Ein Thema, das mir schon seit Jahren am Herzen liegt (siehe dazu auch meinen Artikel aus dem Jahr 2009: Ewald der Event-Fotograf), wurde nun noch einmal sehr gründlich in einem Gastbeitrag von Felix bearbeitet - er schickte mir seine Sicht der Situation Anfang der Woche. Mir wäre es wichtig, dass über dieses Thema noch einmal breiter debattiert wird; insofern veröffentliche ich den Text ungeändert. Felix und ich freuen uns über weiterführende Gedanken und konstruktive Diskussionen in den Anmerkungen.
Es gibt Milongas, die habe ich mal sehr gern besucht. Das war vor der Zeit, als es modern wurde, auch auf lokalen, allwöchentlichen oder monatlichen Tanzveranstaltungen allenthalben zu fotografieren und anschließend auf Facebook imposante Bilderstrecken zu veröffentlichen. Den Fotografen beschert das regelmäßig viele„Likes“ und Kommentare wie „danke für die tollen Fotos“ o. ä. Diese Reaktionen dürften zeigen, dass es vielen TänzerInnen offenbar gefällt, in Nahaufnahme abgelichtet zu werden und die Bilder hernach im sozialen Netzwerk veröffentlicht zu sehen, nicht selten gar mit Namensnennung.
Cassiels vollkommen überflüssiges deutschsprachiges Tango-Blog
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Donnerstag, 15. Januar 2015
Montag, 13. Januar 2014
Ein Gastbeitrag von Christian Tobler: Festivals – Marathons – Encuentros
Christian Tobler, Tanguero und TJ vom Verein Argentango aus Zürich hat mir diesen Gastbeitrag geschickt. Das Thema ist m.E. sehr aktuell und bedarf seit geraumer Zeit einer fundierten Analyse mit anschließender Diskussion. Christian und ich freuen uns auf Ergänzungen, andere Ansichten und weiterführende Ideen in Kommentaren.
In den vergangenen drei Jahren habe ich mit meiner Partnerin ein gutes Dutzend mehrtägige Encuentros in ganz Europa besucht, die es Tango-Argentino-Tänzern erlauben, zusammen mit Gleichgesinnten während mehrerer Tage ausgesprochen intensiv zu Tanzen. Da kommen zwischen Freitag Abend und Sonntag Nachmittag schon mal über 20 Stunden Tanzen zusammen – also definitiv eine geballte Ladung und damit nur etwas für waschechte Aficionados. Ich denke die Zeit ist reif, um diese inzwischen vielfältige Szene und ihre Mechanismen etwas genauer zu beleuchten und einige Dinge beim Namen zu nennen.
In den vergangenen drei Jahren habe ich mit meiner Partnerin ein gutes Dutzend mehrtägige Encuentros in ganz Europa besucht, die es Tango-Argentino-Tänzern erlauben, zusammen mit Gleichgesinnten während mehrerer Tage ausgesprochen intensiv zu Tanzen. Da kommen zwischen Freitag Abend und Sonntag Nachmittag schon mal über 20 Stunden Tanzen zusammen – also definitiv eine geballte Ladung und damit nur etwas für waschechte Aficionados. Ich denke die Zeit ist reif, um diese inzwischen vielfältige Szene und ihre Mechanismen etwas genauer zu beleuchten und einige Dinge beim Namen zu nennen.
Freitag, 28. Juni 2013
Leserzuschrift: Der Tango, der Tod und die Rituale
Ich bin diese Woche beruflich unterwegs und habe deswegen wenig Zeit für das Blog. Glücklicherweise ist auch die laufende Diskussion zum Thema Tango-Knigge eher gemütlich. Heute frühe erreichte mich eine Leserzuschrift mit einer interessanten Frage, die ich hier einmal öffentlich stellen möchte: Wie hält es jede/jeder Einzelne mit Ritualen? In der Leserzuschrift wird das am Beispiel eines Todesfalls diskutiert. Ich stelle hier einfach einmal diesen Meinungsaustausch zur Diskussion.
Hallo Cassiel,
danke zum Kopf hoch, aber damit hab ich keine Probleme. als freier Milonguero der keiner Gruppe angehören will bin ich eh fast immer alleine unterwegs und mache dadurch viele interessante Bekanntschaften [das bezog sich auf einen früheren Meinungsaustausch]. ein aktueller Anlass hier in der Region hat mich auf die Idee gebracht deine Meinung dazu zu erfragen… es geht um Rituale auf einer Milonga, oder wie Tänzer mit Lebensereignissen umgehen bzw. umgehen sollten. im aktuellen Fall ist regionale Persönlichkeit überraschend zu hause gestorben. seine Freunde haben gestern eine Milonga in Weiß als Trauer abgehalten, mit schwarzer Trauerschleife am Körper… etc. heute waren einige damit wieder schon unterwegs…
Hallo Cassiel,
danke zum Kopf hoch, aber damit hab ich keine Probleme. als freier Milonguero der keiner Gruppe angehören will bin ich eh fast immer alleine unterwegs und mache dadurch viele interessante Bekanntschaften [das bezog sich auf einen früheren Meinungsaustausch]. ein aktueller Anlass hier in der Region hat mich auf die Idee gebracht deine Meinung dazu zu erfragen… es geht um Rituale auf einer Milonga, oder wie Tänzer mit Lebensereignissen umgehen bzw. umgehen sollten. im aktuellen Fall ist regionale Persönlichkeit überraschend zu hause gestorben. seine Freunde haben gestern eine Milonga in Weiß als Trauer abgehalten, mit schwarzer Trauerschleife am Körper… etc. heute waren einige damit wieder schon unterwegs…
Mittwoch, 27. März 2013
Gastbeitrag: Tango-Unterricht bei Céline Deveze und Andreas Wichter
KlausPP hat mir diesen Gastbeitrag zugesandt, herzlichen Dank dafür. Für neue Beiträge von mir bitte ich um etwas Geduld.
"Du. Cassiel hat mich ermutigt, einen Gastbeitrag über den Unterricht bei Celine und Andreas zu schreiben. Das geht aus verschiedenen Gründen nicht … könnt ihr das nicht machen, ihr wart doch auch da?" fragt die Freundin.Wir (ein Ehepaar mit addierter Tanzerfahrung von über 20 Jahren) waren auf der gemeinsamen Suche nach neuen Ansätzen und Variationen für unser Tanzen auf klein(st)em Raum und in eng(st)er Umarmung, weil wir mit dem IST noch nicht so ganz glücklich waren. Selber war ich auf der Suche nach neuen Ideen für die Umsetzung von musikalischer Rhythmik und Dynamik in Führungs- und Bewegungsdynamik. So stießen wir auf das Tangokombinat.
"Klar gerne. Wir haben sehr positive Erfahrungen mit den beiden gemacht, da kann ich auch mal was drüber schreiben."
Dienstag, 31. Juli 2012
Gastbeitrag: Eine Tangoreise mit Melina Sedó und Detlef Engel nach Südfrankreich
Ein Leser dieses Blogs hat einen Gastbeitrag zu einer Tangoreise vom 30. Juni bis zum 07. Juli 2012 mit Melina Sedó und Detlef Engel nach Südfrankreich verfasst, den ich hier gerne veröffentliche. Regelmäßige Leserinnen und Leser dieses Blogs kennen Melina Sedó aus dem Interview zur Didaktik im Tango aus dem Oktober 2010 (Teil 1, Teil 2, Teil 3). In diesem Beitrag gibt es nun einen Bericht aus der Praxis für den ich mich beim Autor herzlich bedanke.
