Dienstag, 4. Juni 2013

Cassiels großer Tango-Knigge: 1. Über den Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin / dem aktuellen Tanzpartner

Leseempfehlung vorab - Die Einleitung zu diesem Tango-Knigge:
0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos



Was du nicht willst, was man dir tut, das füg’ auch keinem anderen zu.

(Die Goldene Regel von Oma und Opa)

Die Milonga ist im Regelfall ein soziales Tanzereignis (oder sollte es zumindest sein :-) ). Es ist daher nicht weiter verwunderlich, daß alle Regeln dieser Zusammenkunft auf das soziologische Kernprinzip der Reziprozität des Handelns - oder einfacher ausgedrückt: Auf den oben zitierten Kernsatz, den wir vermutlich alle von Oma und Opa gehört haben, zururückgeführt werden können.

Man könnte Bücher schreiben und würde vermutlich nicht fertig. Die Regeln im direkten Umgang mit einer Tanzpartnerin, einem Tanzpartner sind vielfältig und doch sind es immer nur Spezialfälle vom generellen Umgang mit einem Mitmenschen. Betrachten wir also die typischen Ratschläge einer Tango-Etikette angefangen bei der persönlichen Hygiene bis hin zu den Spezialfällen (z. B. „Du sollst nicht Deinen Tanzpartner vor Publikum in der Milonga unterrichten.“) und wir werden immer wieder zum Kernprinzip der Reziprozität zurückkommen. Insofern ist es eigentlich sehr einfach, sich in der Milonga zu bewegen.

Freitag, 31. Mai 2013

Cassiels großer Tango-Knigge: 0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos

Es ist schon alles gesagt worden, nur noch nicht von allen.

(Karl Valentin 1888 - 1942

bayerischer Humorist, Komiker und Stückeschreiber)

Regeln für den Tango Argentino, Códigos oder Etiketten (engl. etiquette) gibt es im Internet in Hülle und Fülle. Dennoch möchte ich nach etlichen unveröffentlichten Anläufen meine Version hier einmal zur Diskussion stellen. Vielleicht ermöglicht eine andere Herangehensweise eine neue Sicht der Situation.

Einen Artikel über das soziale Verhalten, über die dos and don‘ts im Tango Argentino zu schreiben, bleibt ein Balance-Akt. Längst gilt nicht mehr als selbstverständlich, was im goldenen Zeitalter des Tangos (Épocha de Oro etwa: 1935 - 55) allgemein anerkannt und beachtet war. In Diskussionen zu dieser Frage kommt man auch sehr schnell zu einem Punkt, an dem die unterschiedlichen Auffassung sich scheinbar unvereinbar gegenüberstehen. Es gibt die Traditionsorientierten, die die klaren Vorteile von Regeln und Ritualen sehen und auf der anderen Seite stehen die Non-Konformisten, die jedes Regelwerk unter Hinweis auf den Freizeitcharakter des Tangos ablehnen.

Donnerstag, 28. März 2013

Antwort eines sog. "Tango-Talibans" auf den offenen Brief von Annette Postel in der aktuellen TangoDanza

Einer muss es ja schließlich machen...
 (aus dem - noch zu schreibenden - Handbuch der unangenehmen Tätigkeiten)


Aufgrund eines Zufalls landete die aktuelle Ausgabe der Tangodanza nicht - wie üblich - sofort auf dem Stapel der irgendwann zu lesender Schriften, sondern ich blätterte die Ausgabe schnell durch. Warum auch immer... ich schlug die Seite mit dem offenen Brief von der Künstlerin Annette Postel "Stoppt die Tango-Taliban!" auf und las. Meine erste Reaktion war ein ungläubiges Staunen. Beim zweiten Lesen reifte der Plan Annette zu antworten. Doch bevor es losgeht möchte ich kurz in diesem Blog etwas zurückblättern. Vor knapp drei Jahren gab es hier einmal einen Gastbeitrag mit einer sehr ausführlichen Blattkritik zur TangoDanza. Leider hat sich in den vergangenen drei Jahren in Bielefeld kaum etwas getan. Meines Erachtens stagniert die TangoDanza in ihrem damaligen Zustand. Die Cover-Photos zeigen immer noch die gleichen, extrem langweiligen, gestellten Photos von Tango-Paaren [auch Chiropraktiker wollen schließlich leben :-) ] und der Abdruck des oben erwähnten offenen Briefes erfordert spätestens jetzt dringend eine intensivere Debatte über das "europaweit größte Magazin für den Tango Argentino". Möglicherweise sollten wir allerdings diese Diskussion an anderer Stelle führen und uns zunächst auf Annettes Pamphlet konzentrieren.


