„Wie können wir eigentlich sicher sein, dass der Kanon der Stücke der EdO vollständig ist?“ Mit dieser scheinbar flott und eher sorglos formulierten Frage überraschte mich ein Tango-DJ in einer privaten Kommunikation per eMail und ich habe im ersten Moment falsch reagiert und geantwortet: „Überhaupt nicht – wir können niemals wirklich sicher sein.“ Natürlich ist diese Antwort zunächst korrekt, aber sie behindert bei der gründlichen Auseinandersetzung mit dem musikalischen Werk der großen Tango-Interpreten. Mich hat die Frage noch ein wenig verfolgt und so entschloss ich mich dann, an einem Beispiel eines Interpreten, genauere Untersuchungen anzustellen. Aus praktischen Gründen habe ich mir einen Interpreten mit einem eher beschränkten Repertoire herausgesucht. Rodolfo Biagi hat (wenn man seine ersten beiden Aufnahmen Solo-Piano bei RCA-Victor aus dem Jahr 1927 mit einbezieht) bei vier Plattenfimen aufgenommen und insofern eine beinahe typische Karriere eines Musikers der EdO (allerdings mit deutlich kleinerem Repertoire) durchlebt.
Ich fasse hier noch einmal den Gang meiner Studien zusammen um denjenigen unter den Leserinnen und Lesern, die sich mit ähnlichen Fragen beschäftigen, einmal aufzuzeigen, wie man sich einer Antwort annähern kann. Sicherlich ist es wieder ein stark spezialisiertes Thema; insofern muss ich die Teile der Leserschaft, die gerne Texte zu allgemeineren Themen lesen würden, erneut vertrösten.
Cassiels vollkommen überflüssiges deutschsprachiges Tango-Blog
Dienstag, 10. März 2015
Freitag, 30. Januar 2015
Der Tango innerhalb und außerhalb der Milonga und die Spieltheorie
Ich habe viel nachgedacht und nun versuche ich einmal, meine Überlegungen in einem Artikel schriftlich zu fixieren. Bevor es aber losgeht gibt es hier eine eindringliche Warnung: Der folgende Text hat den Status „Work in progress“; es sind Überlegungen, die vielleicht sogar auf den ersten Blick sehr wenig mit dem Tango zu tun haben. Leserinnen und Leser, die schnelle Lektüre und eine hohe Faktendichte erwarten, werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit enttäuscht sein. Deswegen meine ausdrückliche Warnung vorab: Wer sich nicht auf ungewöhnliche, höchst subjektive Gedanken einlassen kann oder will, wer nicht etwas nachdenken möchte und wer es nicht aushält, dass dieser Artikel in letzter Konsequenz keine Antworten gibt, sondern im Optimalfall nur neue Fragen produziert, der sollte einfach auf die Lektüre verzichten. Allen anderen versuche ich meine Gedanken einmal aufzuzeigen und bin gespannt, welche Reaktionen, andere Ansichten und weiterführenden Gedanken, ich in Anmerkungen vielleicht noch lesen werde.
Vorbemerkungen
Im Zusammenhang mit meinem vorletzten Blogpost (einige Gedanken zum Jahreswechsel) habe ich noch einmal in dem wunderbaren Podcast alternativlos.org von Frank Rieger und Fefe gestöbert. Es ging um die Frage, wie sich die Kommentarkultur im Internet gewandelt hat. Der Podcast Alternativlos behandelt in unregelmäßig erscheinenden Ausgaben gesellschaftliche Phänomene und die beiden Autoren unterhalten sich jeweils mit einem Gast über ein entsprechendes Thema. Ich will jetzt nicht auf die Erkenntnisse zum Wandel der Diskussionskultur im Internet näher eingehen (Interessierte können sich die Folge 31 zu diesem Thema anhören). In diesem Zusammenhang fiel mir dann auch die Folge 29 mit dem Gast Frank Schirrmacher zum Thema Weltbildmanipulation auf. Ich lud mir die knapp 2 ¾ Stunden lange Folge herunter und hörte sie in der letzten Woche während der Hin- und Rückfahrt zu einem etwas entfernter gelegenen Tangokurs. Ganz grundsätzlich finde ich die Auseinandersetzung mit neuen, möglicherweise zunächst auch eher unhandlichen, Gedanken immer spannend. Und dann erlebte ich in der Folgezeit den Verlauf der Diskussion zum letzten Gastbeitrag: Fotografieren im Tango. Ich hatte aber im Hinterkopf den Gedanken der Entscheidungs- bzw. Spieltheorie aus der Unterhaltung von Frank Rieger und FeFe mit Frank Schirrmacher, dem leider sehr früh im letzten Jahr verstorbenen Leiter des Feuilletons und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.Donnerstag, 15. Januar 2015
Gastbeitrag von Felix A. Bergmann: Fotos auf Milongas, Encuentros usw.
