Donnerstag, 7. April 2016

„Belastete“ Musik - Der Tango Plegaria komponiert von Eduardo Bianco

Dieser Artikel beschäftigt sich mit einem sehr sperrigen und unbequemen Thema und ich gestehe, ich habe große Schwierigkeiten, mir da eine abschließend festgelegte Meinung zu bilden. Trotzdem möchte ich dieses Thema einmal im Blog aufgreifen und zur Diskussion stellen. Es geht um „belastete“ Musikstücke oder „missbrauchte“ Musik.

Montag, 21. März 2016

Gelesen: Caminar Abrazados – Das Tango-Buch von Melina Sedó und Detlef Engel

Gleich nach Erscheinen habe ich mir das neue englischsprachige Buch: „Caminar Abrazados - Tango is walking in an embrace“ von Melina Sedó und Detlef Engel gekauft, es mehrmals gelesen und die beigelegte DVD wiederholt geschaut. In diesem Artikel möchte ich es etwas detaillierter vorstellen, besprechen und schließlich zur Lektüre empfehlen.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Ney Melo: „Lehne ohne Angst ab – akzeptiere, ohne zu bereuen“

Bei dem amerikanischen Tanguero und Blogger Ney Melo fand ich in den letzten Tagen einen Text, den ich im Zusammenhang mit Diskussionen zu den Codigos und zu der Frage, wie Männer auf Aufforderungen seitens der Damenwelt regieren, sehr interessant fand. Daher habe ich Ney Melo schriftlich um die Genehmigung zur Übersetzung und anschließender Veröffentlichung gebeten (das halte ich bei Vollzitaten für eine Selbstverständlichkeit). Heute kam seine Genehmigung per eMail und so übersetze ich den Text, der im englischen Original hier zu finden ist:

Ney Melo: Lehne ohne Angst ab – akzeptiere, ohne zu bereuen

Ich denke ernsthaft, wenn Frauen beginnen, ihre Macht, Tänze abzulehnen und [unmissverständliche] Botschaften zu senden, dann [erst] werden Führende anfangen, ihren Tanz zu verbessern. Es sollte [doch eigentlich] eine Art Gewaltenteilung sein. Wenn wir es zulassen, dass mittelmäßige Führende mit den besten Folgenden tanzen – und umgekehrt – warum sollten diese sich dann verbessern wollen? Ich erinnere mich an eine Diskussion zwischen einer Freundin und mir vor langer Zeit. Sie war außer sich, weil ein schrecklicher Führender sie eine ganze Tanda lang grob behandelt hat und sie schlecht aussehen und sich schlecht fühlen ließ. Ich war Zeuge dieser Szene und ich mochte nicht, was der Führende anstellte, aber ich mochte ebenso wenig, dass meine Bekannte zu freundlich war, um dem Drama ein vorzeitiges Ende zu setzen!
Meine Damen, bitte benutzt Eure Macht, um „Nein“ zu schlechten Tänzen zu sagen. Es ist besser, ein ganzen Abend zu sitzen, die Musik zu genießen und gute Gespräche zu führen, als über den Boden der Milonga geschleift zu werden, wie Hector von Achilles, nachdem er von ihm in dem Film "Troja" getötet wurde. Auch ich wurde in meiner Tangojugend etliche Male von guten Folgenden abgelehnt. Ich nahm es nie persönlich. Es diente nur dazu, mich besser werden zu lassen. Ich sage nicht: Tanzt nie mit Anfängern. Jeder sollte in der Milonga ein oder zwei Tänze mit Anfängern absolvieren, es als „Dienst an der Gemeinschaft“ betrachten und ihnen das Gefühl geben, willkommen zu sein. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einem Anfänger, und einem schlechten Tänzer, der es einfach nie kapiert. Es gibt eine Reihe von Typen in jeder Milonga, die seit langer Zeit tanzen, die Damen quälen und keinerlei Anreiz haben, besser zu werden, weil sie die Tänze bekommen, die sie wollen.
Andererseits sollte die Dame, wenn sie akzeptiert, nicht nur die Einladung annehmen, sie sollte den Mann als Person akzeptieren. Er hat durch die Aufforderung gezeigt, dass er die Dame akzeptiert, nun sollte die Dame ihm zeigen, dass sie ihn akzeptiert. Zum Tango braucht man Zwei.

[Ich habe versucht, den Text dem Sinne nach zu übersetzen. Ich habe einige ergänzende Worte in eckige Klammern gesetzt um den Sinn zu verdeutlichen. Wenn jemand für einzelne Stellen bessere Vorschläge hat, dann klebe ich selbstverständlich nicht an meiner Übersetzung.]

