Vielleicht vorab eine Bemerkung: Mir ist durchaus bewußt, daß die Serie "Tangueros zum Abgewöhnen" eine freche Pöbelei ist. Im echten Leben käme das (zumindest bei mir) nicht vor. Hier in der Anonymität des Netzes erlaube ich mir, ein paar Gedanken zu veröffentlichen, das tut den Vorlagen für meine Charakterstudien nicht weh. Sie wissen ja nicht einmal davon.
Letztens wieder einmal... ich tanze friedlich auf einer Milonga und plötzlich passiert es. Ich habe einen Mörder-Stöckel in der Ferse - genau da, wo es richtig weh tut. Aber: Zähne zusammenbeißen und durch. Ein Entschuldigung oder Sorry höre ich auch nicht. Unauffällig drehe ich mich und meine Partnerin und erblicke Grimbald. Dacht' ich's mir doch!
Es ist fast ein wenig gemein, aber wenn Grimbald unterwegs ist, dann versuche ich möglichst viele Quadratmeter zwischen ihn und mich zu bringen. Grimbald hat leider eine angeborene Begabung, wortlos seine aktuelle Tanzpartnerin immer wieder in ein anderes Tanzpaar hineinzuschieben. Und Grimbald nimmt seit zwei Jahren Einzelstunden. Das ist wirklich tragisch und da darf man dann auch nicht schimpfen.
Weh tut es trotzdem!
Können wir Grimbald etwas wünschen? Hmmm... Er nimmt ja schon Unterricht. Vermutlich bleibt nur der eine Ausweg: Abstand! Schade! Manchmal beeinträchtigt so ein Tanguero den ungetrübten Tangogenuss schon sehr.
So, nun mache ich eine Pause in der Serie "Tangueros zum Abgewöhnen". Ich mußte es mir einmal von der Seele schreiben. Jetzt reicht es wieder für einige Zeit.
Cassiels vollkommen überflüssiges deutschsprachiges Tango-Blog
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Freitag, 6. März 2009
Freitag, 13. November 2009
Tangueros zum Abgewöhnen IV: Timo, der Tai-Chi Tänzer
Er gehört zweifelsohne einer sehr kleinen Spezies an und die Eingruppierung dieser Gattung gestaltet sich äußerst schwierig. Manchmal tarnt sich Timo auch als Zacharias, der Zen Tänzer oder er tritt als Charlie, der Qi-Gong Tänzer auf. Letztlich erkennt man ihn aber immer.
Timo hat etwas mönchisch Strenges. Seine Bewegungen sind äußerst akkurat; es wirkt oft so, als würde er tagelang vor dem Spiegel nur den perfekten Bewegungsablauf einstudieren. Dieser asketisch durchtrainierte Bewegungsablauf wird vollkommen unaffällig durch die Wahl der adäquaten Bekleidung wirksam in Szene gesetzt. Timo kommt zur Milonga wie zum Kung-Fu Training. Eine fast gerade geschnittene Hose (vorzugsweise aus einer leicht glänzenden Kunstfaser... ähem... Entschuldigung: Eine Funktionstextilie natürlich), die unten dann doch etwas weiter wird - gerne geschmückt von martialisch wirkenden asiatischen Stickereien (hoch im Kurs sind Drachen in allen Variationen).
Der gestählte Oberkörper wird von einem maßgeschneiderten T-Shirt umhüllt. Hmmm... das Wort "umhüllt" ist irreführend, das T-Shirt zeigt mehr, als daß es etwas verhüllen würde. Die muskuläre Brust ist deutlich wahrnehmbar - kein Gramm Fett. Praktischerweise wird auch seine wichtigste erogene Zone, die männliche Brustwarze perfekt inszeniert.
Timo hat immer einen super-korrekten Haarschnitt (wahrscheinlich geht er jeden zweiten Tag beim Friseur vorbei) und er ist äußerst diszipliniert.
Das alles würde sich ja noch innerhalb der breit gesteckten Toleranzen einer Milonga bewegen, wenn er nicht jede Tanguera auf artistische Distanz halten würde. Als Beobachter fragt man sich, welche Frau müsste vorbeikommen, damit er seine strenge äußere Haltung einmal vergisst und einfach nur den Augenblick genießt. Gelegentlich schaut Timo auch seine aktuelle Tanguera einfach nur mißbilligend an; sie bewegt sich nicht exakt genug. Da wird es dann für mich als Außenstehenden sehr eng.