Ein Thema, das mir schon seit Jahren am Herzen liegt (siehe dazu auch meinen Artikel aus dem Jahr 2009: Ewald der Event-Fotograf), wurde nun noch einmal sehr gründlich in einem Gastbeitrag von Felix bearbeitet - er schickte mir seine Sicht der Situation Anfang der Woche. Mir wäre es wichtig, dass über dieses Thema noch einmal breiter debattiert wird; insofern veröffentliche ich den Text ungeändert. Felix und ich freuen uns über weiterführende Gedanken und konstruktive Diskussionen in den Anmerkungen.
Es gibt Milongas, die habe ich mal sehr gern besucht. Das war vor der Zeit, als es modern wurde, auch auf lokalen, allwöchentlichen oder monatlichen Tanzveranstaltungen allenthalben zu fotografieren und anschließend auf Facebook imposante Bilderstrecken zu veröffentlichen. Den Fotografen beschert das regelmäßig viele„Likes“ und Kommentare wie „danke für die tollen Fotos“ o. ä. Diese Reaktionen dürften zeigen, dass es vielen TänzerInnen offenbar gefällt, in Nahaufnahme abgelichtet zu werden und die Bilder hernach im sozialen Netzwerk veröffentlicht zu sehen, nicht selten gar mit Namensnennung.
Es gibt Milongas, die habe ich mal sehr gern besucht. Das war vor der Zeit, als es modern wurde, auch auf lokalen, allwöchentlichen oder monatlichen Tanzveranstaltungen allenthalben zu fotografieren und anschließend auf Facebook imposante Bilderstrecken zu veröffentlichen. Den Fotografen beschert das regelmäßig viele„Likes“ und Kommentare wie „danke für die tollen Fotos“ o. ä. Diese Reaktionen dürften zeigen, dass es vielen TänzerInnen offenbar gefällt, in Nahaufnahme abgelichtet zu werden und die Bilder hernach im sozialen Netzwerk veröffentlicht zu sehen, nicht selten gar mit Namensnennung.
Sonntag, 28. Dezember 2014
… und noch ein Jahresrückblick 2014
In den vergangenen Tagen habe ich verschiedenste Beiträge bei Facebook als Jahresrückblick 2014 gesehen. Die Datenkrake hat auch mich mehr als nachdrücklich aufgefordert, meinen Jahresrückblick in Fotos mit der einleitenden Textzeile: „Es war ein tolles Jahr! Danke, dass du ein Teil davon warst.“ zu veröffentlichen. Nun ist mein Jahr in Bildern nicht so spannend und deswegen verlege ich mich auf das Schreiben. Zunächst stellt sich für mich die unmittelbare Frage, ob denn so ein persönlicher Jahresrückblick überhaupt Sinn macht. Ich habe mich (nach längerem Überlegen) dann doch entschieden. Vielleicht findet so manche Leserin und so mancher Leser einen Impuls für den eigenen sehr persönlichen Rückblick auf den eigenen Tango im Jahr 2014. Neben all den anderen Aktivitäten in meinem Leben hat der Tango natürlich eine große Rolle gespielt - auch wenn mich bisweilen die Befürchtung beschleicht, dass ich mich hinter meinen vielfältigen Tango-Aktivitäten auch so manches Mal verstecke. Insofern tendiere ich momentan dazu, den Tango etwas zurück zu schrauben. Aber darüber schreibe ich vielleicht einen gesonderten Beitrag.
Mein persönlicher Tango als Tänzer
Es ist keine Koketterie; ich bin langsam im Lernen und ich brauche vermutlich wesentlich länger als andere Menschen. Deswegen habe ich auch im zu Ende gehenden Jahr viel Unterricht gehabt. Als ich es in den letzten Tagen einmal grob überschlagen habe, bin ich auf ungefähr 50 (Zeit-)Stunden Unterricht gekommen. Ich suche mir meine Lehrer sorgfältig aus. Üblicherweise habe ich in den letzten Jahren nur bei einem Lehrerpaar gelernt. 2014 habe ich den Kreis der Lehrer erweitert - es waren drei Paare und eine einzelne Person (Joaquin Amenábar). Ich kann von meinem Standpunkt aus nur Werbung für die Idee machen, sich die Lehrer sehr sorgsam auszusuchen und ggf. weitere Strecken zu fahren - es lohnt m.E. immer.Montag, 27. Oktober 2014
Tacheles mit Tangueros 6: An Interview with Murat Erdemsel - Part C
Please do not miss the other parts of this interview:
An Interview with Murat Erdemsel Part A
An Interview with Murat Erdemsel Part B
So, we are back again - after a long break (weeks, months). Leading different lives, making different experiences. In my case I was involved in "normal" or everyday life. And Murat has a turn of fate since his father became ill, had a stroke and he went to Istanbul taking care of him.
