlich ziemlich schräge Vögel. Sie betanzen
>> lieber Teenies oder Twens, die sich anfühlen wie ein Einkaufswagen von
>> Aldi bei dem ein Rad blockiert, anstelle einer guten Tänzerin mit ein
>> paar Pfunden zuviel oder ein paar redlich verdienter Falten.

> Ich kann mir nicht helfen: diesen Kommentar empfinde ich als unglaublich
> gehässig und er trifft mich als altersbedingte Angehörige dieser Gruppe
> enorm (den Aldivergleich ziehe ich mir da nicht an).

Da ich an anderer Stelle in den Diskussionen dieses Forums auch schon anonym
zum psychischen Wrack erklärt wurde, dem eine Anfängerin besser aus dem Weg
geht, nehme ich mal aus Effizienzgründen kein Blatt vor den Mund und versuche
nicht wie der freigesprochene Ex-Präsident, meine Ehre wiederherzustellen.

> "… empfinde ich als unglaublich gehässig …"

Für mich ist das eine Mischung aus Nachlässigkeit, Impulsivität, "politischer
Korrektheit" und Pawlowschem Hund.

Als Mann, der doppelt so alt ist wie viele der weiblichen Tango-Twens, lassen mich Christians drastisch formulierte Worte auch nicht kalt. Sie freuen mich sogar. Für mich charakterisiert Christian sehr pointiert die älteren Herren mit beschränkten tänzerischen Mitteln, die sich eigennützig um die "Integration" des Frischfleisches (zwischen 15 und 65) in die lokale Szene "bemühen". Und da wir jetzt bei der Metzger-Metapher, der politischen Korrektheit und Pawlow sind: Der pure Reiz (böööses Wort) reicht für den Beiß-Reflex. Da benutzt Christian das Unwort, um die Denke dieser Schürzenjäger zu charakterisieren. Dafür wird er dann umgehend verbal abgewatscht.

> Aber eine Antwort habe ich darauf durchaus, frisch von der Fläche bei
> meinen Tänzern abgegriffen: Teens und Twens sind meistens einerseits extrem
> ehrgeizig und lernen deshalb sehr schnell - andererseits sind sie noch sehr
> offen in ihren Erwartungen und lassen sich unter Umständen viel
> vorbehaltsloser auf die Führung und den Stil der Partner ein als an Jahren
> oder Erfahrung fortgeschrittenere Tänzerinnen. Körbe handelt mann sich
> ebenfalls viel seltener ein.

Ja, Anfängerinnen sind wie Säuglinge. Extrem offen. Bereit, Alles zu glauben und Allem zu folgen. Besonders, wenn Sie jung sind. Sind die erst mal in meinem Alter, wird es für den Führenden auf der Jagd nach Anerkennung mühsamer. Sie lernen einfach langsamer. Da kann die Führung schon mal in Ringen ausarten.

> Der klare Mehrwert für die Tänzer: es gibt ihnen die Möglichkeit, sich eine
> Tänzerin nach ihrem Gusto zu "erziehen", sie bekommen mit hoher Sicherheit
> Anerkennung und Wertschätzung und lernen vielleicht auch selbst durch
> ungewöhnliche Zwischenfälle im Tanz etwas Neues.

Dieser Mehrwert ist mittelfristig ein kurzes Vergnügen. Mann weiß wenig und lässt sich während des "Unterrichts" von der knackfrischen Schülerin und möglichst nicht nur dann anhimmeln. Irgendwann hat sie den Lehrer eingeholt und sieht ihn - differenzierter. Der könnte die Herausforderung annehmen und sich um seine weitere Entwicklung bemühen. Oder sich auf das nächste Küken stürzen.

Anonym hat gesagt…

Polemik 2/2

> Ich habe diesen Artikel gelesen in der Hoffnung, eine klare Abgrenzung
> der unterschiedlichen Veranstaltungsformate zu finden.

Ich fand's pointiert. Gemeinsam: Jubel, Trubel, Gedränge, Tanzen bis zur Erschöpfung.

Marathon: Hauptsache tanzen, manchmal spartanische Unterbringung (z.B. Matratze im Tanzsaal)

Festival: ähnlich Marathon, nur luxuriöser und mit Tanzpausen (drei Milongas pro Tag), angereichert mit Mikro-Workshops (und Schautänzen in der Abend-Milonga)irgendwelcher eingeflogener Koriphäen

Encuentro: Großveranstaltung für Puristen (Cabeceo, enge Umarmung, eine Tanda pro Nase) mit Zugangsbeschränkung. Kann am Selbstbewusstsein kratzen, wenn man nicht oder nicht wieder eingeladen wird. Ist schon frustrierend, der lokale Platzhirsch ohne überregionale Bedeutung zu sein. Ist auch frustrierend, wenn man keinen Partner hat/findet und deswegen nicht hin kann.

> … statt dessen finde ich hier (in Artikel und Kommentaren) viele
> emotionale und gegenseitig verunglimpfende Statements und Verurteilungen.

Du Küken bist offensichtlich neu hier. Der Tango zieht auch Leute mit nicht geradliniegen Lebensläufen und Selbstdarsteller an. Und eine unseliges Merkmal des deutschen Gemüts ist es, seine persönliche Wahrheit für allgemeingültig zu erklären und seinem ahnungslosen Nachbarn überzubraten.

> … wobei ich dort als Single-Dame anscheinend sowieso ausgeschlossen bin).
> So werde ich wohl eher darauf verzichten und statt dessen auf die junge,
> in Hallen mit grausigen Böden tanzende, komplett unterfinanzierte lokale
> Subkultur hoffen, die bei unprofessionell aufgelegten Tandas wie
> besessen übt und experimentiert, einfach des Tanzes wegen, der
> Musik wegen!

