Montag, 18. Juli 2022

DJ-ing im Tango – Handwerk oder Kunst?

Es stimmt! Ich schreibe hier sehr wenig und wenn ich aus meinem Rhythmus bin, dann fällt es mir sehr schwer, einen neuen Beitrag zu veröffentlichen. Wächst der Abstand zum eignen Blog, dann drängt sich immer stärker die Frage auf, ist es relevant, was ich schreibe? Und: Gibt es nicht vielleicht begabtere Menschen, die die Fragen, die sich mir stellen, besser formulieren und anschließend veröffentlichen können bzw. sollten? Heute melde ich mich einmal mit einem Thema, das mich schon länger stark beschäftigt. Ich möchte das hier im kleinen Kreis einmal zur Diskussion stellen.

Ich bin vergleichsweise gut durch die Coronazeit gekommen. Ich schaffe es ziemlich regelmäßig, irgendein Tangowochenende zu besuchen (weil es mich selbst interessiert hat, habe ich gerade nachgesehen und festgestellt, dass ich in den vergangenen 12 Monaten 20 Wochenenden mit jeweils vier bis sechs Milongas besuchen konnte). Es gab genau ein Wochenende, an dem alle DJs okay, gut oder sehr gut waren (übrigens, an dem Wochenende haben ausschließlich Frauen aufgelegt). Bei den restlichen Wochenenden gab es mindestens ein Set (häufig auch mehrere), in dem die oder der DJ nach meinen Maßstäben wirklich „schlecht“ aufgelegt hat.
Und damit komme ich dann auch gleich auf das Thema dieses Beitrags: Ich habe sehr stark schwankende DJ-Leistungen erlebt und ich frage mich, ob es am Selbstverständnis der einzelnen DJs liegt, dass die Leistungen so stark variieren.


[Im folgenden Text verwende ich den Begriff DJ geschlechtsneutral. Es gibt weibliche und männliche DJs im Tango. Das Etikett „Djane“ finde ich despektierlich gegenüber den weiblichen Vertreterinnen dieser Gattung und verwende es deshalb nicht.]

In den letzten 12 Monaten habe ich vielleicht ein Dutzend gute DJs erlebt. Das bedeutet im Umkehrschluss: 80 - 90% der besuchten Milongas wiesen erheblich Defizite bei der Musikwiedergabe auf (um hier den Lesefluss nicht zu unterbrechen, habe ich die markantesten Beispiele von m. E. falsch verstandenem Auflegen im Anhang unten aufgelistet). Nun will ich nicht bestreiten, dass es an mir liegen kann. Ich lege selbst auf und der Preis, den man zahlt, wenn man sich tief in die Musik hineinarbeitet, ist wohl ein sehr genaues analysieren der Arbeit der oder des aktuellen DJs.

Bei der Suche nach den Ursachen bin ich schließlich bei der Frage gelandet, ob sich die sehr starken „Variationen“ beim Auflegen durch das Selbstbild der bzw. des Verantwortlichen erklären lassen. Wie sieht die oder der DJ ihre bzw. seine eigene Arbeit? Die Extrempositionen lassen sich hier wahrscheinlich unter den Begriffen „Handwerker“ oder „Handwerkerin“ bzw. „Künstler“ oder „Künstlerin“ beschreiben.

DJ-ing als Handwerk

Begreife ich meine Aufgabe als DJ im Tango als „Handwerker“, dann wähle ich einen sehr technischen Zugang. Natürlich gehört eine gehörige Portion technisches Verständnis zum Auflegen. So sollten die zugrundeliegende technischen Prinzipien klar begriffen sein und man sollte sich immer wieder mit den technischen Fragen beschäftigen. In der Milonga hat man aber seine Aufgabe verfehlt, wenn man durch zu viel, meist ungeeignete Technik versucht, die Milonga besser zu machen. Ich denke an die extremen Fälle, in denen DJs mit USB-Controllern mit vielen bunten Lämpchen anrücken und der Tisch des DJs aussieht wie das Cockpit eines Flugzeugs. Auch bei der Auswahl der Abspielsoftware gibt es hier erkennbar entspechende Vorlieben. So bieten verschiedene sog. klassische DJ-Softwarelösungen beinahe beliebig viele Interventionspunkte, um in den Klang einzugreifen. Manche DJs schrecken auch nicht davor zurück, Abspielgeschwindigkeit und/oder Tonhöhe der Wiedergabe zu manipulieren. Ein mitgelieferter Equalizer kommt zum Einsatz und die schon ohnehin akustisch schwierigen Tangostücke werden – häufig ohne entsprechende Ausbildung und mit scheinbarer Beliebigkeit – den eigenen Klangvorstellungen angepasst. Hier wäre natürlich auch noch der Audiokompressor zu nennen. Ein Gerät, dass aus der elektronischen Musik kommt und in der Welt der akustischen Instrumente eigentlich gar nichts zu suchen hat. Ich halte klassische DJ-Softwarelösungen im Tango für fehl am Platz – es geht m.E. um einen sensiblen Umgang mit den Daten, nicht um DJ-ing wie zum Beispiel in einem Club. Ich habe DJs erlebt, die den ganzen Abend ein dB-Meter-App auf ihrem griffbereiten Smartphone laufen ließen, aber dennoch viel zu laut gespielt haben. (Merke: Die App allein hilft nicht weiter! Man muss auch einmal auf das Display schauen und – ganz wichtig – an verschiedenen Stellen im Raum die Lautstärke messen!)
Wie gesagt: Fundiertes technisches Verständnis ist eine notwendige Voraussetzung. Aber bitte vor dem Auflegen daheim! In der Milonga sollte dann das technische Setup stehen und die Technik nicht zum Vehikel für die Darstellung der eigenen Expertise werden.

DJ-ing als künstlerische Tätigkeit

Nähere ich mich meiner Aufgabe als DJ mit dem Bild des „Künstlers“ im Hinterkopf, so laufe ich ständig Gefahr, meinen möglicherweise besonderen Musikgeschmack zu verallgemeinern. Die Künstlerinnen und Künstler unter den Tango-DJs erkennt man i.d.R. an sehr eigenwilliger Musikauswahl über weite Strecken eines Abends. Natürlich muss es auch Innovationen im Tango geben und ein oder zwei Tandas mit Experimenten sind immer willkommen. Wenn dann aber die Mehrheit der Besucherinnen und Besucher ratlos zu Beginn einer neuen Tanda sitzen bleibt, wird es höchste Zeit umzusteuern.
Überwiegend künstlerisch orientierte Tango-DJs erkennt man aber auch am Auftritt, der den eigenwilligen Zugang zum Tango unterstreicht. Nicht selten sind Vertreterinnen und Vertreter dieser Spezies dabei zu beobachten, wie sie die Tango-Orchester dirigieren oder gar eifrig lautlos mitsingen.
Häufiger ist auch die „höchst kreative“ Zusammenstellung von Tandas zu beobachten. Ich habe beispielsweise einen DJ erlebt, der mit einem Fresedo/Ray-Titel die Tanda eröffnet hat, um mit dem 2. Titel in die späten 50er zu einem anderen Orchester zu springen.
Leider – so ergeht es mir zumindest – fallen in Künstler-Kategorie auch die Vinyl-DJs. Entgegen anders lautenden Behauptungen können Vinyl-Transfers nicht sui generis besser sein, als digitale Transfers von historischen Aufnahmen. Es gibt sicherlich wirklich schlechte digitale Transfers aus den Anfängen der Tango-Renaissance. Daraus jetzt den Satz abzuleiten, Vinyl wäre durchgängig besser als digital ist selbstverständlich absurd (die Kopie in der analogen Welt ist immer schlechter als das Original - an dieser Tatsache kommt man einfach nicht vorbei). Aber das Procedere mit den LPs hat natürlich seinen Reiz und unterstreicht die Besonderheit der oder des DJs.
An dieser Stelle sollte vielleicht noch ein weiteres Phänomen nicht unerwähnt bleiben: Es geht darum, dass manche DJs aktiv den Zwischenapplaus provozieren. Wenn ich als DJ Applaus suche, so habe ich genügend Möglichkeiten, eine solche – scheinbar spontane – Beifallskundgebung des Publikums zu begünstigen. Es gibt Teile des Tango-Soziotops, da gehört es zum guten Ton, dass in der Vals-Tanda zum Beginn eines 4. Titels immer geklatscht wird. In anderen Umgebungen gibt es sog. Signatur-Stücke, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine entsprechende Reaktion des Publikums evozieren. Ich denke z.B. an „La murra“ von Roberto Firpo (Orchester - 1937). Ich habe es sehr, sehr häufig erlebt, dass auf diesen Titel in der Milonga Applaus folgte (dabei ist der Titel m.E. nicht besonders gut).
Dabei darf man nicht verkennen, dass spontaner Applaus auch ein Ventil für den Spannungsabbau sein kann. Vielleicht hat man es selbst schon einmal erlebt. Die Technik versagt und die Milonga applaudiert der oder dem DJ. Applaus kann, aber muss nicht immer ein Zeichen von Begeisterung sein.

Die vermittelnde Meinung: Die oder der DJ als Kurator/in

In einem Gespräch über diesen Themenkomplex erwähnte eine Tanguera die vermittelnde Idee: Im optimalen Fall ist ein/e DJ im Tango wie eine „Kuratorin“, ein „Kurator” einer guten Ausstellung. Bei der Konzeption und Realisierung einer Ausstellung wird sehr sorgfältig gearbeitet und die einzelnen Exponate werden sorgsam ausgesucht und in den passenden Kontext gestellt. Dabei sind natürlich handwerkliche und künstlerische Aspekte gleichermaßen zu berücksichtigen. Man denke an die Präsentation des Exponates, die Umgebung, das Licht und vieles andere mehr.
Ich erinnere mich noch eine sehr gute Ausstellung, die ich Studienzeiten in Köln gesehen habe, ich meine das war im Museum Ludwig. Es ging um eine Gesamtschau der Werke des Künstlers Joseph Beuys, den ich bis dahin zwar wahrgenommen, aber nie „verstanden“ hatte. Ich war eigentlich bei den plakativen Aktionen (Schmutzrand, Fettecke usw.) steckengeblieben. In dieser hervorragend kuratierten Ausstellung habe ich dann schließlich doch einen Zugang zum Leben und zum Werk von Joseph Beuys gefunden und es war so bemerkenswert, dass es mir noch Jahrzehnte später lebhaft in Erinnerung ist.
Ein Nebenaspekt dieses Gedankens ist vielleicht noch hilfreich: Für mein Verständnis verträgt es sich nicht, wenn ein/e DJ sich zu stak in den Vordergrund spielt. Der Kurator einer Ausstellung wird auch nur in einer 6-Punkt-Schrift am Ende des Ausstellungskataloges erwähnt. Die Hauptrolle übernehmen natürlich die Orchester mit ihrer wunderbaren Musik. Eine DJ, ein DJ, die/der versucht, sich vor diese Musik zu stellen (dirigieren, lautlos singen, besonders fetzige Cortinas viel zu laut zu spielen um die Stimmung anzuheizen) hat m.E. ihre/seine Aufgabe nicht richtig verstanden.