Übrigens: Melina hat ihre Blogpause beendet. Ihr äußerst lesenswertes Blog findet sich hier.
Freitag 16:30h: Wir standen am Flughafen in Marseille um unsere Koffer vom Gepäckband abzuholen. Das Band drehte sich und drehte sich und die Koffer tauchten nicht auf. Bei der Gepäckermittlung erfuhren wir dann, daß die Koffer noch in München waren und mit der nächsten Lufthansa-Maschine kommen sollten. Wir waren aber für 19:30h in Mas de Mestre angekündigt und hatten natürlich keine Telefonnummer dabei (weder von der sehr freundlichen Besitzerin des Anwesens, noch von Melina oder Detlef). Also riefen wir schnell eine Freundin in Zürich an, die Melina verständigte. Melina funkte die Verzögerung nach MdM durch und das Problem hatte sich erledigt. Warum ich dieses vielleicht unwichtige Detail berichte? Es ist beispielhaft für das professionelle Organisationstalent von Melina und Detlef und lässt erahnen, welche Arbeit die beiden auch jenseits des Unterrichts verrichten.
Übrigens: Melina hat ihre Blogpause beendet. Ihr äußerst lesenswertes Blog findet sich hier.
Freitag 16:30h: Wir standen am Flughafen in Marseille um unsere Koffer vom Gepäckband abzuholen. Das Band drehte sich und drehte sich und die Koffer tauchten nicht auf. Bei der Gepäckermittlung erfuhren wir dann, daß die Koffer noch in München waren und mit der nächsten Lufthansa-Maschine kommen sollten. Wir waren aber für 19:30h in Mas de Mestre angekündigt und hatten natürlich keine Telefonnummer dabei (weder von der sehr freundlichen Besitzerin des Anwesens, noch von Melina oder Detlef). Also riefen wir schnell eine Freundin in Zürich an, die Melina verständigte. Melina funkte die Verzögerung nach MdM durch und das Problem hatte sich erledigt. Warum ich dieses vielleicht unwichtige Detail berichte? Es ist beispielhaft für das professionelle Organisationstalent von Melina und Detlef und lässt erahnen, welche Arbeit die beiden auch jenseits des Unterrichts verrichten.
Montag, 12. Dezember 2011
Gastbeitrag: Christian Tobler und Monika Diaz bei tangoNegro, Regensburg
So jetzt mal im Vertauen... so ganz unter uns... Wenn uns jemand von einem sechsstündigen Vortrag über die klassische Tangomusik erzählen würde, dann würden wir vermutlich denken, ein solcher Vortrag ist ein Spartenprogramm, wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen und extrem langweilig für einen Großteil der Zuhörer. So einen Vortrag kann nur ein Phantast verfassen und halten, organisiert wird er von Veranstaltern, die Lust am finanziellen Selbstmord haben...
Daß dies nicht so sein muss, hat Christian Tobler aus Zürich bei tangoNegro in Regensburg eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Am 3. und 4. Dezember hielt er - zusammen mit seiner Partnerin Monika Diaz - seinen komplett ausgebuchten Workshop über die musikalische Vielfalt der EdO. Klaus Schwarzwälder aus Biel/CH hat darüber einen detailierten Gastbeitrag verfasst. Klaus hat hier im Blog schon einmal geschrieben. Damals ging es um seine Milonga in Biel; er hat (mit Christians Hilfe) die Tonanlage neu konzipiert. In dem Artikel ging es "nur" um technische Aspekte der Tango-Wiedergabe an einer Milonga. Mich freut es außerordentlich, daß er nun auch inhaltlich zu den Ideen von Christian Tobler zum Tango geschrieben hat.
Einführung in die Epoca de Oro - ein Vortrag/Workshop von Christian Tobler
und der Versuch, dieses Ereignis vom 3./4. Dezember 2011 in Regensburg zu würdigen.
Ein Gastbeitrag von Klaus Schwarzwälder Biel/CH
Daß dies nicht so sein muss, hat Christian Tobler aus Zürich bei tangoNegro in Regensburg eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Am 3. und 4. Dezember hielt er - zusammen mit seiner Partnerin Monika Diaz - seinen komplett ausgebuchten Workshop über die musikalische Vielfalt der EdO. Klaus Schwarzwälder aus Biel/CH hat darüber einen detailierten Gastbeitrag verfasst. Klaus hat hier im Blog schon einmal geschrieben. Damals ging es um seine Milonga in Biel; er hat (mit Christians Hilfe) die Tonanlage neu konzipiert. In dem Artikel ging es "nur" um technische Aspekte der Tango-Wiedergabe an einer Milonga. Mich freut es außerordentlich, daß er nun auch inhaltlich zu den Ideen von Christian Tobler zum Tango geschrieben hat.
Einführung in die Epoca de Oro - ein Vortrag/Workshop von Christian Tobler
und der Versuch, dieses Ereignis vom 3./4. Dezember 2011 in Regensburg zu würdigen.
Ein Gastbeitrag von Klaus Schwarzwälder Biel/CH
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| Die Legende und ihr Sachwalter - Christian Tobler spricht über Aníbal Troilo |
Mittwoch, 20. Juli 2011
Gastbeitrag von Klaus Schwarzwälder: Ein Weg zum guten Klang
Ich freue mich ganz besonders, daß ich heute einen fundierten Praxistest einer gelungenen Audio-Umgebung als Gastbeitrag von Klaus Schwarzwälder veröffentlichen darf. Klaus hat (zusammen mit dem gesamten Team der Milonga) die Anregungen von Christian Tobler in der Vergangenheit hier im Blog ernst genommen und der Milonga in Biel eine gute Anlage verpasst. Den Weg dorthin hat er in einem Gastbeitrag zusammengefasst. Ich habe schon mit eigenen Ohren hören dürfen, wie eine gute Anlage den alten Tango-Aufnahmen einen atemberaubenden Detailreichtum entlocken kann. Vielleicht ist manche Leserin, mancher Leser versucht, zu behaupten, man könne dies auch mit weniger Aufwand erreichen. All diesen Menschen möchte ich jedoch Mut machen, die Milonga in Biel erst einmal zu besuchen. Danach können wir dann immer noch debattieren... :-)))
Mir bleibt es nur, mich ganz herzlich bei Klaus für den Gastbeitrag zu bedanken.
Ein Weg zum guten Klang
Ein Gastbeitrag von Klaus Schwarzwälder aus Biel/CH
Kann es sein, dass mehr als eine Handvoll Leser daran interessiert sind, was wir in unserer kleinen Stadt unternehmen, um an unserer Milonga die Gäste mit einem guten Sound zu verwöhnen?
Mir bleibt es nur, mich ganz herzlich bei Klaus für den Gastbeitrag zu bedanken.
Ein Weg zum guten Klang
Ein Gastbeitrag von Klaus Schwarzwälder aus Biel/CH
Kann es sein, dass mehr als eine Handvoll Leser daran interessiert sind, was wir in unserer kleinen Stadt unternehmen, um an unserer Milonga die Gäste mit einem guten Sound zu verwöhnen?