Siehe oben. Offensichtlich bist Du gerade sehr verstimmt. Ich weiß nicht, wie viele Lehrende und Milonga-Veranstalter nur vom Tango leben können. Wahrscheinlich sehr wenige. Auch ist Tango mehr als experimentelles Rumturnen ohne Bezug zu irgendwelcher zufällig aufgelegten Musik.

Der Tango ist aber nicht schwarz-weiß. Ob der Tanz als schön empfunden wird, hängt von etlichen Faktoren ab: z.B. der Kommunikation im Paar, der Erwartungshaltung, der Tagesform … Auch Männer sind kapriziös und wechselnder Tagesform unterworfen. Mal muss es die junge Blondine ohne Ahnung von Tuten und Blasen sein, aber mit einem Fahrgestell … Mal wollen sie auf dem Parkett die Sau durchs Dorf treiben und degradieren die Folgende zur Statistin … Mal steht ihnen der Sinn nach Dialog mit einer erfahrenen Tänzerin, die nicht nur mit oder hinter läuft. Die einen leben zwischen diesen Polen, andere haben sich dafür entschieden, ihr persönliches Extrem zu leben.

Ich wünsche Dir erfahrene, sozial kompetente Tänzer, die Dich achtsam führen und Dir dabei helfen, den Reichtum des Tangos zu erschließen.

Liebe Grüße,
Martin

Christian Tobler hat gesagt…

@ alle,

Teil1: inzwischen sind hier 77 Kommentare eingestellt worden. Leider ist eine konkrete aber konstruktive Diskussion wie ich sie mir erhofft habe bislang die Ausnahme geblieben. Zu Themen wie: Qualität und Aufbereitung des Parketts oder ein durchdachteres Setup der Raumaufteilung, bessere DJs und bessere Tontechnik, – um nochmals einige Themen zu benennen. Denn die teils praktizierte Selektion einzuladender Tänzer vorab ist nur ein aktuelles Thema von vielen.

Ich habe diesen Gastbeitrag NICHT geschrieben, damit Tänzer welche dieser Form von Event im Allgemeinen und/oder Encuentros im Besonderen nichts abgewinnen können bequem ablästern, indem sie meine Argumente aufgreifen und zusammenhanglos zum Schluss kommen, Encuentros seien überflüssig. Wem Encuentros nicht am Herzen liegen, soll anderswo selbst was schreiben: Über die Defizite jener Events, die ihm wichtig sind. Thema dieses Threads ist NICHT die Frage, ob solche Event toll oder wünschenswert sind. Wenn dem nicht so wäre, wären diese Veranstaltungen nicht dermassen erfolgreich. Thema dieses Threads ist die Frage, wie sich diese Wochenenden in ganz vielen Details qualitativ optimieren lassen und wie sich die manchenorts praktizierte Tendenz zu schlussendlich kontraproduktiver Exklusivität allmählich reduzieren lässt. Der Grabenkampf darüber, was Tango ist und was Tango Argentino nicht ist, ist NICHT Thema dieses Threads. So wie ein zu grosser Teil der Diskussion hier bisher verlaufen ist, sind die meisten Veranstalter und Hardcore-Teilnehmer von Encuentros logischerweise kaum gewillt, sich einzubringen. Warum sollten sie sich diesem Spiessrutenlauf aussetzen. Das wurde mir von verschiedenen Seiten auf anderen Kanälen klar gemacht. Dazu gehen zu viele Kommentare am Thema vorbei oder betreiben dummdreiste Polemik.

Die fehlende Bereitschaft tatsächlich eine Diskussion zu führen zeigt sich bereits in den ersten Kommentaren. Die identischen Kommentare zwei und vier zB gehen zwar auf das Thema ein, schotten sich aber sofort ab und rechtfertigen beinahe reflexartig – ich tippe auf einen Veranstalter oder einen mit Veranstaltern verbandelten Tänzer –  das herkömmliche Vorgehen. Nun gibt es auf diesem komischen blauen Erdball aber nichts, was sich nicht zum Vorteil aller verbessern liesse – das ist systemimmanent. Daher kann es nicht so schlimm sein, wenn für einmal Defizite in den Vodergrund gerückt werden ohne destruktiv zu werden – mit dem Ziel Optimierungspotential auszuloten. Kaum überspitzt formuliert ist es das alte Lied. Immer wieder heisst es verklausuliert: So haben wir das noch nie gemacht, da könnte ja jeder kommen, wir haben das immer so gemacht… Ich halte so eine Haltung für kein auf Dauer tragfähiges Konzept.

Christian Tobler hat gesagt…

Teil 2: Dieser Kommentator vertritt die Ansicht, dass ehrliche Kommunikation bieder und kleinkarriert ist. Natürlich darf jeder Veranstalter sein Event genauso ausrichten, wie er das möchte – solange er dabei mit offenen Karten spielt. Das ist aber nicht gegeben, wenn man das Windhund-Prinzip ankündigt, obwohl man leise und heimlich Rosinen pickt. In so einem Fall hilft auch keine Vision und keine Komposition. So was ist schlicht verlogen. Kulturgut Tango Argentino hat es nicht verdient für Tagträume saturierter Erstweltbewohner herhalten zu müssen, indem mit zahlenden Kunden wie mit Leibeigenen umgsprungen wird.

