Eigentlich wollte ich zu den jüngsten Ereignissen um Gustavo Naveira und Giselle Anne nicht schreiben. (Wer es wissen möchte: Am 5. Oktober hat Gustavo Naveira beim Gavito Tango Festival in den USA seine (Tanz-)Partnerin nach einer offensichtlich nicht seinen Vorstellungen entsprechenden Darbietung einfach auf der Tanzfläche stehen gelassen. Ein gnädiges und vollständiges Video von der Piazzolla-Vorführung gibt es hier, das unrühmliche Ende der Vorführung ist in einem Facebook-Video zu bestaunen. Anschließend wurde er vom Festival ausgeschlossen (allein) und er entschuldigte sich ein paar Tage später wortreich bei Facebook).
Cassiels vollkommen überflüssiges deutschsprachiges Tango-Blog
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Dienstag, 15. Oktober 2024
Dienstag, 22. November 2022
Wie sich mein Tango verändert (hat)
[Ich habe gerade drei Stunden Wartezeit bei der Heimreise von einer Tango-Wochenendveranstaltung zu überbrücken … da könnte ich ja vielleicht auch einen neuen Artikel schreiben…]
Ich kann kaum genau festmachen woran es liegt, aber in der Rückschau bemerke ich, wie sich mein Tango langsam, fast unmerklich ändert bzw. geändert hat. Darüber versuche ich, hier einmal zu schreiben.
Sonntag, 21. Juli 2019
Traditioneller Tango … Welche Tradition soll es denn sein?
Ich sitze wieder einmal im Zug. Da kann ich doch wieder einmal einen Blogbeitrag schreiben … :-)
In der Vergangenheit habe ich bereits mehrfach angedeutet, dass ich mit dem Begriff, „traditioneller Tango“ eher unglücklich bin. In jüngster Zeit wächst mein Unbehagen und so habe ich mich entschieden, heute darüber einmal zu schreiben. Ich beschränke mich dabei aber auf meine Sicht der Dinge. Selbstverständlich kann das auch entschieden anders gesehen werden. Deswegen freue ich mich schon jetzt auf begründete andere Ansichten in den Anmerkungen weiter unten.
Der argentinische Tango blickt auf eine Geschichte von mindestens 150 Jahren zurück, vielleicht ist er sogar noch älter. Es erscheint offensichtlich, dass es den „traditionellen Tango“ gar nicht geben kann; zu unterschiedlich sind die Auffassungen von Musik und Tanz im Laufe der geschichtlichen Entwicklung gewesen.
Samstag, 19. Januar 2019
Mein erster Tango-Marathon …
Ich habe lange nicht veröffentlicht – die Gründe sind vielfältig und ich will jetzt darüber nicht weiter schreiben. Gerade sitze ich im ICE nach Frankfurt und melde mich einmal, um von meinem ersten Tango-Marathon letztens zu berichten und meine Eindrücke zu schildern.
Im Netz liest man ja häufiger kritische Meinungen – meist von Nicht-Teilnehmerinnen und Nicht-Teilnehmern – zum Thema geschlossene Wochenendveranstaltungen mit Voranmeldung. Dazu gehören Marathons in der Regel auch. Die Voranmeldung stellt m.M.n. die Geschlechter- bzw. Rollen-Parität sicher und einige Tänzerinnen und Tänzer schätzen das sehr. Die Kritik, die im Netz regelmäßig zu lesen ist, unterstellt diesen Veranstaltungen und den Teilnehmenden einen elitären Charakter. Ich will überhaupt nicht ausschließen, dass vereinzelt dieses Bewusstsein vorhanden sein könnte, der Großteil der Tänzerinnen und Tänzer bei diesen Veranstaltungen teilt diese Einstellung ganz offensichtlich nicht.
Im Netz liest man ja häufiger kritische Meinungen – meist von Nicht-Teilnehmerinnen und Nicht-Teilnehmern – zum Thema geschlossene Wochenendveranstaltungen mit Voranmeldung. Dazu gehören Marathons in der Regel auch. Die Voranmeldung stellt m.M.n. die Geschlechter- bzw. Rollen-Parität sicher und einige Tänzerinnen und Tänzer schätzen das sehr. Die Kritik, die im Netz regelmäßig zu lesen ist, unterstellt diesen Veranstaltungen und den Teilnehmenden einen elitären Charakter. Ich will überhaupt nicht ausschließen, dass vereinzelt dieses Bewusstsein vorhanden sein könnte, der Großteil der Tänzerinnen und Tänzer bei diesen Veranstaltungen teilt diese Einstellung ganz offensichtlich nicht.
Sonntag, 17. Dezember 2017
Resonanz und Stabilität – zwei Begriffe aus der Soziologie im Tango
Ja, ich habe eine lange Pause des Schreibens hinter mir. Ich habe mich in den letzten Monaten intensiv mit der Tangomusik, der Audio-Wiedergabe, dem Tango als Tanz usw. beschäftigt und jeder Versuch, meine Überlegungen in einen Text zu gießen, war in meiner Wahrnehmung unbefriedigend. Also habe ich nicht veröffentlicht. Erschwerend kommt hinzu, dass ich eine Veränderung in der Kommunikation im Internet feststelle. Alles wird gemäß meiner Wahrnehmung hektischer und pointierter. Das ist nun nicht unbedingt die Umgebung, in der ich besonders gut bin … Aber jetzt traue ich mich einmal wieder mit einem Text an die Öffentlichkeit der verbliebenen Restleserschar. Es gibt noch ein paar andere Ideen, die ich habe. So habe ich beispielsweise vor Monaten ein zweistündiges Gespräch mit Murat Erdemsel – unter anderem über Tango-DJs – geführt. Die Audio-Daten warten ebenfalls noch auf einen Übertragung in Schriftform … wer weiß, eventuell finde ich über die Weihnachtstage Zeit …
Vielleicht erzähle ich an dieser Stelle einmal eine Geschichte aus dem Alltag. Wenn ich beruflich mit dem Auto unterwegs bin, dann höre ich auf längeren Fahrten neben Tangomusik häufig gerne Podcasts. Der ganz überwiegende Teil der ausgestrahlten Radioprogramme nervt mich inzwischen höllisch und so bin ich dazu übergegangen, digital aufgezeichnete Sprachprogramme via Smartphone im Auto zu hören.