Montag, 21. Februar 2011
Für die neue Woche 102: Rodolfo Biagi, Hugo Duval - Alguien
Für diese Woche hat sich chamuyo bereiterklärt und den Tango für die neue Woche ausgewählt. Herzlichen Dank!
Hallo Cassiel,
auf Deine Bitte hin nach einem Songvorschlag kommt dies, um ein wenig vom Mainstream abzulenken:
Alguien
Letra de Eugenio Majul
Musica de Héctor Stamponi
Hallo Cassiel,
auf Deine Bitte hin nach einem Songvorschlag kommt dies, um ein wenig vom Mainstream abzulenken:
Alguien
Letra de Eugenio Majul
Musica de Héctor Stamponi
Montag, 14. Februar 2011
Für die neue Woche 101: Juan Maglio "Pacho" - Un placer
Es ist mir eine große Ehre, daß Swetoslaw Beltschew (genannt: Sweti) aus Dresden in der zweiten Woche die "Urlaubsvertretung" in meiner Reihe übernimmt. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und Hören!
Auch ich nehme das Angebot von Cassiel hier ein Tango vorzustellen dankend an und nach dem Monika so treffend das Struktur des Tango-Vals beschrieben hat, bleibt mir nichts übrig als noch einen Tango-Vals vorzustellen. Ein Vals der mir, und ich hoffe auch euch, ein große Vergnügen bereitet – Un Placer (Musik: Vicente Romeo, Text: Juan Andrés Caruso).
Auch ich nehme das Angebot von Cassiel hier ein Tango vorzustellen dankend an und nach dem Monika so treffend das Struktur des Tango-Vals beschrieben hat, bleibt mir nichts übrig als noch einen Tango-Vals vorzustellen. Ein Vals der mir, und ich hoffe auch euch, ein große Vergnügen bereitet – Un Placer (Musik: Vicente Romeo, Text: Juan Andrés Caruso).
Montag, 7. Februar 2011
Für die neue Woche 100: Ricardo Malerba - Corazón de artista
Nach fast zwei Jahren In der Serie "Für die neue Woche" verließ mich in der letzten Zeit häufiger die Inspiration einen neuen Tango auszuwählen. Ich stand vor dem Dilemma, entweder einfach schlechte Stücke lieblos auszuwählen, oder die Serie einzustellen - mindestens jedoch einmal länger zu unterbrechen. Nachdem ich in Kommentaren gebeten worden bin, die Serie weiterzuführen, habe ich mich für einen Urlaub von mir im Rahmen dieser Serie entschieden. Ich werde jetzt zehn Ausgaben Pause machen und Gastautoren aus dem Kreis meiner Leserinnen und Leser werden jeweils einen Tango auswählen und kurz dazu schreiben.
Es ist für mich eine große Ehre und zugleich auch eine außergewöhnliche Freude, daß die Reihe dieser Gastbeiträge von Monika Diaz von Argentango aus Zürich eröffnet wird.
Cassiel hat mich eingeladen für die kommende Woche einen Titel für seine Reihe "Für die neue Woche" auszusuchen. Das freut mich sehr. Und dass es gerade der hundertste ist macht es erst recht spannend :-)
Es ist für mich eine große Ehre und zugleich auch eine außergewöhnliche Freude, daß die Reihe dieser Gastbeiträge von Monika Diaz von Argentango aus Zürich eröffnet wird.
Cassiel hat mich eingeladen für die kommende Woche einen Titel für seine Reihe "Für die neue Woche" auszusuchen. Das freut mich sehr. Und dass es gerade der hundertste ist macht es erst recht spannend :-)
Dienstag, 30. November 2010
Gastbeitrag: Der Tango in der Paarbeziehung
Am vergangenen Wochenende erreichte mich ein Gastbeitrag von einem Leser aus Oberösterreich zm Thema: "Der Tango in der Paarbeziehung". Unter dem Pseudonym Paul schrieb mir ein Leser seine Gedanken zum Thema, das ich in der letzten Woche einmal angeschnitten hatte. Ich habe mich zunächst einmal sehr gefreut, daß mir wieder einmal ein Gastbeitrag zugesendet wurde. Dies zeigt für mich, daß es immer wieder Themen gibt, die Einzelne derartig bewegen, daß sie einen Gastbeitrag verfassen. Manchmal ist es auch ganz angenehm, wenn es einmal zu einem Thema Argumente von Dritten gibt.
Grundsätzlich ändere ich Gastbeiträge nicht; lediglich die Formatierung wurde für das Blog leicht angepasst. Ich denke, der Text kann ein guter Einstieg in die Diskussion sein - auch wenn er teilweise sehr ausgeprägte Vorstellungen enthält.
Überleben des Paares auf der Milonga!
Betrachtungen von Paul, der seit einem ¼ Jahrhundert verheiratet, und seit 8 Jahren mit seiner Frau gemeinsam dem Tango verfallen ist. Sie tanzen in der österreichischen Provinz.
Hallo Cassiel!
Ein Besuch auf deinem Blog hat mich dazu animiert ein paar Gedanken zu schreiben. Als Paar hat man im Tango sehr spezielle Probleme, eines hast du eben angesprochen. Der bei dir erwähnte Egoismus kann meiner Meinung nach nur durch allgemein anerkannte Regeln in der Milonga „gezähmt“ werden.
Dass viele Paare mit dem Tango aufhören kann ich sehr gut verstehen. Die Attraktivität anderer Tanzpartner ist nicht nur verführerisch sondern auch ein Minenfeld für eine Beziehung. Eine Milonga in Mitteleuropa kann ohne geschriebene und ungeschriebene Benimmregeln zu unglaublich vielen Missverständnissen führen.
Grundsätzlich ändere ich Gastbeiträge nicht; lediglich die Formatierung wurde für das Blog leicht angepasst. Ich denke, der Text kann ein guter Einstieg in die Diskussion sein - auch wenn er teilweise sehr ausgeprägte Vorstellungen enthält.
Überleben des Paares auf der Milonga!
Betrachtungen von Paul, der seit einem ¼ Jahrhundert verheiratet, und seit 8 Jahren mit seiner Frau gemeinsam dem Tango verfallen ist. Sie tanzen in der österreichischen Provinz.
Hallo Cassiel!
Ein Besuch auf deinem Blog hat mich dazu animiert ein paar Gedanken zu schreiben. Als Paar hat man im Tango sehr spezielle Probleme, eines hast du eben angesprochen. Der bei dir erwähnte Egoismus kann meiner Meinung nach nur durch allgemein anerkannte Regeln in der Milonga „gezähmt“ werden.
Dass viele Paare mit dem Tango aufhören kann ich sehr gut verstehen. Die Attraktivität anderer Tanzpartner ist nicht nur verführerisch sondern auch ein Minenfeld für eine Beziehung. Eine Milonga in Mitteleuropa kann ohne geschriebene und ungeschriebene Benimmregeln zu unglaublich vielen Missverständnissen führen.
