Montag, 9. März 2009

Tango im Film 2: Take The Lead

Ich schreibe jetzt mal nichts dazu. Im Grunde reichen die kritischen Anmerkungen aus dem Beitrag Nr. 1 aus. Aber: Immerhin... der Film hat zumindest den Anspruch, eine Botschaft zu vermitteln, das ist ja zumindest etwas.


Und für den Fall, daß nichts sichtbar ist, gibt es hier den Link zum Video bei YouTube.

Tango im Film 1: Shall We Dance?

Nach der Diskussion neulich auf der Heimfahrt von einer Milonga, starte ich heute meine Serie "Tango im Film". Um es vorweg zu nehmen: Nach meiner bescheidenen Meinung gibt es keine guten Tango-Szenen in Filmen. Aber ich lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen.

Die Reihe wird eröffnet mit Jennifer Lopez (sie spielt eine enttäuschte, verlassene Tanzlehrerin) und Richard Gere (ein angestellter Anwalt für Erbrecht, der spontan versucht der Monotonie seines Alltags durch den Tanz zu entfliehen). Der Rest der Geschichte ist ein übliches Cinderella-Abziehbild, wie es in Hollywood gern produziert wird. Aber gut! Lassen wir einmal die Rahmenhandlung unbewertet und konzentrieren wir uns auf die Tango-Szene. Wenn es denn tatsächlich Tango ist, was die da turnen. Na gut! Man mag das "polemisch" nennen. Dieses Herumposen ist nun wirklich nicht meins! Mir fehlt in dieser Tango-Szene der Dialog und die Berücksichtigung der Musik. Für mein Empfinden ist der Tanz mit Bedacht auf Außenwirkung aufgeführt. Und da werd' ich bissig. Wie beliebig die Darbietung ist, zeigt das zweite Video. Ein Computer-Enthusiast hat sich (nur mit den üblichen Windows-Bordmitteln) die Mühe gemacht und die Bilder mit neuer Musik versehen. Das passt einfach zu gut. Und damit ist die Musik ausstauschbar. Mehr muß ich da - glaub' ich - nicht schreiben.

Na ja. Das ist nur meine höchst-subjektive Meinung. Gerne lese ich andere Standpunkte in Kommentaren.

Die Original-Szene
[Musik: Santa Maria (Del Buen Ayre) von Gotan Project]

Und für den Fall, daß nichts sichtbar ist, gibt es hier den Link zum Video bei YouTube.

Mit anderer Musik
[Musik: Roxane aus dem Film: Moulin Rouge]

Und für den Fall, daß nichts sichtbar ist, gibt es hier den Link zum Video bei YouTube.

Für die neue Woche: Esteban Morgado - Cinema Paradiso (E. Morricone)

Zum Wochenbeginn gibt es ein Musikstück für alle. Es handelt sich um eine Tangoversion von Cinema Paradiso (Ennio Morricone), gespielt von Esteban Morgado.

Einen guten Start in die neue Woche wünscht...

cassiel


Kein embedded Player zu sehen? Hier ist der Link zur Quelle.

Sonntag, 8. März 2009

Der Morgen danach...

Nein, es ist viel unspektakukärer als die Überschrift es vermuten lässt. Nur: Der Morgen nach einer langen Milonga (sechs Stunden getanzt) bringt eine seltsame Stimmung mit. Vielleicht ist es auch nur die jähe Erkenntnis: Jetzt gibt es die nächsten drei Abende keinen Tango.

Ich sitze mit dem Laptop auf dem heimischen Sofa beim Café. Gerade habe ich den ungewöhnlichsten Non-Tango, der gestern abend gespielt wurde, noch einmal abgehört (Queen: Bohemian Rhapsody). Vielleicht um mir eine abschließende Meinung zu bilden, ob dieses Stück auch in die Liste meiner Non-Tangos darf - oder besser doch nicht. Ich denke, das ist eher für Fortgeschrittene... Abteilung: schwieriger, hinterhältiger Rhythmus außerdem ist der Titel grenzwertig lang. Ich entscheide mich gegen die Aufnahme in meine Playlist.

Es ist irgendwie eine Marotte von mir. Am Morgen nach einer Milonga zwinge ich mich, den Abend noch einmal durchzudenken. Ich überlege mir, mit welchen Damen ich getanzt habe, rufe mir die Namen noch einmal ins Gedächtnis (mit der bitteren Erkenntnis, daß ich einen großen Teil dieser Namen wieder vergessen werde) und höre (soweit in meinem Fundus vorhanden) die Stücke noch einmal, bei denen ein "guter" Tanz gelungen ist (was auch immer "gut" in diesem Zusammenhang heißen mag).

