Freitag, 6. März 2009

Tangueros zum Abgewöhnen III: Grimbald, der Grobmotoriker

Vielleicht vorab eine Bemerkung: Mir ist durchaus bewußt, daß die Serie "Tangueros zum Abgewöhnen" eine freche Pöbelei ist. Im echten Leben käme das (zumindest bei mir) nicht vor. Hier in der Anonymität des Netzes erlaube ich mir, ein paar Gedanken zu veröffentlichen, das tut den Vorlagen für meine Charakterstudien nicht weh. Sie wissen ja nicht einmal davon.

Letztens wieder einmal... ich tanze friedlich auf einer Milonga und plötzlich passiert es. Ich habe einen Mörder-Stöckel in der Ferse - genau da, wo es richtig weh tut. Aber: Zähne zusammenbeißen und durch. Ein Entschuldigung oder Sorry höre ich auch nicht. Unauffällig drehe ich mich und meine Partnerin und erblicke Grimbald. Dacht' ich's mir doch!

Es ist fast ein wenig gemein, aber wenn Grimbald unterwegs ist, dann versuche ich möglichst viele Quadratmeter zwischen ihn und mich zu bringen. Grimbald hat leider eine angeborene Begabung, wortlos seine aktuelle Tanzpartnerin immer wieder in ein anderes Tanzpaar hineinzuschieben. Und Grimbald nimmt seit zwei Jahren Einzelstunden. Das ist wirklich tragisch und da darf man dann auch nicht schimpfen.

Weh tut es trotzdem!

Können wir Grimbald etwas wünschen? Hmmm... Er nimmt ja schon Unterricht. Vermutlich bleibt nur der eine Ausweg: Abstand! Schade! Manchmal beeinträchtigt so ein Tanguero den ungetrübten Tangogenuss schon sehr.

So, nun mache ich eine Pause in der Serie "Tangueros zum Abgewöhnen". Ich mußte es mir einmal von der Seele schreiben. Jetzt reicht es wieder für einige Zeit.

Donnerstag, 5. März 2009

Abgehört: Cellotango

Mein über 80-jähriger Vater weiß von meiner Leidenschaft für den Tango. Anfang des Jahres hat er dann im NDR eine CD Besprechung gehört und war so aufmerksam, die CD zu kaufen und mir zu schicken (ist das nicht rührend aufmerksam?). Es handelt sich um die CD Cellotango (Klavier: Jacques Ammon; Cello: Eckart Runge).

Ich mag beide Instrumente und vielleicht ist das der tiefere Grund, warum ich mich nun schwer tue, diese CD zu besprechen. Nein, es ist keine CD zum Tanzen (oder wenn doch, dann nur in Ausnahmefällen). Es ist eine CD, die den perfekten Soundtrack zu meditativen Stunden liefert. Die Tempi-Wechsel, die Variationsbreite von kaum-hörbar zart bis zum kraftvollen und energiereichen Spiel sind die tiefe Ursache für die Untauglichkeit für eine Milonga aber zugleich auch der Garant für die Wertbeständigkeit im heimischen CD Regal.

Wer die Cello-Suiten von Bach (ich habe eine Interpretation von Mstislav Rostropovich in meinem Fundus) oder die späte Einspielung der Goldbergvariationen von Glenn Gould liebt, dem sei diese CD vom Klangeindruck her uneingeschränkt empfohlen. Ich kann mich nicht entscheiden, welchen Titel ich wirklich am meisten mag. Das in der NDR-Besprechung gelobte Stück El Choclo ist sicherlich eine neuartige Interpretation mit akuter Daseinsberechtigung, aber ich denke, ich tendiere doch eher zu den Piazzolla Klassikern Soledad bzw. Oblivion.

Abschließend meine Kurzzusammenfassung:

Keine leichte Kost, aber äußerst empfehlenswert!

Dienstag, 3. März 2009

Auch das noch... Boris Becker beim Tango

Die online-Herberge für Zocker, Pockerstars.de warb schon im letzten Jahr mit Boris Becker für ihre Dienste. Natürlich wissen wir alle nicht, wer den perfiden Plan ausgeheckt hat, Boris B. in dem Werbespot ausgerechnet Tango tanzen zu lassen. Hier soll aber der Spot nicht vorenthalten werden.

