Samstag, 25. Oktober 2014

Tacheles mit Tangueros 6: An Interview with Murat Erdemsel - Part B

Please do not miss the first part of this interview:
An Interview with Murat Erdemsel Part A

In the 2nd session of our chat we talked about perception of music and musicality…


[05.06.14 22:57:57] Cassiel: Let's talk about musicality. A very important question (at least in my opinion) we have to discuss at the beginning: Is it „valid“ to assume a common perception of music? Or with other words: Is there any projection of an auditary perception to any other action (viewing a picture, dancing etc.)?
On your website you mentioned the Kiki-Bouba-experiment could you explain, why it may be important for dancers to know about this experiment and how you use it in your lectures?

Murat Erdemsel: I see two questions here. Perception is such a powerful thing that can show how unique each of us are. In the other hand, it can also separate us from each other. As Bruce Lee said once, “under the sky, under the heavens, there is but one family.” He also added, “styles separate men”.
I see it as a spectrum that we need to be aware, one side is "as it is" the other side "the way we see it, our perception". The way we hear the music or let’s speak in general, accepting things as we want them to be, makes us who we are, distinguishes our approach but also most of the time takes us away from the reality. Periodically, I sit and meditate Vipassana for 10 hours a day in 10 days in noble silence so I can just explain this to myself :)

Tacheles mit Tangueros 6: An Interview with Murat Erdemsel - Part A

It started - as always - with an idea. After attending a class with Michelle & Murat and listening to Murat's intriguing ideas on Tango Music, the subject I love. I tried to set up some time with Murat for some more, detailed discussions. Murat was very willing but it wasn't easy to find times that worked for both of us. Sometimes Murat's travel and work schedule got in the way and at other times, which suited Murat, I was too busy with my own work. So we just had to be patient for a very long time until we could find time slots which it worked for both of us.

I gratefully acknolewdge the enormous help from Tricia Bruce (from England). She patiently read the text and added some corrections. Thank you, Tricia!

Donnerstag, 4. September 2014

Erfahrungsbericht: Drei Dinge, die ich anderen DJanes und DJs vorstellen möchte

Nach meinen Erfahrungen ist es immer schwierig, im Zusammenhang mit dem DJing im Tango Argentino über Equipment zu schreiben. Da wäre zunächst ein kaum zu überblickender Markt an Geräten. Somit ist die Gefahr sehr groß, dass ein Artikel über spezielle Geräte sehr schnell in der Weise diskutiert würde, dass es nur darum ginge, ob nicht doch Wandler XY besser ist als Wandler AB. Ein weiterer Punkt ist die Gefahr, dass nachwachsende DJs einfach - in diffuser Erwartung - Geräte nachkaufen und dann enttäuscht sind, weil sie nicht die gleichen Resultate erzielen können. Mein Artikel beschäftigt sich also mit mehr oder weniger starken Exoten, die eine gewisse Alleinstellung haben. Wichtig sind in meinem Augen nicht die konkreten Geräte, sondern die Überlegungen, die hinter ihrer Verwendung stecken. Keinesfalls möchte ich meinen Text als Beschreibung eines alleinigen richtigen Wegs verstanden wissen. Dazu reicht mein Überblick über den Markt nicht aus. Es gibt bestimmt viele DJanes und DJs, die andere Setups haben und damit ebenso gute Resultate erzielen. Vielleicht erfahren wir alle davon in den Anmerkungen - ich würde mich freuen.

Nach dieser Einleitung beginne ich gleich mit einem Gerät, das es in den verschiedensten Ausführungen auf dem Markt gibt: Die externe Festplatte. Ich bevorzuge ein Modell, das eine eigene Stromversorgung, eine hinreichende Geschwindigkeit und verschiedene Anschlüsse besitzt. Vor ein paar Monaten habe ich mir zwei Festplatten mit jeweils 2 Terabyte Platz (Western Digital MyBook Studio) im Internet für 99,00 € pro Stück gekauft. Es geht wieder einmal um das Wort: Pragmatismus. Ich kann es nicht beweisen (im strengen Sinne), aber vorsorglich verwende ich verschiedene Bus-Systeme meines Laptops für die externe Festplatte (Daten in den Rechner hinein) und Wandler bzw. Interface (Daten aus dem Rechner heraus). Sollte es irgendwo einmal Latenzen geben, so bleibt der Rest der Kette unberührt. Ich persönlich arbeite gerade mit einem asynchronen USB 2.0 Interface.