Aber bei Timo ist Heilung möglich. Er kann ohne größeren Aufwand das Etikett "Tanguero zum Abgewöhnen" ablegen. Er muß sich nur etwas entspannen und auf die liebevolle Toleranz großartiger Tangueras vertrauen. Sie nehmen ihn, wie alle übrigen Tangueros mit all ihren Macken an. Die Großmutter einer Bekannten sagte immer: "Der Herrgott hat einen großen Zoo". Und im Sinne dieses gelassen weisen Spruchs wird auch Timo eines Tages angenommen und befreit werden.
Ich möchte diesen Beitrag mit einem Augenzwinkern verstanden wissen. Ja, es ist eine Glosse. Sie soll aber keinesfalls verachtend oder vernichtend gemeint sein. So, diesen Beitrag habe ich auf Anregung von dem treuen Kommentator Austin verfasst; schließlich ist man ja sein Lesern etwas schuldig. ;-)
Nun aber ab nach Hause, Raubtier füttern, kochen, essen, duschen und dann zur Milonga. Schönes Wochenende!
Timo hat etwas mönchisch Strenges. Seine Bewegungen sind äußerst akkurat; es wirkt oft so, als würde er tagelang vor dem Spiegel nur den perfekten Bewegungsablauf einstudieren. Dieser asketisch durchtrainierte Bewegungsablauf wird vollkommen unaffällig durch die Wahl der adäquaten Bekleidung wirksam in Szene gesetzt. Timo kommt zur Milonga wie zum Kung-Fu Training. Eine fast gerade geschnittene Hose (vorzugsweise aus einer leicht glänzenden Kunstfaser... ähem... Entschuldigung: Eine Funktionstextilie natürlich), die unten dann doch etwas weiter wird - gerne geschmückt von martialisch wirkenden asiatischen Stickereien (hoch im Kurs sind Drachen in allen Variationen).
Der gestählte Oberkörper wird von einem maßgeschneiderten T-Shirt umhüllt. Hmmm... das Wort "umhüllt" ist irreführend, das T-Shirt zeigt mehr, als daß es etwas verhüllen würde. Die muskuläre Brust ist deutlich wahrnehmbar - kein Gramm Fett. Praktischerweise wird auch seine wichtigste erogene Zone, die männliche Brustwarze perfekt inszeniert.
Timo hat immer einen super-korrekten Haarschnitt (wahrscheinlich geht er jeden zweiten Tag beim Friseur vorbei) und er ist äußerst diszipliniert.
Das alles würde sich ja noch innerhalb der breit gesteckten Toleranzen einer Milonga bewegen, wenn er nicht jede Tanguera auf artistische Distanz halten würde. Als Beobachter fragt man sich, welche Frau müsste vorbeikommen, damit er seine strenge äußere Haltung einmal vergisst und einfach nur den Augenblick genießt. Gelegentlich schaut Timo auch seine aktuelle Tanguera einfach nur mißbilligend an; sie bewegt sich nicht exakt genug. Da wird es dann für mich als Außenstehenden sehr eng.
Aber bei Timo ist Heilung möglich. Er kann ohne größeren Aufwand das Etikett "Tanguero zum Abgewöhnen" ablegen. Er muß sich nur etwas entspannen und auf die liebevolle Toleranz großartiger Tangueras vertrauen. Sie nehmen ihn, wie alle übrigen Tangueros mit all ihren Macken an. Die Großmutter einer Bekannten sagte immer: "Der Herrgott hat einen großen Zoo". Und im Sinne dieses gelassen weisen Spruchs wird auch Timo eines Tages angenommen und befreit werden.
Ich möchte diesen Beitrag mit einem Augenzwinkern verstanden wissen. Ja, es ist eine Glosse. Sie soll aber keinesfalls verachtend oder vernichtend gemeint sein. So, diesen Beitrag habe ich auf Anregung von dem treuen Kommentator Austin verfasst; schließlich ist man ja sein Lesern etwas schuldig. ;-)
Nun aber ab nach Hause, Raubtier füttern, kochen, essen, duschen und dann zur Milonga. Schönes Wochenende!
Donnerstag, 13. Mai 2010
Tangueros zum Abgewöhnen V: Kasimir, der Casanova
Neulich am Rande der Tanzfläche: Eine Tanguera (nennen wir sie einfach Eleonore) saß tapfer kerzengerade auf ihrem Stuhl und schaute einfach durch die tanzenden Paare durch. Es schien so, als wäre sie nicht wirklich anwesend. Ihr Gesicht verriet keinerlei emotionale Regung und der aufmerksame Beobachter konnte nur erahnen, was in ihr vorging... und dies auch nur, wenn er die Vorgeschichte mitbekommen hatte.