Und für den Fall, daß nichts sichtbar ist, gibt es hier den Link zum Video bei YouTube.
Wahrscheinlich handelt es sich um einen ganz subtilen Beitrag zum Kampf gegen den Männermangel beim Tango. ;-)

Nur mal so gefragt: Was machen wir eigentlich, wenn nun Heerscharen von online-Pokerspielern die Milongas bevölkern?

Vielleicht Spieltische aufstellen?

;-)

Über das DJ-ing auf Milongas

Ein weites Feld, ich weiß, aber ich sollte vielleicht auch mal ein paar Gedanken ausformulieren. Ich habe jetzt ein wenig Milonga-Erfahrung und ich habe vermutlich genügend verschiedene DJs erlebt. In meinem CD Regal nehmen die Tango CDs inzwischen gut einen Meter Platz in Anspruch und jetzt traue ich mich, meine Gedanken zu diesem Thema einmal zu artikulieren.

Die Klassiker vs. neuere Titel
Da kann man nun wirklich verschiedener Meinung sein. Nicht wenige lehnen die historischen Aufnahmen aus dem goldenen Zeitalter ab. Sie seien technisch eben zu sehr beschränkt. Andere halten diese Musikstücke hoch wie eine Reliquie und verehren sie entsprechend. Beide Standpunkte kann ich nicht teilen.

Immer die gleichen Titel?
Ein (wie ich finde) ganz wichtiger Punkt! Ich tanze nun schon einige Jahre Tango und mittlerweile haben sich einige Titel bei mir derartig abgenudelt, weil sie zu häufig gespielt wurden. Ich kann sie nicht mehr hören! Dazu gehören u.a. die Evergreens von Kevin Johansen (Sur o no Sur, Timing), Alexio Haris mit dem "To Tango the Nephelis". Die Liste ließe sich beliebig erweitern. Schade! Das wäre vermeidbar gewesen.

Non-Tangos?
Mit den Non-Tangos verhält es sich meines Erachtens wie mit dem Salz in der Suppe. Ohne sie wäre es öde und langweilig. Aber Vorsicht! Zuviel des Guten und es wird ungenießbar. Sparsam eingesetzt (an der richtigen Stelle) sind sie für meine Begriffe das I-Tüpfelchen einer Milonga.

Tandastruktur?
Hmmm... ich glaube, ich bin altmodisch. Für mich ist eine klare Tandastruktur an einem Tangoabend eine Frage der Höflichkeit gegenüber den Gästen (insbesondere den Gästen gegenüber, die noch ein wenig unsicher im Tango sind). Drei oder vier Stücke mit ähnlichem Charakter erleichtern gerade Anfängern den Schritt auf die Tanzfläche. Die Musik wird berechenbar. Den Fortgeschrittenen ermöglichen sie ungetrübte Tanzfreude. Die Tandastruktur wurde nicht ohne Grund erfunden (na ja, die Wahrheit ist wohl, daß in den Anfängen des Tangos - damals gab es noch dramatischen Männerüberschuß - die Einwanderer für eine Tanda zahlten; so habe ich es jedenfalls irgendwo gelesen). Ich mag Rituale und Institutionen deshalb bevorzuge ich eine klare Tandastruktur.

Cortina?
Nach einer Tanda wird auf sehr formalen Milongas ein absolut untanzbares Stück kurz angespielt. Es läuft so lange, bis die Tanzfläche leer ist. Diese Cortina (Vorhang) unterbricht natürlich die Paare in ihrem Tanzfluß, die länger als eine Tanda miteinander tanzen wollen. Auf der anderen Seite wird durch diese Einrichtung auch ein wenig nachgeholfen, daß alle einmal zum Tanzen kommen. In der Frage bin ich nicht festgelegt. Ich kann sehr gut mit- aber auch sehr gut ohne eine Cortina leben.