Dienstag, 19. Oktober 2010
Gastbeitrag zu Gerhard Riedls "Großem Milonga-Führer"
Und heute erreichte mich ein wunderbarer Leserbrief per eMail. Swetoslaw Beltschew aus Dresden (er kommentiert hier regelmäßig unter dem Pseudonym Sweti) hat noch einmal zum "Großen Milonga-Führer" von Gerhard Riedl geschrieben, den ich hier neulich rezensiert habe. Ich finde seine Gedanken wichtig. Zeigen sie doch, wo möglicherweise die Ursachen für die unterschiedliche Herangehensweise an den Tango liegen könnten. Ich habe die Erlaubnis bekommen, diese Beitrag unverändert zu veröffentlichen und bedanke mich dafür ganz herzlich. Ich werde mich an der Diskussion zu den Gedanken nur beteiligen, wenn Gefahr besteht, daß sie aus dem Ruder läuft; ansonsten schweige ich. Ich möchte Gerhard Riedl die Möglichkeit geben, sich zu äußern und respektiere, daß er nicht mit Pseudonymen diskutieren mag.
Mittwoch, 30. Juni 2010
Gastbeitrag: Anekdote 110 (Fiorentinos tödlicher Unfall) von Rodrigo
Gestern hatte ich die Anekdote fälschlicherweise als lfd. Nr. 109 nummeriert und bin von einem sorgfältigen Leser darauf aufmerksam gemacht worden. Abends schrieb Rodrigo eine eMail und erklärte mir, daß er mir aufgrund einer Verwechslung die Anekdote 73 geschickt hatte und schickte auch gleich noch eine neue Anekdote mit, die ich hier gerne als (hoffentlich richtige) lfd. Nr. 110 veröffentliche.
Dienstag, 29. Juni 2010
Gastbeitrag: Anekdote 109 (Pugliese) von Rodrigo
Zusammen mit der letzten Korrektur des Interviews schickte Rodrigo mir die unten stehende Anekdote zur Veröffentlichung mit. Es geht um drei Stücke von Osvaldo Pugliese (1905 - 1995).
Donnerstag, 10. Juni 2010
Gastbeitrag: Christian Tobler von argentango.ch zum Interview mit Olaf Herzog (TangoDanza)
Ich komme gerade von einem auswärtigen Termin zurück und finde eine eMail von Christian Tobler von Argentango.ch, den ich im letzten November interviewt habe. Er hat noch einmal sehr ausführlich zum Interview mit Olaf Herzog, dem Herausgeber der TangoDanza geschrieben. Sein Text ist wie gewohnt gründlich und ausführlich und so habe ich mich entschieden, ihn nicht in die Reihe der Kommentare, sondern als eigenständigen Gastbeitrag zu veröffentlichen. Christian hat so fundiert geschrieben, daß ich es mir fast den Atem verschlug. Da sind sehr viele Ideen und Ansätze angestoßen und ich hoffe, es entsteht eine lebhafte Diskussion um die Sache.
Bevor es nun endlich losgeht möchte ich mich ganz herzlich bei Christian bedanken ("Womit habe ich das verdient?") und wünsche allen Leserinnen und Lesern eine spannende Lektüre.
Noch ein Kommentar zu Cassiels Interview mit Tangodanzas Olaf Herzog - von Christian Tobler
Die überraschend homogenen Reaktionen auf dieses Interview - kritische bis sehr kritische Kommentare - halte ich für angemessen und fair. Olaf Herzog hat im Interview selbst warum auch immer jede Gelegenheit verstreichen lassen, welche ihm Einstieg zu einem interessanten Gespräch bot. Journalisten ticken meist völlig anders. Ihnen liegt kritisches Hinterfragen und die schiere Lust am Disput im Blut. Sonst hätten sie einen anderen Beruf ergriffen.
Dass ich überhaupt und auch noch so spät einen Kommentar nachreiche, liegt einzig daran, dass die bereits publizierten Kommentare so interessant zu lesen sind und mir zigfach bestätigen, dass ich mit meiner kritischen Haltung Tangodanza gegenüber nicht allein bin. Vielleicht kommt am Ende doch noch Bewegung in die Redaktion. Ich hoffe, sie zieht aus den Reaktionen im Blog Konsequenzen, findet den Mut sich auf einen Wandel einzulassen.
Bevor es nun endlich losgeht möchte ich mich ganz herzlich bei Christian bedanken ("Womit habe ich das verdient?") und wünsche allen Leserinnen und Lesern eine spannende Lektüre.
Noch ein Kommentar zu Cassiels Interview mit Tangodanzas Olaf Herzog - von Christian Tobler
Die überraschend homogenen Reaktionen auf dieses Interview - kritische bis sehr kritische Kommentare - halte ich für angemessen und fair. Olaf Herzog hat im Interview selbst warum auch immer jede Gelegenheit verstreichen lassen, welche ihm Einstieg zu einem interessanten Gespräch bot. Journalisten ticken meist völlig anders. Ihnen liegt kritisches Hinterfragen und die schiere Lust am Disput im Blut. Sonst hätten sie einen anderen Beruf ergriffen.
Dass ich überhaupt und auch noch so spät einen Kommentar nachreiche, liegt einzig daran, dass die bereits publizierten Kommentare so interessant zu lesen sind und mir zigfach bestätigen, dass ich mit meiner kritischen Haltung Tangodanza gegenüber nicht allein bin. Vielleicht kommt am Ende doch noch Bewegung in die Redaktion. Ich hoffe, sie zieht aus den Reaktionen im Blog Konsequenzen, findet den Mut sich auf einen Wandel einzulassen.
Dienstag, 6. April 2010
Gastbeitrag: "You are lost, aren´t you?" - Tangueras in Berlin
Es ist mir eine ganz besondere Ehre, einen Gastbeitrag einer treuen und wertvollen Kommentatorin zu veröffentlichen. Raxie war über Ostern in Berlin und übermittelte mir per eMail ihren Bericht. Ich bedanke mich - auch im Namen der Leserinnen und Leser - ganz herzlich.
Montag, 7. Dezember 2009
Gegendarstellung: Der Tangoball in Wien am 28. November 2009
Mich erreichte folgende Gegendarstellung zum Leserbrief: Der Tangoball in Wien am 28. November 2009, die ich selbstverständlich ungeändert gerne veröffentliche.
Hallo Cassiel!
Zum Blog-Beitrag "Leserpost: Der Tangoball in Wien am 28. November 2009" nehme ich als Betroffener wie folgt Stellung:
Beim Prädikat "weit über die Tangogrenzen Österreichs bekannter DJ" handelt es sich nicht um eine Selbstbeschreibung, sondern um eine Beschreibung durch den Veranstalter. Bei den Tangobällen der vergangenen Jahre, die von anderen Personen veranstaltet wurden, wurde die Musik knapp mit "DJ Christoph" angekündigt und das ist auch die Beschreibung, die wir in den Ankündigungen der eigenen Milongas verwenden ("DJ Christoph, traditionell" um genau zu sein, damit man/frau weiß, was ihn/sie erwartet).
Anstelle des Satzes "Den Namen des weit über die Tangogrenzen Österreichs bekannten DJ's habe ich durch ein X ersetzt." hätte es der Satz "Den Namen des DJ's habe ich durch ein X ersetzt." in der Einleitung wohl auch getan. Zweck einer Anonymisierung ist der Schutz der Betroffenen und nicht, ihn bei dieser Gelegenheit gleich einmal so richtig lächerlich zu machen. Wer einigermaßen aufmerksam liest, kann an dieser Stelle eigentlich schon zu lesen aufhören, denn das abschließend gefällte Urteil steht damit eigentlich schon fest und wird in weiterer Folge nur noch erläutert.
Hallo Cassiel!