Die abschließende Frage: Haben wir zu viele oder zu wenige DJs im Tango

Bei Facebook gibt es Tango-DJ-Foren mit mehreren tausend Mitgliedern. Andererseits gilt auch das, was ich eingangs geschrieben habe: Auch auf internationalen Tangowochenenden ist die Leistung der einzelnen DJs – höflich formuliert – extrem schwankend. Sollten wir also mehr DJs im Tango haben, oder haben wir bereits zu viele?
Ich denke, wir brauchen mehr gute DJs. Für mein Empfinden gibt es zu viele DJs, die gedankenlos ihr Ding durchziehen und es gibt auch ein sich selbst perpetuierendes System, dass im Kreis der immer wieder eingeladenen Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertretern einige schwache DJs immer wieder zum Zuge kommen lässt. Ich bin auch nicht davon überzeugt, dass DJ-ing eine Tätigkeit ist, die besser wird, wenn man möglichst viele Sets auflegt. Dafür habe ich bei den angesagten DJs zu viele Wiederholungen gehört. Es gibt Tandas, die kann ich schon vor dem Beginn einer Milonga mit den einzelnen Titeln benennen kann und sie werden dann auch tatsächlich gespielt. Solchen DJs würde ich eine kreative Pause empfehlen. Ein weiterer Mechanismus ist der sog. „Set-Handel”: Veranstalter und DJ A lädt Veranstalter und DJ B ein. Einige Monate später bekommt dann DJ A eine Gegeneinladung vom Veranstalter B. So bleibt Auflegen eine Monokultur.

Ein Freund von mir veranstaltet regelmäßig eine sehr schöne lokale Milonga im Schwäbischen. Er misst die Güte der DJs an der Stimmung nach der Milonga. Wechseln die Besucher schnell nach der Milonga die Schuhe und sind dann weg, ist es kein gutes Zeichen. Legt eine DJ, ein DJ gut auf, dann lachen die Besucher am Ende, reden miteinander und trinken vielleicht noch ein Glas Wein. Das mag im ersten Moment komisch wirken, langfristig ist es sicherlich eine Überlegung wert. Ich halte viel von seiner Meinung.

Ich freue mich über weiterführende Gedanken, andere Ansichten, Lob und Tadel in den Anmerkungen.



Anhang

Im Anhang habe ich einmal die Dinge (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) notiert, die mir in letzter Zeit in den Milongas aufgefallen sind. Ich halte sie für „echte Fehler“, gebe aber zu, dass das höchst subjektiv ist. Andere Menschen im Tango fühlen sich dadurch vielleicht nicht so gestört.

„Fehler“ in der Technik

Zu laute Musikwiedergabe
Diesem Umstand begegnet man typischerweise in südlicheren Gefilden. Die Musik wird unerträglich laut abgespielt. Dabei ist es so einfach, als DJ permanent die Lautstärke zu überwachen, es gibt entsprechende Apps für das Smartphone. Eine durchschnittliche Lautstärke (LAeq) zwischen 75 dB (A) und 80 dB (A) ist vollkommen ausreichend. Ein DJ brachte es auf durchschnittliche 96 dB (dazu muss man wissen, dass die dB-Skala logarithmisch eingeteilt ist, 96 dB ist also eine Vervielfachung der Lautstärke).

Unausgewogener Frequenzgang der Wiedergabe
Ein falsch verwendeter Equalizer ermöglicht es, den Frequenzgang der alten Aufnahmen zu ruinieren. Manche DJs verspüren den Wunsch, den Frequenzbereich in dem typischerweise das Rauschen und Knistern der Schellack liegt, heraus zu filtern. Andere DJs betonen den Bassbereich unnatürlich stark und wieder andere DJs manipulieren die Höhen so, dass die Musik aggressiv machen muss. Hat man gute Daten, ist ein Equalizer i.d.R. überflüssig. Der Klang wird nur schlechter.

Druckvollere Tangos durch den Einsatz eines Audio-Kompressors
Kompressoren gleichen laute und leise Stellen in einem Titel an. Somit wird die Dynamik reduziert. Das passiert allerdings nicht nur in den großen Strukturen (Solostellen usw.), sondern sehr häufig auch in den kurzen subtilen Stellen (wenn z.B. eine Geige einsetzt). Der Musik wird fast immer ihre Natürlichkeit geraubt.

Überforderte Hardware und in der Folge Aussetzer in der Wiedergabe
Das habe ich zweimal allein in der letzten Woche erlebt. DJs haben so viel Effekte in ihrer Abspielsoftware aktiviert, dass der Rechner an seine physischen Grenzen kam. In der Folge gab es Aussetzer in der Musikwiedergabe. Dies irritiert Tanzende unnötig.

Brummen in der Audiokette
Es passiert im Vergleich zu früher viel seltener, aber es kommt leider immer noch vor. in der Audiokette ist eine Brummschleife, die ein 50Hz-Signal dauerhaft zur Musik hinzufügt.

Beschneiden der Tangotitel um eine lückenlose Wiedergabe zu erreichen
Aus der Erinnerung würde ich sagen, dass ich dieses Phänomen vielleicht vier oder fünf mal im letzten Jahr erlebt habe. Da haben sich Menschen Mühe gegeben und die Stille am Anfang und am Ende der Tangotitel weggeschnitten um eine lückenlose Musikwiedergabe zu gewährleisten (es gibt auch Software, die das automatisch in der Milonga bewerkstelligt). Wenn die Pausen zwischen Tangotiteln fehlen (irgendwo zwischen 3 und vielleicht 6 Sekunden), dann macht sich sehr schnell Hektik unter den Tanzenden breit.

„Fehler“ in der künstlerischen Zusammenstellung

Fehlendes Spiel mit den verschiedenen Energien
Diese Vertreterinnen und Vertreter heißen bei mir Tacka-Tacka-DJs. Um eine gute Stimmung (?) und eine „fröhliche“ Milonga zu gewährleisten, reihen diese DJs eine energetische Tanda an die nächste: Donato, d‘Arienzo, Biagi (früh), Troilo (früh), Tanturi (instrumental), Canaro (40er und später), Laurenz (energetisch) usw.
Es fehlt die Variation und es fehlen die lyrischen Aspekte in der Milonga. Viele Orchester mit großartiger Musik bleiben ungespielt, weil die Musik nicht energetisch genug ist. In der Folge ist eine Hektik unter den Tanzenden deutlich wahrnehmbar.

Überbetonung der breit-orchestral arrangierten Aufnahmen ab den 50ern
Im vorausgegangenen Absatz habe ich über die übertrieben stark energiebetonten DJs geschrieben. Es gibt auch das Gegenteil. DJs die eine ausgeprägte Vorliebe für die opulent orchestrierten Tangos ab den späten 50ern entwickelt haben. Ein oder zwei Tandas pro Milonga können an der richtigen Stelle eine angenehme Überraschung sein. Stundenlang in dieser Ausprägung „gefangen“ zu sein, nervt dann doch höllisch.

Die eigenen „Schätze“ überrepräsentiert
Um vorweg gleich einem Missverständnis zu begegnen: Ich finde, es ist auch die Aufgabe der bzw. des DJs einmal andere (vielleicht nicht so geläufige) Stücke zu spielen. Aber bitte mit Augenmaß! Ich würde die Experimente auf maximal zwei Tandas in einer Milonga beschränken. Ich habe DJs erlebt, die wirklich lang (einmal waren es 8 Tandas in Folge) mir extrem ungeläufiger Musik gearbeitet haben. Merke: Es gibt ws. immer einen Grund, warum ein Titel selten bis gar nicht in der Milonga gespielt wird.
Ein anderer DJ musste eine di Sarli/Podestá Tanda ohne Not (es gibt genügent Auswahl bei di Sarli/Podestá) an Platz 4 mit einem Rundfunkmitschnitt in lausiger Qualität „Nido gaucho“ (Duett Jorge Durán; Bob Toledo [engl.] - 1946) vollenden. Ich habe mir später daheim die Tanda noch einmal nachgebaut und mehrfach angehört. Ich kann nicht nachvollziehen, warum man so etwas macht.

„Fehler“ beim Zusammenstellen einer Tanda
Dieses Phänomen ist häufiger zu beobachten. Die Tanda ist so merkwürdig zusammengestellt, dass die einzelnen Titel nicht zueinander passen. Das passiert sehr häufig bei sog. „gemischten Tandas“ (Titel unterschiedlicher Orchester), aber es kann auch sein, dass beispielsweise eine d‘Arienzo-Tanda mit einem Titel aus den 30er Jahren eröffnet wird, einen Titel aus den 40er Jahren enthält und möglicherweise noch einen Titel aus den 50ern präsentiert. Das halte ich persönlich für einen „Fehler“. Juan d‘Arienzo hatte in den Zeiträumen verschiedene Orchester mit verschiedenen Stilen. Übertriebene Mischungen lassen das Vertrauen der Tänzer sehr schnell schwinden.

Ungeeignete Cortinas; häufig zu laut
Ein/e DJ muss sich m.E. entscheiden, wer die Hauptrolle in der Milonga spielt. Ist es der Tango, oder sind es die Cortinas. Extrem negativ ist mir ein DJ in Erinnerung der (neben anderen „Fehlern“ in der Milonga) im Verlauf des Abends immer wildere Cortinas immer lauter gespielt hat. Es gipfelte dann irgendwann in Thunderstruck von AC/DC in gesundheitsgefährdender Lautstärke. Sind wir beim Tango oder in einer Ü40-Party?

In dieser Aufstellung habe ich einmal die prominentesten Fehlleistungen von DJs zusammengestellt. Mir ist durchaus bewusst, dass die Auflistung höchst subjektiv ist. Gerne können wir darüber in den Anmerkungen diskutieren.

55 Anmerkung(en):

Anonym hat gesagt…

Zum Thema zu laut: abseits einer unerträglich laut ausgesteuerten Milonga hat mir ein befreundeter Tanguero empfohlen, mir sozusagen als "Notwehr", transparente Gehörschutz-Stöpsel für Orchestermusiker zuzulegen. Das werde ich nun machen, denn mir pfiffen noch tagelang die Ohren... Danke für den Tipp!

wirdschonwerden hat gesagt…

Für mich fällt ein DJ bestenfalls dann in die Kategorie "Künstler", wenn er/sie seine Tandas spontan zusammenstellen und ausspielen kann, und das ist eher selten der Fall. Wenn jemand eine gute Stimmung erzeugen kann ist er für mich ein guter DJ, aber noch nicht unbedingt ein Künstler.

Eine Musikbibliothek zu pflegen und Tandas vorzubereiten ist für mich eher "Handwerk". Und wer das schlecht macht wird dadurch nicht zum "Künstler". Wobei dieses Handwerk durch die Computertechnik ja deutlich einfacher geworden ist. Notwendige Informationen sind verfügbar, hochwertiges Musikmaterial auch, dafür muss niemand mehr durch die Hinterhöfe von Buenos Aires tingeln.

Bei einer lokalen Milonga stellt sich die Frage, ob die Community überhaupt einen "richtigen" DJ hat, braucht und bezahlen möchte. Bei einem überregionalen Event mit solidem Budget sind die hier geschilderten Anfänger-Fehler aber ein Ärgernis, keine Frage.

cassiel hat gesagt…

@Anonym [19. Juli 2022 um 12:18]

Ja, die habe ich auch. Ausnahmsweise einmal Werbung: Fa. Hörgeräte Kind bietet gute Modelle für 14,50€ an.

Hörgeräte Kind: Gehörschutz kindfree

cassiel hat gesagt…

@wirdschonwerden
 
vielen Dank für Deine Anmerkung. Ich habe eine etwas andere Meinung bezügl. der Musik in der lokalen Milonga: Schon dort wäre ein sensibler Umgang mit der Musik äußerst wünschenswert und m.E. auch dringend notwendig. Tangomusik ist komplex und vielleicht sind zu viele Tänzerinnen und Tänzer ungeübt (wenn sie schließlich einmal echte Tangomusik hören).

Du schreibst von „Anfängerfehlern“? ich bin gerade noch einmal den Anhang meines Posts durchgegangen - das waren alles „Fehler“ von gut-bezahlten DJs in internationalen Events. Deswegen bin ich ja so ratlos.

Anonym hat gesagt…

Ist Lautstärke nicht subjektiv? Kann es sein, das du da zu empfindlich bist? Wie soll denn ein DJ mit Lautstärke umgehen, wenn er auf Teilen der Tanzfläche nicht gehört wird.