Dieses Dilemma der Selbstüberschätzung im Tango Argentino ist ein typisch europäisches Problem. Mir ist in BA eine einzige inzwischen nicht mehr stattfindende Milonga bekannt, die nicht öffentlich ist. In BA ist die Pyramide aus guten, mittelmässigen und weniger guten Tänzern wie überall zusammengesetzt: oben wenige, in der Mitte einige, unten viele. Trotzdem käme dort kaum ein Veranstalter auf die Idee, ausschliesslich auf Einladung zu veranstalten. Das beweist seit Jahrzehnten: Milongas funktionieren auch ohne handverlesenes Publikum bestens. Und Milongas, die nur von Könnern besucht werden, konstituieren sich betreffend der Gästezusammensetzung ganz von allein.

Damit will ich nicht sagen, es dürfe keine Veranstaltungen geben, die sich ihre Teilnehmer akribisch handverlesen. So was passt bloss nicht besonders gut zu einer Subkultur. BA belegt jedoch, dass beste Milongas auch ohne solche Verrenkungen funktionieren. Dazu ist lediglich etwas Zivilcourage auf Seiten der Veranstalter nötig und ein banaler Blick über die eigene Hutschnur hinweg. Wenn einer am Kegelabend seine Kugel gelegentlich auf die Bahn links oder rechts von seiner schmeisst, wird auch nicht lange gefackelt. Dann wird derjenige zurecht vor die Tür gesetzt, bevor er auf Drei zählen kann.

Mit Blick auf BA möchte ich eine Alternative zur Selektion vorab zur Diskussion stellen, die dort an guten traditionellen Milongas welche nicht von Touristen leben selbstverständlich ist. Tänzer die nicht gewillt oder in der Lage sind, die Leitplanken einer traditionellen Milonga zu respektieren, bekommen beim ersten Pogo-Ausrutscher vom Veranstalter quasi die gelbe und beim zweiten die quasi rote Karte prässentiert –  und das bedeutet sofortigen Rausschmiss. Jeder Tanztroll, der das einmal beobachtet, wird danach alles unternehmen, um sich dieser Blamage nicht auszusetzen.

Christian Tobler hat gesagt…

Teil 3: Dazu müssten Leitplanken im Zusammenhang mit der Ausschreibung eines Events lediglich wie AGBs behandelt werden. Eine Anmeldung wird erst möglich, nachdem man bestätigt diese Einschränkungen zu respektieren und die Folgen eines Ignorierens zu akzeptieren. Das wäre bedeutend weniger Aufwand, als das ganze Brimborium einer Selektion tänzerisch Hochwohlgebohrener im Vorfeld. Und es wäre für Veranstalter spannender, weil damit betreffend frisches Blut unter den Teilnehmern auch positive Überraschungen möglich würden.

Aufschlussreich ist die im erwähnten Kommentar verwendete Wortbildung Gästekohorte. Für alle, die mit Geschichte nichts am Hut haben: eine römische Kohorte umfasst total 600 Mann – Kämpfer, höhere Dienstgrade, Personal –  ohne Maultiere. Für ein Encuentro sind das viel zu viel Tänzer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass militärische Begriffe für diese Diskussion von Nutzen sind. Denn mit dem Begriff Kohorte gehen Stichworte wie Schlachtfeld oder Ranghöchster, Berufsheer oder Sollstärke einher. So was wünsche ich mir auf keiner Milonga.

Veranstalter unter sich habe ich übrigens sogar schon einmal wortwörtlich von Tanzvieh reden hören. Das waren jedoch keine Encuentro-Veranstalter, sondern – ein Schalk, wer sich dabei was Böses denkt –  vier Veranstalter von Dorf-Milongas. Auch diese Fomulierung hat den degutanten Beigeschmack eines Anspruchs auf menschliche Manipulationsmasse.

Letztes Jahr meinte ein Veranstalter im persönlichen Gespräch mit mir, dass er in Zukunft noch mehr sieben will. So wie er das umschrieben hat, will er nur noch Tänzer einladen, die nichts bemängeln, kaum eine Tanda sitzen bleiben und mit jeder Frau tanzt. Wer sich so einem Diktat unterwirft, lässt sich zum willfährigen Jünger machen. Für solche Bedürfnisse –  falls so was von Teilnehmern überhaupt gewünscht ist – gibt es Taxi Dancer. Ein Encuentro-Besucher ist zahlender Gast und darf daher Ansprüche geltend machen. Milonga-Kultur darf auf keinen Fall zu etwas dermassen Eindimensionalem, Gleichgeschaltendem, Antidemokratischem verkommen.

Falls es für Neulinge an so einem Event vor der ersten Milonga am Freitag Abend eine zweistündige Einführung braucht, könnten Veranstalter diese Mühe auf sich zu nehmen und Encuentro-Kücken während des Wochenendes unter ihre Fittiche nehmen. Oder sie delegieren diese Aufgabe. Routinierte Tänzer könnten so eine Patenschaft problemlos übernehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf diese Weise umhegte Frischlinge zum Problem in der Ronda werden.

Christian Tobler hat gesagt…

Teil 4: Natürlich müsste diese Vorbereitung für traditionelle Milongas schon seit Jahren von jedem Tango-Argentino-Lehrer in den Unterricht der ersten drei Monate eingebunden sein. Ich vermute allerdings, dass die Mehrzahl aller Lehrer im deutschsprachigen Raum so elementare Aspekten nie unterrichten. Dafür gibt es oft schon in der dritten Lektion Sacadas, Baridas und Torpedos. Wäre dem nicht so, wäre es nicht möglich, dass es Tänzer gibt, die nach zehn(!) Jahren Tango Argentino noch nicht wissen, dass im Tango Argentino in Spuren getanzt wird und es eine Tanzrichtung gibt, die noch nie den Namen d’Arienzo gehört haben. Ich weiss –  für jeden Afficionado klingt das vollkommen absurd. Aber das ist keine Realsatire, sondern 2014 traurige Realität im Tango Argentino des deutschsprachigen Raums.