Ein Format, das ich sehr gerne höre, ist der Podcast Hörsaal des Deutschlandfunks. In diesem Podcast werden einstündige Vorträge von verschiedenen Wissenschaftlern zu den unterschiedlichsten Themen ausgestrahlt. Da geht es beispielsweise um Astrophysik, Genetik, Europapolitik oder Rundfunkstaatsverträge und die allermeisten Themen interessieren mich. Natürlich gibt es auch für mich weniger spannenende Episoden, so referierte neulich eine Kulturwirtin zur „schwarzen Lederjacke“. Auch den Vortrag habe ich mir schlussendlich komplett angehört. Der Hörsaal-Podcast ist nämlich ein Baustein meiner Strategie gegen die m.E. gefährliche persönliche Bubble (die Filterblase, in die man u.U. sehr leicht hineingeraten kann).
Vor zwei Wochen wurde mir im Rahmen der zufälligen Auswahl der Vorträge eine Folge aus dem Juli angeboten. In dem Vortrag „Eine Soziologie des guten Lebens“ führte der Referent, Hartmut Rosa, Professor am Institut für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, den Begriff der Resonanz ein. Ich habe mir zunächst aufmerksam diesen Vortrag angehört und einige Tage später kam mir der Gedanke, dass diese Ideen sich hervorragend in das Soziotop Tango Argentino übertragen lassen. Für den äusserst hörenswerten Vortrag im Original verweise ich auf die Seiten des Deutschlandfunks. Hier werde ich meine Ideen zu den vorgestellten Thesen im Bezug auf den Tango entwickeln.
Vielleicht erzähle ich an dieser Stelle einmal eine Geschichte aus dem Alltag. Wenn ich beruflich mit dem Auto unterwegs bin, dann höre ich auf längeren Fahrten neben Tangomusik häufig gerne Podcasts. Der ganz überwiegende Teil der ausgestrahlten Radioprogramme nervt mich inzwischen höllisch und so bin ich dazu übergegangen, digital aufgezeichnete Sprachprogramme via Smartphone im Auto zu hören.
Ein Format, das ich sehr gerne höre, ist der Podcast Hörsaal des Deutschlandfunks. In diesem Podcast werden einstündige Vorträge von verschiedenen Wissenschaftlern zu den unterschiedlichsten Themen ausgestrahlt. Da geht es beispielsweise um Astrophysik, Genetik, Europapolitik oder Rundfunkstaatsverträge und die allermeisten Themen interessieren mich. Natürlich gibt es auch für mich weniger spannenende Episoden, so referierte neulich eine Kulturwirtin zur „schwarzen Lederjacke“. Auch den Vortrag habe ich mir schlussendlich komplett angehört. Der Hörsaal-Podcast ist nämlich ein Baustein meiner Strategie gegen die m.E. gefährliche persönliche Bubble (die Filterblase, in die man u.U. sehr leicht hineingeraten kann).
Vor zwei Wochen wurde mir im Rahmen der zufälligen Auswahl der Vorträge eine Folge aus dem Juli angeboten. In dem Vortrag „Eine Soziologie des guten Lebens“ führte der Referent, Hartmut Rosa, Professor am Institut für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, den Begriff der Resonanz ein. Ich habe mir zunächst aufmerksam diesen Vortrag angehört und einige Tage später kam mir der Gedanke, dass diese Ideen sich hervorragend in das Soziotop Tango Argentino übertragen lassen. Für den äusserst hörenswerten Vortrag im Original verweise ich auf die Seiten des Deutschlandfunks. Hier werde ich meine Ideen zu den vorgestellten Thesen im Bezug auf den Tango entwickeln.
Samstag, 10. Dezember 2016
Ist Tango eigentlich Freundschaft?
So … die Pause war hoffentlich lang genug. Ich brauchte einmal Urlaub vom Blog (und das Blog brauchte mindestens ebenso dringend Urlaub von mir). Jetzt aber soll es weitergehen … vorerst … ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das Internet noch so passend für mich ist, wie es vor rund sieben Jahren war (als ich anfing, meine Gedanken im Blog zu fixieren) und deshalb weiß ich auch noch nicht, ob ich weiterhin im Internet veröffentlichen will. Aber ich möchte in meinem ersten Beitrag nach der Pause nicht zu meinem Unbehagen im Internet des Jahres 2016 schreiben, dieses Thema muss noch ein wenig warten. Ich (be-)schreibe eine Begebenheit, die ich vor ein paar Wochen erlebt habe und die mich einigermaßen ratlos zurückgelassen hat. Es geht um die Freundschaft im Tango…
Dienstag, 24. Mai 2016
Zurück aus dem Tango-Wochenende
Ich war über das vorletzte Wochenende bei einem kleinen unaufgeregten Encuentro (gute 100 Teilnehmer, 5 Milongas, kein Facebook-Hype, kein offizieller Fotograf; einfach Tango).
Inzwischen schätze ich diese kleineren Veranstaltungen (so um die 100 Teilnehmer) sehr. Wenn dann alle noch alle Teilnehmenden eine Unterkunft am Veranstaltungsort oder in der Nähe finden, dann ist es perfekt. Die Gruppe ist vielleicht dehalb genau von der richtigen Größe, weil man an einem Wochenende die Möglichkeit hat, mit allen anwesenden potentiellen Tanzpartnerinnen (bzw. Tanzpartnern) zu einer Tanda kommen zu können.