Zum Blog-Beitrag "Leserpost: Der Tangoball in Wien am 28. November 2009" nehme ich als Betroffener wie folgt Stellung:
Beim Prädikat "weit über die Tangogrenzen Österreichs bekannter DJ" handelt es sich nicht um eine Selbstbeschreibung, sondern um eine Beschreibung durch den Veranstalter. Bei den Tangobällen der vergangenen Jahre, die von anderen Personen veranstaltet wurden, wurde die Musik knapp mit "DJ Christoph" angekündigt und das ist auch die Beschreibung, die wir in den Ankündigungen der eigenen Milongas verwenden ("DJ Christoph, traditionell" um genau zu sein, damit man/frau weiß, was ihn/sie erwartet).
Anstelle des Satzes "Den Namen des weit über die Tangogrenzen Österreichs bekannten DJ's habe ich durch ein X ersetzt." hätte es der Satz "Den Namen des DJ's habe ich durch ein X ersetzt." in der Einleitung wohl auch getan. Zweck einer Anonymisierung ist der Schutz der Betroffenen und nicht, ihn bei dieser Gelegenheit gleich einmal so richtig lächerlich zu machen. Wer einigermaßen aufmerksam liest, kann an dieser Stelle eigentlich schon zu lesen aufhören, denn das abschließend gefällte Urteil steht damit eigentlich schon fest und wird in weiterer Folge nur noch erläutert.
Mittwoch, 2. Dezember 2009
Leserpost: Der Tangoball in Wien am 28. November 2009
Und wieder erreichte mich eine Zuschrift einer Leserin. Xira (in Anlehnung an die portugisische Stadt?) schrieb über den Tangoball in Wien am letzten Samstag. Nachdem ich schon von anderer Seite die Einzelheiten in ähnlicher Form berichtet bekommen habe, veröffentliche ich jetzt diese Zuschrift. Den Namen des weit über die Tangogrenzen Österreichs bekannten DJs habe ich durch ein X ersetzt. Es geht hier nie um Personen, immer nur um die Sache.
Und ich halte mich auch nicht mit meiner Meinung zurück: Das Verhalten des DJs verstehe ich nicht. Selbst wenn es ein Missverständnis um den Zeitpunkt des Endes gegeben haben sollte. Eine letzte Tanda mit Ankündigung geht immer und ein La Cumparsita ist bei solchen Veranstaltungen ein Muß! Wer hier mitliest weiß, daß ich für ein definiertes Ende einer Milonga bin. Das heißt aber nicht, daß ein DJ (vorsichtig formuliert) robust die berechtigten Beschwerden des Publikums wegfegt. Einen Ball in einer solchen Preisregion mit einer unzureichenden Musikanlage zu betreiben ist schon eine besondere Kunst.
Und ein weiterer Aspekt: Das berichtete Zitat: "Ein Ball in Wien und so herausragenden Räumlichkeiten hätte nun mal seinen Preis und der Veranstalter würde mit Sicherheit mit einem Minus aus der ganzen Geschichte gehen." reizt mich zu einer klaren Position. Ich kann keinerlei Verständnis für einen Betreiber aufbringen, der das Opferlamm spielt. Wenn ich bei den Preisen noch ein Minus mache, dann läuft irgendetwas grundverkehrt.
Zur Klarstellung: Es geht hier nicht um das Herabsetzen eines Veranstalters oder eines DJs; es geht um die Sache!
Tangobälle - ein echtes "Erlebnis"!?
Eigentlich sollte der Tangoball in Wien ein Highlight im persönlichen Tangoleben werden. Die Vorfreude war jedenfalls groß, zumal ein ganzes Wochenende in Wien um den Ball am 28. November im wunderschönen Strauß-Saal des Casino Zögernitz geplant war.
Die Ernüchterung und Enttäuschung veranlasst mich jetzt, mal nachzufragen, wie denn Tangobälle bundesweit eigentlich organisiert sind. Für Wien kann ich nur als außenstehende Besucherin wiedergeben, was uns widerfahren ist. Der Eintrittspreis mit 35 Euro im Vorverkauf und 40 Euro an der Abendkasse ließ eigentlich auf einen extraordinären Ball schließen mit Startänzern und Buffett. Dachte ich zumindest. Im Netz war dazu zu lesen:
"Das Showprogramm wird eine gelungene Mischung aus traditionellen Gesangsdarbietungen und moderner Choreographie bieten. Der 'weit über die Tangogrenzen Österreichs bekannte' DJ X betreut die musikalische Gestaltung des Abends."
Mehr war im Vorfeld nicht zu erfahren. Vermutlich ist es einfach naiv, davon auszugehen, dass ein Tangoball in Wien per se ein Highlight sein muss. Ohne Wenn und Aber. Und der Besuch der Freitags-Milonga in Wien schien diese unsere Annahme zu stützen. Der herausragend nette Betreiber der Freitags-Milonga ließ es sich nicht nehmen, uns als Gäste der Milonga extra zu begrüßen und uns herzlich willkommen zu heißen. Auch den österreichischen Brauch, Trinkwasser bei einer Milonga umsonst zu reichen, erklärte er uns gerne, als ich mit meinem Portemonaie an der Bar stand und ein Wasser erstehen wollte. Tatsächlich standen neben der Bar auf einem Extratisch mehrere Karaffen mit Wasser und endlos viele Gläser - frei für jeden. Was für ein netter Brauch!
Als wir nach der gelungenen Milonga gegen 1 Uhr gehen wollten, kam der aufmerksame Betreiber erneut, um uns persönlich zu verabschieden. Und bei dem kurzen Gespräch habe ich dann mal vorsichtig nachgefragt, warum genau der Ball am kommenden Tag denn so teuer sei? Ob da ein Buffett dabei sei? Er selbst hatte mit dem Ball offiziell nichts zu tun und war nicht verantwortlich. Aber er kannte die Namen des Showpaares (zwei Damen, die eine gymnastische Vorführung boten, die eigentlich nichts mit Tango zu tun hatte - die Namen kann ich leider nicht mehr ausfindig machen) und hat sie uns sehr angepriesen. Außerdem war ein Sänger verpflichtet, der drei Lieder von Gardel live gesungen hat, mit entsprechender musikalischer Begleitung durch drei Musiker. "Ein Ball in Wien und so herausragenden Räumlichkeiten hätte nun mal seinen Preis und der Veranstalter würde mit Sicherheit mit einem Minus aus der ganzen Geschichte gehen." Mehr war nicht in Erfahrung zu bringen. Aber es hörte sich immer noch sehr gut an.
Ab 20 Uhr war dann am Samstag im Casino Einlass. Wir gehörten zu den ersten Gästen, zahlten versehentlich nur 35 Euro (obwohl wir die Karten an der Abendkasse erstanden) und konnten uns zwei wunderbare Plätze an der Tanzfläche reservieren, so dass wir einen sehr guten Blick auf die Darbietungen hatten. Der Saal war wirklich sehr schön und der Boden ausgezeichnet. Außerdem kam wiederum der nette Freitags-Milonga-Betreiber auf uns zu und lud uns spontan zu einem Wein ein. Es versprach ein wirklich schöner Abend zu werden. Die Herrn waren übrigens ausnahmslos im Anzug und ließen ihre Sakkos auch ausnahmslos an. Einige Damen kamen im langen Ballkleid, was mich überraschte, weil die Beinfreiheit der Dame beim Tango ja doch hilfreich bis notwendig für schöne Tänze ist... dachte ich.