Fragen über Fragen

Tom

cassiel hat gesagt…

@Tom
 
Du hast natürlich zu einem Teil Recht, wenn Du vermutest, dass ich in Fragen der Lautstärke besonders strikt bin. In meiner Kindheit hatte ich jedem Winter heftige Mittelohrentzündungen und der Kinderarzt hat das ein Loch in das Trommelfell gestochen um Druck zu nehmen. Mein Trommelfelle sind entsprechend dünn (und schwingen damit leichter).
Trotzdem ist Lautstärke nicht subjektiv. Es gilt inzwischen als gesichert, dass eine dauerhafte Beschallung mit durchnittlich über 80 dB (A) (Grenzwert aus dem Arbeitsschutz) Lärmschwerhörigkeit verursacht.
Wenn die Musik nicht auf der ganzen Tanzfläche gut gehört werden kann, dann ist das zunächst ein Fehler bei der Installation der Audioanlage. Es ist i.d.R. keine gute Idee, wenn die oder der DJ versucht, so laut zu spielen, dass die Musik überall gut hörbar ist.
Im Artikel habe ich vergessen zu beschreiben, dass der Hang, die DJs auf eine Bühne zu verfrachten, die Situation nicht besser macht. Nach meiner Meinung, ist die oder der DJ am besten unmittelbar am Rand der Tanzfläche aufgehoben. Dort hört man, wie laut es tatsächlich ist und DJ und Publikum hören etwa das gleiche Frequenzsprektrum (auf der Bühne liegt der Platz außerhalb der direkten Beschallungsfläche und manchmal ist die Bühne mit schweren Stoffen abgehängt - das wird dann schwierig).

Snoop hat gesagt…

Lieber Cassiel!
Schön wieder ein paar Gedanken von dir aufnehmen zu können.
Das Thema DJ (in weiblicher und männlicher Form verwendet) hat auch mich schon stark beschäftigt – im positiven wie auch im schwierigen Fall. Vorab: Ich bin zum Schluss gekommen, dass für einen Tango-DJ die gleichen Regeln und Entwicklungsschritte gelten, wie für TangotänzerInnen.

Ich stimme vielen deiner Beobachtungen zu und würde sie gerne in einen Gesamtkontext stellen. In Relation zueinander stellen. Denn für mich stellt sich nicht die Frage ist „DJ-ing im Tango – Handwerk oder Kunst?“
Gutes DJ-ing im Tango ist für mich „Handwerk und Kunst ….. gepaart mit Orientierung“

Tango DJ-ing und Tangotanz - der Versuch eines Abgleichs

ad Handwerk:
Damit Tangotanz zu einem solchen wird, braucht es „Technik“ und Übung. Aber Technik alleine ist kein Tango. Technik sollte beherrscht werden, ohne diese in den Vordergrund zu stellen.
Das gleiche gilt für’s DJ-ing. Gute Technik ist Voraussetzung (Luft nach oben gibt es immer)

ad Kunst:
Den Begriff Kunst verstehe ich in diesem Kontext als Kreativität (gepaart mit Können=Technik 😉).
Immer die gleichen Schritte in der gleichen Dynamik tanzen ist langweilig. Den Tanzpartner mit Ungewohntem positiv überraschen (nicht überrumpeln). Bekannte Schritte mit weniger bekanntem mischen. Das ist auch die Herausforderung beim DJ-ing wieviel bekanntes, vertrautes braucht mein Publikum. Wann ist ein kleine Überraschung angesagt und das hängt auch vom Publikum ab für das ich auflege … das führt gleich zum nächsten

ad Außenorientierung:
Möchte ich als der tolle DJ (Tänzer) dastehen (Bühnentango - Tango escenario / Christian Tobler lässt grüßen) Inszeniere ich mich als DJ (DJ Darsteller)? Wir wissen, jeder technisch richtig Lead beim Tango wird falsch wenn er zum unpassenden Augenblick kommt. Wenn mein Tanzpartner (mein Publikum) am falschen Fuß steht. Das führt zum nächsten Punkt

ad Innenorientierung
Ein DJ muss, so wie der Tangotänzer auch, hineinspüren was ist jetzt im Augenblick möglich. Was kann ich für mein Publikum (meine Tänzerin) tun. Aufmerksamkeit und Achtsamkeit ist angesagt. Tut jetzt eine beruhigende Tanda gut, oder braucht es eine Aufmunterung.

Zusammenfassung
Du beschreibst aus meiner Sicht sehr präzise verschiedene DJ-ing Situationen, die sich gut den oberen Rubriken zuordnen lassen, wenn ein Aspekt zu dominant wird. Wie beim Tanz kommt es auf die richtige Mischung an. Ich habe größte Hochachtung und Respekt vor einem DJ der uns so ein Stück Tango-Himmel näherbringt. So ein Abend ist ein Geschenk (… so eine Tanda ist ein Geschenk)

Damit bin ich bei deiner abschließenden Frage: Haben wir zu viele oder zu wenige DJs im Tango

Es geht aus meiner Sicht nicht um Quantitäten.
Im Tanz wie als DJ - man kann nicht alles im stillen Kämmerlein erlernen. Es gilt Erfahrungen zu sammeln, zu üben, zu verbessern, zu spüren. Und für mich war dabei das Feedback meiner PartnerInnen, ob ausgesprochen oder nonverbal, stets eine wichtige Orientierung.
Zitat: „Für mein Empfinden gibt es zu viele DJs, die gedankenlos …“
Ich bin der Überzeugung - qualifiziertes Feedback regt zum Denken an. Das gilt für Veranstalter und für DJs. Wenn da nix kommt ….

cassiel hat gesagt…

@Snoop
 
vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und Deine weiterführenden Gedanken. Das habe ich sehr gerne gelesen und ich werde die Punkte noch einmal gründlich durchdenken. Es ist ja auch nicht so schön für mich, wenn ich Sets als „schwierig“ empfinde.

Selbstverständlich sollte jede DJ und jeder DJ auch die Möglichkeit haben, in die Aufgabe hineinzuwachsen. Was ich nicht so deutlich geschrieben habe: Es waren Dinge, die mir auf Tangowochenenden aufgefallen sind. Da werden DJs bezahlt und sie gelten bei Teilen der Szene als Könner.
Hier im Blog habe ich ja 2009 mit Christian Tobler das Interview gehabt und er hat dafür plädiert, sich als DJ einen guten Mentor zu suchen. Ich wollte das nicht im Artikel schreiben, aber ich habe bestimmt ein Dutzend DJs im Tango begleitet. Das waren kurze Abschnitte (so ungefähr ein Vierteljahr) und es gibt auch Kontakte, die langlebiger sind (Jahre). Von dem Austausch profitieren immer beide Beteiligten … auch ich lerne sehr viel, wenn ich mit Detailfragen konfrontiert werde.

Erlaube mir bitte eine Anmerkung zum Thema „qualifiziertes Feedback“: Am letzten Samstag war wieder so eine Situation. In der heimischen Milonga hat ein DJ-Star aus Italien aufgelegt. Die Grundlagen der Technik hatte er nicht im Griff, es war viel zu laut und die Klangregelung am Mischpult hätte er besser in Ruhe gelassen. Keine Pausen zwischen den Stücken, viele gute Orchester nicht gespielt und dafür Randsortiment ziemlich breit getreten. Ich musste dann gegen 0:30h vorzeitig gehen und habe nur auf Nachfrage ein oder zwei anderen Tänzern erklärt, warum ich gehen muss. Ich wollte keinesfalls den Veranstaltern, die sich sehr viel Mühe mit ihrer Milonga geben, irgendetwas sagen.

Natürlich hat irgendwer gequatscht und dann kam die bestürzte Nachfrage der Veranstalter am nächsten Tag.

Ich bin äußerst vorsichtig geworden mit Feedback. Stattdessen versuche ich mich selbst zu schützen (s.o. Ohrstöpsel) … oder ich gehe einfach früher. Ist das verständlich?

Snoop hat gesagt…

@ Ich bin äußerst vorsichtig geworden mit Feedback. Stattdessen versuche ich mich selbst zu schützen (s.o. Ohrstöpsel) … oder ich gehe einfach früher. Ist das verständlich?

Ja, ich verstehe das
– gleichzeitig ist dies eben das fehlende Feedback.
Exkurs: Ich verstehe unter qualifiziertem Feedback, dass der DJ bzw. die Veranstaltung nicht allgemein kritisiert und diese Kritik breitgetreten wird, sondern das Thema spezifisch und aus persönlicher Sicht angesprochen wird.

Ich erlebe häufig gerade bei technischen Mängeln Zustimmung. Und der Veranstalter kann ein nächstes Mal mildernd einwirken. ( Das Thema mit dem italienischen DJ-Star kommt mir äußerst bekannt vor 😉) Wenn kein Feedback kommt, hat ja eh alles gepasst.

Bei inhaltlicher Kritik hab ich auch schon erlebt, dass es für die anderen Teilnehmer passt. Das ist auch ein wichtiges Feedback - für mich.

Wie ich schon geschrieben habe, ich glaube es braucht immer wieder ein Feedback (ich gebe/bekomme etwas zurück) für eine Entwicklung.

Anonym hat gesagt…

Zum Thema Feedback für DJs:

Aus meiner eigenen DJ-Erfahrung kann ich sagen, dass man als DJ eigentlich nur positives Feedback kriegt. Und das heißt nicht, dass man toll aufgelegt hat - sondern dass die Leute, denen es nicht gefällt, entweder still gehen, oder dass sie mit ihren Spezln hinter dem Rücken des DJs lästern, und nur durch Zufall kriegt der Veranstalter es mit und kann es dem DJ berichten (wenn er mag).

Das positive Feedback ist ja erfreulich, aber oft nicht besonders informativ. Leute heben den Daumen oder bedanken sich, das ist schön.

Ich fände es enorm wichtig, dass qualifiziertes Feedback kommt. Positives, aber vor allem auch negatives. Wenn unter den Tänzern Freunde sind, denen ich vertraue, bitte ich sie, mir während des Sets Zeichen zu geben, ob es zu laut oder zu leise ist oder sonstwie schlecht klingt. Und auch, mir zu berichten, welche Meinungen zu hören sind. Ich bin dankbar für jegliches Feedback zum Sound oder zur Musikauswahl. Dann kann ich darüber nachdenken, und selbst wenn ich es nicht teile, weiß ich, was problematisch sein könnte.

Ich selbst gebe einem DJ Feedback, wenn ich "ihn für voll nehme": also den Eindruck habe, dass er über die Musikauswahl nachdenkt und nicht irgendwas Vorgefertigtes und immer Gleiches abspielt, und wenn ich den Eindruck habe, dass ihn Feedback überhaupt interessiert. In diesen Fällen bekomme ich überwiegend sehr interessierte, positive Reaktionen. Klar kann es heikel sein, als DJ einen Kollegen zu kritisieren. Aber wenn es persönlich und inhaltlich fundiert ist, finde ich es absolut in Ordnung. Sollte mein Feedback schlecht angekommen sein, wurde mir das zumindest nicht rückgemeldet ;-)

Theresa hat gesagt…

Der vorige Kommentar war von mir, Theresa Faus aus München. Ich hatte ihn mit Name/URL abgeschickt, aber das hat offenbar nicht geklappt.

Anonym hat gesagt…

Hallo Cassiel,

meine Anmerkung: Ich hasse es, wenn DJs nicht auf Anregungen und Beschwerden eingehen in Bezug auf Lautstärke und Störtöne. Das krassesete Beispiel habe ich bei einer Anlage erlebt, die einen hohen Piepston erzeugt hat, den ganz offensichtlich nur Damen hören konnten. Der Mann, der verantwortlich war, hörte ihn schlicht nicht und reagierte nicht einmal, als Leute aus Protest die Milonga verlassen haben. Das gleiche gilt aber auch für die Lautstärke. DJs sollten sich einfach nicht auf ihr Gehör verlassen, sondern den Tänzern zuhören und sich bewusst machen, dass das Hörempfinden doch sehr individuell ist (+ der Unterschied zwischen den Geschlechtern, Männer hören andere Frequenzen als Frauen).