Ein paar Wochen zuvor war Eleonore noch die Favoritin von Kasimir und er tanzte fast ausschließlich mit ihr. Dann kam die nächste Tanguera und Eleonore musste zusehen, wie ihr die Gunst des Maestros kalt entzogen wurde. Aktuell steht... nennen wir sie... Kunigunde in der Gunst des Meisters.
Keine Frage, Kasimir ist ein guter Tangotänzer und das weiß er auch. Er hatte genügend Zeit und Gelegenheit seine Fertigkeiten zu perfektionieren. Kasimir ist offen, locker und meistens ein wenig zu laut. Er ist der Schwarm vieler Frauen. Wenn er in seinem sorgfältig komponierten Äußeren eine Milonga betritt, dann hat sein Erscheinen etwas Messianisches. Kasimir tritt in verschiedenen Outfits auf. Manchmal erscheint er im hellen Anzug, die Sonnenbrille im Haar; manchmal kommt er in extrem lässigen Sportklamotten und manchmal ist er fast unauffällig mit Jeans und T-Shirt. Viele Damen beobachten ihn mit sehnsuchtsvollen Blicken. Und Kasimir hat lange trainiert, das scheinbar gelassen zu ignorieren. Beobachtet man ihn allerdings länger, dann fällt diese Rastlosigkeit auf. Permanent scannt er seine Umgebung und kontrolliert die Wahrnehmung seiner Person; das muss anstrengend sein. Aber er ist sich seiner Wirkung durchaus bewußt. Dementsprechend bewegt er sich auf der Tanzfläche: Seine Führung ist raumgreifend, effektvoll und kontrolliert. Ob sie nun immer genau zur Musik passt? Das ist kaum auszumachen. In ganz wenigen Augenblicken sieht man Kasimir ratlos während eines Tanzes. Es sind die Momente, in denen die Musik ein bewegungsloses Warten anbietet. Die bereits erwähnte Rastlosikeit führt dazu, daß Kasimir diese Pausen nicht aushalten kann.
Aber kommen wir noch einmal zu Kunigunde zurück. Kunigunde sitzt und hofft, seit Kasimir erschienen ist. Nachdem er seine joviale, professionell freundliche Begrüßungsrunde absoviert hat geht schließlich er mit ausgestreckter Hand auf sie zu und bitte zum Tanz. Er tanzt lange mit ihr. Und sie versinkt im Glück des Augenblicks; nicht wissend, daß dieses Glück mit einiger Wahrscheinlichkeit bald ein jähes Ende finden wird.
Vielleicht fragt sich nun mancher Tanguero, wie Kasimir es schafft, scheinbar mühelos die Gunst der Damen zu erobern. Ist es verbal oder sogar physisch gekonnt übergriffig? Aber das bleibt Kasimirs Geheimnis.
Eine etwas unangenehme Eigenschaft ist erwähnenswert: "Das Revierpinkeln". Wie ein Leitwolf beansprucht er die Alpha-Position in einer Gruppe. Tanzt ein Tanguero zu lange und zu innig mit einer Tanguera, so muß er diese unmittelbar anschließend auffordern und seine Rolle als Leitwolf verteidigen. So gesehen ist eine Milonga eben auch nur ein Zoo. Sein Umgang mit anderen Tangueros ist eher schwierig. Irgendwie vermittelt er sehr häufig den Eindruck, daß es ihm um einen wie auch immer gearteten abstrusen "Längenvergleich" geht. Das ist etwas mühsam.
Vielleicht müssen wir auch ein paar Archetypen von hoffenden und schließlich enttäuschten Tangueras aus seiner Vergangenheit beschreiben damit das Phänomen Kasimir greifbarer wird. Da wäre zunächst Frida, die Frustrierte: Sie hat nach ihrer Enttäuschung mit Kasimir dem Tango komplett und endgültig abgeschworen. Dann gibt es noch Wilma, die Wütende: In ihrer Denkwelt gibt es nichts mehr, was positiv an Kasimir wäre. Ihr Tango ist phasenweise etwas ehrgeiziger und hektischer geworden. Und schließlich blieb einzig Ina, die Indolente; seit Ewigkeiten ist sie, scheinbar vollkommen schmerzfrei, solidarisch mit Kasimir und hält zu ihm - hoffend, daß er eines Tages erkennt, sie ist die einzig wahre Freundin.