Hallo Annette,

mit diesem Beitrag antwortet Dir ein Tango-Taliban auf Deinen offenen Brief in der TD. So wie Du Dein offensichtliches Feindbild dargestellt hast, muss ich wohl zu dieser Gruppe gerechnet werden. Selbstverständlich habe ich keinen Jutesack als Kleidungsersatz übergeworfen, ich trage keinen Vollbart und ich laufe auch nicht tagein tagaus mit einem um den Kopf gewickelten Badetuch durch die Gegend. Ich besitze keine Kalaschnikow und tauche somit auch unbewaffnet und frei von sonstigem Sprengstoff in der örtlichen Milonga auf. Soviel zum Thema Tango-Taliban...

Mittwoch, 27. März 2013

Gastbeitrag: Tango-Unterricht bei Céline Deveze und Andreas Wichter

KlausPP hat mir diesen Gastbeitrag zugesandt, herzlichen Dank dafür. Für neue Beiträge von mir bitte ich um etwas Geduld.


"Du. Cassiel hat mich ermutigt, einen Gastbeitrag über den Unterricht bei Celine und Andreas zu schreiben. Das geht aus verschiedenen Gründen nicht … könnt ihr das nicht machen, ihr wart doch auch da?" fragt die Freundin.

"Klar gerne. Wir haben sehr positive Erfahrungen mit den beiden gemacht, da kann ich auch mal was drüber schreiben."
Wir (ein Ehepaar mit addierter Tanzerfahrung von über 20 Jahren) waren auf der gemeinsamen Suche nach neuen Ansätzen und Variationen für unser Tanzen auf klein(st)em Raum und in eng(st)er Umarmung, weil wir mit dem IST noch nicht so ganz glücklich waren. Selber war ich auf der Suche nach neuen Ideen für die Umsetzung von musikalischer Rhythmik und Dynamik in Führungs- und Bewegungsdynamik. So stießen wir auf das Tangokombinat.

Mittwoch, 13. März 2013

Festival-Bericht: 54°29'6''N 9°48'26''E Viento Norte

Nach der Rückkehr in meinen (Arbeits-)Alltag möchte ich nun doch noch zum Festival Viento Norte in Eckernförde am letzten Wochenende schreiben. Um es vorweg kurz zusammenzufassen: Es war perfekt, ein wahrgewordener Traum für Milongur@s.

Der Name war Programm: Der Nordwind (Viento norte ist ein wunderbarer instrumentaler Tango vom Orquesta Típica Victor aus dem Jahr 1929) kam im konkreten Fall allerdings wohl eher aus dem Osten und wehte - angeblich mit Winstärke 7 - über Eckernförde hinweg und es steht ja schon in der Bibel: "Wer Wind sät, wird Sturm ernten" (Hosea 8,7).

Montag, 25. Februar 2013

In eigener Sache: Warum Cassiel keine DJ-Engagements annimmt

In der Folge zu meinem letzten Artikel bekam ich am Wochenende drei Anfragen, ob ich nicht als Gast-DJ (selbstverständlich gegen Bezahlung) auflegen möchte. Ich habe nach kurzer aber reiflicher Überlegung mich jeweils herzlich bedankt (schließlich bin auch ich anfällig für Schmeicheleien und obendrein bin ich natürlich auch ein wenig eitel) und im übrigen die Einladungen absagen müssen. Es geht nicht.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Vielleicht so? Höchst subjektive Anmerkungen zur Klangqualität in der Milonga und zur Frage nach hochaufgelösten Audio-Daten der klassischen Tangos

Ich gebe es zu: An diesem Beitrag habe ich lange gearbeitet. Das liegt zu einem Teil sicherlich daran, daß ich kein Experte in technischen Fragen bin. Zu einem anderen - vielleicht größeren - Teil liegt es an der Unsicherheit, mich dem Thema adäquat zu nähern. Mitte Dezember tauchten im Internet die ersten Hinweise auf, daß wir zukünftig neben den verschiedenen CDs auch hochaufgelöste Daten der alten Tangos erhalten können. Und erwartungsgemäß schimmerte in den ersten Reaktionen immer wieder die Hoffnung durch, daß damit eine Verbesserung der Klangqualität der Tangotitel der goldenen Ära verbunden ist. Ich habe in den letzten Wochen viele Tangos gehört, viel über Technik gelesen und einige Versuche unternommen, mich dem Thema technisch anzunähern. Jetzt weiß ich, daß macht keinen Sinn. Will man sich in dieser Frage äußern, dann geht die Reise dort los, wo es alle angeht: Unserem Gehör.