Gruß Johannes

Snoop hat gesagt…

@ Das positive Feedback ist ja erfreulich, aber oft nicht besonders informativ.

Liebe Theresa, ja genau darum geht es mir. Ich verstehe Feedback nicht als Kritik (Hinweis auf einen Mangel) sondern als konstruktiven Hinweis, als Information in Richtung einer Verbesserungsmöglichkeit.

Wichtig finde ich auch deinen Hinweis: „Ich selbst gebe einem DJ Feedback, wenn ich "ihn für voll nehme"“. Es ist schön, wenn man als DJ diese Wertschätzung spüren darf. Dann fällt es auch leichter das Feedback anzunehmen. Konstruktive Verbesserungsvorschläge sind für mich fast ein „Liebesdienst“.

Niemand ist perfekt, hat immer alles zu 100% unter Kontrolle. So wie Johannes den Piepston beschreibt der vom DJ nicht gehört wurde, nicht gehört werden konnte. Und ja, auch ein DJ sollte sein Publikum „für voll nehmen“.

wirdschonwerden hat gesagt…

@Cassiel
Selbstverständlich wünsche ich auch jeder kleinen lokalen Milonga eine gute Musikauswahl.
Die Frage ist nur, wer das mit welchem Aufwand Woche für Woche machen möchte.
Ich denke wir müssen da bald mit "Streaming-DJs" leben, die ihr Smartphone mit Bluetooth nutzen wollen.
Und wenn bei Events angereiste DJs für die Mehrheit keinen echten Mehrwert bieten, dann wird man sie früher oder später einsparen.

Qualifiziertes Feedback, also mehr als "zu laut/leise" und "knistert", ist schwer zu bekommen.
Man kann den Veranstalter bitten welches einzusammeln und seine Meinung hören, Freunde fragen.
Aber im Grunde müssen bei mir Notizen der eigenen Beobachtungen das Feedback ersetzen.
Es erinnert sich hinterher sonst keiner, dass bei Tanda X Song Y irgendwie nicht gut rüber kam.

cassiel hat gesagt…

Ich finde es sehr spannend, wie sich die Diskussion entwickelt. Vielen Dank für die äußerst lesenswerten Beiträge. Ich bin beim Thema Feedback noch nicht restlos überzeugt davon, dass es wirklich nachhaltig etwas ändert, wenn ich eine Rückmeldung äußerere. Die oder der betreffende DJ muss ja auch die Möglichkeit haben, etwas zu ändern. Häufig ist das aber mit einem riesigen Aufwand verbunden und damit für die betreffende Person beinahe unmöglich, es umzusetzen.

Vielleicht unterscheide ich hier einmal zwei Fälle: Im ersten Fall geht es um Umstände, die die oder der DJ ohne große „Kosten“ umsetzen kann. Nehmen wir als Beispiel die zu hohe Lautstärke beim Abspielen. Meine Erfahrung ist, dass es meinst nur für ein paar Titel leicht besser ist und wir spätestens nach 15 Minuten wieder auf dem alten Niveau sind. Mein Feedback hat kurz etwas bewirkt, aber längerfristig ist keine Besserung eingetreten.
Schwieriger wird es da schon in solchen Fällen, wie von Johannes beschrieben. Wenn es ein technisches Problem mit der Anlage, dem Mischpult oder dem zuspielenden Laptop gibt, ist so etwas i.d.R. nicht kurzfristig zu beheben. In diesem Fällen kann man dann die Haltung beobachten, dass das Problem für nicht-existent erklärt wird (weil man keine Lösung in der Milonga finden kann).
Noch schwieriger wird es im zweiten Fall. Wenn zum Beispiel Daten gespielt werden, die problematisch sind. Das kann nicht ohne größeren Aufwand und vor allen Dingen nicht in der Milonga gelöst werden. Hier sage ich eigentlich nie mehr etwas, weil es nichts bringt und dann ein Mechanismus bei der betreffenden Person einsetzt, meine Rückmeldung zu relativieren. Dann bin ich zu kompliziert oder gar audioman (ernsthaft, das ist mir einmal so gesagt worden). In dieseen Fällen erspare ich mir die Mühe, ein Feedback zu geben, weil es nichts bringt und ich mich nicht noch anschließend uns Unrecht setzen lassen möchte.
Ähnlich verhält es sich übrigens mit Audioanlagen. In der lokalen Milonga um die Ecke sage ich ja gar nichts, im Gegenteil, wenn ich gefragt werde unterstütze ich gerne die Veranstalter bei der Optimierung. Für ein Wochenende, an dem über 100 Menschen meist mehr als 100 Euro Beitrag entrichten, erwarte ich eigentlich, dass eine ordentliche Anlage ausgeliehen wird. Da verhindert aber meist die schlichte Unkenntnis bei den Veranstaltern, dass geeignete Anlagen aufgestellt werden. Bei einem Encuentro vor Jahren in Südfrankreich war es beispielsweise einmal ein Einstellungsproblem: Zwei Lautsprecher waren über Kabel verbunden, zwei Lautsprecher waren über eine digitale Funkstrecke angesteuert (digitale Signalübertragung kostet immer „Zeit“). Glücklicherweise hatten die Lautsprecher die Möglichkeit ein Delay einzustellen. Die Anlage war schlicht falsch eingestellt worden (die LS über Funk hatten ein zusätzliches Delay - genau falsch). Die Veranstalter haben es nicht gehört (bzw. nicht hören wollen). Am Sonntagvormittag habe ich dann unauffällig die Einstellungen korrigiert.

Ich denke auch, dass jede DJ und jeder DJ kritisch die eigene Leistung beurteilen kann. Es genügt der Blick auf die sitzenden Gäste während einer Tanda beziehungsweise das Gespür, wann gehen die Leute. Diese beiden Parameter sollten reichen, das eigene Set kritisch zu hinterfragen. Nach meinen Beobachtungen läuft es allerdings meist gleich zu Beginn einer Milonga aus dem Ruder und dann, wenn um 23:30 nicht einmal die Hälfte der Besucher anwesend ist, kann man es nicht mehr heilen (das habe ich wirklich häufig so erlebt).

Ich habe mir angewöhnt, mich höflich für die Arbeitsleistung zu bedanken. Ich sage dann meistens beim Verabschieden: „Danke für die Musik“. Wenn es wirklich gut war, erwähne ich das natürlich und sage, es habe mir gut gefallen. Aber es gibt auch die Vertreterinnen und Vertreter in der Communitiy, die den oder die DJ mit Lob überschütten. Da besteht dann überhaupt keine Notwendigkeit, etwas zu ändern.

Snoop hat gesagt…

@ wirdschonwerden hat gesagt...

Qualifiziertes Feedback ..... ist schwer zu bekommen. Richtig!!
Genau darum geht’s. Ich brauche Qualifikation auf mehreren Ebenen um ein gutes Feedback geben zu können (Da hilft keine Umfrage). Deshalb schränkt sich der Kreis der qualifizierten Feedbackgeber stark ein, deshalb MUSS es eher selten sein.

@ cassiel
Du bist von der Nachhaltigkeit des Feedbacks noch nicht restlos überzeugt. Ich gebe dir recht, nicht jedes Feedback wird sofort oder gar nachhaltig etwas ändern.

Ich würde gerne die andere Seite der Medaille betrachten. Kein Feedback bedeutet kein Anstoß zu einer Veränderungs- Lösungsmöglichkeit. Provokant: Damit ist sichergestellt, dass sich nichts oder nur wenig ändert.

Dazu möchte ich noch einen Aspekt in Richtung Feedbackgeber einbringen:
Wissende und Könner auf einem Gebiet, sind nicht die Sanitäter die verpflichtet sind, bei jedem kleinen Unfall auszurücken. Wenn jemand aber selbst deutlich unter einem Umstand leidet, ist oft auch Emotion im Spiel. Unsere evolutionären Mittel der Wahl: Flucht (Rückzug), Angriff (heftige Kritik), Totstellen (Schweigen).

Tja, da ist es wieder das qualifizierte Feedback - als weitere Möglichkeit.
Gehen kann ich im Anschluss noch immer - oder ich bleibe, weil jemand das Thema dankbar aufgreift.

Anonym hat gesagt…

"Wechseln die Besucher schnell nach der Milonga die Schuhe und sind dann weg, ist es kein gutes Zeichen. Legt eine DJ, ein DJ gut auf, dann lachen die Besucher am Ende, reden miteinander und trinken vielleicht noch ein Glas Wein."

wie soll das denn gehn in der Milonga nebenan? ich bemerke, dass immer alle schnell nach hause wollen.

Theresa Faus hat gesagt…

@Cassiel
Wann ist Feedback für den DJ komplett nutzlos, und wann evtl. sinnvoll?

Wenn es ein DJ ist, der mit einem fertigen Profil - z.B. "Party" - inkl. Künstlernamen etc., auftritt, und der sich entsprechend selbstbewusst auf dem Event stilisiert: Dann ist es völlig unangebracht, an Feedback zu denken. Dieser DJ weiß, was er will, und dass das bei bestimmten Leuten ankommt. Da kann ich nur, falls mir dieses Profil nicht zusagt, fernbleiben oder mit Ohrstöpseln hingehen und mit meinen Liebelingstänzern tanzen.

Wenn es aber ein DJ ist, dessen Außendarstellung weniger ausgeprägt ist als sein Nachdenken über die Musik, der vielleicht kein fertiges Rezept hat und vor sich herträgt, sondern jedesmal darum ringt, was er wann auflegt - und er muss deswegen nicht unsicher sein beim Auflegen - ist evtl. empfänglich für Feedback. So würde ich zumindest mich selbst charakterisieren.

Ich meinte auch nicht, dass Feedback nur sinnvoll ist, wenn der DJ unmittelbar was ändern kann. Das kann er meistens nicht. Aber er kann aus der Situation und dem Feedback, das er dazu erhält, etwas lernen; z.B. dass er andere Audio Files kaufen sollte.

Der Indikator, wie viele Leute tanzen bzw. in der Milonga geblieben sind, ist leider auch nicht so besonders zuverlässig. Wenn der DJ nur mittelgut ist, aber ich viele tolle Tänzer treffe, kann es sein, dass ich jede Tanda tanze, auch wenn mir bei weitem nicht jede Tanda gefällt.

wirdschonwerden hat gesagt…

@Theresa: Völlig richtig. Wenn jemand Dir raten würde mehr "Show" zu bieten, ganz wertfrei, würdest Du Dich dafür interessieren?

Die Tonqualität ist - jenseits von Problemen die jede Flachpfeife hört - für die Mehrheit der Teilnehmer nur ein von mehreren Kriterien. Ich habe mal testweise zwischen "Files vom Feinsten" einen YT-Download platziert. Da hat niemand spontan gezuckt, mich eingeschlossen.

Zur Musikauswahl und -abfolge gibt es durchaus unvereinbare Meinungen. Also ich versuche, ich beobachte, ich diskutiere auch. Aber letztendlich wird der DJ-Job - in Relation zum Gesamtaufwand - dermaßen schlecht bezahlt, dass ich mittelfristig lieber darauf verzichte als für mehr Erfolg gegen mein Gefühl zu agieren.

cassiel hat gesagt…

Ich habe gerade leider etwas viel Arbeit, daher kommen die Antworten leicht verzögert und gesammelt.

