Tja liebe Leserinnen und liebe Leser, kaum hat man sich entschlossen, in loser Form etwas über den Tango zu fabulieren und schwuppdiwupp sind schon hundert Beiträge entstanden. In den letzten Tagen geht mir das große "WARUM Tango" nicht mehr aus dem Kopf. Mit der wortgewaltigen Kollegin
Elbnymphe hatte ich einen spannenden eMail-Wechsel zu Literatur über den Tango und auch zu dem Randgebiet Tango & Gender. Da tummelten sich ja unlängst bei
Patrick und
Elbnymphe recht schräge Vögel. Das reizt zu einer Standortbestimmung - jedenfalls näherungsweise. Außerdem mag das auch daran liegen, daß häufiger in Kommentaren die Frage gestellt wurde, warum gehen Leute zu einer Milonga (z.B.
hier oder
hier). Und weil ich es versprochen habe, gebe ich -natürlich höchst subjektiv- Auskunft.
Warum ich zu einer Milonga gehe...bzw. überhaupt zum Tango kam. Das liegt sicherlich auch in meiner Daseinsform als alleinerziehender Hundehalter bgründet. Ich vertrete die These, daß Menschen, die zu lange allein sind, gerne manchmal komisch bisweilen sogar kautzig werden. Um diesem (m.E. unabänderlichen) Schicksal zu entrinnen, habe ich mich dem Tango verschrieben; für mich als Grobmotoriker ist das eine echte Herausforderung. Je länger ich in dem Tangozirkus unterwegs bin, desto wahrer wird für mich das
Zitat von James Friedgen. Ich bin mir meines Daseins beim Tango bewußter als sonst. Es hat mit Kommunikation zu tun, mit Gefühlen und mit Distanz und Nähe. Nun gibt es Zeitgenossen, die müssen dieses fein austarierte Spiel mit gewagten Veranstaltungen (unbekleideter Art) unbedingt auf die Spitze treiben - das muss ich nicht haben; ich will es nicht einmal wahrnehmen müssen. Mehr will ich zu diesen bizzarren Veranstaltungen (und das ist neutral freundlich formuliert) gar nicht schreiben.
Aber noch einmal zu den Milongas: Was bewegt Menschen nach einem (Arbeits-)Tag zu duschen (hoffentlich!), die Kleidung zu wechseln, die Schuhe einzusammeln und zu einer Milonga zu gehen? Ist es das äußerst langweilige Fernsehprogramm? Die Angst vor dem Alleinsein? Eine Sucht nach den Momenten im Tangohimmel? Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Ich gestehe, daß ich manchmal fast zu müde bin, um mich abends noch einmal aufzumachen. Irgendwie schaffe ich es dann doch, die Schwerkraft des heimischen Sofas zu überwinden und gehe los. Häufig genug gibt es einen ordentlichen Tangoabend - ohne Katastrophen, aber auch ohne die ganz großen Highlights. Es ist eben vorab nicht entscheidbar. Und ab und zu (ohne daß vorab ein Muster erkennbar wäre) gibt es diesen Moment des Loslassens. Die Musik stimmt, die Tanguera tanzt hinreißend und die eigene Geisteshaltung ist irgendwo zwischen vertrauter Entspanntheit und müdigkeitsbedingtem Kontrollverlust. Dann blitzt der
Tangohimmel...
Und warum ich ein Blog schreibe?Ein Geständnis vorab: Schon viel länger habe ich mit dem Gedanken gespielt, zum Tango zu schreiben. Aus dem Plan wurde erst Realität, als ich mich furchtbar über
Edgar (den Ehrgeizigen) aufregen musste. Insofern darf meine treue Fangemeinde anonyme Blumenspenden an Edgar überweisen (es dürfen natürlich auch Brennesseln sein).
Ich hatte ja schon neulich aufgrund einer eMail-Anfrage ein
Eigen-Interview veröffentlicht und eine vorläufige Antwort auf die Frage zu geben versucht (nebenbei bemerkt: Das war für die Katz' - die eMail-Anfrage bzw. die angekündigte Besprechung von ausgewählten Beiträgen in diesem Blog versickerte dann doch im digitalen Schwarzen Loch).
Vor einigen Tagen kam mir dann erneut eines meiner Lieblingszitate vom ollen
Schopenhauer wieder unter:
Stil ist die Physiognomie des Geistes
Und so werde ich weiterhin etwas eigentümlich hier meine Beobachtungen und Gedanken zum Besten geben.
Eigenartig ist die Wechselwirkung von Tangotanzen und Bloggen. Ich kann mir das Eine ohne das Andere fast nicht mehr vorstellen. Und so wurde der Tango viel mehr als nur ein Tanz für mich.
Ich möchte diesen 100. Beitrag nicht beenden ohne mich ganz herzlich bei allen Kommentatorinnen und Kommentatoren zu bedanken. Häufig sind diese ergänzenden und begleitenden Ausführungen wesentlich fundierter und lustiger als meine Versuche. Nach einhundert Beiträgen und gefühlten vier- bis fünfhundert Kommentaren bin ich sehr zufrieden. Weniger zufrieden bin ich mit den Besucherzahlen; deutlich vierstellige Besucherzahlen täglich hätte ich mir ja eigentlich schon gewünscht. Das wird aber erst noch kommen. Zufrieden bin ich allerdings mit der durchschnittlichen (!) Verweilzeit von über drei Minuten. Dann kann es ja hier nicht so schlimm sein. Auch der Herkunftsmix ist in Ordnung (ein Drittel direkte Zugriffe - beispielsweise aus den Bookmarks, ein Drittel über die Suchmaschinen und ein Drittel über verweisende Websites - vielen Dank an alle Seitenbetreiber, die mich verlinkt haben). Das macht mich sehr zufrieden.
Darf ich mir etwas wünschen? Ich wünsche mir natürlich weiterhin kluge, nachdenkliche und lustige Anmerkungen. Um die direkten Besucher mache mir keine Sorgen, um die Suchmaschinen kümmere ich mich selbst und von anderen Webmastern wünsche ich mir Links auf diese Seiten (natürlich nur, falls ihnen die Seiten gefallen). Dann mache ich mir über die Zukunft der Tangoplauderei keine Sorgen.So, meine Mittagspause ist beendet. Vielleicht darf ich ja später einige Anmerkungen lesen. Bis dann...