Inzwischen schätze ich diese kleineren Veranstaltungen (so um die 100 Teilnehmer) sehr. Wenn dann alle noch alle Teilnehmenden eine Unterkunft am Veranstaltungsort oder in der Nähe finden, dann ist es perfekt. Die Gruppe ist vielleicht dehalb genau von der richtigen Größe, weil man an einem Wochenende die Möglichkeit hat, mit allen anwesenden potentiellen Tanzpartnerinnen (bzw. Tanzpartnern) zu einer Tanda kommen zu können.
Donnerstag, 5. Mai 2016
Sollte man vielleicht einmal über „Qualität“ im Tango nachdenken?
Da ich kein Vater bin, fiel der Vatertag für mich heute aus. Stattdessen habe ich einen Gedanken, der mich schon geraume Zeit beschäftigt, in Blogform formuliert.
Auch wenn ich immer zurückhaltender werde, Gedanken in Form von Artikeln hier zur Diskussion zu stellen, so reizt es mich doch seit einiger Zeit, die in der Überschrift formulierte Frage öffentlich zu erörtern.
Auch wenn ich immer zurückhaltender werde, Gedanken in Form von Artikeln hier zur Diskussion zu stellen, so reizt es mich doch seit einiger Zeit, die in der Überschrift formulierte Frage öffentlich zu erörtern.
Donnerstag, 4. Februar 2016
Ney Melo: „Lehne ohne Angst ab – akzeptiere, ohne zu bereuen“
Bei dem amerikanischen Tanguero und Blogger Ney Melo fand ich in den letzten Tagen einen Text, den ich im Zusammenhang mit Diskussionen zu den Codigos und zu der Frage, wie Männer auf Aufforderungen seitens der Damenwelt regieren, sehr interessant fand. Daher habe ich Ney Melo schriftlich um die Genehmigung zur Übersetzung und anschließender Veröffentlichung gebeten (das halte ich bei Vollzitaten für eine Selbstverständlichkeit). Heute kam seine Genehmigung per eMail und so übersetze ich den Text, der im englischen Original hier zu finden ist:
Ich brauche überhaupt nicht meine Kristallkugel zu entmotten. Ich ahne schon jetzt, es wird wieder einen Aufschrei der „üblichen Verdächtigen“ geben. Ohne in Wahrsagerei zu verfallen, wage ich bereits jetzt zu prognostizieren, dass eine mögliche altbekannte Argumentationslinie darauf abzielen wird: Wir brauchen keine Vereinbarungen oder Regeln im Tango – schließlich ist es ja ein Freizeitvergnügen (das gilt in der Hauptsache und zu allererst natürlich für die Wortführer dieses Gedankens). Eine zweite „Frontlinie“ wird parallel über den Vorwurf der „Arroganz“ eröffnet. Das ist höchst bequem und äußerst wirkungsvoll. Selbstverständlich möchte niemand arrogant wirken und deswegen werden die skizzierten Zeitgenossen weiterhin ihr Unwesen treiben können. Bequem ist es natürlich auch: Man setzt nur einen frechen Vorwurf in die Welt und … schwups … hat man wieder einmal elegant für die nächsten Jahre Ruhe und muss weiterhin keinen Unterricht nehmen. Klasse!
Ich finde die Gedanken von Ney Melo sehr treffend (etwas ähnliches hatte ich übrigens damals beim Formulieren meines Tango-Knigges vermutet, als ich die verbale Aufforderung als eine minderschwere Form der kalkulierten „Nötigung“ bezeichnet habe).
Es ist ja mittlerweile gesellschaftsfähig geworden, nicht auf Sachargumente zu reagieren, sondern bei bestimmten Schlüsselreizen einfach loszupoltern, insofern habe ich nur wenig Hoffnung, dass die oben zitierten Gedanken etwas bewegen werden, aber man soll ja bekanntlich die Hoffnung nie aufgeben. :-)
Ney Melo: Lehne ohne Angst ab – akzeptiere, ohne zu bereuen
Ich denke ernsthaft, wenn Frauen beginnen, ihre Macht, Tänze abzulehnen und [unmissverständliche] Botschaften zu senden, dann [erst] werden Führende anfangen, ihren Tanz zu verbessern. Es sollte [doch eigentlich] eine Art Gewaltenteilung sein. Wenn wir es zulassen, dass mittelmäßige Führende mit den besten Folgenden tanzen – und umgekehrt – warum sollten diese sich dann verbessern wollen? Ich erinnere mich an eine Diskussion zwischen einer Freundin und mir vor langer Zeit. Sie war außer sich, weil ein schrecklicher Führender sie eine ganze Tanda lang grob behandelt hat und sie schlecht aussehen und sich schlecht fühlen ließ. Ich war Zeuge dieser Szene und ich mochte nicht, was der Führende anstellte, aber ich mochte ebenso wenig, dass meine Bekannte zu freundlich war, um dem Drama ein vorzeitiges Ende zu setzen!
Meine Damen, bitte benutzt Eure Macht, um „Nein“ zu schlechten Tänzen zu sagen. Es ist besser, ein ganzen Abend zu sitzen, die Musik zu genießen und gute Gespräche zu führen, als über den Boden der Milonga geschleift zu werden, wie Hector von Achilles, nachdem er von ihm in dem Film "Troja" getötet wurde. Auch ich wurde in meiner Tangojugend etliche Male von guten Folgenden abgelehnt. Ich nahm es nie persönlich. Es diente nur dazu, mich besser werden zu lassen. Ich sage nicht: Tanzt nie mit Anfängern. Jeder sollte in der Milonga ein oder zwei Tänze mit Anfängern absolvieren, es als „Dienst an der Gemeinschaft“ betrachten und ihnen das Gefühl geben, willkommen zu sein. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einem Anfänger, und einem schlechten Tänzer, der es einfach nie kapiert. Es gibt eine Reihe von Typen in jeder Milonga, die seit langer Zeit tanzen, die Damen quälen und keinerlei Anreiz haben, besser zu werden, weil sie die Tänze bekommen, die sie wollen.