Ich brauche überhaupt nicht meine Kristallkugel zu entmotten. Ich ahne schon jetzt, es wird wieder einen Aufschrei der „üblichen Verdächtigen“ geben. Ohne in Wahrsagerei zu verfallen, wage ich bereits jetzt zu prognostizieren, dass eine mögliche altbekannte Argumentationslinie darauf abzielen wird: Wir brauchen keine Vereinbarungen oder Regeln im Tango – schließlich ist es ja ein Freizeitvergnügen (das gilt in der Hauptsache und zu allererst natürlich für die Wortführer dieses Gedankens). Eine zweite „Frontlinie“ wird parallel über den Vorwurf der „Arroganz“ eröffnet. Das ist höchst bequem und äußerst wirkungsvoll. Selbstverständlich möchte niemand arrogant wirken und deswegen werden die skizzierten Zeitgenossen weiterhin ihr Unwesen treiben können. Bequem ist es natürlich auch: Man setzt nur einen frechen Vorwurf in die Welt und … schwups … hat man wieder einmal elegant für die nächsten Jahre Ruhe und muss weiterhin keinen Unterricht nehmen. Klasse!
Ich finde die Gedanken von Ney Melo sehr treffend (etwas ähnliches hatte ich übrigens damals beim Formulieren meines Tango-Knigges vermutet, als ich die verbale Aufforderung als eine minderschwere Form der kalkulierten „Nötigung“ bezeichnet habe).
Es ist ja mittlerweile gesellschaftsfähig geworden, nicht auf Sachargumente zu reagieren, sondern bei bestimmten Schlüsselreizen einfach loszupoltern, insofern habe ich nur wenig Hoffnung, dass die oben zitierten Gedanken etwas bewegen werden, aber man soll ja bekanntlich die Hoffnung nie aufgeben. :-)

Montag, 30. November 2015

Über das „Sprechen“ und „Zuhören“ im Dialog Tango Argentino

In diesem Beitrag versuche ich mich einem Thema zu nähern, das mich in den letzten Monaten stark beschäftigt hat. Wenn wir den Tango als gemeinsamen Dialog im Paar zu Musik auffassen, dann ergeben sich m. E. aus dieser Sicht einige Folgerungen für das Verhalten in diesem Dialog bzw. Gespräch zur Musik. Nach meinem Verständnis gehört es zu den Grundfertigkeiten der Gesprächsführung, auch zuhören zu können. Deshalb soll es in diesem Artikel um genau dieses Zuhören gehen. Dabei meine ich primär nicht das Zuhören der Folgenden, sondern ich denke eher an die m. E. notwendige Fähigkeit der Führenden ebenfalls zuhören zu können. Folgende sind beim Zuhören sicherlich trainierter.

Dienstag, 24. November 2015

Zu den Ausführungen von Gerhard R. zur. sog. „Impressumspflicht bei privaten Webseiten“

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben,
wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.


Friedrich Schiller (1759 - 1805)


Gestern, am späten Nachmittag, unmittelbar nach der Rückkehr von einem wunderschönen Tangowochenende, erreichte mich eine private Nachricht auf Facebook. Ein Tanguero bot mir großzügig seine Adresse für den Fall an, dass mir Ärger wg. des fehlenden Impressums entstehen sollte. Das hat mich berührt und so bedanke ich mich auch gerne hier ein zweites Mal öffentlich für das großherzige Angebot.

Ich muss gestehen, ich war im ersten Moment verwirrt, da ich nicht sofort nachvollziehen konnte, wie das Angebot entstanden war. Eine kurze Nachfrage brachte Licht ins Dunkel. Der Pensoinist, Tangobuch-Autor und Blogbefüller, Gerhard R. aus der oberbayerischen Provinz sucht einmal mehr die Konfrontation und belehrte mich mit seinem juristischen Halbwissen in einem Blogpost. Das ist ja nun nicht neu … nur leider wird die Tonlage wieder einmal eine Stufe schriller. Eine Kostprobe gefällig? Hier findet man seine pseudo-juristischen Ausführungen. Und weil ich doch eigentlich ganz gut per eMail erreichbar bin, haben mir einige Menschen deswegen geschrieben und mir ihre Unterstützung angeboten. Um es abzukürzen, antworte ich hier öffentlich in meinem Blog; das vereinfacht und verkürzt die lästige Angelegenheit erheblich.

Donnerstag, 7. Mai 2015

Von der scheinbaren Unmöglichkeit die eigene Entwicklung im Tango vorherzusehen…

No, I cannot teach you the feeling, nobody can teach you the feeling…
Carlos Gavito (1942 - 2005) in einem YouTube-Video (etwa ab 3:38)

Nobody can teach you feelings…
Ricardo Vidort (1929 - 2006) in einem YouTube-Video (ab etwa: 2:02)

Neulich habe ich an einem Workshop teilgenommen, in dem es noch einmal um die absoluten Grundlagen ging. Zum wiederholten Male wurde das Gehen analysiert und ich habe mich anfänglich bei dem hochmütigen Gedanken ertappt: „Gehen? Das habe ich nun doch wirklich häufig genug gelernt.“ Minuten später habe ich erkannt, ich habe es wohl immer noch nötig, gezeigt zu bekommen, wie man „richtig“ geht.

Freitag, 27. März 2015

Diskussion über DJs im Tango - Bashing oder notwendige Kritik?

Deutschland hat 80 Millionen Bundestrainer

Ein Gedanke aus einem Zeitungskommentar anlässlich der Fußball-WM 2014

Bei einer Milonga im Rahmen eines Encuentros sind gerne einmal 100 DJs anwesend

Eine Übertragung des oben erwähnten Gedankens in den Tango (von mir)


Neulich bei einem Encuentro… in den Gesprächen am Rande der Tanzfläche habe ich es wieder einmal deutlich mitbekommen: Die Diskussion um die DJs im Tango lief unaufhaltsam ihrem Höhepunkt entgegen. Und ich gestehe es offen: Auch ich habe fast immer eine klare Wahrnehmung und eine dezidierte Meinung zu der Leistung des/der aktuellen DJs. Ich befinde mich allerdings im Lernprozess, diese Meinung nicht ständig ungefiltert zu äußern (das gelingt mir mal besser und ab und zu nicht so gut - wenn ein DJ meine Schmerzgrenzen überschreitet, dann kann ich immer noch sehr deutlich werden).