Bei der Rückfahrt letzte Nacht (so 100 Kilometer Bundesautobahn) entwickelte sich spontan eine lebhafte Diskkussion über verschiedene Filmszenen zum Tango. Ich fand eigentlich fast alle Filme furchtbar. Die drei Damen im Auto waren entschieden anderer Meinung. Hmmm... Na ja! Das ist immerhin Stoff für ein paar Beiträge in diesem Blog in der nächsten Zeit.

Samstag, 7. März 2009

Über den letzten Tango auf einer Milonga

Was macht ein Tango-Blogger an einem verregneten späten Samstagnachmittag? Richtig! Wäsche waschen, Hemden bügeln und - wenn das alles erledigt ist - im Internet surfen und neue Gedanken veröffentlichen.

Auf den Streifzügen durch das Internet habe ich diesen Text gefunden. Der folgende Satz sei hier kurz zitiert. Vielleicht weckt er die Neugierde und die Schwelle, den gesamten Text zu lesen, wird etwas niedriger.
[...] Es gibt Tanzende, die sich diesem letzten Tango entziehen. Vor diesem Oktroy, dieser von außen auf sie zukommenden Knebelung schrecken sie zurück, denn dies würde ein gänzliches Sichausliefern, Loslassen und Hingeben an die Verhältnisse bedeuten. Sie ziehen es vor, bereits früher zu gehen, sie haben eine gewisse Scheu davor, den letzten Tango der Veranstalter zu tanzen. Sie möchten vielmehr die Milonga aus eigenem Entschluß und kurz vor dem offiziellen Ende verlassen. Sie wollen, wenn sie ins Dunkel treten und sich von ihr entfernen, zuhören, wie sich noch die Töne ihres Tanzes mit denen der profanen Umgebung zu vermischen beginnen, um dann ganz zu entschwinden und wie die Lichter der Milonga kleiner werden und erlöschen.

Und dies alles tun sie in dem Bewußtsein eigener Stärke, eigener Bezwingung, dem unweigerlichen und gewissen Ende durch ein selbstgesetztes Zeichen zuvorgekommen zu sein [...]
von: Claus Heinrich Bill: El Tango Ríoplatense. Skizzen über die Philosophie eines lateinamerikanischen Gesellschaftstanzes.

Juwelen bei YouTube 2

Ohne weitere Worte...


Und für den Fall, daß nichts sichtbar ist, gibt es hier den Link zum Video bei YouTube.

Mit den besten Wünschen für das Wochenende... besonders an die Kommentatorin R. - ich kann auf Deine umfangreichen Kommentare nicht immer antworten.

[Edit 08.03.09: Die Langversion (13') dieses Streifens findet sich hier (wird in einem neuen Fenster/Tab geöffnet).]

Freitag, 6. März 2009

Abgedroschene "Weisheiten" über den Tango I


Tango is the vertical expression of a horizontal desire.
[Tango ist der vertikale Ausdruck eines horizontalen Begehrens.]

Meine Güte! Wie furchtbar und wie lebensfremd ist dieser Spruch! Ich habe keine Ahnung, wer der Urheber dieser intellektuellen Straftat ist, aber es stimmt nicht.

Aber betrachten wir das einmal mit Ruhe und Abstand. Vielleicht ist es dazu erforderlich, zwei Fälle zu unterscheiden. Die erste Möglichkeit wäre, das Objekt des Begehrens ist die aktuelle Tanzpartnerin / der aktuelle Tanzpartner. Welch eine Mißachtung von Grenzen. Eine Milonga wäre demnach eine Sammelbecken für triebstau-beeinträchtigte Menschen, die nur eine Gelegenheit suchen, diesen Stau abzubauen. Die feinen und leisen Zwischentöne würden komplett negiert und der Mensch auf seine evolutionäre Funktion reduziert. Das kann es doch nicht sein! Stünde tatsächlich ein gesteigertes sexuelles Interesse beim Tango im Vordergrund, so wäre ziemlich schnell Schicht mit dem Leisen, dem Einfühlsamen und der Melancholie.

Bliebe noch eine zweite Möglichkeit: Das Objekt des Begehrens ist nicht die aktuelle Tanzpartnerin / der aktuelle Tanzpartner. Welch eine unglaubliche Unverschämtheit! Man tanzt vertraut mit einem Menschen und die Phantasien wandern komplett woanders hin.

Viel mehr muß ich zu dieser angeblichen Weisheit wohl nicht schreiben.