Nachdem es keine offizielle Eröffnung zu geben schien, machte ein Tanguero den Anfang und eröffnete den Ball durch Tanz. Wir schlossen uns umgehend an und konnten einige richtig schöne Tänze genießen. Der DJ legte traditionell auf in Tandas mit Cortinas. Die Musikauswahl war gut, wenn auch die Cortinas für meine Begriffe zu lang waren und ich mag es nicht, wenn sie abgemischt werden und fast nahtlos in den ersten Titel der Tanda fließen. Aber das tat dem Ganzen keinen Abbruch.
Nach zwei Tandas war die Tanzfläche leider so voll, dass an Tanzen nicht mehr zu denken war. Alle, die bereits einen Kurs "Tangotanzen auf einem Gästehandtuch" absolviert hatten, waren nun klar im Vorteil. Die Damen in langer Abendrobe erwiesen sich nun auch nicht mehr gehandycapt, weil an Verziehrungen oder Ganchos rein Platztechnisch nicht mehr zu denken war. Der Tanzfluss kam mehr oder weniger zum Erliegen. Als nächstes Erschwernis kam hinzu, dass die Konservenmusik viel zu leise war. Ein Abtauchen in die Musik oder Umfangenwerden durch die wunderbare Musik war leider nicht möglich. Es dominierte der Schallpegel von viel zu vielen Ballbesuchern in dem dafür zu kleinen Ballsaal. Mein Partner und ich fanden einfach nicht in den Tanz. Auch das Sitzen an der Tanzfläche gestaltete sich dann als schwierig, weil der Saal nicht geheizt zu werden schien. Trotz meiner Strickjacke fror ich schon nach ganz kurzer Sitzphase erbärmlich. Wie wir nachher an der Garderobe erfuhren, ging es mehreren Damen so. Die nächste unangenehme Überraschung traf uns dann an der Bar. Eine 0,7l Flasche Wasser kostete 8.20 Euro. Was für ein Unterschied zum vorangegangenen Abend!
Die Darbietungen durch den Sänger und die zwei weiblichen Tänzerinnen waren nett, mehr aber auch nicht. Nach den beiden Tänzerinnen führte ein Lokalmatador mit einer der beiden Tänzerinnen (den Namen kenne ich leider auch wieder nicht, irgendwas mit N. und B. oder so... - ein heimischer Tänzer betitelte ihn als Lokalmatador) drei spontane und nicht choreographierte Tänze auf. Auch das war nett - zu viel mehr konnten wir uns in der Beurteilung nicht durchringen.
Tja - den restlichen Abend gab es dann leise Konservenmusik von DJ X. Bis 0.30 Uhr war die Tanzfläche so brechend voll, dass an TangoTanzen nicht zu denken war. Die Krönung des Ganzen ereignete sich dann gegen 2.55 (als wir schon lange gegangen waren, ich zitiere einen Tanguero, der zu dem Zeitpunkt noch anwesend war): Der DJ stellte einfach die Musik ab. Einfach so. Ohne vorherige Ankündigung der letzten fünf oder drei Tänze. Ohne La Cumparsita. Ohne jegliche Vorwarnung. Im Netz war angekündigt worden, dass bis 4 Uhr Musik sein würde. Eh nur aus der Dose. Keinerlei Live-Musik, außer der musikalischen Begleitung des Sängers. Diese rücksichtslose und komplett unsensible und unübliche Vorgehensweise hat wohl für massive Verärgerung gesorgt. Ein Tanguero machte den DJ lautstark darauf aufmerksam, dass die Veranstaltungsdauer im Netz bis 4 Uhr morgens angekündigt war. Der Kommentar des DJ: "Na, da könnt Ihr mal sehen, wieviel Mist im Internet zu finden ist!" Sprachs und verschwand. Ende des Balls.
Fazit: 70 Euro für zwei Ballkarten. Exorbitante Getränkepreise. Unspektakuläre Darbietungen. Keine Live-Musik. Ein miserabler DJ. Viel zu kalte Räumlichkeiten. Viel zu kleine Tanzfläche. Gott sei Dank war ich mit meinem Partner dort, so dass der Abend gar nicht ruiniert sein konnte. Aber enttäuscht waren wir beide.
Es war erst der dritte Tangoball überhaupt für mich. Der letzte in Linz vor wenigen Wochen war genial. Ausgezeichnete Live-Musik, herausragende Tanzdarbietung, ausreichend Raum zum Tanzen, 15 Euro Eintritt, moderate Getränkepreise. Ein wunderbarer Ball!
Der Wiener Ball hat mich nun verunsichert. Wie kann ich im Vorfeld schon in etwa einschätzen, ob es lohnt, für einen Tangoball weite Wege zurück zu legen? Auf welche Kriterien könnte ich achten? Kann man überhaupt im Vorfeld schon beurteilen, ob es die lange Anfahrt und die Kosten drum rum in einer fremden Stadt überhaupt wert ist? Hier lesen ja viele erfahrene Tangotänzer mit. Es würde mich ehrlich freuen, wenn Ihr ein bisserl von Euren Erfahrungen bezüglich Tangobällen schreiben würdet.
Und ich halte mich auch nicht mit meiner Meinung zurück: Das Verhalten des DJs verstehe ich nicht. Selbst wenn es ein Missverständnis um den Zeitpunkt des Endes gegeben haben sollte. Eine letzte Tanda mit Ankündigung geht immer und ein La Cumparsita ist bei solchen Veranstaltungen ein Muß! Wer hier mitliest weiß, daß ich für ein definiertes Ende einer Milonga bin. Das heißt aber nicht, daß ein DJ (vorsichtig formuliert) robust die berechtigten Beschwerden des Publikums wegfegt. Einen Ball in einer solchen Preisregion mit einer unzureichenden Musikanlage zu betreiben ist schon eine besondere Kunst.
Und ein weiterer Aspekt: Das berichtete Zitat: "Ein Ball in Wien und so herausragenden Räumlichkeiten hätte nun mal seinen Preis und der Veranstalter würde mit Sicherheit mit einem Minus aus der ganzen Geschichte gehen." reizt mich zu einer klaren Position. Ich kann keinerlei Verständnis für einen Betreiber aufbringen, der das Opferlamm spielt. Wenn ich bei den Preisen noch ein Minus mache, dann läuft irgendetwas grundverkehrt.
Zur Klarstellung: Es geht hier nicht um das Herabsetzen eines Veranstalters oder eines DJs; es geht um die Sache!
Dienstag, 17. November 2009
Gastbeitrag: Unsere Tanzfläche soll schöner werden!
Heute präsentiere ich eine weitere Sternstunde in diesem Blog und es ist wieder ein Artikel eines Lesers. Freundlicherweise hat Kommentator Austin einen Gastbeitrag verfasst, nachdem ich ihn dazu ermuntert habe. Dieser Gastbeitrag deckt zu meiner großen Freude auch einen Bereich ab, zu dem ich nicht viel beisteuern kann (im Februar hatte ich mich einmal an dem Thema versucht). Insofern gibt es nun endlich das Gegenstück zur Serie bei Elbnymphe über die Garderobe der Tanguera. Ich gebe es offen zu: Mein Kleidungsfundus für die Milonga umfasst zu einem ganz überwiegenden Teil Textilien in einem fröhlichen Schwarz, nur ganz selten traue ich mich auch in einem äußerst gewagten antrazit-farbenen Farbton zum Tango. Ich habe wiederum nur Links zum leichteren Auffinden von Bezügen ergänzt. In einem gesonderten Beitrag werde ich demnächst auf das Schuhwerk des ambitionierten Tangueros eingehen. Und so bedanke ich mich ganz herzlich bei meinem Leser Austin für diesen wunderbaren Gastbeitrag.