In einem anderen Kommentar wird in Frage gestellt, ob Männer tatsächlich solche Frischfleisch-Freaks sind. Ich kann nur wiederholen: Leider doch und dazu eine kleine Geschichte erzählen. Vor einigen Monaten habe ich was besonders Krasses beobachtet. Und ich verstehe es bis heute nicht. Am ersten Abend eines Events – kein Encuentro – kam eine Tänzerin Anfang 30 stundenlang praktisch pausenlos zum tanzen, aber am zweiten Abend nur noch ganz selten. Dabei ist die sympatische Person eine gute Tänzerin, eine attraktive Frau. Einziger Unterschied zwischen den zwei Abenden: Am ersten trug sie ein geknüpftes Brusttuch und einen Wickelrock dessen Bund verflixt tief sass – beides Signalrot und hauchdünn. Das Ganze war ein rundum schöner Anblick, falls man nicht völlig prüde durch die Welt geht.

Am zweiten Abend trug die selbe Frau gleich gut tanzend und gleich gut gelaunt einen unmöglich geschnittenen Rock aus einem kartonartig steifen Material und ein Oberteil, welches das völlig Dekolleté verhüllte. Nun kam sie kaum zum Tanzen und schaute nach zwei Stunden Cabeceo-Frust tiefverzweifelt und totunglücklich herum und verstand die Tango-Welt nicht mehr. Sie hat beinahe geheult. Ich bin wie jeder Mann auch nur ein einfältiges Dreibein. Aber muss man diese Behinderung an Milongas tatsächlich dermassen plump und unreif ausleben? Wenn Männer eine Frau nur weil sie unvorteilhaft gkleidet ist heute nicht mehr beachten, auf die sich gestern gestürzt haben, weil sie verlockend gekleidet war, dann ist das für Betroffene zutiefst verletzend. Diese Frau hat auch ein Gesicht und sie trug an beiden Tagen dasselbe mit denselben schönen Augen und demselben einladenden Lächeln.

Christian Tobler hat gesagt…

Teil 5: Am Beispiel des Themas Qualität der DJs möchte ich nun ein klein wenig in die Tiefe gehen, da ich mir das nicht aus den Fingern saugen muss. Mit dem Ziel aufzuzeigen womit eine konstruktive Diskussion sich beschäftigen könnte wenn die Kommentare sich auf das Thema konzentrieren und in die Tiefe gehen würden. Natürlich ist mir klar, dass dieses Thema eine äusserst kontroverse Geschichte ist. Es ist beinahe unmöglich dazu Klartext zu reden, ohne manche Exponenten der Szene gegen sich aufzubringen. Daher dazu einige Vorbemerkungen, die deutlich machen, wie sehr sich die Situation in Europa von der in BA unterscheidet, aber auch was Europa von BA in diesem Aspekt lernen kann.

In BA sind auch beste traditionelle Muzicalizadores diskrete Fachkräfte, die verinnerlicht haben, sich niemals den Vordergrund zu drängen. Sonst hätten sie kein Auskommen. Die wahren Könner dieser Branche haben es sowieso nicht nötig, sich dauernd ins Gespräch zu bringen, was es ihnen erlaubt, sich ganz auf ihre Aufgabe zu konzentrieren anstatt ein klein wenig überspitzt formuliert so lange im social-marketing-Hamsterrad zu rotieren, bis auch noch der letzte Rest an Orientierung bei der Musik-Programmation flöten gegangen ist.

In BA treffen traditionelle DJs auf ein Publikum, welches die Musik der Epoca de Oro kennt und Ansprüche stellt – Ansprüche an die Auswahl jener Titel die an Milongas gespielt werden, die Art und Weise wie ein DJ Tandas zusammenstellt, dazu wie ein DJ Tandas durch eine Cortina voneinander trennt, und vor allem Ansprüche daran, wie ein DJ den Spannungsbogen über die ganze Milonga hinweg steuert, was immer die Königsdisziplin traditioneller Musicalizadores sein wird. In BA erwarten gute Tänzer zudem einen DJ, der das Publikum nicht mittels Musikauswahl zu kapern versucht –  ganz egal ob der das mittels Umschiffung der Aufnahmen der 40er oder Tempo auf Teufel komm raus, mittels selten oder nie gespielten Titeln oder wie auch immer versucht. Eine traditionelle Milonga ist keine Disco, kein Wunschkonzert, kein Originalitätswettbewerb, sondern ein komplex codierter Tanzabend. Und ein DJ ist kein Star und kein Musikliebhaber sondern ein Dienstleister.

Christian Tobler hat gesagt…

Teil 6: In Europa trefen traditionelle DJs oft auf ein Publikum, welches nicht viel über die Musik der Época de Oro weiss und keine grossen Ansprüche stellt. Daher muss ein guter DJ in Europa stets zwei gegensätzlich Ziele verfolgen: Nicht nur unterhalten sondern auch weiterbilden – nicht nur bestätigen sondern auch herausfordern. Einerseits muss er ein Stück weit populär agieren und Stimmung aufbauen, allerdings ohne die in Europa dazu sinngemäss zu oft verwendeten Instrumente Nunchaku und Vuvuzela. Andererseits muss er sein Publikum immer wieder fordern und im passenden Augenblick für eine einzelne Tanda überfordern, damit Tänzer gelegentlich die Chance erhalten, über sich hinaus wachsen zu können. Denn das sind für Tänzer oft die schönsten und spannendsten Momente eines Abends. Manchmal mag so was trotz sorgfältiger Vorbereitung misslingen. Dann muss ein DJ in der Lage sein, die Tänzer mit einer einzigen Tanda wieder einzufangen, damit die Stimmung nicht in den Keller saust. Die Kombination all dieser Fähigkeiten und ganz anderer ist nicht nur unter DJs an Encuentros noch zu selten zu finden. An manchen Events liefern zu oft bestenfalls ein oder zwei von vier oder fünf DJ solides Handwerk in Bezug auf die Musik-Programmation ab.