Andererseits sollte die Dame, wenn sie akzeptiert, nicht nur die Einladung annehmen, sie sollte den Mann als Person akzeptieren. Er hat durch die Aufforderung gezeigt, dass er die Dame akzeptiert, nun sollte die Dame ihm zeigen, dass sie ihn akzeptiert. Zum Tango braucht man Zwei.
[Ich habe versucht, den Text dem Sinne nach zu übersetzen. Ich habe einige ergänzende Worte in eckige Klammern gesetzt um den Sinn zu verdeutlichen. Wenn jemand für einzelne Stellen bessere Vorschläge hat, dann klebe ich selbstverständlich nicht an meiner Übersetzung.]
Ich brauche überhaupt nicht meine Kristallkugel zu entmotten. Ich ahne schon jetzt, es wird wieder einen Aufschrei der „üblichen Verdächtigen“ geben. Ohne in Wahrsagerei zu verfallen, wage ich bereits jetzt zu prognostizieren, dass eine mögliche altbekannte Argumentationslinie darauf abzielen wird: Wir brauchen keine Vereinbarungen oder Regeln im Tango – schließlich ist es ja ein Freizeitvergnügen (das gilt in der Hauptsache und zu allererst natürlich für die Wortführer dieses Gedankens). Eine zweite „Frontlinie“ wird parallel über den Vorwurf der „Arroganz“ eröffnet. Das ist höchst bequem und äußerst wirkungsvoll. Selbstverständlich möchte niemand arrogant wirken und deswegen werden die skizzierten Zeitgenossen weiterhin ihr Unwesen treiben können. Bequem ist es natürlich auch: Man setzt nur einen frechen Vorwurf in die Welt und … schwups … hat man wieder einmal elegant für die nächsten Jahre Ruhe und muss weiterhin keinen Unterricht nehmen. Klasse!
Ich finde die Gedanken von Ney Melo sehr treffend (etwas ähnliches hatte ich übrigens damals beim Formulieren meines Tango-Knigges vermutet, als ich die verbale Aufforderung als eine minderschwere Form der kalkulierten „Nötigung“ bezeichnet habe).
Es ist ja mittlerweile gesellschaftsfähig geworden, nicht auf Sachargumente zu reagieren, sondern bei bestimmten Schlüsselreizen einfach loszupoltern, insofern habe ich nur wenig Hoffnung, dass die oben zitierten Gedanken etwas bewegen werden, aber man soll ja bekanntlich die Hoffnung nie aufgeben. :-)
Sonntag, 28. Dezember 2014
… und noch ein Jahresrückblick 2014
In den vergangenen Tagen habe ich verschiedenste Beiträge bei Facebook als Jahresrückblick 2014 gesehen. Die Datenkrake hat auch mich mehr als nachdrücklich aufgefordert, meinen Jahresrückblick in Fotos mit der einleitenden Textzeile: „Es war ein tolles Jahr! Danke, dass du ein Teil davon warst.“ zu veröffentlichen. Nun ist mein Jahr in Bildern nicht so spannend und deswegen verlege ich mich auf das Schreiben. Zunächst stellt sich für mich die unmittelbare Frage, ob denn so ein persönlicher Jahresrückblick überhaupt Sinn macht. Ich habe mich (nach längerem Überlegen) dann doch entschieden. Vielleicht findet so manche Leserin und so mancher Leser einen Impuls für den eigenen sehr persönlichen Rückblick auf den eigenen Tango im Jahr 2014. Neben all den anderen Aktivitäten in meinem Leben hat der Tango natürlich eine große Rolle gespielt - auch wenn mich bisweilen die Befürchtung beschleicht, dass ich mich hinter meinen vielfältigen Tango-Aktivitäten auch so manches Mal verstecke. Insofern tendiere ich momentan dazu, den Tango etwas zurück zu schrauben. Aber darüber schreibe ich vielleicht einen gesonderten Beitrag.
Mein persönlicher Tango als Tänzer
Es ist keine Koketterie; ich bin langsam im Lernen und ich brauche vermutlich wesentlich länger als andere Menschen. Deswegen habe ich auch im zu Ende gehenden Jahr viel Unterricht gehabt. Als ich es in den letzten Tagen einmal grob überschlagen habe, bin ich auf ungefähr 50 (Zeit-)Stunden Unterricht gekommen. Ich suche mir meine Lehrer sorgfältig aus. Üblicherweise habe ich in den letzten Jahren nur bei einem Lehrerpaar gelernt. 2014 habe ich den Kreis der Lehrer erweitert - es waren drei Paare und eine einzelne Person (Joaquin Amenábar). Ich kann von meinem Standpunkt aus nur Werbung für die Idee machen, sich die Lehrer sehr sorgsam auszusuchen und ggf. weitere Strecken zu fahren - es lohnt m.E. immer.Freitag, 27. Juni 2014
Cassiels großer Tango-Knigge: 4. Über den Umgang im Tango mit sich selbst
Leseempfehlung vorab, was bisher geschah... in diesem Tango-Knigge:
0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos
1. Über den Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin / dem aktuellen Tanzpartner
2. Über den Umgang mit den Mitmenschen in einer Milonga
3. Über den Umgang mit der Musik, den Texten und der Kultur im Tango
Eigentlich wollte ich ursprünglich diesen Artikel über den Umgang mit sich selbst im Tango auf den unterschiedlichen Strategien, sich konkret in der Milonga zu bewegen, aufbauen. Die beiden - zu vermeidenden - Extreme lassen sich vielleicht so benennen: „Mach' Dich nicht zum Affen!“ und „Sei keine graue Maus!“. Daneben wären vielleicht noch Tipps hilfreich, die die Positionierung zwischen übertriebenem Respekt vor möglichen Tanzpartnern und sorgloser Lässigkeit erleichtern. Bei längerem Überlegen erschiem es mir dann doch unpassend, auf isolierte Situationen einzugehen und ich habe den Weg gewählt, auf die m.E. zugrunde liegenden Prinzipien einzugehen. So ist dieser Text abstrakter geworden, aber ich denke er ist so etwas allgemeingültiger ausgefallen.