Ich gebe es gleich zu: ich diskutiere gerne über Geschmacksfragen. Natürlich weiß ich, dass wir alle tolerant sind und dass es oberflächlich ist, auf Kleidung zu schauen, und dass nur die inneren Werte zählen und so weiter. Aber über diese kultivierten Haltungen muss man sich manchmal hinwegsetzen, sonst wird’s langweilig.
Deshalb beschreibe ich hier mal, wie man(n) meiner Meinung nach beim Tango gekleidet sein sollte und wie nicht. Verglichen mit den Brettern, die auf Cassiels Blog sonst gebohrt werden, ist das zwar ein vergleichsweise dünnes, aber trotzdem wollen die männlichen Dos and Don’ts in Sachen Tangokleidung mal thematisiert werden. In erster Linie ist das als Spaß gedacht, mit Augenzwinkern und cum grano salis, aber es gibt auch ein Anliegen dahinter: meiner Ansicht nach tragen zu einem gelungenen (Tango-) Abend verschiedene Dinge bei, und die Garderobe der Anwesenden ist ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor für die Atmosphäre. Durch sorgsam ausgewählte (oder zumindest nicht völlig beliebige) Kleidung zeigt man Wertschätzung für den Anlass, die anderen Gäste und das gemeinsame Anliegen. Das ist für die Stimmung gut. Umgekehrt kann man auch schönen Anlässen durch eine Überdosis Jeans und T-Shirt alles Besondere nehmen.
Es ist eigentlich recht einfach, sich für eine Milonga zweckmäßig und gut zu kleiden. Umso unverständlicher ist es daher, dass das so oft misslingt:
Vorsicht bei T-Shirts
Ein großes Rätsel ist mir beispielsweise die große Beliebtheit des viel zu weiten, ehemals (=vor Jahren) schwarzen T-Shirts (XXL) mit der Schulternaht auf halber Oberarmhöhe. Ich schätze die Verbreitung solcher Ungetüme auf mindestens 5% pro Milonga, im Sommer eher mehr. Meine Herren, wenn schon T-Shirt, dann bitte in Eurer Größe!
Generell rate ich bei der Kombination von Tango und T-Shirt zur Vorsicht. Es kann zwar Understatement in höchster Vollendung sein, wenn der 30-jährige argentinische Tango-Gott, der tagsüber den Workshop gehalten hat, abends noch mal im T-Shirt auf der Milonga vorbeischaut. Der gemeine Tanguero aber präsentiert sich im T-Shirt nicht von seiner besten Seite, auch wenn dieses die Aufschrift „Barcelona Tango Festival 2002“ trägt.
Welches Hemd? Rein oder raus?
Die meisten Tangueros tragen Hemden und das ist auch gut so. Viele lassen das Hemd aus der Hose hängen. Das halte ich für ein akzeptables Zugeständnis an die Zweckmäßigkeit: es ist etwas luftiger, das Hemd wirft am Bund keine ungewollten Falten und man muss nicht ständig kontrollieren, ob es hinten herausgerutscht ist. Aber nicht jedes Hemd ist für das Draußen-Tragen gemacht. Businesshemden sind es auf jeden Fall nicht. Ich bin sowieso dagegen, Businesshemden in der Freizeit zu tragen (besonders keine hellblauen). Die meisten der heute gängigen, etwas engeren Freizeit-Hemden hingegen kann man gut raushängend tragen (keine sichtbaren Ersatzknöpfe, unterer Rand einigermaßen gerade etc.).
Streng verboten: Sportkleidung
Ich dachte immer, das sei Konsens: Elbnymphe hat bereits die Trainingshose mit seitlicher Knopfleiste kritisiert (die dem Fußballer gestattet, die Hose auszuziehen und dabei die Schuhe anzulassen), und Cassiel hat ein ähnliches Modell bei Timo, dem Thai-Chi-Tänzer ausgemacht. Noch schlimmer als solche Sport-Hosen finde ich aber jegliche Art von Sport-Oberteilen (besonders hart treffen mich solche ohne Ärmel, aber auch Feinripp-Unterhemden und sogar Fahrradtrikots habe ich schon gesehen. Kein Witz! Mit Rückentasche für den Ersatzschlauch!). Sicher, es gibt Funktionsshirts, die ganz gut aussehen. Beim Sport. Aber nicht beim Tanzen. Fällt den Trikot-Trägern denn nicht das Ungleichgewicht im Vergleich zu ihren Tanzpartnerinnen auf? Die Dame erscheint im Kleid, Ohrringe und Schuhe (140 €) darauf abgestimmt, die Beine mit einer gemusterten Wolford-Strumpfhose liebevoll inszeniert, aber der Herr trägt dazu ein Stück aus der Ergonomic Performance-Serie von Odlo oder Nike, weil „weißte, mir ist beim Tanzen immer so heiß“. Manche Dinge werde ich wohl nie begreifen.
Die Regel „Keine Sportklamotten beim Tango“ gilt übrigens nicht für Frauen: manche Frauen sehen beim Tanzen in Trainingshosen wunderbar aus. Frauen in Sport-Oberteilen hingegen habe ich noch nicht gesehen. Ich glaube, Frauen machen so etwas nicht.
Eigentlich einfach: die Hose
Die Hosenwahl ist für den Tanguero eigentlich nicht schwer. Ich persönlich bevorzuge dunkle Stoffhosen, aber es gibt auch Männer, die in Jeans beim Tango eine gute Figur machen. Das ist aber nur dann so, wenn die Jeans sich noch einen Rest ihrer ursprünglichen Form und Farbe bewahrt hat. In jedem Fall aber sollten die Hosentaschen, egal welcher Hose, fast leer sein. Das Portemonnaie in der Gesäßtasche hat sonst einen ganz großen Auftritt, ebenso wie das in der vorderen Hosentasche munter vor sich hin blinkende Handy. Dass am Gürtel kein Telefon, kein Blackberry und kein Leatherman-Tool hängt, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Sollte, sollte.
Beliebt ist auch die Cargo-Hose, mit Taschen an der Seite. Da verhält es sich ähnlich wie mit T-Shirts: an ein paar wenigen Tangueros sieht das sehr gut aus. Die meisten Herren indessen sollten davon die Finger lassen. Faustregel: alle über 35 Jahre sollten vor dem Erwerb einer solchen Hose eine zweite Meinung einholen. Die Gefahr des „under-age-dressings“ (=Dieter-Bohlen-Syndrom) ist bei Cargo-Hosen ziemlich hoch.
Und schließlich mein Liebling: die Marlene-Dietrich-Hose für den Mann. Meist ist sie aus fließendem Stoff und sieht ganz stark nach Kunstfaser aus. Diese Art von Hosen erinnert mich immer an Zirkus oder an den Pierrot aus „Die Kinder des Olymp“. Üblicherweise wird sie mit Tanzschuhen im Turnschuh-Design kombiniert und tritt, so ehrlich muss man sein, tendenziell bei besseren Tänzern auf. Handelt es sich um eine In-Tracht der Tango-Nuevo-Szene oder so was? Bitte klärt mich auf. Aber auch wenn’s so ist: ohne diese Hosen wäre die Welt kein schlechterer Ort.