Kürzlich war ein Tänzer bei uns über das Wochenende zu Besuch, der Tango Argentino erlernt hat, als er zwei Jahre lang in BA gearbeitet und damit eine ganze Reihe von Umwegen vermeiden konnte, die vielen europäischen Tänzern kaum erspart bleiben. Das war natürlich nur möglich, weil er das Glück hat gleich zu Beginn an gute Lehrer zu geraten. Sein klarer Fokus und seine eindeutige Haltung waren erfrischend und ermutigend. Er gehört zur hier stetig wachsenden Gruppe von Tänzern, welche in ihrer lokalen Szene in Europa höchstens gelegentlich tanzen. Dieser Tänzer besucht BA zwei bis drei Mal pro Jahr für einen Monat. In den letzten fünf Jahren hat in meinem Umfeld die Zahl solcher Tänzer deutlich zugenommen. Lokale Veranstalter sollten alles tun, um solche Tänzer aktiv einzubinden. Auch wenn das bedeutet, dass sie sich Kritik anhören und daran arbeiten müssen, ihre Veranstaltung zu verbessern.

Jener Tänzer hat mit deutlichen Worten bestätigt, was ich schon lange gerne ausgesprochen hätte aber bisher unausgesprochen liess, weil mir klar ist was für ein Geschrei so eine Stellungnahme womöglich nach sich zieht. Trotzdem muss auch so was zur Diskussion gestellt werden dürfen: Noch passt das Nievau der DJs zu oft nicht zum Anspruch dieser Event-Gattung. Da ist einfach nicht genug Professionalität, nicht genug Sorgfalt, nicht genug Esprit für 150 Tänzer, die für ein einziges Wochenende aus ganz Europa anreisen. Zu oft werden die immer selben Gesichter unabhängig ihres Leistungsausweises engagiert. Ich vermute inzwischen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen deren Fähigkeit auf Facebook und anderswo mittels Turbo-Marketing den Bogen zu überspannen und der Unfähigkeit den Spannungsbogen an Milongas gekonnt zu gestalten. Das mag jetzt polemisch klingen, ist aber angesichts der Realität im Jahr 2013 keine Übertreibung.

Christian Tobler hat gesagt…

Teil 7: Ich erinnere ich mich an einen DJ – der Name tut nichts zur Sache –  der dauersitzend pausenlos damit beschäftigt war, seinen Körper schubidu-mässig zuckend in Szene zu setzen, weshalb er über Stunden hinweg weder hörte, dass sich im Bassbereich an manchen Orten stehende Wellen aufbauten, noch bemerkte wie ungnädig die Tänzerschar seinen Überhang an obskueren Aufnahmen aus den 30ern und 50ern aufnahm. Inzwischen weiss ich von Freunden, dass dieser Affenzirkus bei dieser Person Programm ist. Ich glaube so was nennt man Selbstvermarktung. So ein DJ ist nicht Encuentro-kompatibel. Ein Encuentro ist kein Supermarktregal.

Ich erinnere mich an DJs, die Cortinas lauter als Tandas spielen. Dann muss man nicht fragen, warum die Tänzer zu Beginn einer Tanda eineinhalb Minuten vertratschen, bevor sie sich wieder auf die Umarmung einlassen. Wenn während der Cortina kein Gespräch möglich ist weil AC/DC die Scheiben zum klirren bringt und die Bäuche der Tänzer massiert, haben Tänzer keine Wahl. Dann müssen sie den halben Tango vertratschen.

Ich erinnere mich an DJs, welche die an Encuentros unvermeidlich lange dauernde Tratscherei zu Beginn jedes Musikstücks mit Lautstärke zu ersticken versuchen, weil sie sich als grossen Zampano verstehen anstatt als graue Eminenz. Das klappt niemals. Tänzer die reden wollen sind in einem prallvollen Saal immer lauter als die PA-Technik des DJs. Hier hilft einzig und allein totale Stille des DJs und Geduld –  solange bis die Tänzer still werden, weil sie bereit für den nächsten Tango sind –  auch wenn das manchmal 20 Sekunden oder länger dauern kann.

DJs die so elementare Aufgaben nicht konfliktfrei bewältigen, sind genauswenig Encuentro-kompatibel, wie DJs die es nicht schaffen zwischen den einzelnen Titeln einer Tanda jeweils für wenigstens fünf bis acht Sekunten Stille zu sorgen, damit Tänzer einige wenige Sekunden Zeit haben, um sich aus der Umarmung zu lösen und einmal auszuatmen, bevor der nächste Tango beginnt.

Christian Tobler hat gesagt…

Teil 8: Ich möchte anhand dieser Beispiele zu einem Thema lediglich aufzeigen, wie viele elementare Aspekte von Encuentros nicht nur dort noch nicht ausreichend gepflegt werden und wie viel Gesprächsstoff wir im Zusammenhang mit Encuentros tatsächlich hätten –  zum Vorteil aller Teilnehmer und Veranstalter. Ich lade nochmals dazu ein, dieses Vakuum mit differenzierten und ehrlichen, langen oder kurzen, engagieren und nachdenklichen Kommentaren zu füllen –  ZUM THEMA. Es wäre schön, wenn auch Ideen für Lösungen eingebracht würden, über die hier eine Diskussion entstehen kann. Die darf in der Sache genauso hart geführt werden, wie ich das tue, vorausgesetzt der Dialog bleibt menschlich fair und verletzt keine Personen namentlich.