@Snoop (Kommentar #16)
Ich denke, das Problem liegt etwas neben Deiner Vermutung. Ich denke, manche DJs wollen sich einfach nicht ändern. Es ist gut so wie es ist. (Bei Veranstaltenden ist es in Teilen ebenso.) Solange sich jede Veranstaltung nach Corona quasi von allein füllt, ist auch keine Notwendigkeit gegeben, irgendetwas zu ändern. Tango lebt von Diversivität und es wird erst dann entspannter, wenn Nachfrage und Angebot wieder ins Lot kommen.

@Anonym (Kommentar #17)
Du hast recht, ich habe nur sehr kurz über diese Milonga im Außenbezirk einer bayerisch-schwäbischen Großstadt geschrieben. Es ist die Veranstaltung von Amateueren (im besten Sinne des Wortes). Sie lieben es, im Freundeskreis entspannt zu tanzen und haben sich selbst eine Heimat für ihren Tango geschaffen (mit bestem Tanzboden und der besten Audioanlage, die ich im Tango je gehört habe). Klar! Manche Gäste gehen früher, aber es gibt überhaupt keine Hektik nach der Milonga; da überwiegt das soziale Miteinander und niemand schaut auf die Uhr.

@Theresa (Kommentar #18)
Ein Feedback halte ich selten für nutzlos. Ich bemerke nur, dass es nicht angenommen wird, wenn der oder die DJ sich nicht in der Lage sieht, dem Problem abzuhelfen. Nehmen wir als Beispiel lausige MP3s: die kann man i.d.R. nicht schnell durch ordentliche Daten ersetzen. Oder betrachten wir ungeeignete Abspielsoftware und/oder eine schlechte Audiokette (DAC und womöglich noch ein schlechter Equalizer). Da muss ich dann nichts mehr sagen.
Du sprichst das Thema „Außendarstellung“ an. Ja, das stimmt. Ich kenne einen DJ, der erhebliche Schwächen technisch und inhaltlich hat. Da sage ich aber nichts, weil es keinen Sinn macht. Das Problem lässt nur mit langem Atem lösen: Mehr bessere DJs. Daran arbeite ich.

@wirdschonwerden (Komentar 20)
Der von Dir erwähnte YouTube-Download wäre sicher (bei geeigneter Anlage) identifizierbar. Ich denke es istt differenzierter und es kommen mehrere Faktoren zusammen. Allerdings summieren diese Faktoren sich auch. Gute Transfers klingen auf schlechten Anlagen weniger schlimm, als schlechte YouTube-Transfers.
Dein letzter Satz ist natürlich wahr. DJs im Tango sind unterbezahlt. Das wird sich mittelfristig nicht ändern.

wirdschonwerden hat gesagt…

@Cassiel
Ich habe keinen Zweifel daran, dass jemand einen YT-Download heraushören kann, selbst ohne direkten Hörvergleich. Die Frage ist, rein statistisch, ob sich so jemand gerade im Raum befand und "auf Empfang" war.

Klasse, dass Du an mehr besseren DJs arbeitest. Ich lese anderswo auch von DJ Debüt-Milongas, Mentorenprogrammen und Workshops.

Die wichtigste Rolle auf einer Milonga spielt m.E. der Gastgeber - erfolgreich ist wer integrieren und auch schwierige Persönlichkeiten in ihren Stärken wirken lassen kann. Wenn dem DJ klar wird, dass er kein herumreisender Star ist, sondern in in der Regel ausgetauscht wird bevor er langweilt, dann kann der Abend was werden.

Rainer hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Rainer hat gesagt…

Vielen Dank lieber Cassiel!! Es wäre wunderbar, wenn die DJs die vielen Tipps, die ja eigentlich Basics sind, als Leitfaden nehmen würden.

Was mir etwas fehlt, ist der Aspekt, was jenseits dieser Basics dann wirklich einen/eine gute/n DJ ausmacht. Für mich sind es 3 Punkte:

1) Es gibt wirklich unter den vielen Tangos gute (manchmal herausragende) und weniger gute Stücke (natürlich ist das auch subjektiv). Und diese Stücke müssen dann auch mindestens 50% des Abends ausmachen. Das Argument "overplayed" zählt nicht - die richtig guten Tangos kann man sich immer wieder anhören. Außerdem gibt es viele davon, so dass man da auch Abwechselung reinbringen kann.

2) Ein richtig guter DJ muss als Voraussetzung ein guter (zumindest erfahrener) Tänzer sein. Nur wenn man sowohl rhytmisch wie auch melodisch tanzen kann, kann man aus beiden Kategorien auch treffsicher gute Tandas zusammenstellen. Ein Beispiel dafür ist Milonga Traspie. Was da vieles DJs fabrizieren kann man wohl nur damit erklären, dass sie selbst nicht gut Traspie tanzen können.

3) Zu guter letzt muss man/sie auch Glück haben - und vom Tango-Gott geküsst werden :-) . Glück hat man als DJ, wenn die Stücke, die man selbst schön findet und auswählt, auch die Tänzer schön finden. Dann kann man (neben dem soliden "Handwerk" und der Grundeinstellung eines "Kurators" - siehe oben) einfach intuitiv auflegen...

cassiel hat gesagt…

@wirdschonwerden
 
Danke für Deinen weiteren Beitrag. Ich habe mich wohl missverständlich ausgedrückt. Einen YouTube-Download klar erkennen ist eine Seite der Medaille, die andere (wichtigere) Seite sind Auswirkungen auf die Anwesenden. So etwas wird üblicherweise mit dem Begriff „Psychoakustik“ bezeichnet. Auch wenn jemand den Unterschied im ersten Moment nicht hört (geschweige denn auch klar benennen kann), so wird es dennoch eine Auswirkung auf das Wohlbefinden und damit auf ein entspanntes Tanzen haben.

Du erwähnst noch die Rolle der Gastgebenden. Da machen wir das nächste große Fass auf. Klar, das ist natürlich auch essentiell. Da gibt es die ganze Bandbreite … beispielsweise diejenigen, die nur auf das Geld schielen, Gatgebende, die gelangweilt in der Ecke sitzen, Veranstaltende, die sich den ganzen Abend nur um die anwesenden (argentinischen?) Edel-Tanguer@s kümmern und natürlich auch die Vertreterinnen und Vertreter, die sich um das Wohl aller Gäste kümmern, aufmerksam sind, ohne aufdringlich zu werden und fleißig mittanzen (und zwar mit prinzipiell mit jeder bzw. jedem). Leider sind die Kriterien, nach denen eine DJ, ein DJ ausgesucht wird, nicht immer nur auf den Kern der Aufgabe fokussiert. Da gibt es leider eine Reihe von Gründen, warum auch äußerst schwache DJs eingeladen werden.

@Rainer

Schön, dass Du schreibst. Natürlich hast Du recht mit dem Hinweis (Dein Punkt 1), dass ein DJ gute bzw. herausragende Stücke spielen sollte. Ich gehe da sogar noch weiter als Du es tust. Ich finde, eine DJ, ein DJ darf sich maximal zwei Tandas pro Abend erlauben, in denen Dinge ausprobiert werden und die vielleicht ruckelig werden können. Der Rest muss passen. Ich gebe aber auch zu, dass ich das vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen schreibe. Ich lege nicht regelmäßig in meiner Heimatstadt auf und deswegen kenne ich bei einem Set die Tanzenden i.d.R. nicht. Insofern achte ich darauf, dass ich nur zweifelsfrei gute Tangos spiele.
Dein Punkt 2 ist natürlich auch sehr wichtig. Ein(e) nicht-tanzende(r) DJ läuft immer Gefahr, Die Musik zu „akademisch“ aufzulegen. Ähnlich ist es, wenn die DJ, der DJ nur sehr ausgesucht tanzt. (Und mit dem Stichwort Traspie triffst Du bei mir einen wunden Punkt, das geht bei mir auch nur unzuverlässig, manchmal „traue“ ich mich nicht oder meine „Milonga-Maschine“ ist an dem Abend noch gar nicht angesprungen.)
Deinen Punkt 3 kann ich auch voll und ganz unterschreiben. Ich hab selbst solche Milongas auflegen dürfen. Einmal gab es Applaus nach der ersten Tanda des Sets. Das war einfach nur Glück, da passte alles: Tänzerinnen und Tänzer, Umgebung, Wetter, Uhrzeit, ausgewählte Musik … kurz das hatte nichts mit mir zu tun, sondern es war die Verkettung glücklicher Umstände.

Anonym hat gesagt…

Sehr spannend. Ich erlebe oft, das nach einiger Zeit, TänzerInnen auf mich zukommen ob ich nicht die Musik etwas lauter machen kann. Oft bei Troilo, der in manchen Stücken sehr leise Stellen hat. Ich mache das ungern, aber wenn mehrere Fragen mache ich es doch, obwohl ich selbst es dann zu laut empfinde. Peter W

cassiel hat gesagt…

@PeterW
 
Vielen Dank für Deine weiterführende Anmerkung. Es stimmt: Wenn Aníbal Troilo sein lyrisches Bandoneon-Solo anstimmt, kann es grenzwertig leise werden. Wenn dann noch eine weniger geeignete Anlage ins Spiel kommt, kann es wirklich erforderlich werden, die Lautstärke etwas anzupassen. Bei guten Anlagen mit genügend optimal verteilten Lautsprechern sollte das nicht notwendig werden.
Eine andere Quelle von Fehlern könnte in dem Fehlen eines Korrekturalgorithmus' liegen. Die heißen typischerweise ReplayGain oder EBU R 128 die Verwendung dieser Algorithmen stellt sicher, dass die Wiedergabelautstärke (unter Berücksichtigung der Dynamik des Titels) angeglichen wird. (Streng genommen ist das kein Fehler, sondern eine fehlende zusätzliche Einstellung.)

wirdschonwerden hat gesagt…

Kann es sein, dass man als DJ bereits relativ gut unterwegs ist, sobald man keine Steinzeit-Musikdateien nutzt, nicht den Kopfhörer-Ausgang an den Verstärker anschließt, die Tandas nicht grob würfelt, den Lautstärkeregler mit Bedacht bewegt und idealerweise noch eins-zwei-drei-vier-cortina abzählen kann? ;-)

Das erinnert mich an den Joke, dass früher im KFZ-Handbuch noch stand, wie man das Ventilspiel einstellt.
Und heute steht dort, dass das Trinken von Batteriesäure gesundheitsschädlich sein könnte.

cassiel hat gesagt…

@wirdschonwerden
 
Ich habe schmunzeln müssen aufgrund Deines Beitrages. Ja, die Basics sind nicht schwer zu erlernen. Ich weiß nicht, wie es Dir geht. Manchmal bin ich fassungslos, weil die Basics einfach nicht funktionieren (und ich weiß nicht, warum das so ist).
Zum guten Auflegen gehört m.E. noch ein klein wenig mehr, aber wenn jemand die von Dir aufgezählten Punkte auf dem Schirm hat, wird es ein solider Abend. Mit einer sensiblen Musikauswahl zusätzlich wäre es perfekt.
Nun gebe ich gerne zu, dass gute Daten mittlerweile etwas schwerer zu bekommen sind. Da hilft nur fleißiges Suchen und Sammeln.

Matthias hat gesagt…

Hallo Cassiel,
hat nicht Berti Vogts einmal gesagt, die Breite in der Spitze sei dichter geworden?
So oder so ähnlich nehme ich jedenfalls auch die „Entwicklung“ der DJs im Tango wahr.
Und das sowohl phylogenetisch als auch ontogenetisch.
:-)

Ich finde es schön, dass hier im Forum gemeinsam am Negentropie-Export des Tangos gearbeitet wird. Ich halte es für goldrichtig, das Gute und das Schöne zu imbibieren und zu fördern.

In einem Artikel über diesen Artikel zog ein Gerhard neulich eine Parallele zwischen der von Dir oben beschriebenen vermittelnden Meinung eines Kurators und dem Fußballsport.
Er schrieb: „Die besten Schiedsrichter, so heißt es […], erkenne man daran, dass sie kaum auffallen“.