Gibt es Hoffnung für Kasimir? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Sicherlich hinterlässt die Jagd nach einem immer neuen Kick auch Spuren in der Seele. Gerade aus diesem Grunde wird das Agieren auch immer hektischer. Aber nun ist ein Tango-Soziotop kein schier unendlicher Ozean und irgendwann gibt es eine natürliche Grenze. Dann wird Kasimir hoffentlich den anderen, den stillen Tango kennenlernen. Vielleicht kann er einen Zugang finden.
Ein paar Wochen zuvor war Eleonore noch die Favoritin von Kasimir und er tanzte fast ausschließlich mit ihr. Dann kam die nächste Tanguera und Eleonore musste zusehen, wie ihr die Gunst des Maestros kalt entzogen wurde. Aktuell steht... nennen wir sie... Kunigunde in der Gunst des Meisters.
Keine Frage, Kasimir ist ein guter Tangotänzer und das weiß er auch. Er hatte genügend Zeit und Gelegenheit seine Fertigkeiten zu perfektionieren. Kasimir ist offen, locker und meistens ein wenig zu laut. Er ist der Schwarm vieler Frauen. Wenn er in seinem sorgfältig komponierten Äußeren eine Milonga betritt, dann hat sein Erscheinen etwas Messianisches. Kasimir tritt in verschiedenen Outfits auf. Manchmal erscheint er im hellen Anzug, die Sonnenbrille im Haar; manchmal kommt er in extrem lässigen Sportklamotten und manchmal ist er fast unauffällig mit Jeans und T-Shirt. Viele Damen beobachten ihn mit sehnsuchtsvollen Blicken. Und Kasimir hat lange trainiert, das scheinbar gelassen zu ignorieren. Beobachtet man ihn allerdings länger, dann fällt diese Rastlosigkeit auf. Permanent scannt er seine Umgebung und kontrolliert die Wahrnehmung seiner Person; das muss anstrengend sein. Aber er ist sich seiner Wirkung durchaus bewußt. Dementsprechend bewegt er sich auf der Tanzfläche: Seine Führung ist raumgreifend, effektvoll und kontrolliert. Ob sie nun immer genau zur Musik passt? Das ist kaum auszumachen. In ganz wenigen Augenblicken sieht man Kasimir ratlos während eines Tanzes. Es sind die Momente, in denen die Musik ein bewegungsloses Warten anbietet. Die bereits erwähnte Rastlosikeit führt dazu, daß Kasimir diese Pausen nicht aushalten kann.
Aber kommen wir noch einmal zu Kunigunde zurück. Kunigunde sitzt und hofft, seit Kasimir erschienen ist. Nachdem er seine joviale, professionell freundliche Begrüßungsrunde absoviert hat geht schließlich er mit ausgestreckter Hand auf sie zu und bitte zum Tanz. Er tanzt lange mit ihr. Und sie versinkt im Glück des Augenblicks; nicht wissend, daß dieses Glück mit einiger Wahrscheinlichkeit bald ein jähes Ende finden wird.
Vielleicht fragt sich nun mancher Tanguero, wie Kasimir es schafft, scheinbar mühelos die Gunst der Damen zu erobern. Ist es verbal oder sogar physisch gekonnt übergriffig? Aber das bleibt Kasimirs Geheimnis.
Eine etwas unangenehme Eigenschaft ist erwähnenswert: "Das Revierpinkeln". Wie ein Leitwolf beansprucht er die Alpha-Position in einer Gruppe. Tanzt ein Tanguero zu lange und zu innig mit einer Tanguera, so muß er diese unmittelbar anschließend auffordern und seine Rolle als Leitwolf verteidigen. So gesehen ist eine Milonga eben auch nur ein Zoo. Sein Umgang mit anderen Tangueros ist eher schwierig. Irgendwie vermittelt er sehr häufig den Eindruck, daß es ihm um einen wie auch immer gearteten abstrusen "Längenvergleich" geht. Das ist etwas mühsam.
Vielleicht müssen wir auch ein paar Archetypen von hoffenden und schließlich enttäuschten Tangueras aus seiner Vergangenheit beschreiben damit das Phänomen Kasimir greifbarer wird. Da wäre zunächst Frida, die Frustrierte: Sie hat nach ihrer Enttäuschung mit Kasimir dem Tango komplett und endgültig abgeschworen. Dann gibt es noch Wilma, die Wütende: In ihrer Denkwelt gibt es nichts mehr, was positiv an Kasimir wäre. Ihr Tango ist phasenweise etwas ehrgeiziger und hektischer geworden. Und schließlich blieb einzig Ina, die Indolente; seit Ewigkeiten ist sie, scheinbar vollkommen schmerzfrei, solidarisch mit Kasimir und hält zu ihm - hoffend, daß er eines Tages erkennt, sie ist die einzig wahre Freundin.