Die besondere Rolle von La Cumparsita
Es gibt das ungeschriebene Gesetz, daß eine Milonga mit La Cumparsita beendet wird (ähnlich wie das ungeschriebene Gesetz, daß ein Stück von Carlos Gardel nie auf einer Milonga zum Tanz gespielt wird). Auch an dieser Tradition sollte - wie ich meine - festgehalten werden. Wenn schon der Anspruch erhoben wird, daß Tangueras und Tangueros überall auf der Welt auf eine Milonga gehen können, so kann man auch in dieser Frage sich getrost an die Konventionen halten.

So! Das mag reichen. Ich werde demnächst mal ein Experiment wagen und selbst auflegen. Als Student habe ich auf Studenten-Parties aufgelegt, ich habe in meiner Jugend zwei Instrumente gespielt und ich beschäftige mich seit Jahren intensiv mit Tangomusik. Mehr Referenzen kann ich nicht mitbringen. Mal sehen, ob es glückt. Ich habe 35 Tandas vorbereitet. Das sind bei äußerst zurüchaltender Schätzung (eine Tanda mit ungefähr 10 Minuten angesetzt) knapp sechs Stunden Tangomusik. Ich bin gespannt!

Montag, 2. März 2009

Vollkommen gaga!

Ich sitze noch immer im Büro und warte darauf, daß mein lahmer Computer endlich die Datensicherung überspielt hat. Zeit für ein wenig Surfen im Netz!

Was ich nun letztendlich an Wahrheit aus dem Netz der Netze gezogen habe ist von zweifelhafter Relevanz. Es geht um die Frage, ob der Tango eine Kunstform ist oder nicht. Genauer: Ist eine Tangolehrerin eine Künstlerin im Sinne des Sozialgesetzbuches oder nicht.

Den erstaunten Leserinnen und Lesern dieses Blogs sei ein Satz aus einer Entscheidung des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2006 präsentiert:

[...] Daraus folgt, dass der Argentinische Tango zum Bereich des Sports (Freizeitsport, Breitensport, Turniertanzsport) zählt, weil er in Sportverbänden organisiert ist und wettkampfmäßig ausgeführt werden kann. Er unterscheidet sich insoweit nicht von vielen anderen Tanzdisziplinen, bei denen es Turniere und Meisterschaften gibt. [...]
Aha!

Die ganze Entscheidung gibt es hier zum Nachlesen. Tja, da gehen wir doch lieber zur nächsten Milonga... oder?

Candombe

Gestern abend habe ich ein Kompliment für meinen Milonga-Stil bekommen. Das hat mir sehr gefallen (auch Männer mögen Komplimente). Anschließend wurde eine Candombe gespielt. Meine Tanzpartnerin hat den Tango vor zig Jahren in BsAs gelernt. Sie hat mir kurz erklärt, wie es ungefähr geht und dann haben wir lustig improvisiert. Das hat einen Höllen-Spaß gemacht und heute mußte ich gleich mal bei YouTube schauen...



Und für den Fall, daß nichts sichtbar ist, gibt es hier den Link zum Video bei YouTube.

Sonntag, 1. März 2009

Abgehört: Cuarteto Rotterdam: Yunta De Oro

In einem guten Tango-Blog darf die Rubrik CD-Besprechungen nicht fehlen. Es ist mir ein ganz persönliches Anliegen eine aktuell eher unbekannte CD zu empfehlen. Das Cuarteto Rotterdam spielte 2007 die CD Yunta De Oro ein.


Hinreißend! Ich habe mir die CD nach einem Live-Auftritt der Formation auf einer Milonga gekauft (übrigens zusammen mit der ersten CD aus dem Jahre 2005). Ich habe den Kauf nie bereut. Das Cuarteto Rotterdam beeindruckt durch musikalische Exaktheit in einer sehr gelungenen Kombination mit einem gefühlvollen, fast lyrischen Musikvortrag. Und so ist diese CD eine echte Bereicherung! Sie ist (fast) uneingeschränkt tanzbar und eine CD für die melancholischen Stunden daheim, wenn man nach einer Milonga beim abschließenden Glas Rotwein auf dem heimischen Sofa sitzt. Wunderbar!

Diese CD hat mich häufig bei meinen Milongafahrten in andere Städte begleitet. Auf dem Heimweg lief sie immer im Auto. Sehr entspannend.

Auf der Website des Quartetts finden sich übrigens Hörbeispiele im mp3-Format.

Prädikat: Besonders wertvoll