Ein möglicher Anfang für diesen Artikel ist die Schilderung eines Gesprächs während der Rückfahrt von einer Milonga im Rahmen einer Tango-Fahrgemeinschaft vor längerer Zeit. Ein mitfahrender Tanguero sprach direkt eine erfahrene Tanguera an und sagte: „XY, Du musst zugeben, ich war der beste Tänzer heute abend.“ Ich saß am Steuer und konnte mich glücklicherweise ganz auf das Fahren konzentrieren - aber ich war sehr gespannt, wie sich denn nun die Angesprochene aus der Situation herausschrauben würde. Nach einigem Zögern und ein paar sehr allgemein gehaltenen Sätzen darüber, dass man niemals von außen einen Tango richtig beurteilen kann, fand sie schließlich die Zauberformel: „Ich weiß nicht, ob Du der beste Tänzer warst, aber wahrscheinlich warst Du der leidenschaftlichste Tänzer“. Mit dieser - in meinen Augen mehrdeutigen - Antwort gab sich der Tanguero zufrieden und mein Fremdschämen war beendet.
0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos
1. Über den Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin / dem aktuellen Tanzpartner
2. Über den Umgang mit den Mitmenschen in einer Milonga
3. Über den Umgang mit der Musik, den Texten und der Kultur im Tango
Eigentlich wollte ich ursprünglich diesen Artikel über den Umgang mit sich selbst im Tango auf den unterschiedlichen Strategien, sich konkret in der Milonga zu bewegen, aufbauen. Die beiden - zu vermeidenden - Extreme lassen sich vielleicht so benennen: „Mach' Dich nicht zum Affen!“ und „Sei keine graue Maus!“. Daneben wären vielleicht noch Tipps hilfreich, die die Positionierung zwischen übertriebenem Respekt vor möglichen Tanzpartnern und sorgloser Lässigkeit erleichtern. Bei längerem Überlegen erschiem es mir dann doch unpassend, auf isolierte Situationen einzugehen und ich habe den Weg gewählt, auf die m.E. zugrunde liegenden Prinzipien einzugehen. So ist dieser Text abstrakter geworden, aber ich denke er ist so etwas allgemeingültiger ausgefallen.
„Unser Schlachtfeld liegt nicht außerhalb, sondern innerhalb von uns selbst.“
„Ungeduld und Stolz gehören zu den Haupthindernissen auf dem Pfad.“
„Veränderung ist immer möglich. Wir müssen sie nur wollen und dementsprechend handeln.“
Der 14. Dalai Lama Tendzin Gyatsho (*1935 als Lhamo Döndrub)
„Ungeduld und Stolz gehören zu den Haupthindernissen auf dem Pfad.“
„Veränderung ist immer möglich. Wir müssen sie nur wollen und dementsprechend handeln.“
Der 14. Dalai Lama Tendzin Gyatsho (*1935 als Lhamo Döndrub)
Ein möglicher Anfang für diesen Artikel ist die Schilderung eines Gesprächs während der Rückfahrt von einer Milonga im Rahmen einer Tango-Fahrgemeinschaft vor längerer Zeit. Ein mitfahrender Tanguero sprach direkt eine erfahrene Tanguera an und sagte: „XY, Du musst zugeben, ich war der beste Tänzer heute abend.“ Ich saß am Steuer und konnte mich glücklicherweise ganz auf das Fahren konzentrieren - aber ich war sehr gespannt, wie sich denn nun die Angesprochene aus der Situation herausschrauben würde. Nach einigem Zögern und ein paar sehr allgemein gehaltenen Sätzen darüber, dass man niemals von außen einen Tango richtig beurteilen kann, fand sie schließlich die Zauberformel: „Ich weiß nicht, ob Du der beste Tänzer warst, aber wahrscheinlich warst Du der leidenschaftlichste Tänzer“. Mit dieser - in meinen Augen mehrdeutigen - Antwort gab sich der Tanguero zufrieden und mein Fremdschämen war beendet.
Montag, 19. Mai 2014
Cassiels großer Tango-Knigge: 3. Über den Umgang mit der Musik, den Texten und der Kultur im Tango
Leseempfehlung vorab, was bisher geschah... in diesem Tango-Knigge:
0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos
1. Über den Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin / dem aktuellen Tanzpartner
2. Über den Umgang mit den Mitmenschen in einer Milonga
Und eine zweite Überlegung muss m.E. vor der eigentlichen Erörterung kurz skizziert werden: Ist es überhaupt legitim über die Kultur, die Texte und die Musik im Tango zu schreiben, wenn man eben kein Argentinier ist und vom Standpunkt eines Abendländers nach Buenos Aires blickt und über seine Gedanken zu diesem Kulturkreis schreibt? Ich neige zu der Ansicht, die Nicht-Zugehörigkeit zum entsprechenden Kulturkreis darf kein Denk- bzw. Schreibverbot begründen.
0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos
1. Über den Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin / dem aktuellen Tanzpartner
2. Über den Umgang mit den Mitmenschen in einer Milonga
Kultur ist die Einheit des künstlerischen Stils in allen Lebensäußerungen eines Volkes.
Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900), deutscher Philosoph, Essayist, Lyriker und Schriftsteller
Das Verhängnis unserer Kultur ist, daß sie sich materiell viel stärker entwickelt hat als geistig.