Gibt es Hoffnung für Kasimir? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Sicherlich hinterlässt die Jagd nach einem immer neuen Kick auch Spuren in der Seele. Gerade aus diesem Grunde wird das Agieren auch immer hektischer. Aber nun ist ein Tango-Soziotop kein schier unendlicher Ozean und irgendwann gibt es eine natürliche Grenze. Dann wird Kasimir hoffentlich den anderen, den stillen Tango kennenlernen. Vielleicht kann er einen Zugang finden.
Samstag, 27. März 2010
[Der Beitrag ohne Überschrift]
Ich will das hier nicht ewig weit ausbreiten, aber meine Sprachlosigkeit nervt mich gerade gewaltig. Mein Leben ist momentan einfach zu voll. Ich arbeite sehr viel (und möglicherweise noch zu ineffektiv), ich denke sehr viel nach (auch darin bin ich langsam) und das sind wahrscheinlich die wesentlichen Ursachen meiner Stille hier. Auch in anderen Gebieten verläuft mein Leben gerade zu ereignisreich. Und so müssen meine Leserinnen und Leser manchmal einfach warten. Ich hatte hier ja schon einen Beitrag aus der Serie "Tangueros zum Abgewöhnen" angekündigt. "Kasimir, der Casanova" ist aber noch nicht fertig. Dann kam mir neulich ein Gedanke, den ich auch noch nicht präzise fassen kann. Ich hatte todotango zitiert, Osmar Maderna sei der Chopin des Tangos. In meinen Gedanken reift ein Artikel, Osvaldo Pugliese muß dann wohl der Beethoven des Tangos sein. Ich kann diesen Gedanken (oder ist es nur ein Gefühl?) nicht final in Worte fassen. Dann schwirren einige diffuse Assoziationen zu den Begriffen "Weiblichkeit" bzw. "Männlichkeit" im Tango in meinem Kopf herum. Auch diese kann ich (noch) nicht exakt formulieren.
Was gibt es noch zu berichten? Gestern habe ich zum ersten Mal "aus der Situation heraus" aufgelegt. Sicherlich hatte ich mich vorher gründlich vorbereitet, aber ich bin nicht mit einer fertigen Playlist angetreten. Eine seltsame Stimmung war auf der Milonga. Männerüberschuß! Das ist mir auch schon lange nicht mehr passiert. Mit einer vorbereiteten Playlist wäre ich gestern wortlos untergegangen, also habe ich aus der Situation heraus aufgelegt und es hat dann doch 2,5 Stunden gedauert, bis ich alle Anwesenden in die Milonga geholt hatte. Es wurde schließlich noch akzeptabel schön.
Jetzt ist Samstagabend und es ist der erste Abend in dieser Woche, den ich auf meinem Sofa (mit einer therapeutischen meditierenden Betrachtung der weißen Wand) verbringe. Vorhin las bei den Kollegen Alex-Tango.Fuego und Tangosohle: Am letzten Mittwoch vor 34 Jahren, am 24. März 1976 putschte das Militär in Argentinien und etablierte für sieben Jahre eine Schreckensherrschaft, die von einem fanatischen Antikommunismus angetrieben, von US-amerikanischen Geheimdienstkreisen unterstützt und von einer Menschenverachtung geprägt war, die fast beispiellos für das späte 20. Jahrhundert erscheint.
Was gibt es noch zu berichten? Gestern habe ich zum ersten Mal "aus der Situation heraus" aufgelegt. Sicherlich hatte ich mich vorher gründlich vorbereitet, aber ich bin nicht mit einer fertigen Playlist angetreten. Eine seltsame Stimmung war auf der Milonga. Männerüberschuß! Das ist mir auch schon lange nicht mehr passiert. Mit einer vorbereiteten Playlist wäre ich gestern wortlos untergegangen, also habe ich aus der Situation heraus aufgelegt und es hat dann doch 2,5 Stunden gedauert, bis ich alle Anwesenden in die Milonga geholt hatte. Es wurde schließlich noch akzeptabel schön.