Im Nachhinein wünschte ich mir, dass Cassiel jeden Kommentar der nicht unmittelbar auf das Thema eingeht oder lediglich ablästert sofort kommentarlos und gelöst hätte. Ich bin sicher, dass dann hier eine ganz andere Diskussion entstanden wäre. Natürlich weiss ich, dass Cassiel das völlig anders sieht und nur in Ausnahmefällen eingreifen will. Schade, denn hier etabliert sich seit kurzem eine Diskussionsunkultur, welche dieses Blog beschädigt. Affig im Rudel ist nicht amüsant sondern destruktiv.

Nochmals: Leider ist eine konkrete aber konstruktive Diskussion wie ich sie mir erhofft habe hier bislang die Ausnahme geblieben – zu Themen wie: Qualität und Aufbereitung des Parketts oder ein durchdachteres Setup der Raumaufteilung, bessere DJs und bessere Tontechnik –  um nochmals einige Themen zu benennen. Denn die teils praktizierte Selektion einzuladender Tänzer vorab ist nur ein aktuelles Thema von vielen.

Die spannendsten Diskussion in diesem Blog haben sich immer dadurch ausgezeichnet, dass die Mehrzahl der Kommentare auf das eigentliche Thema eingegangen ist und so ein echter Dialog zustande kam, der Türen geöffnet hat. In diesem Sinn hoffe ich immer noch auf Substanz anstelle von Attitüde.

herzlich – Christian

cassiel hat gesagt…

Lieber Christian, vielen Dank, dass Du Dich ein zweites Mal so umfangreich geäußert hast. Da Du mich direkt angesprochen hast, will ich zumindest zu der Frage, ob Kommentare, die inhaltlich an der Ausgangsfragestellung vorbeigehen, umgehend gelöscht werden sollten.

In den letzten Jahren haben sich viele treue Leserinnen und Leser hier eingefunden und ich konnte es nicht vermeiden, dass auch ein paar Spaßvögel und Neider gekommen sind. Ich kann es nicht vermeiden. Ich denke, die sehr hohe Kommentardichte in diesem Blog ist dadurch bedingt, dass ich nicht filtere. Ich lasse hier jeden Kommentar stehen, nur wenn es dann doch zu bunt wird, schreibe ich einen Hinweis, in dem ich mich inhaltlich distanziere - mehr nicht.

Es mag manchmal anstrengend sein, sich durch sachfremde Meinungsäußerungen durchzuarbeiten; ich sehe zu meinem Verhalten im Bezug auf Troll-Kommentare keine Alternative.

Inhaltlich teile ich weitgehend Deine Analyse (aber es steht mir nicht zu darüber zu schreiben - ich habe erst relativ wenige Veranstaltungen besucht).

Es ist im Tango vermutlich so, wie in diesem Blog: Wir müssen mit den Menschen umgehen, die wir vorfinden.

Ich hatte neulich Kontakt zu einer Veranstalterin, die mir gesagt hat, Christians Analyse hat ein Beben unter den Veranstaltern verursacht - auch wenn sich vergleichsweise wenige hier öffentlich geäußert haben.

In diesem Sinne hoffe ich, dieser Artikel entfaltet in der nächsten Zeit Wirkung und wir werden viele schöne Encuentros, Festivalitos und Marathons erleben dürfen.

Ich muss wieder arbeiten...

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich einen wunderschönen Tag

c

Chris hat gesagt…

Christian wrote "Ich erinnere ich mich an einen DJ – der Name tut nichts zur Sache – der dauersitzend pausenlos damit beschäftigt war, seinen Körper schubidu-mässig zuckend in Szene zu setzen, weshalb er über Stunden hinweg weder hörte, dass sich im Bassbereich an manchen Orten stehende Wellen aufbauten, noch bemerkte wie ungnädig die Tänzerschar seinen Überhang an obskueren Aufnahmen aus den 30ern und 50ern aufnahm.

We have some such DeeJays in the UK. We call them MeeJays :)

Anonym hat gesagt…

Das Hauptproblem dürfte die Länge sein und die Anzahl unterschiedlicher Aspekte.
CT kritisiert in seinem überlangen Kommentar zu seinem überlangen Beitrag zum Thema Encuentros, Festivals etc das Ausbleiben einer „echten“ Diskussion zum Letztgenannten. Ein Blog dürfte eher ungeeignet sein, um mit derart umfänglichen Darstellungen eine komplexe Debatte zu gleich einer ganzen Handvoll unterschiedlicher Aspekte aus dem Themenkontext anzuregen.
Die Diskussionsansätze, die es als Reaktion auf den ersten Schriftsatz des Autors gab, behandelt er in seinem seit wenigen Tagen vorliegenden Kommentar nicht erkennbar mit dem Respekt und der Diskussionsbereitschaft, die er für den eigenen Beitrag einfordert. In solch einem Klima entsteht Debattierfreude schwerlich. Wer hat Zeit, Muße und die Bereitschaft, sich umgehend abwatschen zu lassen, wenn er sich einlässt? Deshalb äußere ich mich zum Inhalt nicht, obwohl es dazu viel zu sagen und CT etliches entgegenzuhalten gäbe.

Anonym hat gesagt…

Wer wie CT 77 Kommentare lang schweigt und dann wieder ein mehrteiliges Elaborat ablässt, der will nicht diskutieren, sondern nur missionieren. Schade!