Albert Schweitzer (1875 - 1965), deutsch-französischer Arzt, Theologe, Friedensnobelpreisträger 1952
Zugegeben: Man kann sehr lange trefflich darüber streiten, ob Betrachtungen über die Kultur in eine Handreichung über die Umgangsformen im Tango aufzunehmen sind, oder ab man das lieber bleiben lässt. Bei der Grundkonzeption dieser Artikelserie habe ich mich dafür entschieden, diese Frage ebenfalls zu erörtern. Wie immer stelle ich meine Ausführungen unter den Vorbehalt der Subjektivität. Es mag gute Gründe geben, es anders als hier dargestellt zu sehen und es ist selbstverständlich erwünscht, andere Meinungen hier zu vorzustellen, zu begründen und zu vertreten.Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900), deutscher Philosoph, Essayist, Lyriker und Schriftsteller
Das Verhängnis unserer Kultur ist, daß sie sich materiell viel stärker entwickelt hat als geistig.
Albert Schweitzer (1875 - 1965), deutsch-französischer Arzt, Theologe, Friedensnobelpreisträger 1952
Und eine zweite Überlegung muss m.E. vor der eigentlichen Erörterung kurz skizziert werden: Ist es überhaupt legitim über die Kultur, die Texte und die Musik im Tango zu schreiben, wenn man eben kein Argentinier ist und vom Standpunkt eines Abendländers nach Buenos Aires blickt und über seine Gedanken zu diesem Kulturkreis schreibt? Ich neige zu der Ansicht, die Nicht-Zugehörigkeit zum entsprechenden Kulturkreis darf kein Denk- bzw. Schreibverbot begründen.
Freitag, 21. Juni 2013
Cassiels großer Tango-Knigge: 2. Über den Umgang mit den Mitmenschen in einer Milonga
Leseempfehlung vorab, was bisher geschah... in diesem Tango-Knigge:
0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos
1. Über den Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin / dem aktuellen Tanzpartner
Weshalb ich diese konfuzianische Weisheit vorangestellt habe? Ich möchte dem Missverständnis vorbeugen, ich wäre nun brennend an starren Regeln im Tango Argentino interessiert. Um es noch einmal klar zu sagen: Wenn jede/jeder im Tango mit der "richtigen" inneren Einstellung im Tango unterwegs ist, dann brauchen wir eigentlich keine Regeln. Nun ist der Begriff richtige innere Einstellung extrem unscharf und den vielfältigsten persönlichen Deutungen unterworfen, deshalb werde ich - so wie im letzten Teil - von generellen Prinzipien ausgehend, die Regeln anders begründen.
Ähnlich wie in vorausgegangenen Überlegungen zum Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin, dem aktuellen Tanzpartner, geht es in diesem Teil noch einmal um den Begriff der Reziprozität. Im Paar ist es vergleichsweise einfach, oder formaler ausgedrückt, man interagiert im Rahmen der echten bzw. direkten Reziprozität. In der Milonga mit all den vielfältig unterschiedlichen Menschen wird es nun ein wenig abstrakter oder genereller, man spricht von der generalisierten Reziprozität, d. h. Geben und Nehmen findet nun nicht mehr auf der eins-zu-eins-Ebene statt, sondern wird in einen größeren Kontext gestellt. Das wird vielleicht in einem kleinen motivierenden Beispiel deutlicher: Jede und jeder war im Tango einmal Anfängerin bzw. Anfänger und hat vielleicht einmal von der Großzügigkeit einer/eines Fortgeschrittenen profitiert. Im späteren Tangoleben ergibt sich häufig genug die Gelegenheit, dieses Darlehen zurückzuzahlen und ebenfalls eine Anfängerin, einen Anfänger profitieren zu lassen. Diesem Beispiel könnte man ohne große Mühen viele weitere konkrete Beispiele hinzufügen.
0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos
1. Über den Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin / dem aktuellen Tanzpartner
Zuerst die innere Haltung, dann die äußere Form!
Es ist wie beim Malen, wo man die weißen Lichter zuletzt aufsetzt.
Es ist wie beim Malen, wo man die weißen Lichter zuletzt aufsetzt.
Konfuzius (551 v. Chr. - 479 v. Chr.)
Weshalb ich diese konfuzianische Weisheit vorangestellt habe? Ich möchte dem Missverständnis vorbeugen, ich wäre nun brennend an starren Regeln im Tango Argentino interessiert. Um es noch einmal klar zu sagen: Wenn jede/jeder im Tango mit der "richtigen" inneren Einstellung im Tango unterwegs ist, dann brauchen wir eigentlich keine Regeln. Nun ist der Begriff richtige innere Einstellung extrem unscharf und den vielfältigsten persönlichen Deutungen unterworfen, deshalb werde ich - so wie im letzten Teil - von generellen Prinzipien ausgehend, die Regeln anders begründen.
Ähnlich wie in vorausgegangenen Überlegungen zum Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin, dem aktuellen Tanzpartner, geht es in diesem Teil noch einmal um den Begriff der Reziprozität. Im Paar ist es vergleichsweise einfach, oder formaler ausgedrückt, man interagiert im Rahmen der echten bzw. direkten Reziprozität. In der Milonga mit all den vielfältig unterschiedlichen Menschen wird es nun ein wenig abstrakter oder genereller, man spricht von der generalisierten Reziprozität, d. h. Geben und Nehmen findet nun nicht mehr auf der eins-zu-eins-Ebene statt, sondern wird in einen größeren Kontext gestellt. Das wird vielleicht in einem kleinen motivierenden Beispiel deutlicher: Jede und jeder war im Tango einmal Anfängerin bzw. Anfänger und hat vielleicht einmal von der Großzügigkeit einer/eines Fortgeschrittenen profitiert. Im späteren Tangoleben ergibt sich häufig genug die Gelegenheit, dieses Darlehen zurückzuzahlen und ebenfalls eine Anfängerin, einen Anfänger profitieren zu lassen. Diesem Beispiel könnte man ohne große Mühen viele weitere konkrete Beispiele hinzufügen.