Jetzt ist Samstagabend und es ist der erste Abend in dieser Woche, den ich auf meinem Sofa (mit einer therapeutischen meditierenden Betrachtung der weißen Wand) verbringe. Vorhin las bei den Kollegen Alex-Tango.Fuego und Tangosohle: Am letzten Mittwoch vor 34 Jahren, am 24. März 1976 putschte das Militär in Argentinien und etablierte für sieben Jahre eine Schreckensherrschaft, die von einem fanatischen Antikommunismus angetrieben, von US-amerikanischen Geheimdienstkreisen unterstützt und von einer Menschenverachtung geprägt war, die fast beispiellos für das späte 20. Jahrhundert erscheint.
Donnerstag, 26. Februar 2009
Tangueros zum Abgewöhnen II: Dieter, der Distanzlose
Neulich bei der Milonga: Ich betrete den Saal, entrichte meinen Eintritt (den man wohl als Beitrag zur Miete des Raumes betrachten muß) und bestelle mir gleich anschließend ein großes Mineralwasser. Schon habe ich eine Faust im Bauch (nicht wirklich heftig, aber doch eben auch nicht das, was man eine herzliche Begrüßung nennt). Erschrocken drehe ich mich um etwa 90 Grad im Uhrzeigersinn und schaue direkt in das Gesicht von Dieter. Der Schmollmund und der Dackelblick. Na Mahlzeit! Das kann ja heiter werden! Durch mein Gehirn wandern flink die verschiedenen Handlungsoptionen. Zurückboxen? Nein, ich schlage keine Tiere. Anschreien? Nö, das kann es nun auch nicht sein. Sachlich erklären, daß er doch bitte etwas mehr Abstand halten soll? Die Worte wären vergebens. Ich entscheide mich für einen Satz, der so ähnlich klingt wie: "Auch ich grüße Dich". Doch bevor ich ihn aussprechen kann ist Dieter schon weiter und begrüßt eine Tanguera. Ob Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit... die "Küsschen links - Küsschen rechts" Nummer läuft so ab, daß die Dame einige widernatürliche Verrenkungen vollführen muß, um nicht einen Kuss direkt auf die Lippen zu bekommen. Jetzt wird es langsam ärgerlich! Ich überlege mir, ob ich Dieter mal diskret zur Seite nehme und ihm ein paar Takte sage. Das würde allerdings deutlich gegen das Höflichkeitsgebot beim Tango verstoßen. Also gibt es hier nun einen offenen Brief.
Natürlich heißt Dieter im echten Leben nicht Dieter. Der Name wurde hier frei erfunden.
Mensch Dieter,Nachtrag: Dieter hat es dann doch nicht verstanden. Gestern mußte ich etwas sagen und eigentlich ist das schade. Er hat mich gezwungen, gegen mein selbstauferlegtes Höflichkeitsgebot beim Tango zu verstoßen. Das nehme ich ihm schon ein wenig übel.
mach' Dich doch bitte nicht zum Affen. Es schmerzt wirklich, Dich anzusehen. Dein kugelrundes Bäuchlein (ist ja nicht wirklich schlimm, aber ein paar Weißbier weniger und alles wäre gut), Dein Jack-Wolfskin Fleecepullover, Dein Gehampel und Deine Distanzlosigkeit fallen auf. Hast Du schon einmal den Satz gehört: "Weniger ist mehr"? Nein? Das merkt man. Nur weil wir die gleiche Leidenschaft (i.e. Tango) teilen, heißt das noch lange nicht, daß ich unbedingt Dein Freund sein will. Ich kann sehr gut entspannen, wenn Du ebenfalls beim Tango bist. Aber komm' mir doch bitte nicht zu nahe.
Und... Ja, es stimmt, der Mann führt beim Tango. Aber die Frau bestimmt in der Frage von "Distanz und Nähe". Was das heißt? Nun, nicht jede Frau möchte in Deiner Umarmung wie in einem Schraubstock gefangen sein. Und nicht jede Frau sehnt sich danach, von Dir zur Begrüßung feucht abgeschlabbert zu werden. So einfach ist das! Schau' Dich doch bitte einmal ein wenig im Internet um. Da gibt es kilobyteweise Beiträge über die besondere emotionale Situation der Milonga. Die Nerven liegen etwas schutzloser da als im restlichen Leben. Wehmut und Erinnerungen kommen unwillkürlich hoch.
Wenn dann ein Tanguero wie ein Panzerkreuzer daher kommt, dann stört das ungemein. Vielleicht trainierst Du mal, etwas sensibler und leiser zu werden. Das ist gar nicht so schwer. Du wirst ganz schnell merken, daß ein solches Verhalten von den Damen sehr geschätzt wird. Und dann... irgendwann... kommen sie freiwillig in Deine Umarmung.