Anonym hat gesagt…

Der Ton macht die Musik! Auch in der geschriebenen Sprache. Ganz unabhängig vom Inhaltlichen geht es genauso wie den zwei Kommentatoren vor mir : man fühlt sich georfeigt von einem Lehrer, der mit den Leistungen seiner Schüler nicht zufrieden ist. So kommt es zumindest rüber, auch wenn es so nicht gemeint sein sollte. SCHADE!! Araja.

cassiel hat gesagt…

Es ist sehr schade! Leider muss ich an dieser Stelle einmal deutlicher werden und eingreifen. Ich bin an diesem Wochenende bei einem Festivalito und entdecke beim routinemäßigen Prüfen der Kommentare die beiden anonymen Einträge (oberhalb von den Zeilen von Araja).

Ich finde, es ist eine Missachtung meiner periodisch vorgetragenen Bitte, sich wenigstens ein Pseudonym auszudenken. Augenscheinlich haben es die zwei Kommentatoren (bzw. der eine Kommentator, der sich gleich zweimal äußern muss) nicht nötig, sich als Gast an die Spielregeln in einem fremden Blog zu halten.

Inhaltlich ist in den Kommentaren gar nichts zu finden. Deswegen sind sie komplett überflüssig. Man kann durchaus anderer Ansicht sein. Auch ich bin nicht in allen Punkten mit Christian einer Meinung (so finde ich beispielsweise seine Ausführungen zum Stichwort Frischgleisch-Freaks nicht zutreffend und ich möchte nicht in diese Hälfte der Spezies Mensch einsortiert werden), aber dann, wenn es mir denn wirklich so wichtig wäre, würde ich mich inhaltlich äußern. Die beiden anonymen Wortmeldungen schaffen das nicht. Es geht nur um formale Dinge: Ob Christian lang oder kurz kommentiert ist seine persönliche Freiheit. Er hat sich nicht wiederholt und somit scheint sein langer Kommentar notwendig gewesen zu sein. Ebenso unerheblich ist es, dass Christian über Wochen nicht geschrieben hat (77 Kommentare lang) - das ist nebensächlich. Er hätte sich hier auch noch einmal nach Jahren melden können.

Ich beobachte mit Sorge eine Verrohung des Umgangs meiner Gäste miteinander und das gefällt mir nicht. Besonders fallen mir diese Unverschämtheiten seit dem unsäglichen offenen Brief von Annette Postel in der TD vor einem Jahr auf. Ich hoffe, das war nicht der Dammbruch.

Um es noch einmal deutlich und unmissverständlich zu formulieren: Hier kann jeder inhaltlich jede Meinung vernünftig begründet niederschreiben. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass da ab und zu kontroverse bzw. lebhafte Diskussionen entstanden sind. Dieses anonyme Hinrotzen von ein paar Pöbeleien finde ich kontraproduktiv. Dafür mache ich mir nicht die Mühe, ein Blog zu schreiben.

Ich bitte darum, dass sich derartige Zeitgenossen hier zukünftig gesittet aufführen und meine Wünsche respektieren.

haribold hat gesagt…

Wo ist der große Unterschied zwischen Anonym und Pseudonym? In beiden Fällen verbirgt der Schreiber seine Identität. Das ist legitim. Du tust es ja auch.

Ich hätte zwei Vorschläge an dich:

Wenn du einen klaren Bezug auf einzelne Kommentare ermöglichen willst, dann lasse die Kommentare automatisch durchnummerieren.

Wenn du partout keine anonymen Kommentare willst, dann ermögliche das Schreiben eines Kommentars nur dann, wenn ein Name angegeben wird.

Im Übrigen hat jeder Beitrag und jeder Kommentar einen formalen und einen inhaltlichen Aspekt. Ich meine, es ist legitim, sich auf beide Aspekte zu beziehen. Auch das tust du ja ganz offensichtlich selbst!

bird hat gesagt…

Hi haribold,

der erleichternde oder eben erschwerende Unterschied zwischen A und P liegt darin, dass man P besser, schneller und genauer zuordnen kann, ohne Kommentare durchnummerieren zu müssen, was bei A mühsam ist und mur mit Hilfe von Uhrzeit und Datum funktioniert.
Ein Pseudonym ist auch im Verlauf leichter wieder zu finden.
Ist das so schwer verständlich ?

Annonym kann, darf hier jeder sein.

cassiel hat gesagt…

So. Ich habe hier einige (um genau zu sein: 144) Kommentare gelöscht. Der größte Teil dieser Kommentare (nämlich 76) stammte aus der Feder eines einzigen Kommentators, der offensichtlich ein anderes Tangoverständnis als ich hat. Die Diskussion lief leider komplett aus dem Ruder, obwohl ich nach Kräften (in insgesamt 42 der 144 mittlerweile gelöschten Kommentare) versucht habe, eine halbwegs gesittete Gesprächskultur wiederherzustellen und - soweit möglich - in der Sache zu antworten. Schließlich wurde mir bzw. Dritten hier im Blog mit straf- und/oder zivelrechtlichen Konsequenzen gedroht, Auslöser war ein Beitrag eines anderen Kommentators. Ich hielt und halte diese Drohungen für gegenstandslos. Trotzdem bin ich an einer für alle Seiten halbwegs befriedigenden Lösung interessiert (obwohl so etwas faktisch unmöglich ist - irgend jemand ist immer unzufrieden). Es gab auch ein paar Kommentare von dritter Seite. Da diesen Kommentaren nach dem Löschen der übrigen Kommentare die sachliche Grundlage fehlt, habe ich sie ebenfalls entfernt.

Nach einem intensiven eMail-Austausch mit dem betreffenden Tanguero und nachdem er in seinem Blog ehrabschneidende Posts über Dritte gelöscht hat, habe ich entschieden, hier in größerem Umfang Kommentare zu entfernen. Ich stelle den Zustand vor dem Auftritt der nämlichen Person wieder her. Dies entspricht auch dem Inhalt der eMail-Absprachen. Da ich am vergangenen Wochenende ein Encuentro besucht habe und vorher keine Zeit hatte, die umfangreicheren Arbeiten durchzuführen, habe ich am letzten Donnerstag sämtliche Kommentare in diesem Strang temporär deaktiviert. Heute habe ich dann die Kommentare endgültig entfernt.