Dienstag, 4. Juni 2013
Cassiels großer Tango-Knigge: 1. Über den Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin / dem aktuellen Tanzpartner
Leseempfehlung vorab - Die Einleitung zu diesem Tango-Knigge:
0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos
Was du nicht willst, was man dir tut, das füg’ auch keinem anderen zu.
(Die Goldene Regel von Oma und Opa)
Die Milonga ist im Regelfall ein soziales Tanzereignis (oder sollte es zumindest sein :-) ). Es ist daher nicht weiter verwunderlich, daß alle Regeln dieser Zusammenkunft auf das soziologische Kernprinzip der Reziprozität des Handelns - oder einfacher ausgedrückt: Auf den oben zitierten Kernsatz, den wir vermutlich alle von Oma und Opa gehört haben, zururückgeführt werden können.
Man könnte Bücher schreiben und würde vermutlich nicht fertig. Die Regeln im direkten Umgang mit einer Tanzpartnerin, einem Tanzpartner sind vielfältig und doch sind es immer nur Spezialfälle vom generellen Umgang mit einem Mitmenschen. Betrachten wir also die typischen Ratschläge einer Tango-Etikette angefangen bei der persönlichen Hygiene bis hin zu den Spezialfällen (z. B. „Du sollst nicht Deinen Tanzpartner vor Publikum in der Milonga unterrichten.“) und wir werden immer wieder zum Kernprinzip der Reziprozität zurückkommen. Insofern ist es eigentlich sehr einfach, sich in der Milonga zu bewegen.
0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos
Was du nicht willst, was man dir tut, das füg’ auch keinem anderen zu.
(Die Goldene Regel von Oma und Opa)
Die Milonga ist im Regelfall ein soziales Tanzereignis (oder sollte es zumindest sein :-) ). Es ist daher nicht weiter verwunderlich, daß alle Regeln dieser Zusammenkunft auf das soziologische Kernprinzip der Reziprozität des Handelns - oder einfacher ausgedrückt: Auf den oben zitierten Kernsatz, den wir vermutlich alle von Oma und Opa gehört haben, zururückgeführt werden können.
Man könnte Bücher schreiben und würde vermutlich nicht fertig. Die Regeln im direkten Umgang mit einer Tanzpartnerin, einem Tanzpartner sind vielfältig und doch sind es immer nur Spezialfälle vom generellen Umgang mit einem Mitmenschen. Betrachten wir also die typischen Ratschläge einer Tango-Etikette angefangen bei der persönlichen Hygiene bis hin zu den Spezialfällen (z. B. „Du sollst nicht Deinen Tanzpartner vor Publikum in der Milonga unterrichten.“) und wir werden immer wieder zum Kernprinzip der Reziprozität zurückkommen. Insofern ist es eigentlich sehr einfach, sich in der Milonga zu bewegen.
Freitag, 31. Mai 2013
Cassiels großer Tango-Knigge: 0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos
Es ist schon alles gesagt worden, nur noch nicht von allen.
(Karl Valentin 1888 - 1942bayerischer Humorist, Komiker und Stückeschreiber)
Regeln für den Tango Argentino, Códigos oder Etiketten (engl. etiquette) gibt es im Internet in Hülle und Fülle. Dennoch möchte ich nach etlichen unveröffentlichten Anläufen meine Version hier einmal zur Diskussion stellen. Vielleicht ermöglicht eine andere Herangehensweise eine neue Sicht der Situation.
Einen Artikel über das soziale Verhalten, über die dos and don‘ts im Tango Argentino zu schreiben, bleibt ein Balance-Akt. Längst gilt nicht mehr als selbstverständlich, was im goldenen Zeitalter des Tangos (Épocha de Oro etwa: 1935 - 55) allgemein anerkannt und beachtet war. In Diskussionen zu dieser Frage kommt man auch sehr schnell zu einem Punkt, an dem die unterschiedlichen Auffassung sich scheinbar unvereinbar gegenüberstehen. Es gibt die Traditionsorientierten, die die klaren Vorteile von Regeln und Ritualen sehen und auf der anderen Seite stehen die Non-Konformisten, die jedes Regelwerk unter Hinweis auf den Freizeitcharakter des Tangos ablehnen.
Mittwoch, 13. März 2013
Festival-Bericht: 54°29'6''N 9°48'26''E Viento Norte
Nach der Rückkehr in meinen (Arbeits-)Alltag möchte ich nun doch noch zum Festival Viento Norte in Eckernförde am letzten Wochenende schreiben. Um es vorweg kurz zusammenzufassen: Es war perfekt, ein wahrgewordener Traum für Milongur@s.
Der Name war Programm: Der Nordwind (Viento norte ist ein wunderbarer instrumentaler Tango vom Orquesta Típica Victor aus dem Jahr 1929) kam im konkreten Fall allerdings wohl eher aus dem Osten und wehte - angeblich mit Winstärke 7 - über Eckernförde hinweg und es steht ja schon in der Bibel: "Wer Wind sät, wird Sturm ernten" (Hosea 8,7).
Der Name war Programm: Der Nordwind (Viento norte ist ein wunderbarer instrumentaler Tango vom Orquesta Típica Victor aus dem Jahr 1929) kam im konkreten Fall allerdings wohl eher aus dem Osten und wehte - angeblich mit Winstärke 7 - über Eckernförde hinweg und es steht ja schon in der Bibel: "Wer Wind sät, wird Sturm ernten" (Hosea 8,7).
Donnerstag, 31. Januar 2013
#aufschrei - Wir müssen mal reden...
Die Veröffentlichung in einer Hamburger Illustrierten ist nun genau eine Woche alt und das Thema wird überall ausführlichst diskutiert. Es war wohl überfällig. Natürlich gibt es die sinnbefreiten Diskussionen, vorwiegend bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, bei denen themenfremde Verteidigungslinien gezogen und anschließend vehement umkämpft werden, aber es gibt auch einige positive Ansätze in der online-Diskussion und in diesem Artikel soll versucht werden, die Debatte auch in den Tango zu tragen.