So einfach ist das!
Natürlich heißt Dieter im echten Leben nicht Dieter. Der Name wurde hier frei erfunden.
Montag, 9. April 2012
Bericht zur Lage des Blog(ger)s
Ostermontag nachmittags, der Rinderbraten ist im Ofen (eher spießig: mit Gemüse und in einer Senfkruste im Niedertemperaturverfahren), der Spargel ist geschält und wartet darauf, daß er später gekocht wird, Kartoffeln, ebenfalls geschält stehen im Wasserbad bereit).
In der letzten Zeit bin ich sehr ruhig geworden. Erstaunlicherweise hat das meine Zugriffszahlen aber kaum beeinträchtigt. Nachdem sich mittlerweile die besorgten Anfragen gehäuft haben, möchte ich heute kurz zur äußerst hartnäckigen Schreibblockade schreiben. Es ist nicht so, daß mir die Themen ausgegangen wären (ich bedanke mich in diesem Zusammenhang natürlich für die zahlreichen Themenvorschläge, die von besorgten Leserinnen und Lesen eingereicht wurden), vielmehr erscheint mir momentan jeder Text, den ich verfasse banal. Andererseits stolpere ich bei meinen Streifzügen durchs Netz immer wieder über tango-verwandte Beiträge, die mit Inbrunst Banalitäten verbreiten, so daß ich mir denke, ich muss nun nicht unbedingt meine eher altmodischen Weisheiten auch noch einer größeren Öffentlichkeit präsentieren.
Vom Eise befreyt sind Strom und Bäche,
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Thale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Ueberall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
[...]
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s seyn.
[Osterspaziergang aus: Faust I - Johann Wolfgang von Goethe]
In der letzten Zeit bin ich sehr ruhig geworden. Erstaunlicherweise hat das meine Zugriffszahlen aber kaum beeinträchtigt. Nachdem sich mittlerweile die besorgten Anfragen gehäuft haben, möchte ich heute kurz zur äußerst hartnäckigen Schreibblockade schreiben. Es ist nicht so, daß mir die Themen ausgegangen wären (ich bedanke mich in diesem Zusammenhang natürlich für die zahlreichen Themenvorschläge, die von besorgten Leserinnen und Lesen eingereicht wurden), vielmehr erscheint mir momentan jeder Text, den ich verfasse banal. Andererseits stolpere ich bei meinen Streifzügen durchs Netz immer wieder über tango-verwandte Beiträge, die mit Inbrunst Banalitäten verbreiten, so daß ich mir denke, ich muss nun nicht unbedingt meine eher altmodischen Weisheiten auch noch einer größeren Öffentlichkeit präsentieren.
Samstag, 14. Februar 2009
Tangueros zum Abgewöhnen I: Edgar, der Ehrgeizige
Fast jede Tangoszene hat ihren Edgar(*) und er ist äußerst lästig. Edgar tanzt seit so einem Jahr Tango und verbringt sehr viel Zeit damit, den Tango zu lernen und das nur mit seinem Verstand. Edgar ist Single - frisch verlassen von seiner letzten Freundin, hat er nun den Tango entdeckt und das gründlich. Es ist nicht bekannt, ob Edgar den Tango deshalb so fanatisch zu lernen versucht, um möglichst schnell wieder eine Freundin zu bekommen oder ob es einen anderen Grund gibt. Jedenfalls nervt er.
Wenn in einer Practica eine Schrittfolge vorgeführt wird, steht Edgar schon am Rande der Tanzfläche und übt die Schritte damit er den Damen nachher zeigen kann, wie es richtig getanzt wird. Selbstverständlich lehnt Edgar die alten knisternden Tangoaufnahmen ab: "Die sind qualitativ so schlecht, daß es in den Ohren wehtut". Edgar hat kaum ein Gespür für die Musik. Seine Fortschritte beim Erlernen neuer Figuren sind allerdings beeindruckend. Er hat viel Zeit und die verbringt er gerne damit, bei YouTube didaktische Kurzvideos anzuschauen (solchen Leuten sollte ein offizielles DSL-Verbot erteilt werden). Das gelernte setzt er dann auf der nächsten Milonga mit einer Frau um. Am Rande der Tanzfläche erklärt er wortreich und lautstark, wie der "getoastet Boleo mit Zick-Zack Gancho" richtig getanzt wird. Betrachtet man Edgar beim Tanzen, dann erinnert man sich unwillkürlich an das olympische Motto: "Schneller, höher, weiter". In einen rasanten Tempo jagt er in Riesenschritten über die Tanzfläche und das unabhängig von der Musik und den Fähigkeiten seiner aktuellen Tanzpartnerin.