Nun mag es Zeitgenossen geben, die umgehend Krach schlagen und behaupten, ich würde „zensieren“. Ich kann das nicht verhindern - vielleicht, weil diese Zeitgenossen primär nur an Krawall interessiert sind. Es beeindruckt mich allerdings auch nicht besonders.

Für die Zukunft gilt für dieses Blog: Wer mir oder einem meiner Gäste mit rechtlichen Schritten droht, den werde ich bitten, mein virtuelles Hausrecht zu respektieren und hier nicht mehr zu schreiben. Sollten trotzdem weitere Kommentare gleicher Urheberschaft erscheinen, werde ich diese ohne weitere Erklärung umgehend löschen.

Anonym hat gesagt…

Du bist wohl nicht der Einzige.

Siehe auch: http://haessy.de/aufs-maul/

Ich finde es gut komische Kommentare zu löschen.

Eine treue Leserin

cassiel hat gesagt…

Das hat mir schon heute morgen eine fantastische Tanguera geschickt (ich hätte schon angefragt, ob ich Teile des Artikels kopieren darf)

Obwohl es nicht meine Sprache ist … finde ich den Artikel großartig. Ich mache mal aus Deinem Hinweis einen Link:

Aus dem Blog von Frau Haessy: Auf’s Maul?

Sehr schön …

Peter Baumgartner hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
bird hat gesagt…

Cassiel,

herzlichen Dank für das Bereinigen !!! Ich persönlich empfinde das als sehr, sehr wohltuend, denn diese Art des sich zur Schaustellen hat mit Deinem Anliegen hier so gar nichts zu tun und stört enorm, finde ich.
Nochmals, lieben Dank.

cassiel hat gesagt…

Hallo Bird,

vielen Dank für Deine aufmunternden und unterstützenden Worte. Ich würde mir allerdings wünschen, dass nun ein wenig Gras über die Sache wachsen kann. Insofern bitte ich darum, zukünftig eine Wortwahl wie z.B.: „diese Art des sich zur Schaustellen“ zu vermeiden. Ich möchte verhindern, dass die Angeleigenheit wieder eskaliert (hinter den Kulissen brodelt es noch ein wenig, aber ich denke, auch das wird langsam weniger werden).

Anonym hat gesagt…

Schau mal beim Riedel ..... da steht, dass es bei Encoentros elitär zugeht.

cassiel hat gesagt…

Hallo Anonym [#101], ich bin etwas ratlos, was Du mit Deinem Kommentar bewirken willst. Aber gut, ich habe den Beitrag beim bloggenden Oberstudienrat i. R. nun auch gelesen. Wirklich neu war da eigentlich nichts. Der polternde Pörnbacher Pensionist feilt weiter an seinem Narrativ von den elitären Encuentros und dem Hin- und Hergewackel (um nur zwei Punkte seiner – periodisch wiederkehrenden – Kritik zu nennen). In dieser Runde gibt es O-Töne von Tangueras (leider wieder einmal ohne Fundstellen; ich weiß wirklich nicht, wie er sein Berufsleben gemeistert hat).

Mir fehlt die Zeit und die Lust, mich mit seinen Gedanken auseinanderzusetzen – das hatten wir schon zu oft. Er kann ja gerne „gegen“ Encuentros sein. Bevor er aber dazu schreibt, wäre es vielleicht ratsam, einmal eines besucht zu haben. Gerhard Riedl rühmt sich ja gelegentlich, er nehme seit Jahren keinen Unterricht mehr. Er hat sich selbst von der Entwicklung des Tangos abgeschnitten und steckt in einem Bild vom Tango fest, das so vielleicht am Anfang des Jahrtausends verbreitet war. Ich finde, das merkt man auch seinen Texten an. Aber es ist seine persönliche Freiheit, sich so zu verhalten. Ich finde es nur bemerkenswert, dass er sich dann (quasi in einer gefühlten generellen Zuständigkeit) über Dinge äußert, die er nicht kennt – aber das ist sein „Problem“ (er wird vermutlich vehement bestreiten, dass es ein „Problem“ ist).

Anonym hat gesagt…

Ich hatte vorher schon von diesen "Encuentros" gehört - und fand das Konzept befremdlich.
Nach der Lektüre des Artikels habe ich von diesem Konzept endgültig Abstand genommen - die Geisteshaltung der Veranstalter UND auch des kritisierenden Teilnehmers hat für mich nichts mehr mit den Ursprüngen des Tango Argentino zu tun und zeugt von einer elitären Einstellung, mit der ich nichts zu tun haben möchte.

cassiel hat gesagt…

Hallo Anonym, 

Deine Anmerkung habe ich gelesen. Ich kann das Etikett „elitär“ nicht nachvollziehen. Es handelt sich um bestimmte Gepflogenheiten beim Tango und den Beteiligten steht es frei, sich an diese Gepflogenheiten zu halten (wenn sie entsprechende Veranstaltungen besuchen), oder diese Gepflogenheiten eben abzulehnen. Weitergehende Wertungen („elitär“) sind m.E. nicht gerechtfertigt. Bei den Berlin Tango Vibes kann man in einem jüngst veröffentlichten Blogpost nachlesen, wie die Konventionen in Buenos Aires sind (hier: Buenos Aires Tango Guide – Part 2: Milonga-Knigge). Das sind auch nur Verabredungen, die ein gedeihliches Miteinander sicherstellen sollen.