Sonntag, 3. August 2014

Über die Anordnung der Tandas in der Milonga

In letzter Zeit häufen sich die Gespräche über den musikalischen Aufbau einer klassischen Milonga und so habe ich mich entschlossen, darüber einmal zu schreiben. Ich verstehe den nachfolgenden Text als Diskussionseinstieg. Selbstverständlich gibt es viele andere Ansätze, eine Milonga musikalisch zu gestalten. Ich berichte über meine Annäherung an dieses Thema. In diesem Text geht es zunächst um die Gestaltung der Abfolge verschiedener Tandas in der klassischen Milonga. Über den Aufbau einer Tanda - also die innere Struktur der Tanda - werde ich später gesondert schreiben.

Eigentlich ist es nicht so schwer: Die Abfolge von Tandas in der klasischen Milonga sollte bestimmten Regeln folgen, damit ein entspannter und gleichzeitig abwechslungsreicher Abend für die Tänzerinnen und Tänzer entsteht. Jede bzw. jeder, die/der sich am DJ-ing probiert sollte gewisse Formalitäten einmal wohlwollend prüfen und anschließend ggf. verinnerlichen. Damit ist zumindest eine solide Grundlage für eine musikalische Gestaltung gelegt. Von dieser soliden Basis ausgehend kann dann später ein persönlicher Stil entwickelt werden. Allerdings sollte m.E. genau darauf geachtet werden, Tänzerinnen und Tänzer nicht mit anspruchsvoller oder unbekannter Musik zu überfordern. Ich persönlich finde die Dauer von 5 Stunden für eine klassische Milonga ideal - deswegen schreibe ich hier über eine solche Milonga. Vier Stunden sind zu kurz, bei sechs Stunden werden m. E. besondere Überlegungen zur musikalischen Gestaltung notwendig um zu vermeiden, dass Tänzerinnen und Tänzer ermüden und frühzeitig heimgehen.

Freitag, 11. Juli 2014

Aníbal Troilo - ein Portrait zum 100. Geburtstag

Heute vor 100 Jahren, am 11. Juli 1914 wurde Aníbal Carmelo Troilo Bagnolo, genannt: Pichuco in Buenos Aires als Sohn neapolitanischer Einwanderer geboren. Sein Vater, Carmelo Troilo, ein Fleischereiarbeiter starb als Aníbal Troilo acht Jahre alt war - fortan versuchte seine Mutter, die Familie mit einem kleinen Kiosk durchzubringen. Etwa zu der Zeit entdeckte der Junge seine Liebe zum Bandoneón und schließlich kaufte seine Mutter, Felisa Bagnoli ihm ein Instrument und zahlte es in Raten ab. Dieses Instrument sollte dem Ausnahmemusiker Zeit seines Lebens begleiten. Es ist kaum zu entscheiden, ob es sich um eine historische Wahrheit oder um eine Legende handelt: Angeblich hatte Aníbal Troilo nur sechs Monate Unterricht am Bandoneón.

Freitag, 27. Juni 2014

Cassiels großer Tango-Knigge: 4. Über den Umgang im Tango mit sich selbst

Leseempfehlung vorab, was bisher geschah... in diesem Tango-Knigge:
0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos
1. Über den Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin / dem aktuellen Tanzpartner
2. Über den Umgang mit den Mitmenschen in einer Milonga
3. Über den Umgang mit der Musik, den Texten und der Kultur im Tango


Eigentlich wollte ich ursprünglich diesen Artikel über den Umgang mit sich selbst im Tango auf den unterschiedlichen Strategien, sich konkret in der Milonga zu bewegen, aufbauen. Die beiden - zu vermeidenden - Extreme lassen sich vielleicht so benennen: „Mach' Dich nicht zum Affen!“ und „Sei keine graue Maus!“. Daneben wären vielleicht noch Tipps hilfreich, die die Positionierung zwischen übertriebenem Respekt vor möglichen Tanzpartnern und sorgloser Lässigkeit erleichtern. Bei längerem Überlegen erschiem es mir dann doch unpassend, auf isolierte Situationen einzugehen und ich habe den Weg gewählt, auf die m.E. zugrunde liegenden Prinzipien einzugehen. So ist dieser Text abstrakter geworden, aber ich denke er ist so etwas allgemeingültiger ausgefallen.