Das hat mich wiederum an einen Satz eines Nachfahren aus der berühmten Bach-Familie erinnert, den ich vor kurzem gehört habe:
“Ideally a government would not be perceivable. It should be frictionless. The more you notice the influence of the government, the more friction you experience, the less effective and efficient the government probably is. So, a government – game theoretically – is an agent that imposes an offset on your payout-matrix to make your Nash-equilibrium compatible with the common good.”
(https://youtu.be/P-2P3MSZrBM?t=6349)
Dem kann auch ich – als verkappter Anarchist – leider nur zustimmen…

Ich vermute, die o. g. Metaphern können eine Schwermut erzeugende Wahrheit für die „Crème de la crème“ der Tangoszene offenbaren. Ich hoffe aber natürlich, niemand der hier Mitlesenden muss eine regelmäßig oder länger andauernde Schwermut ertragen.

Die (zumindest von mir selbst erfahrene) Wahrheit lautet: Auf dem Weg zur Spitze wird es ggf. sehr einsam. Auch mit dem Geschenk des Tangotanzes habe ich diese Erkenntnis als Gratiszugabe erhalten.
Je mehr ICH von einer Materie zu verstehen glaube – desto stärker fallen mir auch die feinsten Feinheiten auf. Darunter auch die von mir als „positiv“ oder „negativ“ empfundenen.
Wenn solcherlei Polarität langsam als unangenehm empfunden wird… so kann die Veränderung des eigenen Bezugspunktes helfen. „8 Grad Celsius KÄLTE“ kann man sich jederzeit zu „8 Grad Celsius WÄRME“ umdeuten. So wird aus el invierno instantan la primavera.

Um der Qual mit den Qualia aus dem Weg zu gehen, tut man sich leichter (so meine Erfahrung), wenn man mit SEINER Entwicklung in einem Spezialgebiet, immer auch zeitgleich ein umfassendes Akzeptanzvermögen gegenüber jenen aufbaut, die ganz am Anfang einer (möglichen) Entwicklung stehen.
Nach meiner Wahrnehmung ist es für ALLE von Vorteil, wenn JEDER auch JENEN mit wachsendem Wohlwollen begegnet, die (scheinbar) auch nach vielen Jahren noch immer keine Entwicklung erkennen lassen.
JEDER hat das Recht auf SEINE individuelle Stagnation. Auch der Not-geborene Hilfs-DJ muss sich keinesfalls zum „DJ-Handwerker“ entwickeln, nur weil er regelmäßig auf Milongas auflegt. Großveranstaltung hin, Wohnzimmer her.
Auf einem Pfad zunehmender Akzeptanz (in Richtung Buddha-Natur) gelingt es MIR SELBST jedenfalls immer besser, mein eigenes Ego im Zaum halten.

Dadurch kann für mich wirklich JEDE Milonga zu einem schönen Erlebnis werden: LAS Morochas, LOS Laureles, LA Nacional, EL Corte, „XIER“ Destinotango oder einfach „DIER“ Tango im Brunnen.
Dadurch kann ich mit unterschiedlichsten Menschen traumhafte Tänze erleben – unabhängig von Musik, sogenanntem "Tanzniveau", Geschlecht oder allen anderen Unterschieden (denn wir sind NICHT alle gleich… und das ist gut so!).

…halt am schönsten ist es halt aber unter los Locos in Amsterdam – halt egal wer dort auflegt.
*Seufz* :-)


Vielen Dank für Deinen schönen Artikel,
ganz liebe Grüße,
Matthias

cassiel hat gesagt…

œMatthias
 
Ui, Du hast aber lang gechrieben. Vielen Dank. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Assoziationen zu Tage kommen, wenn man länger über ein Tangothema redet. Das ist verblüffend. Ich möchte kurz einen Gedanken aufgreifen, der mir beim Lesen Deiner Anmerkung unmittelbar eingefallen ist:
Mir ist das Festmachen von irgendeinem Gütekriterium an einen Raum, einen Ort sehr fremd. Natürlich gibt es beispielsweise Milongas mit unglücklich geformter Tanzfläche. Im schlimmsten Fall gibt es immer wieder dort Kollisionen (z.B. eine große „Zacke“ in der Tanzfläche, in der sich dann zwei Spuren einigen müssen), oder - als weiteres Beispiel - eine super-nervige Audio-Anlage.
Im Regelfall würde ich aber die Güte einer Milonga an den Besucherinnen und Besuchern festmachen. Es reichen eigentlich zwei oder drei rücksichtslose Tänzer um eine 100-Personen-Milonga in einen Bienenstöck zu verwandeln.

Unzweifelhaft gilt natürlich, dass man mit dem Verschieben des eigenen Toleranzpunktes auch scheinbar Unerträgliches dann irgendwie nehmen kann. Ich bin nicht immer sicher, ob ich diesen „Preis“ zahlen möchte. Ich kann auch gerne einfach nicht hingehen und andere schöne Dinge tun.

wirdschonwerden hat gesagt…

Ich denke, Cassiel, da hast Du den Matthias völlig missverstanden.

Setze Deine Toleranzschwelle auf null, treffe zumindest bezüglich Deiner Freizeitaktivitäten in jedem Moment die Entscheidungen, die Dich nachhaltig glücklich machen. Es gibt da nur eine lästige Bedingung:
Berichte uns ausschließlich, dass *Du* glücklich bist oder was *Du* anders machen wirst.

Alle komplexen Überlegungen , etwa ob es "wichtiger" ist, dass ein DJ technisch oder künstlerisch oder unterhaltsam (sic!) brilliert, sind völlig irrelevante Konstrukte des Egos und damit zusammenhängender suboptimaler persönlicher Entscheidungen.

B. G. hat gesagt…

Matthias und wirdschonwerden, plädiert ihr tatsächlich für "Beliebigkeit" bei Technik und inhaltlicher Gestaltung der Musik einer Milonga? Habe ich das richtig verstanden? Genau diese Haltung hat uns dahin geführt, wo wir jetzt stehen. Milongas mit Youtube-Daten und es wird in das Belieben des DJs gestellt, ob nun auch zweifelhafte Stücke von Juan Canaro gespielt werden oder nicht. Da kann man ja gleich zum Riedl nach Pornbach gehen und auf Peter Alexander tanzen.
Das kann es doch nicht sein!

Donato hat gesagt…

Hallo Cassiel! Danke für diesen Blog-Beitrag! Du hast alles Wesentliche angesprochen. Ich befürchte nur: Die im Beginner-Status Verharrenden lese hier nicht mit.
Aber egal, das soll dich/uns von Gedankenspielen nicht abhalten!
Herzliche Grüße!

wirdschonwerden hat gesagt…

Das hast Du nicht richtig verstanden, B. G.

Wenn ich einen guten Abend verbringen möchte, dann muss ich mindestens eine Stunde fahren. Die Tonqualität dort ist gut. Für den DJ hört bei Pugliese der Tango auf. Ich mogele schon mal eine Tanda Rafael Canaro oder auch Sexteto Cristal rein, aber das geht dann auf meine Kappe.

Und es gibt (ewige) Anfänger, die können einen guten Abend fast ohne Fahrerei verbringen. Und wenn der DJ-Pappkamerad neben den immergleichen bröseligen Tandas auch noch Lounge-Gedudel spielt, tanzen sie in Trance.

Wer ist denn nun besser (dran)? Wer will das entscheiden? Nach welchen Regeln?

Matthias hat gesagt…

Hallo, liebe/r B.G.,

mein Kommentar war nicht als Plädoyer für Beliebigkeit gedacht. Weder was Technik noch was Musik noch was andere Dinge betrifft.

Ich hatte geschrieben, dass ich es für goldrichtig halte, das GUTE und das SCHÖNE zu fördern.
Ich hatte sogar geschrieben, dass ich es SCHÖN finde, wenn wir alle (also hier im Blog – aber hoffentlich auch alle Teilnehmer auf jeder Milonga) gemeinsam die (Tango-)Negentropie exportieren.

Über Negentropie konnte ich in einem Online-Lexikon lesen: „Negentropie kann als ein Maß für die Abweichung einer Zufallsvariablen von der Gleichverteilung interpretiert werden. Da die Entropie (Unordnung oder Zufälligkeit) [= BELIEBIGKEIT?] einer gleichverteilten Zufallsfolge maximal ist, folgt, dass die Negentropie dieser Folge minimal wird.“

Vielleicht missverstehe ich die Semantik… in diesem Falle entschuldige ich mich für meine falsche Verwendung des Wortes Negentropie.

„Schönheit“ ist für mich jedenfalls alles andere als Beliebigkeit. Sie ist vielmehr ihr genaues Gegenteil.

Ob es eine einzelne Haltung war – oder ob es ganz viele Aspekte waren, die „uns“ dahin geführt haben, wo „wir“ am 30. Juli um 10:53 standen – dass vermag ich nicht zu ergründen.
Standen „wir“ denn etwa schon am Abgrund?

Was meine EIGENEN Wahrnehmung während des Tanzens betrifft, da kann ich immerhin sagen, dass für mich die jeweilige GEGENWART auf einer Milonga von Bedeutung ist.
Meine HEUTIGE Wahrnehmung meiner Erinnerungen, die ich von meinen vergangenen Milongas habe, die IST wirklich sehr schön.
Auch diese Erinnerungen erlebe ich übrigens immer nur in meiner GEGENWART.

Ich vermute, dass „Beliebigkeit“ und „Belieben“ etymologisch leider irgendwie zusammenhängen.
Trotzdem sehe ich keine Alternative dazu, es dem BELIEBEN des DJs zu überlassen, genau „die Musik“ auszuwählen, die er auswählt.
Andernfalls könnte er ja durch einen Zufallsgenerator ersetzt werden.

Evolution (= Negentropie-Export?) ist mit reinem Zufall eben genau NICHT möglich.
Nur durch Interaktion, durch Wechselwirkung, durch Reibung, durch GEMACHTE Fehler, durch Lernen, durch Anpassen, durch „Verbessern“, ist eine Evolution möglich.
Für all dies ist ein freier Wille notwendig.
Und zwar deswegen, weil es eine NICHT-deterministische Entscheidung zwischen mindestens zwei Zuständen geben MUSS.

Der DJ MUSS also wenigstens die WAHL haben, auch zweifelhafte Stücke von Juan Canaro zu spielen!
Er kann sich ja dann gerne DAGEGEN entscheiden. Aber die Entscheidungsfreiheit muss prinzipiell für ihn BESTEHEN.
Nur so kann das Gute auch noch morgen wachsen.

Stagnation ist eher selten – und meist nicht von langer Dauer.
Evolution oder De-Evolution sind die stabileren Formen.
Sorgen wir doch gemeinsam dafür, dass wir uns alle in einer Evolutionsphase des Tangos befinden!

Matthias hat gesagt…

In meiner persönlichen Tango-Evolution setzte ab ca. dem dritten oder vierten Jahr eine Entwicklung bei mir ein, die ich rückblickend als dogmatische De-Evolution bezeichnen würde.
Der Raum, den mir meine Paradigmen bezüglich Musik, Verhalten, Tanzstil, Tanzboden, etc. ließen, der wurde immer kleiner.
Meine Tango-facebook-Bekanntschaften nahmen dafür aber beachtliche Dimensionen an.

Und mein Ego wuchs.