[04.09.14 23:05:28] Cassiel: Hi Murat, we are back again. How is your time now.
Murat Erdemsel: I am fine, and indeed it’s been a long time. I was just starting to realize that, it will be harder to resume our chat instead of making a brand new one. Well, we can't do that either, can we? So I'll try my best to jump back on the boat.
I took a clear break from doing what I thought made me, me. Traveling, teaching, dancing, making connections, doing photography, and a little bit of face booking, youtubing, flickring etc. It was a phone call from a friend who delivered me a message from my mother, stating, my father had a stroke and lost half of his body’s mobility. I should come back home, he might be leaving us.
An Interview with Murat Erdemsel Part A
An Interview with Murat Erdemsel Part B
So, we are back again - after a long break (weeks, months). Leading different lives, making different experiences. In my case I was involved in "normal" or everyday life. And Murat has a turn of fate since his father became ill, had a stroke and he went to Istanbul taking care of him.
[04.09.14 23:05:28] Cassiel: Hi Murat, we are back again. How is your time now.
Murat Erdemsel: I am fine, and indeed it’s been a long time. I was just starting to realize that, it will be harder to resume our chat instead of making a brand new one. Well, we can't do that either, can we? So I'll try my best to jump back on the boat.
I took a clear break from doing what I thought made me, me. Traveling, teaching, dancing, making connections, doing photography, and a little bit of face booking, youtubing, flickring etc. It was a phone call from a friend who delivered me a message from my mother, stating, my father had a stroke and lost half of his body’s mobility. I should come back home, he might be leaving us.
Samstag, 25. Oktober 2014
Tacheles mit Tangueros 6: An Interview with Murat Erdemsel - Part B
Please do not miss the first part of this interview:
An Interview with Murat Erdemsel Part A
In the 2nd session of our chat we talked about perception of music and musicality…
[05.06.14 22:57:57] Cassiel: Let's talk about musicality. A very important question (at least in my opinion) we have to discuss at the beginning: Is it „valid“ to assume a common perception of music? Or with other words: Is there any projection of an auditary perception to any other action (viewing a picture, dancing etc.)?
On your website you mentioned the Kiki-Bouba-experiment could you explain, why it may be important for dancers to know about this experiment and how you use it in your lectures?
Murat Erdemsel: I see two questions here. Perception is such a powerful thing that can show how unique each of us are. In the other hand, it can also separate us from each other. As Bruce Lee said once, “under the sky, under the heavens, there is but one family.” He also added, “styles separate men”.
I see it as a spectrum that we need to be aware, one side is "as it is" the other side "the way we see it, our perception". The way we hear the music or let’s speak in general, accepting things as we want them to be, makes us who we are, distinguishes our approach but also most of the time takes us away from the reality. Periodically, I sit and meditate Vipassana for 10 hours a day in 10 days in noble silence so I can just explain this to myself :)
An Interview with Murat Erdemsel Part A
In the 2nd session of our chat we talked about perception of music and musicality…
[05.06.14 22:57:57] Cassiel: Let's talk about musicality. A very important question (at least in my opinion) we have to discuss at the beginning: Is it „valid“ to assume a common perception of music? Or with other words: Is there any projection of an auditary perception to any other action (viewing a picture, dancing etc.)?
On your website you mentioned the Kiki-Bouba-experiment could you explain, why it may be important for dancers to know about this experiment and how you use it in your lectures?
Murat Erdemsel: I see two questions here. Perception is such a powerful thing that can show how unique each of us are. In the other hand, it can also separate us from each other. As Bruce Lee said once, “under the sky, under the heavens, there is but one family.” He also added, “styles separate men”.
I see it as a spectrum that we need to be aware, one side is "as it is" the other side "the way we see it, our perception". The way we hear the music or let’s speak in general, accepting things as we want them to be, makes us who we are, distinguishes our approach but also most of the time takes us away from the reality. Periodically, I sit and meditate Vipassana for 10 hours a day in 10 days in noble silence so I can just explain this to myself :)
Tacheles mit Tangueros 6: An Interview with Murat Erdemsel - Part A
It started - as always - with an idea. After attending a class with Michelle & Murat and listening to Murat's intriguing ideas on Tango Music, the subject I love. I tried to set up some time with Murat for some more, detailed discussions. Murat was very willing but it wasn't easy to find times that worked for both of us. Sometimes Murat's travel and work schedule got in the way and at other times, which suited Murat, I was too busy with my own work. So we just had to be patient for a very long time until we could find time slots which it worked for both of us.
I gratefully acknolewdge the enormous help from Tricia Bruce (from England). She patiently read the text and added some corrections. Thank you, Tricia!
I gratefully acknolewdge the enormous help from Tricia Bruce (from England). She patiently read the text and added some corrections. Thank you, Tricia!
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