„Unser Schlachtfeld liegt nicht außerhalb, sondern innerhalb von uns selbst.“

„Ungeduld und Stolz gehören zu den Haupthindernissen auf dem Pfad.“

„Veränderung ist immer möglich. Wir müssen sie nur wollen und dementsprechend handeln.“

Der 14. Dalai Lama Tendzin Gyatsho (*1935 als Lhamo Döndrub)


Ein möglicher Anfang für diesen Artikel ist die Schilderung eines Gesprächs während der Rückfahrt von einer Milonga im Rahmen einer Tango-Fahrgemeinschaft vor längerer Zeit. Ein mitfahrender Tanguero sprach direkt eine erfahrene Tanguera an und sagte: „XY, Du musst zugeben, ich war der beste Tänzer heute abend.“ Ich saß am Steuer und konnte mich glücklicherweise ganz auf das Fahren konzentrieren - aber ich war sehr gespannt, wie sich denn nun die Angesprochene aus der Situation herausschrauben würde. Nach einigem Zögern und ein paar sehr allgemein gehaltenen Sätzen darüber, dass man niemals von außen einen Tango richtig beurteilen kann, fand sie schließlich die Zauberformel: „Ich weiß nicht, ob Du der beste Tänzer warst, aber wahrscheinlich warst Du der leidenschaftlichste Tänzer“. Mit dieser - in meinen Augen mehrdeutigen - Antwort gab sich der Tanguero zufrieden und mein Fremdschämen war beendet.

Montag, 19. Mai 2014

Cassiels großer Tango-Knigge: 3. Über den Umgang mit der Musik, den Texten und der Kultur im Tango

Leseempfehlung vorab, was bisher geschah... in diesem Tango-Knigge:
0. Einleitung - Abgrenzung zu Regeln, zur Etikette und zu den Códigos
1. Über den Umgang mit der aktuellen Tanzpartnerin / dem aktuellen Tanzpartner
2. Über den Umgang mit den Mitmenschen in einer Milonga


Kultur ist die Einheit des künstlerischen Stils in allen Lebensäußerungen eines Volkes.
Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900), deutscher Philosoph, Essayist, Lyriker und Schriftsteller


Das Verhängnis unserer Kultur ist, daß sie sich materiell viel stärker entwickelt hat als geistig.
Albert Schweitzer (1875 - 1965), deutsch-französischer Arzt, Theologe, Friedensnobelpreisträger 1952

Zugegeben: Man kann sehr lange trefflich darüber streiten, ob Betrachtungen über die Kultur in eine Handreichung über die Umgangsformen im Tango aufzunehmen sind, oder ab man das lieber bleiben lässt. Bei der Grundkonzeption dieser Artikelserie habe ich mich dafür entschieden, diese Frage ebenfalls zu erörtern. Wie immer stelle ich meine Ausführungen unter den Vorbehalt der Subjektivität. Es mag gute Gründe geben, es anders als hier dargestellt zu sehen und es ist selbstverständlich erwünscht, andere Meinungen hier zu vorzustellen, zu begründen und zu vertreten.

Und eine zweite Überlegung muss m.E. vor der eigentlichen Erörterung kurz skizziert werden: Ist es überhaupt legitim über die Kultur, die Texte und die Musik im Tango zu schreiben, wenn man eben kein Argentinier ist und vom Standpunkt eines Abendländers nach Buenos Aires blickt und über seine Gedanken zu diesem Kulturkreis schreibt? Ich neige zu der Ansicht, die Nicht-Zugehörigkeit zum entsprechenden Kulturkreis darf kein Denk- bzw. Schreibverbot begründen.