Das alles wäre ja noch erträglich. Richtig unangenehm wird es dann, wenn eine Frau seine Erklärungen nicht versteht oder aber seiner Führung nicht sofort folgen kann. Dann wird es unappetitlich. Edgar verliert die Nerven und das gerne auch geräuschvoll. Er schimpft, ist unzufrieden und glaubt fest daran, wenn er den Druck auf die Dame nur hoch genug schraubt, wird sie schon reagieren. Auf die Idee, daß es an ihm liegen könnte, kommt er überhaupt nicht.
Selbstverständlich hat Edgar ein Tangozimmer in seiner Wohnung. Väterlich lädt er (vor allem) die hübschen und jungen Anfängerinnen zu sich ein und lässt sie an seinem Tangowissen antizipieren. Angesprochen auf dieses Tangozimmer erklärt er lächelnd: "Dann muß ich nicht immer alles auf den Milongas erklären... ".
Und Edgar vergleicht sich gerne mit anderen Tangotänzern. Er kommentiert jeden Tangotänzer der Szene mit akribischen Sprüchen. Und keiner kann es gut genug.
Wir alle wünschen Edgar natürlich nur das Beste und ein wenig mehr entspannte Gelassenheit. Aber ab und an dürfen auch wir einmal sagen: "Edgar, Du nervst ungemein!"
(*) Natürlich tritt Edgar auch unter anderem Namen auf. Erkennbar ist er allerdings sofort.
Wenn in einer Practica eine Schrittfolge vorgeführt wird, steht Edgar schon am Rande der Tanzfläche und übt die Schritte damit er den Damen nachher zeigen kann, wie es richtig getanzt wird. Selbstverständlich lehnt Edgar die alten knisternden Tangoaufnahmen ab: "Die sind qualitativ so schlecht, daß es in den Ohren wehtut". Edgar hat kaum ein Gespür für die Musik. Seine Fortschritte beim Erlernen neuer Figuren sind allerdings beeindruckend. Er hat viel Zeit und die verbringt er gerne damit, bei YouTube didaktische Kurzvideos anzuschauen (solchen Leuten sollte ein offizielles DSL-Verbot erteilt werden). Das gelernte setzt er dann auf der nächsten Milonga mit einer Frau um. Am Rande der Tanzfläche erklärt er wortreich und lautstark, wie der "getoastet Boleo mit Zick-Zack Gancho" richtig getanzt wird. Betrachtet man Edgar beim Tanzen, dann erinnert man sich unwillkürlich an das olympische Motto: "Schneller, höher, weiter". In einen rasanten Tempo jagt er in Riesenschritten über die Tanzfläche und das unabhängig von der Musik und den Fähigkeiten seiner aktuellen Tanzpartnerin.
Das alles wäre ja noch erträglich. Richtig unangenehm wird es dann, wenn eine Frau seine Erklärungen nicht versteht oder aber seiner Führung nicht sofort folgen kann. Dann wird es unappetitlich. Edgar verliert die Nerven und das gerne auch geräuschvoll. Er schimpft, ist unzufrieden und glaubt fest daran, wenn er den Druck auf die Dame nur hoch genug schraubt, wird sie schon reagieren. Auf die Idee, daß es an ihm liegen könnte, kommt er überhaupt nicht.
Selbstverständlich hat Edgar ein Tangozimmer in seiner Wohnung. Väterlich lädt er (vor allem) die hübschen und jungen Anfängerinnen zu sich ein und lässt sie an seinem Tangowissen antizipieren. Angesprochen auf dieses Tangozimmer erklärt er lächelnd: "Dann muß ich nicht immer alles auf den Milongas erklären... ".
Und Edgar vergleicht sich gerne mit anderen Tangotänzern. Er kommentiert jeden Tangotänzer der Szene mit akribischen Sprüchen. Und keiner kann es gut genug.
Wir alle wünschen Edgar natürlich nur das Beste und ein wenig mehr entspannte Gelassenheit. Aber ab und an dürfen auch wir einmal sagen: "Edgar, Du nervst ungemein!"
(*) Natürlich tritt Edgar auch unter anderem Namen auf. Erkennbar ist er allerdings sofort.
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