Es gab ja schließlich genügend überregionale Bestätigung von wichtiger Seite.
Es gab auf einmal Tänzerinnen, auf die mein Ego kategorisch verzichtete.
Und natürlich KANNTE ich die Sänger, das grobe Jahr der Aufnahme und die Orchester mit Namen, von denen ich anderen Leuten abraten wollte, diese überhaupt erst kennenzulernen.
Was für ein armseliges Gefängnis…

Ich bin froh, dass ich nach etwa weiteren sieben bis acht Jahren meine Freiheitsgrade wieder erweitern und meinen Entscheidungsraum wieder vergrößern konnte.
Heute ist mein Tango-Entscheidungsraum so groß wie nie zuvor. Ich bin gelegentlich sogar versucht zu glauben, ich besäße einen freien Tango-Willen.
:-)

Warst Du eigentlich schon einmal in Pörnbach, auf der Wohnzimmer-Milonga von Gerhard Riedl?
Du hörst Dich an, als wäre das völlig ausgeschlossen für Dich.
Ich war dort leider noch nie.
Alle Wohnzimmer-Milongas, auf denen ich aber bislang schon getanzt habe, die habe ich in ganz großartiger Erinnerung.
Wäre Pörnbach für mich nicht eine ganze Tagesreise entfernt, so wäre ich schon längst Gerhards Einladung gefolgt. Ich bin mir sicher, dass ich dort HEUTZUTAGE ganz hervorragend zum gegenseitigen Amüsement aller Anwesenden teilnehmen würde.

Immerhin hatte ich aber schon regen und auch sehr kontroversen Schriftverkehr mit Gerhard (privat und auch öffentlich auf seinem Blog). Ich bin oft nicht seiner Meinung.
Aber wie weiter oben gesagt: Reibung ist der Evolution dienlich.
Ich sende Dir und auch allen anderen

viele liebe Grüße,
Matthias

wirdschonwerden hat gesagt…

Ich hoffe auch schwer, dass ich bei einer Wohnzimmermilonga von Gerhard Riedl mit allen Anwesenden einen angenehmen Nachmittag verbringen würde.

cassiel hat gesagt…

Ich war am Wochenende beim Tango und sehe, alle sind hier wunderbar ohne mich klar gekommen. Sehr schön! Zu den letzten Anmerkungen mag ich mich allerdings noch kurz äußern.

@wirdschonwerden (Anmerkung #31)
Ich hoffe, ich habe Deinen Text jetzt richtig verstanden (ich weiß nicht genau, wann Du Dich auf Matthias beziehst und wann Du eigene Gedanken formulierst).
Ich bin nicht sicher, ob wir uns einen Gefallen tun, wenn wir alles in den Bereich der „Beliebigkeit“ verschieben. Es wäre schön, wenn sich DJs bei der Gestaltung und beim technischen Ablauf der Milonga Mühe geben. Das sind m.E. keinesfalls „irrelevante Konstrukte“, sondern da leidet die Qualität im Tango (über den Begriff „Qualität“ müssten wir dann gesondert noch einmal debattieren).

@B. G. (Anmerkung #32)
Ich sehe es ähnlich wie Du: „Beliebigkeit“ oder persönlich Präferenz von der bzw. von dem DJ wird uns mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht weiter bringen.

@Donato
Danke für Deine Rückmeldung. Mir ist auch Entwicklung im Tango wichtig. Dafür ist man selbst verantwortlich. Wenn jemand also im „Beginner-Status“ bleiben möchte, muss das prinzipiell okay sein. Nur sollte dann bitte nicht gleich „elitär“ geschrieen werden, wenn sich andere weiterentwickeln.

@wirdschonwerden
Du erwähnst die Regeln? Es gibt keine. Was es aber sehr wohl gibt ist eine sog. best practice und m.E. gehören Rafael Canaro bzw. Sexteto Cristal einfach nicht dazu. Nach meiner Wahrnehmung führt solche Musik (besonders das Sexteto Cristal) eher vom Tango weg, als zum Tango hin. Warum legst Du so etwas auf? Viento Norte vom Sexteto Cristal ist in meiner Wahrnehmung beispielsweise sterbenslangweilig (verglichen mit dem Original von Típica Victor). Warum also eine billiges Remake spielen? Geht es da um ein Alleinstellungsmerkmal, um die akustisch moderner klingende Aufnahme? Warum?

@Matthias
Es kann unter ganz besonderen Umständen Sinn machen, Juan Canaro in der Milonga zu spielen. In fast allen Fällen, in denen ich diese Musik in der Milonga gehört habe, lagen diese Umstände aber nicht vor. Es ist eine Musik, die für (hauptsächlich) europäische Hörgewohnheiten geschrieben und gespielt wurde.
Isoliert betrachtet ist es ja auch kein großes Problem, nur ist aber auch klar, dass für jede weniger geeignete Tanda, die ich spiele, ein großartiges Orchester aus dem Set fällt. Wenn pro Stunde Raum für 5 Tandas ist, dann spielt man in der fünfstündigen Milonga 25 Tandas. Die Zahl der wirklich großartigen Orchester liegt aber schon bei mindestens 20. Damit sind dann aber noch nicht die verschiedenen Perioden, Sänger oder Stile abgedeckt. ich habe Milongas erlebt, in denen kein di Sarli, kein Caló, kein Troilo, kein Tanturi gespielt wurde - dafür aber die Canaro-Brüder, Quintin Verdú und ähnliche „Spezialitäten“. Ja, das halte ich für einen „Fehler“.
Du erwähnst den Begriff der „Evolution“. Klar entwickelt sich der Tango weiter (in Europa sogar vermutlich deutlich anders als in Argentinien). Aber in der Frage der Muusik haben wir das Problem, dass die großartige Zeit in Bs As endgültig vorbei ist und kein modernes Orcherster auch nur ansatzweise an diese Qualität heran kommt.
Zu Deiner Frage bezügl. der Wohnzimmer-Milonga von Gerhard: Nein, selbst wenn der höchst unwahrscheinliche Fall einträte und ich eingeladen würde, ich würde da nicht hingehen. Ich vermute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, dass ich dort meinen Tango nicht finden werde. Wenn Gerhard dort mit seinen Gästen ein Format gefunden hat, das ihn und die Anwesenden glücklich macht finde ich das prinzipiell begrüßenswert. Sein Konzept nun zu verallgemeinern halte ich dann doch für … … … „verwegen“.

wirdschonwerden hat gesagt…

@Cassiel, nun halte Dich mal an die von Dir aufgestellten Prioritäten!
Oben steht eine ausgeglichene Orchesterverteilung. Wurde "kein di Sarli, kein Caló, kein Troilo, kein Tanturi" gespielt? Meine Innenrevision sagt, es waren alle dabei, also Haken dran:

Cnt Orchestra
--- ------------------------------------------------------------
8 Aníbal Troilo
8 Juan D'Arienzo
8 Rodolfo Biagi
7 Edgardo Donato
7 Miguel Caló
7 Ángel D'Agostino
4 Alfredo De Angelis
4 Carlos Di Sarli
4 Héctor Varela
4 Lucio Demare
4 Orquesta Típica Victor
4 Osvaldo Fresedo
4 Osvaldo Pugliese
4 Ricardo Malerba
4 Ricardo Tanturi
3 Florindo Sassone
3 Francisco Lomuto
2 Francisco Canaro
2 Quinteto Pirincho d. Francisco Canaro

Dort hätte man auch auf eine Tanda mit Rafael Canaro getanzt, vielleicht nach kritischen Blick auf die übergroße Anzeigetafel. Da könntest Du trotzdem zu mir kommen und fragen, was das nun sollte. Dann würdest Du die Wahrheit zu hören bekommen: dass meine Freundin auf "La mélodie de notre adieu", Sänger Roger Toussaint, tanzen wollte. Pech, Du wurdest von höherer Warte überstimmt.

Von Sexteto Cristal hatte ich mal eine Milonga-Tanda gespielt. Da kam Freude auf, das lief richtig gut. Wohl auch wegen der akustisch moderner klingende Aufnahme. Übergroße Auswahl sehe ich bei Milongas sowieso nicht. Tja.

cassiel hat gesagt…

@wirdschonwerden
 
Hier findet garantiert keine DJ-battle statt. Fühle Dich doch bitte nicht angegriffen, wenn ich über meine Ansichten schreibe und das Aufzählen von Titeln von verschiedenen Orchestern in Deiner Anmerkung sagt leider relativ wenig über die Milonga aus. Entscheidend ist, wieviele Besucherinnen und Besucher gut tanzen. Ich will Auflegen garantiert nicht zu einem Ego-Vergleich verkommen lassen.
Bei dem Thema (übergroße) Anzeigetafel bin ich sehr zurückhaltend. Es kann auch stören (oder wie ich es erlebt habe in einer „Ausführung“ mit Anzeige der folgenden Tanda: In der Cortina wurde schon die nächste Tanda klar gemacht). Aber ich will noch einmal über das Thema nachdenken. Wahrscheinlich bin ich nur zu faul zum Programmieren. :-)

Trotzdem vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich muss leider wieder Arbeiten.

wirdschonwerden hat gesagt…

@Cassiel,
ich habe ein Foto der "übergroßen Anzeigetafel" im TDJF zur Diskussion gestellt.
Bei der wöchentlichen Milonga, mit über 90 Teilnehmern auf einen Werktag hin durchaus ein Schwergewicht, wird so oder so auch während der Cortina aufgefordert.

B. G. hat gesagt…

Wirdschonwerden, na gut. Jetzt wissen wir alle wer du bist und welche tollen Milongas du auflegst. Nimm es mir bitte nicht übel, aber das erscheint mir zu ehrgeizig. Hättest du es vielleicht etwas kleiner und bescheidener? Es gibt auch einige andere DJs neben dir, die gute Arbeit machen und sich vorab ihr Konzept überlegen. Musst du jetzt deine Karriere mit der Brechstange in die Spitzengruppe bringen und immer darüber schreiben? Das wird vermutlich so nichts. Wer zu viel in Blogs und Facebookforen schreibt, der läuft Gefahr, das Wesentliche aus dem Fokus zu verlieren. (Just my two cents)

cassiel hat gesagt…

Nur ganz kurz: Ich wiederhole meine Bitte zu einem kooperierenden Gesprächsstil. Für Aufgeregtheiten bitte ich in andere Ecken des Internets umzuziehen. Vielen Dank und weiterhin schönes Diskutieren.

wirdschonwerden hat gesagt…

Hier macht man was mit!

Ich finde es toll, wenn jeder sein Wissen zur Verfügung stellt. Der eine weiß was über Tanda-Zusammenstellung, der andere kennt Matrizennummern auswendig, jemand hat eine Meinung zu Hardware oder programmiert Software, jemand berichtet von Erfolgen mit Juan Canaro oder Peter Alexander.

Aber das sind doch alles nur Informationen, dabei bleibt es doch ins Belieben gestellt, was wie auf einer Milonga aufgelegt wird - letztendlich allerdings in das Belieben des Veranstalters. Und natürlich muss im Zweifel kein Besucher hingehen, ich schon gar nicht.

Anonym hat gesagt…

Der Riedel schon wieder! Hast Du es gesehen? Schreibst Du nichts dazu?

http://milongafuehrer.blogspot.com/2022/09/der-pulverdampf-vergangener-schlachten.html

cassiel hat gesagt…

@Anonym (9.9.22) 

Jetzt habe ich den Artikel bei Gerhard gelesen (der übrigens mit Familiennamen Riedl heißt). Inzwischen habe ich den Text gelesen und nein, ich möchte dazu nicht schreiben. Ich habe gerade nachgesehen und festgestellt, dass die von Gerhard beschriebene Episode 8 Jahre zurück liegt. Irgendwann ist es dann auch gut.

wirdschonwerden hat gesagt…

Wo ich gerade nochmal vorbei komme:
"Ich lege selbst auf und der Preis, den man zahlt..."