Samstag, 29. Dezember 2012
Ein spätes Interview mit Carlos Gávito (Dez. 2004)
In der Zeit zwischen den Jahren hat mich dann doch mein schlechtes Gewissen geplagt und so veröffentliche ich heute noch einen Beitrag. Er ist allerdings inhaltlich nicht von mir. Ich habe vor einiger Zeit im Internet ein spätes Interview der Zeitschrift La Milonga argentina mit Carlos Gávito gefunden. Es ist im Dezember 2004 entstanden und in der Print-Ausgabe vom Januar 2010 veröffentlicht worden. Soweit mir es bekannt ist, ist dieses Interview in Europa weitgehend unbeachtet geblieben. Also habe ich die herausgebende Chefredakteurin der Zeitschrift, Silvia Rojas per eMail kontaktiert und um die Genehmigung zur Veröffentlichung einer deutschen Übersetzung gebeten.
Donnerstag, 1. November 2012
Beobachtungen aus dem Milonga-Alltag
Ich habe in diesem Jahr (nach den entsprechend leidvollen Erfahrungen vom Vorjahr) zunächst überhaupt nichts zum FcA in Saarbrücken geschrieben. Nun sind in Kommentaren von Leserinnen und Lesern dieses Blogs vereinzelt Anmerkungen zu diesem Festivalito aufgetaucht und ich möchte - mit etwas Abstand - meine Beobachtungen nach der Rückkehr in meinen Milonga-Alltag beschreiben.
Bei den Anmerkungen von Kommentatoren zum FcA ging es zum Einen um das DJing in Saarbrücken, darüber kann man bestimmt ausführlich diskutieren. Zum Anderen gab es eine Anmerkung, die mich zunächst extrem gestört hat. Ein Kommentator attestierte diesem (und anderen) Festivalitos eine gewisse elitäre Grundhaltung, ja sogar eine Arroganz. Solche Äußerungen ärgern mich im ersten Moment. Ich bleibe dann allerdings erst einmal ruhig und überlege, hinterfrage meine Empfindungen und wäge schließlich meine Worte sorgfältig. Es ist manchmal anstrengend angemessen zu schreiben. In der letzten Zeit finde ich Zitate aus meinen Beiträgen im Netz (mich zu zitieren und dann darauf herumzuhacken ist auch einfacher als eigenen content zu erstellen). Mir fällt es zunehmend schwerer auf das bisweilen hysterische Erregungsmarketing - gerne in eigener Sache, wie ich es mittlerweile immer häufiger im Netz (speziell bei Facebook) wahrnehme, adäquat zu reagieren.
Bei den Anmerkungen von Kommentatoren zum FcA ging es zum Einen um das DJing in Saarbrücken, darüber kann man bestimmt ausführlich diskutieren. Zum Anderen gab es eine Anmerkung, die mich zunächst extrem gestört hat. Ein Kommentator attestierte diesem (und anderen) Festivalitos eine gewisse elitäre Grundhaltung, ja sogar eine Arroganz. Solche Äußerungen ärgern mich im ersten Moment. Ich bleibe dann allerdings erst einmal ruhig und überlege, hinterfrage meine Empfindungen und wäge schließlich meine Worte sorgfältig. Es ist manchmal anstrengend angemessen zu schreiben. In der letzten Zeit finde ich Zitate aus meinen Beiträgen im Netz (mich zu zitieren und dann darauf herumzuhacken ist auch einfacher als eigenen content zu erstellen). Mir fällt es zunehmend schwerer auf das bisweilen hysterische Erregungsmarketing - gerne in eigener Sache, wie ich es mittlerweile immer häufiger im Netz (speziell bei Facebook) wahrnehme, adäquat zu reagieren.
Sonntag, 16. Oktober 2011
FcA 2011
Thank you, Tangokombinat!
| Blogger unter sich... MsHedgehog, Melina und Cassiel |
[Update 20. Oktober 2011: Ich habe mich nach reiflicher Überlegung entschieden, den vollständigen Strang von 83 Kommentaren zu diesem Bild zu verbergen und weitere Kommentare nicht zuzulassen. In den letzten Tagen hat die Diskussion eine beängstigende Eigendynamik bekommen. Da waren hier und an anderen Stellen im Internet Dinge zu lesen, die m.E. dem Tango abträglich sind. Bei der Abwägung, was mir wichtiger ist, habe ich entschieden, daß in diesem Fall ein friedlicher Umgang höher zu bewerten ist, als mein Ideal einer freien und offenen Kommunikation. Wer hier eine Weile mitgelesen hat weiß, daß ich sehr zurückhaltend beim Zensieren von Anmerkungen bin (das kommt praktisch nicht vor). Allerdings hatte sich ein Automatismus entwickelt, Destruktivität auf die Spitze zu treiben. Hier wurde in Kommentaren teilweise mit abenteuerlicher Wortwahl argumentiert. Andersdenkende haben vereinzelt bei Facebook nicht minderschwere Verbalkeulen ausgegraben (Niemand muss sich jetzt auf die Suche begeben, die Einträge sind nicht mehr zu finden). Absurde Zugriffszahlen in den letzten Tagen belegen z.T. einen Voyeurismus, den ich abstoßend finde. In der gesamten Situation war es einigen Lesern offensichtlich nicht mehr möglich, zwischen meiner Meinung, den Meinungen in Kommentaren und den Meinungen Dritter, die an anderer Stelle im Internet publizieren, zu differenzieren.
Natürlich ist das Entfernen von Kommentaren ein schwerwiegender Eingriff und ich bin mir sicher, daß die Folgen noch lange spürbar sind (vielleicht erholt sich dieses Blog nicht mehr davon). Trotzdem sehe ich keinen anderen Ausweg.
Ich finde es mehr als tragisch, daß Menschen, die im Tango ähnliche Ziele haben, sich derartig missverstehen können; so kurz nach einem wunderschönen Festival.]
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