Also das ist mein Vorschlag, gewissermaßen ein Katalog der Mindestforderungen, mit genügend Raum für die individuelle Note. Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt!
Mittwoch, 11. November 2009
Leser(innen)brief: Fallstudie - cabeceo-förderliches Verhalten von Tangueras
Manchmal ist das Leben dem Blogger wohlgesonnen und es erreichen ihn einfach wunderschöne Zuschriften, die er sofort veröffentlichen kann. Dieses Glück war mir heute hold und es lässt mich vergessen, daß so ab und zu die Beantwortung von Leserpost anstrengend ist. Ich finde diese Schilderung hinreißend und veröffentliche sie selbstverständlich unverändert (einen Link habe ich eingefügt um das schnellere Auffinden des erwähnten Kommentars zu ermöglichen).
Ich bedanke mich an dieser Stelle herzlichst für den wunderschönen Beitrag bei Anonyma. Ich darf dann jetzt schon heimgehen... später werde ich noch kurz beim Tango vorbeischauen. ;-)
Ich bedanke mich an dieser Stelle herzlichst für den wunderschönen Beitrag bei Anonyma. Ich darf dann jetzt schon heimgehen... später werde ich noch kurz beim Tango vorbeischauen. ;-)
Ein Kommentar auf der Tangoplauderei hat mich an ein Erlebnis vor nicht allzu langer Zeit erinnert: Es ging um die Frage, wie frau es anstellen soll, aufgefordert zu werden. Daniel gab den guten Tipp: „Was auch immer hilfreich ist, ganz abgesehen vom positiven, ehrlichen ‚sit and smile’, ist: Kontakt aufbauen mit den Tänzern, gerne auch beim Zuschauen mal Blickkontakt, Interesse zeigen, nicht nur beim ‚Cortinashuffle“. Mal Hallo sagen :) sei es mit Worten oder einem Lächeln.“
Ich habe kürzlich eine Erfahrung gemacht, der dieser Ratschlag zugrunde liegt, die in meinem Fall aber noch viel tiefer gehender war als nur bis zur nächsten Tanda.
Jenen Tänzer kannte ich schon fast ein Jahrzehnt lang, obwohl ich selbst noch gar nicht so lange tanze. Meine ehemalige Nachbarin war Tanguera und hatte mich seinerzeit einmal auf eine Schnuppermilonga mitgeschleppt, wo ich ihn vom Rand aus beobachten konnte. Er ist einer der Lokalmatadoren, tanzt seinen eigenen, ganz unverwechselbaren Stil und sticht allein schon von seinem Aussehen aus der Menge hervor. Da wir ab und zu die gleichen Milongas besuchen, war ich ihm inzwischen öfter begegnet, ohne dass wir jemals miteinander getanzt hätten – denn zwischen seinen und meinen Kreisen verläuft diese unsichtbare Grenze, die die Könner von den Anfängern trennt.
Nun, der Abend, von dem ich erzählen möchte, begann mit einem fürchterlich dramatischen Sturz, der die Tanzfläche erstarren ließ. Es war undenkbar, dass einer wie er straucheln, geschweige denn sich längelangs auf den Boden legen würde. Wirklich waren alle sehr erschrocken, es war auch keine Häme spürbar. Ich eilte an die Bar, um ihm mit einem Glas Wasser wieder auf die Beine zu helfen – eine dieser hilflosen Übersprungshandlungen, die vielleicht nicht wirklich helfen, aber Empathie ausdrücken sollen.
Nach ein paar Minuten brach er auf, nicht aber, ohne auf mich zuzukommen und sich bei mir zu bedanken. Ich war schon überrascht, dass er sich in dem Tumult überhaupt mein Gesicht gemerkt hatte. Wenig später brach auch ich auf. Wie es der Zufall so wollte, trafen wir uns am Fahrradständer wieder. In der beginnenden Herbstkälte brauchte es seine Zeit, die Fahrräder aufzuschließen. Aus der aufgeladenen wurde langsam eine peinliche Stille, und ich meinte zu spüren, dass jeder von uns nach einer lockeren Bemerkung suchte (die einem ja meist dann nicht einfallen will, wenn man nach ihr sucht). Schließlich fragte ich betont nonchalant, wo er lang müsse (ja, ich weiß, brillant!).
So gingen wir einträchtig ein Viertelstündchen die Altstadtgassen entlang. Ich erzählte von meinem Tango und er von seinem – beide Welten voneinander entfernt. Schließlich kamen wir an eine Kreuzung: er werde hier abbiegen. Ich sagte, ich müsse eigentlich geradeaus, hätte aber noch keine rechte Lust, nach Hause zu gehen, und spiele mit dem Gedanken, noch ins B. zu gehen. Er lachte – er habe sich gerade überlegt, ins T. zu gehen (die beiden Kneipen liegen direkt nebeneinander). Wir bogen also beide erst einmal ab. Als wir zwischen B. und T. standen und noch immer kein Wort gefallen war, sagte ich: „Sehe ich das richtig, Du gehst jetzt ins T. und ich ins B.?“ Er: „Ja.“
War er nur männertypisch schwer von Kapee oder hatte er noch ein Date? Natürlich landeten wir letzten Endes doch noch im selben Etablissement. Und wo auf der Milonga der Tango ein trennender Faktor war, verband er uns hier auf neutralem Boden und bot exzellenten Gesprächsstoff. Irgendwann nach dem ersten Martini wurde ich keck und fragte ihn, woher er eigentlich seinen idiosynkratischen Tanzstil herhabe – und ob es sich dabei um eine bewusste Stilisierung oder eine natürliche Entwicklung handle. Seine verlegene, stockende Antwort verriet, dass ihn das allem Anschein nach nie jemand gefragt hatte. Er schien ehrlich erstaunt, dass er für diese Eigenart bekannt ist. Als ich ihn dann noch auf die Photos ansprach, die von ihm im Internet kursieren, und er von deren Existenz völlig überrascht war, hatte ich mir wohl zielsicher den Ruf einer Stalkerin erworben. Doch er schien über diese Neuigkeiten außerhalb seines Hofstaates, seines Gesichtskreises amüsiert.
Wer weiß, vor ein paar Jahren, ehe der Tango Teil meines Lebens wurde, hätte die Nacht vielleicht ein anderes Ende genommen – keines, über das ich am nächsten Morgen sonderlich glücklich gewesen wäre. Doch nach zwei Drinks trennten sich unsere Wege, wo wir uns getroffen hatten: an unseren Fahrrädern. Unser Abschied ließ mich wieder einmal darüber sinnieren, ob der Tango nicht doch weniger ein Hobby als ein way-of-life ist: kein unverbindliches „Tschüss!“, schon gar kein künstlicher Luftkuss, sondern ein angenehm fester Handschlag und ein beiderseitiges, aufrichtiges „Danke für den schönen Abend, bis zur nächsten Milonga!“.
Zurück zu Davids [Hieß er nicht Daniel? C.] Ratschlag: Ich sage nicht, dass man immer gleich so weit gehen muß wie ich, um auch an die erfahrenen Tänzer zu kommen, aber letzten Endes kann es nie schaden, auch als relativer Neuling in einer Szene den ersten Schritt zu wagen.
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