Montag, 6. Dezember 2010

Für die neue Woche 91: Juan D'Arienzo, Hector Mauré - Si la llegaran a ver

In der Letzten Zeit nähere ich mich freundlich dem Tango von Juan D'Arienzo. Das ist nicht so einfach. Juan D'Arienzo gehört zu den vier "Repertoire-Giganten" (neben: Osvaldo Pugliese, Anibal Troilo und Carlos Di Sarli). Natürlich haben auch ander Interpreten sehr viele Einspielungen vorgelegt (etwa Alfredo de Angelis oder Francisco Canaro) aber die eingangs erwähnten vier Interpreten sind in ihrer Individualität und Charakteristik eine m.E. unverzichtbare Säule einer jeden Milonga - auch wenn das Spätwerk des jeweiligen Interpreten ebenfalls "schwächer" wird.

Für mich war der Zugang zur Musik von Pugliese und Di Sarli vergleichsweise einfach. Troilo war schon ein Stück Arbeit und D'Arienzo liegt noch vor mir. Die Musik ist komplex (und ich kann sie bestimmt nicht adäquat tanzen) aber ich möchte mit der Musik vertrauter werden. Vielleicht gelingt eine Annäherung über die wichtigsten Sänger (Alberto Echagüe, Hector Mauré, Armando Laborde... um einmal einige zu nennen).

Ursprünglich wollte ich Enamorado (Metido) auswählen, aber leider habe ich keine Version zum Einbinden gefunden. An diesem Tango schätze ich nämlich das prägnante Piano-Solo. Da wird für mich sehr viel Energie transportiert. Aufgrund des Angebotes an Titeln zum Einbinden musste ich dann auf Si la llegaran a ver ausweichen. Eine Einspielung aus der Zeit. In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf einen Artikel im Blog von Michael Lavocah hinweisen: Who was that pianist again? Da gibt es eine gute Übersicht über die einzelnen Musiker, die mit dem König des Rhythmus' jeweils zusammengearbeitet haben. Eine ausführliche Diskografie mit den Aufnahmen von Juan D'Arienzo findet sich hier. Natürlich darf auch der Hinweis auf die Informationen bei deu.tango.info nicht fehlen.

Si la llegaran a ver - Juan D'Arienzo (mit: Hector Mauré), eine Aufnahme vom 28. September 1943:

Direkter Link zum Titel bei goear.com.

Allen Leserinnen und Lesern einen guten Start in die neue Woche (und eine angenehme Nikolausüberraschung).

6 Anmerkung(en):

tangopeter hat gesagt…

Eine kleine Ergänzung zum Hinweis auf den Blog von Michael Lavocah:
Hier gibt es eine Übersicht, welche Musiker wann in einigen
wichtigen Orchestern gespielt haben.
Von wem die Tabelle stammt, habe ich leider nicht herausbekommen.

cassiel hat gesagt…

@tangopeter

Dein Kommentar wurde leider als SPAM angesehen und automatisch aussortiert. Ich habe ihn gerade freigegeben.

Sorry

Danke für den Link!

Uralt hat gesagt…

Es ging mir mit d'Arienzo ähnlich wie dir. Die ersten
2 bis 3 Jahre konnte ich mit d'Arienzo, noch mehr mit Biagi, nichts anfangen. Ich musste zuerst die raffinierten rhythmischen Spiele die man beim Tanzen mit dieser Musik machen kann erkennen und lieben lernen.

Die meisten Tangos sind, und das ist nicht nur meine Meinung, ziemlich einfach gestrickt. Spricht man nicht umsonst beim Tango von einer urbanen Folklore. Die Raffinesse haben die verschiedenen Orchester mit dem Arrangement in die Musik gebracht. Aber auch bei den Arrangements sind d'Arienzo und Biagi eher auf der einfachen Seite geblieben. Der Verdienst dieser beiden Orchester war es, dem Tango den Drive gegeben zu haben, der die Tänzer vom Hocker holt.

Tangoloco hat gesagt…

Hier noch zwei nette Zitate zum Thema:
"D'Arienzo es Rock'n'Roll" - habe ich diverse Poteños sagen hören, z. B. Julio Balmaceda.
"D'Arienzo zwingt zum Tanzen, Donato lädt ein zum Tanzen." – Quelle vergessen.
Die Profimusiker, mit denen ich über D'Arienzo sprach, rümpften eher die Nase. "Das ist doch keine Musik" war der härteste Kommentar.
Mir egal, ich tanz ihn trotzdem gern.

Florian hat gesagt…

Hier ein Profimusiker, der seine Kollegen gerne wiederspricht. In gewissener Art ist d'Arienzos Musik sicherlich einfacher als manche andere Tangomusik, aber trotzdem ist es unglaublich vernünftig gemacht. Und Profimusiker kann man gerne daran erinnern, dass Brahms grosse Bewunderung für Johann Strauss Jr. hat, noch so ein Publikumsliebling für wen Musiker gerne die Nase rümpfen...

chamuyo hat gesagt…

Den Profimusikern, die behaupten, d'Arienzo sei keine Musik, würde ich anraten, sofern sie Tango überhaupt spielen, es mal selber so zu spielen wie d'Arienzo.
Wenn es ihnen denn auch nur annähernd gelingt so zu klingen, würde das erstens schlagartig deren finanzielle Misere lindern, und zweitens würde sich die ewige Diskussion darüber, ob Live-Musik auf den Milongas etwas zu suchen hat oder nicht, erübrigen.
Was mir ein Profi verraten hat auf die Frage, warum denn heute keiner so spielen kann wie die Alten, war einfach und ohne jede Ironie gemeint: wir sind nicht so gut.