Man sollte nicht vergessen, dass viele Besucher mit mittelprächtigen DJs gut über den Abend kommen, sonst wären diese Besucher und DJs nicht dort.
Ich habe mich letztens auch gefragt, warum die Auswahl altbacken und der Sound basslastig ist, zwischen den Tracks keine Pausen und die Cortinas zu kurz sind. Aber hey, bevor ich selbst meine Titel durchgehört und sortiert habe, in vielleicht 100 Stunden rund 200 Stücke durch bessere Transfers ersetzt habe, habe ich bei demselben DJ noch nicht klagen können. Ich denke da liegt auch die Ursache der Misere, viele altgediente DJs werden diesen Aufwand nicht mehr stemmen können oder wollen. Und viele angehende DJs werden die Vorstellung, Musiktitel nicht von Spotify&Co. zu streamen, krass abwegig finden.

Was das Berufsbild im musealen Umfeld angeht, ich sehe den DJ dort klar als Gruppenführer. Zumeist ohne akademische Ausbildung und Wissen muss er mit Präsenz überzeugen und die Meute durch die vorhandenen Exponate navigieren, ohne dabei unbedacht etwas vom Sockel zu stoßen.

cassiel hat gesagt…

@wirdschonwerden 

Das ist m.E. kein Argument („Besucher wären ja sonst nicht da“). Da bestimmt wohl eher das knappe Angebot das Handeln.

Ich war vor gut einer Woche bei so einer super-traurigen Milonga. Ein Trio (intressanterweise bestehend aus vier Musikerinnen und Musikern) versuchte sich an Piazzolla und Schlagern in einer Art Tangoform. Ich kannte niemanden in der Milonga (die so schlecht ausgeleuchtet war, dass es schwierig war, eine Tanzpartnerin einzuladen), aber ich bin schon klar gekommen. Glücksgefühle konnten sich allerdings nicht entwickeln. Für meine Wahrnehmung hat man einmal mehr deutlich sehen können, wie schlechte oder lieblos ausgewählte Musik, schlechte Tänze begünstigt. Das war wirklich auffällig.

Dein Argument mit den 100 Stunden habe ich wohl nicht so richtig verstanden. Meinst Du, die DJs kaufen nicht mehr, weil das Einpflegen in die bestehende Sammlung zu viel Zeit kostet? Das kann ich nicht verstehen. Es ist zwar etwas Aufwand, ID3-Tags in das „richtige“ (also: eigene) Format zu bringen, aber das sollte bei einer neuen CD nicht länger als 10 Minuten dauern.

Beim Thema Streaming bin ich mal gespannt, wohin die Reise gehen wird. Nach meinen bisherigen Erfahrungen sind Milongas mit WLAN wohl eher die Ausnahme als der Normalfall (mal ganz abgesehen von den Qualitätsfragen).

wirdschonwerden hat gesagt…

Ein guter DJ kann durchaus den Unterschied zwischen einer betrüblichen und einer begeisternden Milonga ausmachen. Aber m.E. vor allem, indem er auf eine Minderheit von erfahrenen Tänzern einwirkt, nicht nur über die Musik sondern auch durch seine Präsenz. Die Mehrheit der Teilnehmer bekommt, jenseits von störender Lautstärke und Rauschen, davon wenig mit. Und die Schätzungen im TDJF, wie viele Tänzer ihren Besuch einer Veranstaltung vom DJ abhängig machen, lagen ja so um die 5%.

Um zwanzig Titel ins eigene Tag-Format zu bringen brauche ich auch nicht länger als 10 Minuten. Durchhören, Checks gegen tango.info oder el-recodo, Hörvergleich mit anderen Transfers oder Aufnahmedaten oder anderen Orchestern, in bestehende Tandas einpflegen oder auch nicht ... eher 100 Minuten.
Also ich gehe davon aus, dass manche DJs ihre gesamte Technik, vom veralteten Betriebssystem, über obskure Musik-Player und abgenudelte Tandas, bis hin zu fragwürdigen Musikdateien, nicht mehr substantiell anfassen wollen oder können.

Beim Streaming gehe ich davon aus, dass Titel für einen Offline-Betrieb vorab (DRM-verschlüsselt) herunter geladen werden können. Und bei mancher professioneller DJ-Software ist es auch möglich, Streamingdienste zu integrieren.

cassiel hat gesagt…

@wirdschonwerden 

Schön, dass Du noch einmal geschrieben hast. Mich stört ein wenig, dass Deine Äußerungen u.U. so verstanden werden können, als wäre jedes Bemühen um eine sensiblere Auswahl und einen besseren Klang schon im Ansatz vergeblich. Das sehe ich erheblich anders.

Nur weil (gefühlte) 80 - 90% der Milongas erhebliche inhaltliche und technische Defizite aufweisen wollen die Tänzerinnen und Tänzer trotzdem tanzen. Leider bleiben sie häufig weit hinter ihren tänzerischen Möglichkeiten zurück. Damit kann man den Tango auch umbringen.

Wieviel Zeit man für neue Stücke in der eigenen Tangothek braucht, werden wir nicht abschließend erörtern können. Ich denke, es geht erheblich schneller als die von Dir veranschlagten 100 Minuten pro CD (also etwa 20 Titel). Meistens kennt man die Quellen und damit ist sowieso klar, was einen qualitativ erwartet.

Die Qualität von Streamingdaten ist derartig lausig, dass ich inständig hoffe, niemand wird ernsthaft auf diese Idee kommen.

wirdschonwerden hat gesagt…

Moin Cassiel!

Ich weiß ja genau was Du meinst ... aber für mich liegen 80 - 90% der Milongas per Definition im Normalbereich. Das ist offenkundig eine Situation, die allgemein so toleriert und in Abwägung der Ressourcen und Prioritäten implizit so gewollt ist.

Ich erwarte von einem DJ einen guten Klang, so wie ich von einer Thekenkraft ein sauberes Glas erwarte. Aber wo ersteres nicht der Fall ist, ist ja ein persönlilches Erklärungsmodell durchaus hilfreich. Wenn die Bässe dröhnen oder die Höhen klirren würde ich in Anbetracht des Alters mancher DJs auch eine fortgeschrittene Beeinträchtigung des Hörvermögens nicht ausschließen. Für Gäste mit hochsensitivem Hörvermögen dürfte das dann wenig erquicklich sein.
Wo Pausen zwischen den Titeln fehlen bzw. krass variieren oder die Cortinas zu kurz sind, gehe ich eher von Faulheit des DJ aus.

Vielschichtig wird es bei einer sensibleren Auswahl von Titeln. Sensibel gegenüber wem oder was? Der Kultur der Tangomusik? Dem eigenen Verständnis der Aufgabe? Übergeordneten Regeln? Dem Veranstalter als Auftraggeber? Den interessierten Stammgästen?
Spätestens wenn prototypisch eine nette Dame kommt und nach "Romantica Milonguera" fragt, ist Sensibilität gefragt.

cassiel hat gesagt…

@wirdschonwerden 

Vielen Dank für Deinen erneuten Beitrag. Ich denke, wir haben komplett unterschiedliche Ansätze. Bei mir regt sich leiser Protest bei der Verwendung von Relativierungen („Normalbereich“ oder „Abwägung der Ressourcen und Prioritäten“). Das hat den Tango nach meiner Einschätzung noch nie weitergebracht und derartige Überlegungen haben dazu geführt, dass einige im Tango (Veranstaltende und DJs) ganz bequem so weiter machen wie bisher. Das macht erheblich weniger Arbeit und funktioniert offenbar. Welches Beispiel wird da für nachwachsende Tänzerinnen und Tänzer geboten?

Martin Ziemer hat gesagt…

Danke auch Cassiel, und ja, kann gut sein dass sich unsere Ansätze unterscheiden. Ich gehe davon aus, dass alle Beteiligten davon überzeugt sind richtig zu handeln - sonst würden sie das ja anders tun - und dass es sehr mühsam werden würde sie davon abzubringen. Deswegen bin ich aber nicht schuld an der Situation. Wenn, dann sind m.E. die schuld, die sich ganz sicher sind, wie man Milongas attraktiver gestalten kann ... das aber nicht umsetzen.

Wenn man sich ganz sicher ist, dass das eigene Musikauflegen den Unterschied macht, dann ist es doch einfach: man geht zum Veranstalter einer geeigneten regelmäßigen Milonga und sagt, das die Hälfte mehr in seiner Kasse sein wird, wenn man dort DJ ist. Weil entweder die Hälfte mehr Besucher kommt oder man die Differenz ausgleichen wird. Wenn man sich ganz sicher ist, dann geht man ja null Risiko ein.

Problematisch wird es nur, wenn man anfängt argumentativ rumzueiern, weil die Attraktivität der eigenen Musikpräsentation vielleicht doch nur für eine Wohnzimmermilonga ausreicht.

cassiel hat gesagt…

@Martin Ziemer (ich gehe einmal davon aus, dass Du bislang unter wirdschonwerden kommentiert hast) 

Vielen Dank für Deinen erneuten Beitrag. Du schreibst davon, „dass alle Beteiligten davon überzeugt sind richtig zu handeln“. Das Statement versehe ich einmal vorsichtig mit einem großen Fragezeichen. Ich befürchte, für viele DJs ist es einfach mit zu viel Aufwand verbunden, sich einmal hinzusetzen und das eigene Handeln zu überdenken. (Das gilt übrigens auch für Veranstaltende.)

Ich denke, es ist - drastisch formuliert - schlichte Ignoranz. Etwa unter der Überschrift: „Warum soll ich etwas ändern, wenn es funktioniert“. Da spielt leider Facebook auch eine eher unglückliche Rolle. Ich habe Milongas erlebt, die waren wirklich schlecht. So gegen 23 Uhr wurde es spürbar leerer, weil die Anwesenden aufgegeben haben und gegangen sind. Liest man dann die Lobeshymnen später bei Facebook überfällt einen der Gedanke, ob die Urheber vielleicht doch auf einer anderen Milonga waren.

Umsatzsteigerungen der Veranstaltenden um 50% finde ich eine gewagte Prognose. Damit würde ich persönlich nie argumentieren. Da ist mir das Abwarten bis ich gefragt werde die deutlich angenehmere Variante.

Ich beobachte den DJ-Markt sehr genau und ich registriere die Kandidatinnen unbd Kandidaten, die mit aller Macht in diesen Markt drängen. An einem gewissen Punkt perpetuiert sich der Wahnsinn dann von allein. „Die (oder der) muss gut sein, weil die (oder der) so häufig auflegt.“ Damit schreiben wir diese fragwürdigen Ereignisse selbst fort.

Martin Ziemer hat gesagt…

Nun gut, Cassiel, man kann es für richtig halten abzunehmen und es trotzdem nicht tun. Nur ... in dem Fall wird man es auch dann nicht tun, wenn man sein Versagen vorgehalten bekommt, sowas ist also im Allgemeinen sinnlos.

Und ich denke, dass die Tangotänzer genau die Veranstaltungen besuchen die ihnen Bedürfnissen entsprechen, sie mithin ihr Geld dorthin tragen. Dass sie "eigentlich ganz anders" sind, aber von allgegenwärtiger Werbung davon abgehalten werden genau so zu sein wie ich es gerne hätte, scheint mir hingegen unwahrscheinlich. Wenn ich gelegenlich auf meiner Stamm-Milonga auflege, dann ist es mir auch egal, ich kann spätestens die Woche darauf vom Stamm-Publikum reales Feedback erwarten.

Vieles ist ja nicht direkt greifbar, aber bei einem Encuentro habe ich mal auf die Audio-Devices geschaut. Einen DJ hatte ich verpasst, einer benutzte gleich den Kopfhörerausgang, einer das billige Plastikkästchen dass ich als Ersatz vorhalte, einer benutzte die Soundkarte im praktischen kleinen DJ-Controller den ich selbst verwende, einer hatte ein DAC-Gehäuse aus gebürstetem und eloxiertem Aluminium auf dem Tisch. Die Anlage war sowieso sehr bescheiden, das Wochenende eines der besseren, das Leben ist nun mal bunt.